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Patienten > Perspektiven
Was bedeuten Erkrankung und Heilung im Leben der Betroffenen? Wie
gehen die Angehörigen damit um? Was steckt konkret hinter dem so oft
gebrauchten, aber doch abstrakten Begriff „Lebensqualität“? Kurz: Welche
Schicksale stehen hinter den Zahlen und Daten und welche Rolle spielen die
Spezialisten der Schön Kliniken in den Augen der Patienten?
Stellvertretend für die über 60.000 Patienten, die 2006 stationär in den
Schön Kliniken behandelt wurden, haben wir fünf Schicksale ausgewählt,
die diese Fragen individuell beantworten.Es sind ebenso ungeschönte wie
subjektive Berichte, die aber alle eines gemeinsam haben: Sie verdeutlichen
das hohe Engagement und den unbedingten Qualitätsanspruch bei jedem
einzelnen Patienten.
Leistung und Qualität gehören zu den obersten Zielen, die wir uns bei den Schön Kliniken auferlegt haben. Bei allen dafür notwendigen Kennzahlen und Statistiken, die wir auch Ihnen auf den letzten Seiten zugemutet haben, lassen wir dennoch nie den Menschen aus den Augen. Nicht umsonst gehört Einfühlungsvermögen in den Patienten und seine Situation zu den wichtigsten menschlichen Eigenschaften, die ein Arzt oder Therapeut bei den Schön Kliniken erfüllen muss.
PSYCHOSOMATIK
Matthias Kraus (links)
mit seinem Bezugstherapeuten
Chefarzt
Dr. Michael Armbrust
” ERFOLGREICHE BEHANDLUNG EINES PATIENTEN MIT ZWANGS STÖRUNG, PARANOIDER PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNG UND ALKOHOLABHÄNGIGKEIT Das Leben meinte es nicht gut mit Matthias Kraus. Da er sich im Alter von 28 regelmäßig absichtlich erbrach, kam er zu einem ersten Vorgespräch in die Medizinisch-Psychosomatische Klinik Bad Bramstedt. Es zeigte sich, dass der Patient permanent befürchtete, durch öffentlich zugängliche Lebensmittel vergiftet zu werden. Die mit der Angst zusammen auftretende Anspannung konnte er nur durch Erbrechen lösen. Doch wie kam Matthias Kraus zu dieser Störung? “
in denen der Patient lernte, die zum Teil
automatisch ablaufenden Brechhandlungen
wieder selbst zu kontrollieren. Beim
achten und neunten Aufenthalt gelang es
ihm dann, seine Essgewohnheiten so zu normalisieren,
dass er z.B. im Speisesaal oder in
der Cafeteria „offene“ und sogar von anderen
mitgebrachte Speisen konsumieren
konnte, ohne sich zu erbrechen. Höhepunkt
der Übungen war das angstfreie Verzehren
einer Currywurst am Bahnhof, die er vor
der Behandlung ganz sicher als „drogenvergiftet“
eingeschätzt hätte. Die durch
die Zwangsstörung verdeckten Probleme
in der Spannungs- und Gefühlsreaktion
wurden durch spezielle Therapieverfahren
gelöst und durch vielfältige Übungen,
auch im häuslichen Umfeld, unterstützt.
Die Übernahme einer ehrenamtlichen
Tätigkeit in einer Selbsthilfegruppe half
dem Patienten zusätzlich, seiner belastenden
Dauerarbeitslosigkeit zu entfliehen.
„Nach dem zehnten Aufenthalt hat Matthias
Kraus hinsichtlich der Zwangshandlungen,
des Alkoholkonsums, des
zwischenmenschlichen Misstrauens und
anderer Ängste keine Symptome mehr“,
erklärt Chefarzt Dr. Michael Armbrust.
