Infiltration an der Wirbelsäule.

Eine Infiltration sorgt für gezielte Hilfe bei Rückenschmerzen.

An der Schön Klinik werden im Jahr etwa 4.000 so genannte Infiltrationen vorgenommen.

An der Schön Klinik werden im Jahr etwa 4.000 so genannte Infiltrationen vorgenommen.

Schmerzmittel können direkt in das Schmerzgebiet gespritzt werden. Wenn ein Medikament direkt an der schmerzenden Stelle eingebracht werden kann, reichen bereits geringe Mengen, um einen positiven Effekt zu erzielen. Das Ergebnis ist also deutlich besser, als wenn zum Beispiel gegen Rückenschmerzen Tabletten geschluckt werden. Aber Spritzen in den Rücken? Das klingt für den Laien schmerzhaft. Ist es aber eigentlich nicht. Für die meisten Patienten ist es eher ein Segen – und ist oft die letzte Möglichkeit, einer Operation zu entgehen. Das Verfahren nennt sich Infiltration.

Dr. Roman Winkler, Oberarzt im Schmerzzentrum der Schön Klinik Harthausen, arbeitet gerne und oft mit diesem Verfahren:  An der Schön Klinik werden im Jahr etwa 4.000 so genannte Infiltrationen vorgenommen. „Wenn ein Patient mit einem Bandscheibenvorfall kommt, dann wird das Medikament genau da eingebracht, wo die Schmerzen im Rücken vorliegen. Das wirkt effektiver und schneller als eine Schmerztablette.“

 

Vollkommen hilflos vor Schmerzen in die Klinik.

Patientin Manuela Müller* hat sehr gute Ergebnisse mit einer Infiltration erzielen können. Als sie mit einem Bandscheibenvorfall in die Schön Klinik Harthausen eingeliefert wurde, war der Schmerz im Rücken so stark, dass sie sich nicht auf den Beinen halten konnte. Sie wurde in einen Rollstuhl gesetzt und als Notfall sofort ins MRT gerollt. Die Diagnose lautete „Bandscheibenvorfall L 4/5“ – zwischen Lendenwirbel vier und fünf war die Bandscheibe verrutscht und blockierte den Wirbelkanal. „Ich war vollkommen hilflos vor Schmerz. In dem Zustand hätte ich alles mitgemacht, auch eine OP ohne Narkose“, sagt die Patientin heute rückblickend.

 

Infiltration hilft bereits wenige Stunden nach Behandlung.

Ganz so schlimm kam es dann aber nicht. Nach der Diagnose wurde mit den Schmerzspezialisten beraten und schließlich einigten Ärzte und Patientin sich auf eine Therapie mit mehreren Infiltrationen. In den fünf folgenden Tagen bekam sie vier Spritzen direkt in den Rückenmarkskanal. „Nach jeder Infiltration wurde erst einmal abgewartet, wie die Therapie wirkt, danach ging es weiter“, erzählt Manuela Müller. Bei jeder Behandlung wurden andere Bereiche angespritzt. Mal wurde das Medikament in den Wirbelkörper verabreicht, mal in den Kanal. Eine Verbesserung ihres Zustandes bemerkte sie schon Stunden nach der ersten Behandlung. „Ich kam morgens im Rollstuhl und ging am Nachmittag mit meinem Therapeuten im Park spazieren.“ Seit dem ist Manuela Müller schmerzfrei. Das war vor einem Jahr.

 

Angst vor der Spritze und Schmerzen halbierten sich.

„Ich war am Ende natürlich sehr froh, dass nicht operiert werden musste, weil die Infiltration als konservative Methode bei mir sehr gut angeschlagen hat“, sagt Manuela Müller heute. Die Vorstellung, Spritzen in den Rücken zu bekommen, fand die Patientin damals trotzdem alles andere als angenehm. „Es ist immer komisch, auf dem Bauch zu liegen und nicht zu sehen, was die Ärzte am Rücken machen. Außerdem habe ich große Angst vor Spritzen. Auch die Idee, dass genau dort gespritzt werden sollte, wo der Schmerz saß, ist nicht angenehm. Immerhin spielt sich das alles sehr nah am Rückenmark ab.“ Die Angst vor der Behandlung war, genau wie der Schmerz, nach der ersten Spritze nicht einmal mehr halb so groß.

„Schon in der Behandlung habe ich die Angst verloren. Das lag vor allem daran, dass das Team mich sehr beruhigt hat. Eine Pflegekraft stand die ganze Zeit in meinem Sichtfeld und jeder Schritt wurde mir von den Ärzten genau erklärt. Die Stelle der Infiltration wird örtlich betäubt, man spürt den Druck, es brennt ein bisschen wenn die Nerven reagieren. Angenehm ist das alles nicht. Aber wenn ich Schmerzen hätte, würde ich die Behandlungsmethode sofort wieder zulassen.“

 

Behandlung sollte am besten stationär durchgeführt werden.

Bei der Infiltrations-Therapie werden Medikamente und Schmerzmittel gezielt an der Wirbelsäule verabreicht.

Bei der Infiltrations-Therapie werden Medikamente und Schmerzmittel gezielt an der Wirbelsäule verabreicht.

