042 Neurologie //
Neurologische (Früh)- Rehabilitation
0421 Frührehabilitation Allgemein
TAB 2 > Der Therapiefortschritt wird mit dem Barthel- Index gemessen. Die Erhebungen zur Erstellung des Barthel-Indexes fi nden wöchentlich statt, um Verbesserungen des Zustands zu erfassen und die weitere Therapie anzupassen.
TAB 1 > Zurück in ein normales Leben: die Phasen der Rehabilitation Auf dem Weg zurück in die Normalität durchschreitet der Patient verschiedene Rehabilitationsphasen. In diesen Phasen erlangt er wichtige Fähigkeiten zurück, die für ein selbstständiges Leben unerlässlich sind. Aus einem vielfältigen, spezialisierten Therapieangebot wird eine auf den Patienten zugeschnittene Kombination zusammengestellt. Darunter, neben Sprach- und Schlucktherapie, Physio- und Ergotherapie, auch unkonventionelle, aber Erfolg versprechende Ansätze: zum Beispiel Musiktherapie, Kunsttherapie oder der Einsatz von Therapiehunden bei Menschen im Wachkoma. Je nach individueller Störung der Körperfunktionen kann der Patient einzelne Rehabilitationsphasen abkürzen oder gar überspringen.
> TAB 3 // TAB 4 Schluckfunktion als lebensnotwendige Grundlage In der neurologischen Frührehabilitation ist die Wiederherstellung der körperlichen Funktionen, wie z.B. Atmen, ein zentrales Ziel. Die Entfernung der Trachealkanüle in der Phase B ist daher ein wichtiger Messwert für den Behandlungserfolg. Bei der Trachealkanüle handelt es sich um einen Schlauch zur künstlichen Beatmung, der durch einen Kehlkopfschnitt in die Luftröhre eingebracht wird. Durch diese Kanüle wird der Patient am Schlucken gehindert. Nach Entfernung der Trachealkanüle muss das Schlucken als Grundlage für eine selbstständige Ernährung neu erlernt werden. Erst wenn die Schluckfähigkeit wieder vorhanden ist, ist eine Nahrungsaufnahme über den Mund möglich. Eine Fähigkeit, die einen großen Schritt in ein normales Leben bedeutet. Die beiden Tabellen zeigen den Anteil der Patienten, bei denen die Trachealkanüle in der Phase der Frührehabilitation entfernt und wieder mit der Umstellung auf normale Ernährung begonnen werden konnte.
In der Frührehabilitation werden Basisfähigkeiten neu erlernt Eine entscheidende Phase für Patienten mit Schädel-Hirn-Verletzungen, Schlaganfällen (Hirninfarkt, Hirnblutung) oder anderen akuten neurologischen Erkrankungen stellt die Frührehabilitation (Phase B) dar, die direkt an die Notfall- und Akutbehandlung anschließt. Gerade Schlaganfallpatienten zeigen in dieser Phase schwere Bewusstseinstrübungen, Lähmungen, Schluck-, Sprach- und Feinmotorikstörungen. Für die erfolgreiche Frührehabilitation muss der Patient allerdings bereits die Intensivstation verlassen können und sollte keine zusätzlich einschränkenden Begleiterkrankungen haben.
Der Barthel-Index ist ein etabliertes Verfahren zur systematischen Erfassung von Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) von Patienten in der neurologischen Rehabilitation. Dabei werden zehn unterschiedliche Alltagstätigkeiten, wie z.B. Mobilität, Nahrungsaufnahme, Körperpflege, mit Punkten bewertet (max. 100 Punkte). Wenn sich z.B. die Einstufung eines Patienten nach dem Barthel-Index im Rahmen eines Klinikaufenthaltes um 80 Punkte verbessert, war ein Patient bei der Aufnahme schwer pflegebedürftig und verlässt die Klinik mit keinem oder nur noch sehr geringem Pflegebedarf.