„Und besonders freut mich, dass er schon
seit längerer Zeit nun eine sehr positive,
emotionale Paar beziehung führt.“
Aufgewachsen in einem Heim, wurde
ihm im Alter von 16 Jahren von seinen
Mitbewohnern LSD in das Essen gemischt,
eine starke, Halluzinationen auslösende
Droge. Der Drogenrausch löste bei ihm eine
schwere Psychose aus, die stationär mehrere
Tage in einer Psychiatrie behandelt
werden musste. Ab diesem Zeitpunkt trat
das zwanghafte Brechverhalten auf, und er
entwickelte ein umfassendes Misstrauen
gegenüber allen Mitmenschen, später
selbst bei der eigenen Ehefrau. Die ständig
bestehenden Ängste, das Misstrauen, die
seelische Belastung und seine Brechsucht
führten im Weiteren auch zu einer muskulären
Anspannung, Schlafstörungen und
einer chronischen Magenschleimhautentzündung.
Da Dosenbier ein für ihn
„sicheres“ Nahrungsmittel war, begann
er exzessiv zu trinken, was zu einer
Alkoholabhängigkeit führte.
Aufgrund seiner schweren paranoiden
(misstrauischen) Persönlichkeitsstörung
brach Matthias Kraus die ersten sechs
Aufenthalte in Bad Bramstedt vorzeitig ab.
Erst beim siebten Aufenthalt in der Klinik
gelang es seinem Bezugstherapeuten,
Chefarzt Dr. Michael Armbrust, nach und
nach erstmals eine längere, vorsichtige,
zwischenmenschliche Vertrauensbildung
aufzubauen. Parallel fanden Übungen statt, ->
NEUROLOGIE
Hans-Peter Seyfried konnte fünf Monate nach seinem
schweren Motorradunfall das Gehen mit Hilfe des
Lokomaten trainieren. Der Gangroboter wird in Bad Aibling
seit Mitte 2001 eingesetzt
” AUS DEM KOMA ERWACHT: DAS ZWEITE LEBEN DES HERRN SEYFRIED Wer selbst je Motorrad gefahren ist, kennt das Gefühl, kurz am Gasgriff zu drehen und im Nu an den vorausfahrenden Fahrzeugen vorbeizuflitzen. Nicht anders erging es Hans-Peter Seyfried, als er am 23. September mit seiner schweren Maschine auf der Landstraße zum Überholen ansetzte. Doch etwas Unerwartetes geschah: Ein Traktor in der Fahrzeugkolonne, die der 46-Jährige überholen wollte, bog plötzlich nach links ab. “
einfache Sätze zu sprechen. Bewegungsstörungen
konnten mit Hilfe spezieller
Medikamente reduziert werden. Im März
2006 war es Hans-Peter Seyfried wieder
möglich, sich mit Hilfe von Therapeuten vom
Bett in den Rollstuhl zu setzen und an Therapieeinheiten
teilzunehmen. Im Rahmen
der weiterführenden Reha konnte er im
Mai selbstständig mit dem Rollator auf der
Station gehen, im Juli legte er aus eigener
Kraft 700 Meter in rund 15 Minuten zurück.
„Die Aufmerksamkeit und das Problemlösen
haben sich seither gebessert. Langsam
bildet sich auch die Störung des Gedächtnisses
zurück“, beschreibt Oberarzt
Dr. Jürgen Dressnandt den Gesundheitszustand
seines Patienten. Der aus dem Wachkoma
erwachte Patient konnte zur psychischen
Stabilisierung mittlerweile sogar
am Wochenende wieder nach Hause fahren.
„Neben der Physio-, Sprach-, Sprechund
Schlucktherapie war in all den Monaten
auch die neuropsychologische Therapie
mittels Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitstraining
ein Schwerpunkt. Es hat
sich gelohnt, unsere Prognose ist durchaus
günstig. Wir erwarten, dass Hans-Peter
Seyfried bald wieder Aufgaben als Familienvater
übernehmen und sich um seinen
kleinen Sohn kümmern kann“, freut sich
Dr. Dressnandt.
Der Motorradfahrer konnte nicht mehr
ausweichen und raste in den Schlepper.
Der Familienvater erlitt ein Polytrauma
mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma, eine
Lungenprellung, einen Schlüsselbeinbruch
und eine Kniegelenkverletzung. Es erfolgte
zunächst die unfallchirurgische Versorgung
im Akutkrankenhaus. Am sechsten
Tag nach seinem Unfall wurde Hans-
Peter Seyfried auf der Intensivstation der
Neurologischen Klinik Bad Aibling aufgenommen.
