062 Chirurgie //
Brustchirurgie
0621 Allgemeine Brustchirurgie
Brustchirurgie – Hoffnung für viele betroffene Frauen Jede neunte Frau in Deutschland erkrankt – statistisch gesehen – im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Damit ist Brustkrebs der häufi gste bösartige Tumor bei Frauen. Je nach Stadium und individueller Diagnose können unterschiedliche konventionelle Behandlungsverfahren angewandt werden. Die Brustchirurgen kommen dann zum Einsatz, wenn es darum geht, den Tumor oder die Brust operativ zu entfernen und ggf. im Anschluss daran die Brust wiederherzustellen. Ebenfalls zum Aufgabenbereich der plastischen Brustchirurgie gehört die Korrektur von störenden Fehlbildungen, Deformationen und unfallbedingten Verstümmelungen der Brüste bzw. der Brustwarzen. Aufgrund des hohen Fettgewebeanteils in der Brust kann es nach Operationen häufi g zu Störungen der Wundheilung und zum Absterben von Gewebe kommen. Komplikationen an den betroffenen Stellen der Brust können die Folge sein. Wundinfektionen sind die dritthäufi gste Infektionsart, die sich Patienten nach einer Operation während des Klinikaufenthalts zuziehen. Da die Ursachen auf mangelnde Hygiene hinweisen können, werden Wundinfektionen von Ärzten und Pfl egern besonders aufmerksam beobachtet.
TAB 1 > Senkung der Wundinfektionsrate Um die Infektionsgefahr in Krankenhäusern zu mindern, wurde in Deutschland das Nationale Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infekten ins Leben gerufen, an das Kliniken ihre Daten freiwillig zum Vergleich einreichen können. In diesem Zentrum werden auf Basis aller Krankenhäuser u.a. Wahrscheinlichkeiten für Wundinfektionen bei bestimmten Patientengruppen und Erkrankungen berechnet. Aus dem Verhältnis von erwarteter zu tatsächlicher Anzahl der Wundinfektionen ergibt sich ein Wert, der über oder unter 1 liegt. Diesem Zielwert von 1,0 hat sich das Behandlungszentrum Vogtareuth in den vergangenen beiden Jahren deutlich angenähert. Die numerisch anscheinend um den Faktor 1,87 erhöhte Wundinfektionsrate lässt sich vor allem durch die Miterfassung von Durchblutungsminderungen erklären. Diese werden in der Regel und in anderen Häusern nicht als Infektionen codiert. Das Brustzentrum erfasst bewusst auch sekundäre Infektionen, um einerseits einen besseren Überblick auch über postoperative Wundheilungsstörungen zu gewinnen und andererseits die Qualitätsziele höher zu stecken.
0622 Freie Lappenplastik / 0623 Mammareduktionsplastik
Rekonstruktionen mit eigenen
Gewebeteilen Gewebetransplantationen
sind aus der wiederherstellenden Chirurgie
heute nicht mehr wegzudenken. Nur durch
die Verpfl anzung gesunden Eigengewebes
an eine erkrankte Körperstelle kann eine
funktionelle und ästhetische Wiederherstellung
von Defekten erreicht werden.
Die einfache Transplantation wird in jeder
chirurgischen Fachdisziplin vorgenommen:
Dabei lassen sich, z.B. bei Verbrennungen,
kleine Hautstücke, Fettgewebe oder Knochen
übertragen. Der Körper nimmt diese
Transplantate nach einigen Wochen durch
die Neubildung von Blutgefäßen problemlos
an.
Bei größeren Gewebedefekten funktioniert
diese einfache Technik nicht. Dann
muss die Rekonstruktion mit einer freien
Lappenplastik erfolgen. So nennt man Gewebetransplantationen,
die einschließlich
des dazugehörigen Gefäßbaumes mikrochirurgisch
von einem gesunden Körperteil
entnommen und an einer erkrankten Stelle
wieder eingepfl anzt werden. Bei diesem
Verfahren müssen Gefäße präpariert und
miteinander vernäht werden, die zum Teil
kleiner als 1 mm sind.
Die Transplantate können aus größeren Gewebeanteilen
bestehen: Beispiele sind Fettgewebe
vom Unterbauch zum Wiederaufbau
der Brust, ein Muskel mit seinen Nerven
zur Beseitigung von Lähmungen oder Knochen
und Weichteilgewebe zur Überbrückung
von Defekten nach einem Unfall oder
der Entfernung eines Tumors. Insbesondere
durch Keime besiedelte Wunden, Knocheneiterungen
oder nach Unfällen lange
Zeit frei liegende Knochen werden erfolgreich
mit Transplantationen behandelt.
TAB 2 >
Brustverkleinerung: häufigster Eingriff
der plastisch-chirurgischen
Brustchirurgie Der häufi gste Eingriff
in der plastisch-chirurgischen Brustchirurgie
ist die Brustverkleinerung. Sie wird bei
übergroß gewachsenen Brüsten durchgeführt.
Mit einer Brustverkleinerung kann
negativen Folgen wie Verspannungen und
Fehlhaltungen, Hautirritationen, Problemen
im sozialen Umfeld oder einem verminderten
Selbstwertgefühl entgegengewirkt
werden. Der in Allgemeinnarkose
stattfi ndende operative Eingriff beinhaltet
die Verkleinerung und Neuformung der zu
großen Brust.
Ungetrübter ästhetischer Gesamteindruck
Komplikationen wie Nachblutung,
Infektionen oder Durchblutungsstörungen
der Brustwarzen gefährden die spätere
Form der Brust und das ästhetische Gesamtergebnis.
Die Qualität der verbleibenden
Narben steht ebenfalls in direktem Zusammenhang
mit dem Auftreten von Komplikationen.
Während es laut Fachliteratur
bei 1,4 % aller Brustverkleinerungen zu abgestorbenen
Brustwarzen kam, war im Klinikum
Neustadt diese Komplikation im Jahr
2006 nicht aufgetreten
TAB 1 > In nahezu allen Fällen erfolgreiche Transplantation Der Erfolg einer Lappenplastik wird vor allem durch Blutergüsse der mikrochirurgisch angeschlossenen Blutgefäße gefährdet. Als Folge solcher Komplikationen kann der komplette Gefäßlappen absterben. Die Transplantation ist in diesem Fall gescheitert. Bei guten und erfahrenen Transplantationszentren wuchsen die Lappen in 90 % der Fälle komplikationslos mit dem Untergewebe zusammen. Das Behandlungszentrum Vogtareuth übertraf diese Erfahrungswerte mit einer Erfolgsquote beim Wiederaufbau der Brust mit 94 % deutlich.
* BQS = Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung
** Tairych, G. et al.: Ein Vergleich der Langzeitergebnisse von sechs Techniken der Mammareduktionsplastik (2000)

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