0422 Rehabilitation // Hirninfarkt
Blutgerinnsel mit schwerwiegenden Folgen Ein Hirninfarkt entsteht durch einen Arterienverschluss, der den Blutstrom ins Gehirn verhindert. Die Folgen: Die Nervenzellen sterben aufgrund des Sauerstoffmangels ab, das Gehirn schwillt an. Durch den entstehenden Druck wird benachbartes Gewebe in seiner Funktion geschädigt und damit die Regenerationsbzw. Reorganisationsfähigkeit des Gehirns erheblich beeinträchtigt. Ein Hirninfarkt äußert sich meist schlagartig („Schlaganfall“), je nach Stärke und betroffenem Bereich im Gehirn unterschiedlich. Es können dabei Symptome wie Sehschwierigkeiten, Bewusstseinstrübung, Lähmungen, Gleichgewichts- und Sprachstörungen bis hin zum schweren Koma auftreten. Wird der Infarkt nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, endet er tödlich.
> TAB 1 Den Alltag neu begreifen lernen
Nach der akuten Versorgung kann die
neurologische Rehabilitation erst nach
etwa vier bis fünf Tagen einsetzen, wenn
die biochemischen Vorgänge im Gehirn
wieder im Gleichgewicht sind. Bei der
Rehabilitation nach Hirninfarkten sollen
Patienten Schritt für Schritt alltägliche
Fähigkeiten und notwendige Körperfunktionen
wieder erlernen.
Mit dem Barthel-Index lässt sich dabei der
Grad der Selbstständigkeit in wichtigen
Bereichen des Lebens messen und damit
der Fortschritt des Patienten dokumentieren,
so z.B. bei Fortbewegung, Essen, Ankleiden,
Waschen, Wasserlassen und Körperpflege. Patienten in der Intensivphase
A sind meist bewusstlos, bettlägerig, vollkommen
pflegebedürftig und haben keine
Kontinenz-Kontrolle. Der Barthel-Index bei
solchen schwerstgeschädigten Personen
beträgt 0 Punkte, da sie in allen ermittelten
Bereichen auf fremde Hilfe angewiesen
sind. Sobald der Patient vegetativ stabil,
d.h. nicht mehr auf die Intensivstation angewiesen
ist, kommt er in die Frührehabilitationsphase
B. Immer noch hochgradig
pflegebedürftig, aber bereits im Rollstuhl
mobil und meist kontinent kommen Patienten
mit über 3o Punkten in die Phase C.
Werden beim Patienten im Rahmen des
Barthel-Indexes Werte über 65 ermittelt,
ist er zwar immer noch erheblich hilfsbedürftig,
kann aber bereits viele Aktivitäten,
wie zum Beispiel das Essen, zumindest
teilweise selbstständig ausführen. Bereits
in dieser Phase, der Phase D, wird der Patient
oft zur Weiterbehandlung in andere
Kliniken, Pflegeheime oder zur Pflege nach
Hause entlassen. Erst wenn der Patient sich
wieder ohne fremde Hilfe fortbewegen
kann, seine Blasenfunktion kontrolliert und
auch sonst im Alltag keiner pflegerischen
Unterstützung bedarf, erreicht er die im
Barthel-Index vorgesehene volle Punktzahl
von 100.
* Legende:
0 = bettlägerig, völlig pflegebedürftig, inkontinent
30 = Rollstuhl, meist teilweise kontinent, noch hochgradig pflegebedürftig, Ende der Phase B
65 = noch erheblich hilfsbedürfig, teilselbstständig in vielen Aktivitäten, Ende der Phase C
100 = mobil, kontinent, keine pflegerische Hilfe nötig
> TAB 2 Um grundlegende Funktionen wieder selbstständig ausführen zu können (Phase B), benötigten Hirninfarktpatienten bis zu 72 Tage. Die vergleichsweise lange Verweildauer im Klinikum Eilbek liegt am extrem schlechten Zustand der Patienten. Dieser äußerte sich auch in einem viel niedrigeren Barthel-Index bei der Aufnahme: Patienten des Klinikums Eilbek mit 1,7 Punkten im Vergleich zu 8,7 Punkten in der Neurologischen Klinik Bad Aibling und 7,4 Punkten im Klinikum Staffelstein.
