Kyphoplastie & Vertebroplastie-OP.

Operation bei osteoporotischem Wirbelbruch im Rücken.

Bei osteoprotischen Wirbelfrakturen kommen heute schonende OP-Verfahren wie Kyphoplastie oder Vertebroplastie zum Einsatz.

Bei osteoprotischen Wirbelfrakturen kommen heute schonende OP-Verfahren wie Kyphoplastie oder Vertebroplastie zum Einsatz.

Kyphoplastie & Vertebroplastie als schnelle Hilfe bei Wirbelfrakturen: Wenn ein Wirbel durch osteoporotische Veränderungen im Knochen einbricht, müssen Betroffene nicht mehr über Wochen oder gar Monate mit starken Rückenschmerzen leben. Denn schlagen konservative Schmerztherapie oder auch Medikamente nicht an, ermöglicht ein kleiner operativer Eingriff deutliche Schmerzreduktion. Entweder wird hierbei der Wirbelknochen in einer OP über eine Kanüle komplett mit Knochenzement aufgefüllt (Vertebroplastie) oder aber erst mit Hilfe eines Ballons aufgerichtet und dann mit Zement stabilisiert (Kyphoplastie).

„Da der gesamte Eingriff minimal-invasiv durchgeführt wird, können die Patienten bereits am OP-Tag aufstehen“, erklärt Dr. Klaus Schnake, Chefarzt an der Schön Klinik Nürnberg Fürth. „Auch eine Rehabilitation ist nach einer Kyphoplastie oder Vertebroplastie nicht zwingend notwendig. In der Regel verlassen die Patienten nach drei Tagen die Klinik – mit deutlich weniger oder gar keinen Schmerzen mehr.“

 

Komplexe Wirbelbrüche müssen sofort operiert werden.

Die Regel ist einfach: Komplexe Brüche sofort operieren. Bei einfachen warten. Unkomplizierte Brüche an der Wirbelsäule können und sollten also zunächst konservativ behandelt werden – etwa durch Schmerz- und Physiotherapie. Auch ein Korsett kann helfen, da die betroffene Region ruhig gestellt wird. "Erst wenn ein solcher Therapieversuch scheitert, spreche ich mit meinen Patienten über die Möglichkeit einer Operation, wie etwa die Kyphoplastie oder Vertebroplastie", so Chefarzt Dr. Klaus Schnake.

Allerdings ist für den Operationserfolg auch Schnelligkeit entscheidend: Je frischer ein Bruch ist, desto besser lässt sich der Ursprungszustand des Wirbels wiederherstellen. "Auch sind die Wirbelsäulen operierter Patienten wieder in sich belastbarer und das Risiko weiterer Brüche ist geringer", weiß der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. "Ein Eingriff kann also nicht nur in Bezug auf die Schmerzreduktion sinnvoll sein."

 

Kyphoplastie & Vertebroplastie-OP der Wirbelsäule.

Die Kyphoplastie-OP.

Operationsverfahren Nummer eins bei Wirbelkörper-OPs.

Bei der Kyphoplastie wird der eingebrochene Wirbelkörper mit Hilfe eines Ballons (blau) wieder aufgerichtet.

Bei der Kyphoplastie wird der eingebrochene Wirbelkörper mit Hilfe eines Ballons (blau) wieder aufgerichtet.

Die Kyphoplastie ist der Standard bei der Versorgung von osteoporotischen Wirbelbrüchen. Sie ist auch weltweit die am häufigsten angewandte Methode. „Das Verfahren ist als sehr sicher zu bezeichnen und wurde bereits rund eine Million Mal durchgeführt“, sagt Rückenspezialist Dr. Schnake.

Was genau bei der Operation passiert, erklärt der Mediziner gerne mit einer Schuhschachtel als Anschauungsobjekt. „Stellen Sie sich vor, der Karton wäre ein Wirbelknochen. Wenn ich mit meiner Faust auf den Deckel schlage, entsteht eine Delle – der Karton drückt sich ein. Das passiert auch in der Wirbelsäule. Und das schmerzt! Wenn ich aber jetzt durch ein kleines Lochen einen Ballon in den Schuhkarton einführe und mit Wasser auffülle, wird die Delle nach außen gedrückt. Der Karton nimmt also wieder seine ursprüngliche Form an. Danach füllen wir ihn mit Polymethylmethacrylat, besser bekannt als Knochenzement, wieder auf - damit er sich nicht erneut verformen kann. Nach 30 Minuten ist der Zement ausgehärtet und die Kyphoplastie-Operation beendet.“

 

Ziel: Bestmögliche Wiederherstellung des Wirbelkörpers.

