Mitwachsende Skoliosestäbe.

Schonendere Skoliose-Behandlung dank dem MAGEC-System.

Für wen eignet sich das MAGEC-System bei der Behandlung von Skoliosen? Unser Wirbelsäulenexperte Prof. Cornelius Wimmer in Interview.

Für wen eignet sich das MAGEC-System bei der Behandlung von Skoliosen? Unser Wirbelsäulenexperte Prof. Cornelius Wimmer in Interview.

Metallstäbe im Rücken zu haben, die über Magnete verlängert werden können, klingt erst einmal sehr unbequem – ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil. Viele betroffene Kinder und Jugendliche setzen große Hoffnungen in diese Therapie, um ihre Skoliose bis zum Ende der Wachstumsphase in den Griff zu bekommen.

Die Stäbe im Rücken sollen den Wirbelsäule begradigen und sich gleichzeitig das natürliche Wachstum zu Nutzen machen. So ist das Stabsystem MAGEC ("MAGnetic Expansion Control") für die jungen Patienten eine große Erleichterung gegenüber herkömmlichen Methoden. Kein Wunder, dass es immer beliebter wird, wie Professor Cornelius Wimmer, Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie an der Schön Klinik in Vogtareuth bestätigt. Er berichtet über und die Funktionsweise der Therapie.

 

Das mitwachsende System – ein großer Vorteil.

„MAGEC ist ein System, das wir gut bei Kindern und Jugendlichen anwenden können, die noch ein bis drei Jahre wachsen,“ erklärt Professor Wimmer. „Der große Vorteil bei dieser Methode besteht darin, dass die Stäbe mitwachsen, ohne operativ verstellt werden zu müssen.“ Angepasst werden die Stäbe nämlich nicht direkt am Knochen, sondern von außen – mit Hilfe eines magnetischen Mechanismus. Bei anderen wachstumslenkenden Systemen muss nach wie vor regelmäßig operiert werden. Das bedeutet zum einen eine größere Belastung für die Kinder: Sie werden zum Nachstellen alle paar Monate unter Vollnarkose gesetzt und haben wie alle Operierten regelmäßig mit einem gewissen Wundheilungsrisiko zu rechnen. Das wird vor allem dann schwierig, wenn die Hautschnitte immer wieder an den gleichen Stellen vorgenommen werden müssen, was bei diesen Patienten zwangsläufig der Fall ist.

Auf Wachstumsschübe kann mit dem MAGEC-System besser reagiert werden.

Zum anderen kann über die Magnete deutlich häufiger nachgestellt werden. Der Arzt kann so viel präziser auf die Wachstumsschübe der jugendlichen Patienten eingehen. Das Risiko, dass das Konstrukt aus Stäben und Schrauben das Wachstum der Wirbelsäule nicht nur lenkt, sondern auch behindert oder verzögert, besteht deshalb nicht.

 

Präzise und schonend – Nachstellen ohne Vollnarkose.

Chefarzt Cornelius Wimmer bestätigt die Vorteile des MAGEC Systems: „Tatsächlich brauche ich für dieses System nur eine Operation, um die Stäbe und die Schrauben einzubringen. Und selbst diesen Eingriff kann ich minimal-invasiv vornehmen. Die Schnitte sind sehr klein und müssen erst wieder geöffnet werden, wenn nach Jahren ein längerer Stab eingesetzt wird.“ In der Zeitspanne dazwischen haben Patient und Arzt weitgehend ihre Ruhe. Etwa drei bis vier Monate nach dem ersten Eingriff treffen sie sich in der Sprechstunde wieder.

Das Nachstellen der Stäbe ist unkompliziert und schmerzfrei möglich.

Auch wenn das Nachstellen an sich unkompliziert ist, bittet der Arzt seine Patienten dafür gerne in einen OP-Saal. „Eigentlich könnte ich auch in der Ambulanz nachstellen. Aber dort sind die Patienten oft etwas aufgeregt und verspannen sich. Dadurch wächst der Widerstand und das Nachjustieren wird schwieriger. Bei angespannter Muskulatur kann der Mechanismus nicht gut greifen.“ Im Saal bekommen die kleinen Patienten erst einmal eine Beruhigungstablette, danach geht alles ganz einfach. Cornelius Wimmer kann von der Hautoberfläche aus den Stab verlängern, noch ein kurzes Röntgenbild machen – und der Patient ist entlassen. Vom Eingriff selbst merkt der Betroffene übrigens so gut wie nichts, manche berichten von einem kleinen aber schmerzlosen Knacken im Rücken, wenn sich der Stab auseinanderzieht.

 

So lange die Wachstumsphase dauert, ist die Therapie möglich.

Nach etwa zwei bis drei Jahren, je nach Wachstum und Wirbelsäulenkrümmung, hat das Kind den Stab eingeholt. Etwa acht Zentimeter lässt sich ein System ausziehen, dann muss operativ der nächste Stab eingesetzt werden. „Einen Stabwechsel nehmen wir nicht immer vor. Das bedeutet, dass es für viele Patienten wirklich nur zwei bis drei Operationen im Zuge der Behandlung gibt. Das ist eine riesige Verbesserung gegenüber anderen wachstumslenkenden Methoden.“

Oft reichen ein bis zwei mitwachsende Stäbe in der Skoliosebehandlung aus.

Die meisten Kinder, die mit MAGEC behandelt werden,  kommen also mit ein bis zwei mitwachsenden Stäben aus, bis die Behandlung abgeschlossen ist. Sie endet, wie alle anderen Methoden, wenn die Jugendlichen nicht mehr wachsen. „Wenn der Patient ausgewachsen ist, sind wir mit der wachstumslenkenden Behandlung am Ende angelangt. Bei den meisten Jugendlichen nehmen wir im 15. Lebensjahr die endgültige Fusion vor.“ Die Wirbel werden dann in der Position, die sie mit Hilfe der Therapie eingenommen haben, versteift.

„Wenn wir Stäbe und Schrauben einfach entfernen würden, dann würde die Skoliose wiederkommen,“ erklärt der Chefarzt. „Würde man schon bei einem Kind die Versteifung vornehmen, könnte die Wirbelsäule nicht ungestört wachsen. Mit den verlängerbaren Stäben wachsen die Wirbel ungestört und in gelenkten Bahnen. Manche Patienten bekommen zur Stabilisierung noch für ein paar Monate ein Korsett, die meisten aber kommen ohne aus.“

 

Beratender Facharzt und Interviewpartner.

Prof. Dr. Cornelius Wimmer

Chefarzt des Fachzentrums Wirbelsäulenchirurgie & Skoliosezentrum in der Schön Klinik Vogtareuth. Spezialisiert auf Skoliosen bei Kindern & Jugendlichen, Bandscheibenprothesen sowie sonstige Deformitäten.

Profil von Prof. Dr. Cornelius Wimmer

 

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