0423 Rehabilitation // Schädel-Hirn-Trauma
> TAB 2 Der lange Weg nach dem Unfall Die Aufenthaltsdauer in der Rehabilitationsphase B nach einem Schädel-Hirn-Trauma lag in den Schön Kliniken bei über 60 Tagen. Die Dauer kann variieren und lässt sich mit der Schwere des Traumas oder der unterschiedlich hohen Beanspruchung der Patienten durch zusätzliche Verletzungen erklären.
Unfallopfer von jung bis alt Das
Schädel-Hirn-Trauma ist die zweithäufigste
Hauptdiagnose in der neurologischen
Rehabilitation. Oft sind es junge Menschen
zwischen 16 und 30 Jahren, die Opfer von
Verkehrs- oder Sportunfällen wurden. Aber
auch 60- bis 80-Jährige, die nach einem
Sturz ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten,
gehören zu den Patienten. Unfallbedingte
Hirnverletzungen sind in ihrer Art und
Schwere sehr unterschiedlich. So können
beispielsweise Prellungen der Großhirnrinde,
Einblutungen oder Hirninfarkte auftreten.
> TAB 1 Zur Analyse der Fortschritte in der Rehabilitation
wurde ebenfalls der Barthel-
Index bewertet. In der Neurologischen
Klinik Bad Aibling lässt sich die positive
Entwicklung bis zur fast vollständigen
Wiederherstellung aller relevanten Körperfunktionen
wie Atmung, Schlucken, Darmund
Blasenentleerung verfolgen.
Im Klinikum Eilbek kommen die Patienten
nach Phase B zur Weiterbehandlung in
eine andere Klinik, in ein Pflegeheim oder
werden nach Hause entlassen. Aus diesem
Grund liegen hier für Phase C und D keine
Daten vor.
* Legende:
0 = bettlägerig, völlig pflegebedürftig, inkontinent
30 = Rollstuhl, meist teilweise kontinent, noch hochgradig pflegebedürftig, Ende der Phase B
65 = noch erheblich hilfsbedürfig, teilselbstständig in vielen Aktivitäten, Ende der Phase C
100 = mobil, kontinent, keine pflegerische Hilfe nötig
0424 Rehabilitation // Hirnblutung
> TAB 1 Hirnfunktionen unter Druck An dritter Stelle der Schädigungshäufigkeit in der neurologischen Rehabilitation steht die Hirnblutung. Sie entsteht in erster Linie durch Verletzungen des Kopfes, z.B. infolge von Stürzen. Aber auch Bluthochdruck, Gefäßerkrankungen oder -tumore und Gerinnungsstörungen können zu Blutungen im Gehirn führen. Bei sehr großen Blutungen besteht die Gefahr, dass Hirnregionen durch den entstehenden Druck in Mitleidenschaft gezogen werden. Schwere Hirnfunktionsstörungen sind die Folge. Sie äußern sich ähnlich wie beim Hirninfarkt abhängig davon, wo die Blutung entstanden ist. Um in solchen Fällen schwerwiegende oder gar tödliche Folgen zu vermeiden, entlastet man mit neurochirurgischen Eingriffen das Gehirn vom Druck der aufgestauten Blutgefäße. Teilweise muss zur Druckentlastung des Gehirns die Schädeldecke vorübergehend abgenommen werden. Die Tabelle zeigt die Barthel-Werte bei der Aufnahme sowie nach den einzelnen Rehabilitationsphasen.
> TAB 2 Ein kleines Stück Normalität nach 44 Tagen Um den Patienten mit Hirnblutung wenigstens wieder ansprechen, ihn aktiv in die Rehabilitation einbeziehen und ihm einen Teil der Selbstständigkeit zurückgeben zu können, benötigen die Spezialisten der Schön Kliniken zwischen 44 und 57 Tage. Innerhalb dieser Zeitspanne lernen Patienten, die anfangs z.B. künstlich ernährt werden mussten, selbstständig das Essen vom Tisch oder Tablett aufzunehmen.
* Legende:
0 = bettlägerig, völlig pflegebedürftig, inkontinent
30 = Rollstuhl, meist teilweise kontinent, noch hochgradig pflegebedürftig, Ende der Phase B
65 = noch erheblich hilfsbedürfig, teilselbstständig in vielen Aktivitäten, Ende der Phase C
100 = mobil, kontinent, keine pflegerische Hilfe nötig

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