Zu diesem Zeitpunkt lag er im
Wachkoma.
Nach zwei Wochen musste er nicht mehr
beatmet werden und konnte auf die
Frührehabilitationsstation der Klinik verlegt
werden. Dort wurde die intensive
frührehabilitative Behandlung fortgesetzt.
Zur frühen Mobilisierung und zur
Kreislaufstabilisierung kam als neues
Therapieverfahren „Erigo“, ein Kipptisch
mit integrierten Beinantrieben, erfolgreich
zum Einsatz.
Etwa vier Monate nach dem Unfall nahm
der Patient wieder Blickkontakt auf und
begann, verbalen Aufforderungen kurzfristig
nachzukommen. Auch das Schlucken
konnte wieder geübt werden. Einen
weiteren Monat später begann er, erste ->
INNERE MEDIZIN
Elisabeth Tasche nach der
erfolgreichen Reha im Klinikum
Berchtesgadener Land: Nordic Walking
macht ihr besonders viel Spaß
” DIE BERCHTESGADENER, DIE LASSEN DICH NICHT STERBEN! – ERFOLGREICHE REHABILITATION EINER PATIENTIN NACH DOPPEL-LUNGENTRANSPLANTATION Elisabeth Tasche, Gymnasiallehrerin in Kassel, kam mit 48 Jahren zum ersten Mal in das Klinikum Berchtesgadener Land. Aufgrund ihrer schweren Lungenerkrankung war ihre körperliche Belastbarkeit stark eingeschränkt. “
Berchtesgadener Land. Schon hier zeigten
sich deutliche Verbesserungen in der
Gehstrecke von anfangs 508 auf 600
Meter bei der Entlassung. Eineinhalb Jahre
nach der OP, im März 2005, folgte der
vierte Aufenthalt in Berchtesgaden. Und
dieses Mal konnte die Gehstrecke am Ende
der Rehabilitation sogar auf 667 Meter
erhöht werden, was nach den Richtlinien
des Gehtests als „gesund“ gilt.
Zum Vergleich: Schwerstkranke erreichen
in diesem Gehtest, der sechs Minuten dauert,
nur eine Strecke von max. 300 Metern.
Elisabeth Tasche schaffte zu Beginn ihres
ersten Aufenthalts gar nur 160 Meter.
Dankesbrief an das Team: „In den zwei
Jahren bis zur Transplantation war Berchtesgaden
mein Zufluchtsort, wenn es mir
ganz schlecht ging“, schrieb Elisabeth Tasche
in einem Dankesschreiben an Chefarzt Dr.
Kenn. „Ich denke an die Therapeuten, die
mir Luft verschafft haben, wenn gar nichts
mehr ging, die mir Mut gemacht und mich
im Sport angespornt haben. Alle haben mit
mir gelitten und haben sich mit mir gefreut.“
Seit mehr als einem halben Jahr arbeitet
Elisabeth Tasche wieder als Lehrerin,
wenn auch nur ein paar Stunden am Tag.
Sie genießt jeden Tag, fährt in den Urlaub,
treibt Sport und nimmt am Leben wieder
mit voller Kraft, Energie und Freude teil.
Mit Hilfe der intensiven Behandlung konnte
ein erheblicher Gewinn an Lebensqualität
und Leistungsfähigkeit erreicht werden.
Doch nach der Entlassung hat sich bei der
Patientin eine dramatische Verschlechterung
eingestellt. Ein halbes Jahr nach ihrem
ersten Aufenthalt kam sie erneut zu
Chefarzt Dr. Klaus Kenn: „Es war notwendig,
eine Langzeit-Sauerstofftherapie zu
beginnen sowie die Patientin in der Nacht
zur Entlastung ihrer Atemmuskulatur zu
beatmen. Frau Tasche hat aber beide Therapien
anfangs abgelehnt. Sie konnte sich
nicht vorstellen, mit solchen Geräten leben
zu können.“
Das Team um Dr. Kenn gab nicht auf:
Behutsam wurde die Patientin zum ersten
Mal mit der Möglichkeit der Lungentransplantation
vertraut gemacht. Nur langsam
hat sich Elisabeth Tasche überzeugen lassen.
