Mit vereinten Kräften gegen den Schmerz

Interview mit einer Patientin zur multimodalen Schmerztherapie

Leben mit Rückenschmerzen - eine Patientin berichtet von Ihren Erfahrungen.

Leben mit Rückenschmerzen - eine Patientin berichtet von Ihren Erfahrungen.

„Es geht mir gut!“ Dass Sie diesen Satz je wieder so fröhlich, beschwingt und vor allem ehrlich aussprechen könnte, hätte Martina M.* fast nicht mehr geglaubt. Es geht ihr gut. Sie hat keine Schmerzen. Und das ist etwas Besonderes.

Die heute 30jährige junge Frau lebte fast zwei Jahre mit chronischen Schmerzen, die Ihr Leben bestimmten. Denn nach einer Operation im März 2010 lösten sich die Schmerzen nicht nach einigen Tagen wieder in Luft auf. Im Gegenteil: Sie wurden immer heftiger. Martina M. konnte sich kaum bewegen. Nicht arbeiten. Nicht schlafen. Und nichts half. So kam auch noch die Angst dazu: Wird das je wieder besser? Als letzter Strohalm blieb die Multimodale Schmerztherapie.

 

Frau M., wegen Ihrer damals akuten Schmerzen haben Sie in der Schön Klinik eine multimodale Schmerztherapie begonnen. Was ging Ihnen durch den Kopf?

Ich habe mich zu dem Zeitpunkt selbst nicht wiedererkannt. Ich hatte Schmerzen. Ich hatte Angst. Richtige Existenzangst. Obwohl ich sonst ein positiver, fröhlicher Mensch war. Ich war auch ständig unterwegs. Die Schmerzen haben mir sehr viel Kraft geraubt. Deshalb war ich froh, dass es Ärzte gab, die ein Konzept dagegen hatten. Allerdings hat mir mein behandelnder Arzt, Herr B., auch ganz ehrlich gesagt, dass die Schmerzen nicht von heute auf morgen weggehen. Dass die Therapie manchmal Jahre dauert.

 

Bei starken Schmerzen viel Geduld zu beweisen, muss ziemlich schwierig sein.

Oh ja. Und ich war sehr ungeduldig. Das sollte sofort wieder aufhören. Deshalb habe ich auch zu Beginn der Therapie ziemlich viele unterschiedliche Medikamente bekommen. Der Schmerz wurde damit erträglicher. Vor allem eine Spritze, die direkt in die Nervenbahn gesetzt wurde und diese betäubt, eine sogenannte Stellatum-Blockade, hat mir sehr geholfen. Das war wie Urlaub. Der Schmerz war für mehrere Stunden ganz weg. Und ich konnte endlich auch mal schlafen.

 

Wie ging die Therapie dann weiter?

Ich war zwei Wochen stationär und danach fast täglich zu weiteren Therapien in der Klinik. Neben der medikamentösen Behandlung war irgendwie alles vertreten: Krankengymnastik, Ergotherapie, Kunsttherapie, Körpertherapie. Ich wurde auch psychologisch betreut. Der Schmerz wurde zwar besser, aber er hat so viel Platz in meinem Alltag eingenommen... ich war psychisch sehr labil. Ich hatte mich von meinen Freunden zurückgezogen. Meine Familie hat mir sehr geholfen. Aber es war trotzdem gut, auch psychisch eine Stütze an meiner Seite zu wissen.

 

Haben Sie sich auch deshalb für eine psychosomatische Rehabilitation entschieden?

Ja. Im Zuge der multimodalen Schmerztherapie hatte ich die Wahl, eine orthopädische oder psychosomatische Reha zu machen. Und nachdem ich gemerkt habe, dass ich auch vom Kopf her anders mit dem Schmerz umgehen muss, habe ich mich für eine psychosomatische Reha entschieden. Denn das schlimmste ist, wenn man anfängt, sich selbst zu bemitleiden. Das darf man nicht zulassen. Denn dann beginnt eine Spirale, aus der man schlecht wieder heraus kommt. Das wurde mir so richtig in der zweiten Reha im letzten Sommer bewusst. Die hat mich dann wirklich entschieden nach vorne gebracht.

 

Sie haben also fast zwei Jahre lang gegen den Schmerz arbeiten müssen?

Es ging immer ein bisschen besser, aber sobald ich dann die Medikamente reduziert habe, wurde der Schmerz wieder stärker. Insgesamt habe ich drei Mal eine stationäre Schmerztherapie gemacht und war zweimal in der Reha. Ich konnte mehr als ein halbes Jahr gar nicht arbeiten. Mittlerweile arbeite ich wieder Vollzeit in der Bank, in der ich angestellt bin. Und aktuell sieht es so aus, als könnte ich bis zum Sommer alle Medikamente absetzen.

 

Was war der wichtigste Schritt dahin?

Oh, schwierige Frage. Das kann ich gar nicht so genau sagen. Alles hat irgendwie ineinander gegriffen und gepasst. Das eine hätte nicht ohne das andere geholfen. Eine Tanztherapie mit Bewegungen zur Musik fand ich zum Beispiel beim ersten Mal ziemlich merkwürdig und habe mich gefragt, was das denn soll. Und dann habe ich gemerkt, was für ein bewusstes Körpergefühl ich durch dieses Tanzen entwickelt habe. Und dieses Körperbewusstsein war für andere Therapien wieder sehr nützlich.

Sehr wichtig war allerdings auch, dass ich mich zu jeder Zeit gut aufgehoben gefühlt habe. Ich konnte meinen Ärzten vertrauen, meinen Therapeuten, einfach allen. Ich wusste: Wenn die sagen, dass das der richtige Weg ist und die richtige Therapiemethode, dann wird das schon stimmen. Und dass Herr B. am Anfang so ehrlich war, mir zu sagen, dass die Therapie lange dauern kann, hat mir ebenfalls geholfen. Dann, wenn ich dachte, es ginge gar nicht weiter. Das Wissen hat mir wieder Mut gemacht. Nach dem Motto: Mir wurde ja gesagt, dass ich Geduld haben muss. Und siehe da: Es hat gestimmt. Jetzt, nach zwei Jahren, ist es langsam geschafft. Es geht mir gut!

 

*(Der vollständige Name der Patientin ist der Redaktion bekannt, wird aber zum Schutz der eigenen Privatsphäre nicht genannt.)