„Alle Patienten haben erst einmal Angst vor der Behandlung. Das ist ganz normal",  erzählt auch Dr. Winkler. „Das Prozedere der Infiltration ist wie eine kleine OP, da ist die Aufregung des Patienten schon berechtigt. Schließlich liegt er auf dem Bauch, sieht nicht was wir machen und fühlt sich möglicherweise ausgeliefert. Aber das alles vergeht nach der ersten Behandlung. Ich erlebe es oft, dass Patienten bei der ersten Spritze aufgeregt sind und bei weiteren Spritzen viel ruhiger werden, weil sie wissen, was auf sie zukommt.“

Um den aufgeregten Patienten ein möglichst ruhiges Umfeld zu geben und sie ein paar Tage aus dem Alltag zu nehmen, rät Dr. Winkler bei Infiltrationen meist zur stationären Behandlung, auch wenn es  möglich ist, die Behandlung auch ambulant durchzuführen. „Auf Station haben wir mehr Sicherheit und können eine intensive Überwachung gewährleisten. So kann es, wie bei jedem Eingriff, auch bei Infiltrationen zu allergischen Reaktionen oder zu einer temporären Lähmung der Nerven kommen. Bei Risikopatienten, wie zum Beispiel bei der Einnahme von Blutverdünnern, setzen wir diese am Tag vor der ersten Infiltration ab, um es hier zu keinen Komplikationen kommen zu lassen. Außerdem nehmen wir standardmäßig Blut ab und schicken dieses ins Labor. Bei erhöhten Entzündungswerten klären wir diese erst ab und infiltrieren erst nach Normalisierung. Ein anderer Vorteil bei stationären Infiltrationen: über moderne bildgebende Verfahren, den sogenannten C-Bögen, kann unter Röntgenbildkontrolle millimetergenau gespritzt werden. Meist sind in unserem Haus Infiltrationen auch ein Baustein der Schmerztherapie, das heißt, die Patienten bekommen zusätzlich zu den Spritzen Physiotherapie und Krankengymnastik und können so ihre Genesung gezielter unterstützen. Auch sind wir für Fragen und weitere Informationen und Gespräche vor Ort und können individuell auf die Bedürfnisse eingehen. Diese Zeit der Zuwendung fehlt uns im ambulanten Bereich."

 

Nach dem Akutaufenthalt in die Rehabilitation.

Auch wenn die akuten Schmerzen im Zuge der Infiltrations-Therapie schon nach der ersten Spritze nachlassen: In einen normalen Alltag werden die Patienten meist dennoch nicht entlassen. „Ich war fünf Tage stationär in Behandlung und anschließend drei Wochen in der Schmerz-Reha", berichtet die ehemalige Patientin Manuela Müller. In der weiterführenden Physiotherapie lernte sie, sich wieder richtig zu bewegen und gezielt Bauch- und Rückenmuskulatur zu trainieren.

„Bis ich wieder die Alte war, hat das etwa zwei Monate gedauert. Aber seit dem war nichts mehr.“ Dass sie weitere Bandscheibenprobleme nur vorbeugen kann, wenn sie weiterhin an ihrer Muskulatur arbeitet, ist der jungen Frau klar. „Ich habe eine Veranlagung für Rückenprobleme und es ist gut möglich, dass ich irgendwann wieder Infiltrationen brauchen werde. Aber ich habe keine Angst mehr davor. Es ist gut zu wissen, dass die Behandlung bei mir gut anschlägt und ich so vermutlich ohne Operationen auskomme.“

 

Grenzen und Möglichkeiten der Infiltration.

Manuela Müller hat Glück. Wenn Patienten gut auf die Infiltration ansprechen, kann sich der Bandscheibenvorfall zurückbilden. Sie müssen dann nicht operiert werden. Auch bei einer Spinalkanalstenose kann sich der geschwollene Nerv durch die Infiltration beruhigen und abschwellen. Generell gilt aber bei der Infiltration, dass die Ursache für den Schmerz nicht behoben wird. Dem Patienten geht es also manchmal nur temporär besser, dem einen über Tage, dem anderen sogar einige Jahre.

„Die Infiltration ist bei vielen Patienten ein sehr gutes Mittel zur Differenzierung der Schmerzursache“, erklärt Dr. Roman Winkler. „Wir können mit der Methode austesten, ob die Behandlung weiterhin konservativ bleiben kann oder ob ein operativer Eingriff notwendig ist. Wenn die klinische Untersuchung und die bildgebenden Ergebnisse des Patienten eine eindeutige OP-Indikation ergeben, werde ich  natürlich nicht infiltrieren und ihm zu einer Operation raten.  Aber viele Operationen können durch Infiltration verzögert oder sogar vermieden werden. Es geht immer um die Frage ‚Was ist das Beste für meinen Patienten?’ - und bei vielen meiner Rückenschmerzpatienten lautet eben die Antwort: ‚Infiltration!’“

*Name wurde von der Redaktion geändert

 

Rückenschmerzen

Volkskrankheit Nummer eins: Rückenschmerzen. Ursache sind häufig verspannte Muskeln, gedehnte Bänder oder Sehnen.

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