Nach dem zweiten Aufenthalt ließ
sie sich an der Medizinischen Hochschule
Hannover auf die Transplantationsliste
setzen. Anfang 2003 wurde sie erneut
zur Vorbereitung der Transplantation in
das Klinikum Berchtesgadener Land eingewiesen.
Die Therapie im Rahmen der
Vorbereitung verlief sehr gut, und auch die
eigentliche Transplantation in Hannover
war erfolgreich.
Im Oktober 2003 begann die erste postoperative
Rehabilitation im Klinikum ->
CHIRURGIE
Chefarzt Prof. Dr. Albert Schütz (links)
mit seinem ersten Patienten,
Josef Triebenbacher
” DAS BEHANDLUNGSZENTRUM VOGTAREUTH HAT MEIN LEBEN VERLÄNGERT!“ ERFOLGREICHE BYPASS-OP Auf den 18. Juni 2006 hatte sich Josef Triebenbacher aus Au bei Bad Aibling schon seit Tagen gefreut: Der 70-jährige pensionierte Polizeioberkommissar fuhr, wie schon seit Jahren, zum örtlichen Tennisclub, um dort sein gewohntes Match auszutragen. Doch ein plötzlicher, unerklärlicher Leistungsabfall während des Spiels machte ihn nachdenklich: „Da stimmt was nicht.“ “
Lungen-Maschine versorgte den Körper
von Josef Triebenbacher während der
gesamten Operation mit sauerstoffreichem
Blut, während sein Herz stillstand
und seine Lunge nicht beatmet wurde.
„Ich bin ohne einen einzigen Gedanken
der Angst in meine Operation gegangen“,
stellte der Premierenpatient fest. Das
lag nach seinen Angaben an Prof. Schütz
selbst, der mit 4.000 Operationen zu den
erfahrensten Herzchirurgen Deutschlands
zählt und sich viel Zeit für die notwendigen
Informationen zu dieser Bypass-OP
genommen hat.
Nach einer Anschlussheilbehandlung im
Behandlungszentrum Vogtareuth konnte
Josef Triebenbacher die Klinik Ende Juli
wieder verlassen. „Er ist wieder absolut
leistungsfähig und kann auch wieder Sport
treiben“, erklärt Chefarzt Prof. Dr. Albert
Schütz. Das hat Josef Triebenbacher inzwischen
bewiesen: Mitte November erreichte
er bei einem 5-km-Lauf den fünften Platz!
Bei einem viel beachteten Tennismatch
zwischen Chirurg und Patient ein Jahr nach
der Operation brachte Josef Triebenbacher
den Chefarzt noch einmal gehörig zum
Schwitzen.
Zunächst ließ er sich in der Argirov
Klinik Starnberger See von Prof. Dr. Dirk
J. Beuckelmann gründlich untersuchen.
Es wurde herausgefunden, dass die rechte
Herzkranzarterie von Josef Triebenbacher
aufgrund einer starken Verkalkung eingeengt
war. Professor Beuckelmann riet
dem sportlichen Rentner dringend, sich
einer Bypass-Operation zu unterziehen,
um einen möglicherweise tödlichen Herzinfarkt
zu vermeiden. Er empfahl ihm,
die Operation in der neuen Klinik für
Herzchirurgie am Behandlungszentrum
Vogtareuth durchführen zu lassen. So
wurde der sportliche Rentner am 12. Juli als
erster Patient in der neuen Klinik für Herzchirurgie
am Herzen operiert.
„Ich habe mich von Anfang an in
Vogtareuth sehr gut aufgehoben gefühlt“,
betonte Josef Triebenbacher glücklich nach
der erfolgreichen OP. Prof. Dr. Albert Schütz
hatte seinem ersten Patienten mit seinem
achtköpfigen Team in einer dreistündigen
Operation und mit Unterstützung der
Herz-Lungen-Maschine einen Bypass an
der verengten Herzkranzarterie gesetzt.
Eine Operation am schlagenden Herzen
oder ein minimal-invasiver Eingriff war
wegen der starken Verkalkung der Herzkranzarterie
nicht möglich. Die Herz- ->

AUF DEM PRÜFSTAND