Die Kyphoplastie-Operation wird üblicherweise in Vollnarkose vorgenommen. Der Patient wird hierfür in Bauchlage mit leichter Überstreckung der Wirbelsäule gebracht, damit sich die zusammengedrückten Wirbel aufrichten. Dann wird über die sogenannte Bogenwurzel des Wirbels von hinten ein Ballon in den Wirbelkörper eingebracht. Anschließend wird dieser mit Flüssigkeit aufgepumpt, bis es zu einer ungefähren Wiederherstellung der Wirbelkörperhöhe kommt. Nach Entfernen des Ballons wird die verbliebene Höhle mit Knochenzement aufgefüllt. „Der Zement kann durch eine Kanüle direkt eingespritzt werden. Ein sauberes, präzises Verfahren“, wie der Wirbelsäulenchirurg betont.

Erfolgt der Eingriff in den ersten sechs Wochen nach der Verletzung, ist es in vielen Fällen möglich, den ursprünglichen Zustand des Wirbels wiederherzustellen. Um den Operationsumfang so gering wie möglich zu halten, wird bei mehreren Wirbelbrüchen üblicherweise vorab ein MRT gemacht, um zu überprüfen, welcher Knochen der Schmerzauslösende ist.

 

Die Vertebroplastie-OP.

Stabilisierung des Wirbelkörpers mit Knochenzement.

Bei der Vertebroplastie wird mit einer Kanüle Knochenzement (grau) in den einbrochenen Wirbelkörper eingebracht.

Bei der Vertebroplastie wird mit einer Kanüle Knochenzement (grau) in den einbrochenen Wirbelkörper eingebracht.

Die Operationsmethode der Vertebroplastie ähnelt der Kyphoplastie – nur das hierbei kein Ballon eingeführt wird, um den Wirbelkörper aufzurichten und eine Höhle für den Knochenzement zu Formen. Bei einer Vertebroplastie-OP wird nach der Lagerung des Patienten sofort der Zement in den kollabierten Wirbelkörper eingebracht.

Um zu verhindern, dass das Material über Blutäderchen oder kleinste Knochenspalten ins umgebende Gewebe austritt, wird der Vorgang parallel per Röntgenuntersuchung überprüft. „Das Risiko ist aber gering, da das Material in den letzten Jahren sehr stark verbessert wurde, wodurch es heute einfach anzuwenden ist“, erklärt Dr. Schnake. „Nach 20 bis 30 Minuten ist der Zement dann auch schon ausgehärtet.“

 

Kyphoplastie und Vertebroplastie im Vergleich.

Die Kyphoplastie erscheint den Operateuren heute der Vertebroplastie überlegen: Durch das Einbringen des Ballons, das Aufrichten des Wirbels und das Formen einer Höhle für den Zement kann kontrollierter gearbeitet werden. „Es ist vergleichbar mit einem Berliner oder Krapfen mit Marmeladenfüllung“, erklärt der Chefarzt. „Es ist einfacher, die Marmelade in ein vorgeformtes Loch in der Mitte einzubringen. Wer eine Spritze direkt in den Berliner steckt, verteilt die meiste Marmelade dort, wo am wenigsten Widerstand herrscht. Und das muss nicht in der Mitte sein, vielleicht eher am Rand. Am besten ist das Ergebnis jedoch, wenn sich die Marmelade mittig verteilt.“

Auch stehen den Chirurgen heute viele Varianten von Ballons zum optimalen Aufrichten der Wirbelkörper zur Verfügung: kleine, große, schmale, gebogene oder ovale. „Hier hat sich in den letzten Jahren in der Entwicklung viel getan“, so Dr. Schnake. Implantate oder auch Stents stehen ebenfalls zur Verfügung. Sie werden im Wirbel verankert und dann mit Zement aufgefüllt. „In diesem Bereich gibt es viele spannende Weiterentwicklungen, die jedoch noch keine klare Überlegenheit zeigen. Wir bevorzugen es deshalb, auf Implantate zu verzichten, da sie das Risiko für Komplikationen erhöhen.“

 

Nach der Wirbelbruch-OP rasch wieder in den Alltag.

Nach erfolgter Rücken-Operation haben Patienten dann nur noch einen Wunsch: möglichst schnell wieder nach Hause und fit und aktiv am Leben teilnehmen. „Nach erfolgreicher Kyphoplastie oder Vertebroplastie überhaupt kein Problem“, weiß Dr. Schnake. Da bei den Operationsverfahren keine großen Schnitte notwendig sind und kaum Gewebe geschädigt wird, haben Patienten nach der OP auch fast keinen Wundschmerz. Der Zement ist bereits nach 30 Minuten ausgehärtet – die Wirbelsäule also voll belastbar. Schongang oder Korsett sind nicht notwendig. Bereits am Tag des Eingriffs dürfen die Patienten aufstehen und sich bewegen.

Nach einem Wirbelbruch sind also wenige therapeutische Maßnahmen von Nöten. Eine anschließende medikamentöse Therapie der Osteoporose ist jedoch unbedingt empfehlenswert. „Die ist sehr wichtig“, betont Chefarzt Dr. Schnake. „Sonst bricht ganz schnell der nächste Wirbel.“