Verletzungen der Halswirbelsäule. Diagnostik

Wie werden Verletzungen der Halswirbelsäule festgestellt?

Falls bei Ihnen der Verdacht auf eine Halswirbelsäulenverletzung besteht, wird der Arzt zunächst eine vorsichtige körperliche Untersuchung durchführen, die eine Überprüfung der Funktion des Nervensystems mit einschließt. Bei dieser körperlichen Untersuchung werden Schmerzpunkte ertastet und im Bereich der Gliedmaßen die Vollständigkeit der Funktion von Bewegung und Gefühl überprüft. Auf größere Bewegungen am Kopf und Hals wird in der Regel weitgehend verzichtet. Falls dies unumgänglich sein sollte, wie dies beispielsweise bei Umlagerungsmaßnahmen der Fall ist, dann sollte dies nur unter leichtem Zug am Kopf erfolgen. Eine manuelle (körperliche) Untersuchung kann niemals eine Halswirbelsäulenverletzung vollständig ausschließen, weshalb sich daran bei entsprechendem Verdacht immer eine radiologische Diagnostik anschließt.

Radiologische Diagnostik. Röntgenaufnahmen der Halswirbelsäule.

Die Halswirbelsäule wird von vorne und von der Seite geröntgt.

Die Halswirbelsäule wird von vorne und von der Seite geröntgt.

Diese werden immer in beiden Ebenen durchgeführt, das heißt einmal in der Aufnahmetechnik von vorne und seitlich. Diese Aufnahmen ermöglichen es zumindest gröbere Fehlstellungen auszuschließen. Schwierig gestaltet sich meist die Beurteilung der Übergangsregion zwischen Hinterhaupt und oberer Halswirbelsäule und insbesondere der Übergang von der Hals- zur Brustwirbelsäule aufgrund der Überlagerung durch andere Strukturen. Bei der oberen Halswirbelsäule haben wir es häufig mit Überlagerungen durch eine Zahnprothese oder Schmuck zu tun. Der Übergang von der unteren Halswirbelsäule entzieht sich meist aufgrund der Überlagerung durch die Schultern einer Beurteilung, so dass bereits die beiden unteren Halswirbel auf den konventionellen Röntgenaufnahmen meist kaum zu beurteilen sind. Durch Herabziehen der Schultern an beiden Armen können manchmal die unteren Segmente der Halswirbelsäule in der seitlichen Aufnahme dargestellt werden. Gelingt dies nicht, kann alternativ eine sog. Schwimmeraufnahme durchgeführt werden, bei der ein Arm am Körper angelegt und der andere über den Kopf ausgestreckt wird. Bei diesen Untersuchungen handelt es sich um Behelfstechniken, die eine Verletzung nicht sicher ausschließen lassen. Deshalb sollte bei jedem Zweifel grundsätzlich eine erweiterte Diagnostik mittels Computer- oder Magnetresonanztomographie vorgenommen werden.

Neben den konventionellen Röntgenaufnahmen gibt es auch Spezialaufnahmen:

  • "Sog. Atlas- und Denszielaufnahmen durch den offenen Mund". Der Zentralstrahl des Röntgenapparates ist auf die Gelenkebene zwischen dem ersten und zweiten Halswirbel gerichtet.
  • Schrägaufnahmen der Halswirbelsäule im 15° Winkel zur besseren Darstellung der Gelenkfortsätze bzw. in einem Winkel von 45° zur Darstellung der Nervenaustrittslöcher. Dabei werden bei der Drehung nach links die rechten Nervenaustrittslöcher und umgekehrt abgebildet.

Computertomographie.

Eine erweiterte Diagnostik mittels Computertomographie wird in der Regel bei den folgenden Fragestellungen vorgenommen:

  • Zur Abklärung der Übergangsabschnitte vom Hinterhaupt zur Halswirbelsäule und von der Halswirbelsäule zur Brustwirbelsäule
  • Zur Feindiagnostik bei Verdacht oder bei einer bereits konventionell festgestellten Verletzung mit dem Ziel der Therapieplanung – konservativ oder operativ
  • Zur Feindiagnostik bei Verrenkungen oder Fehlstellungen der Halswirbelsäule
  • Zur Abklärung von Ausmaß und Ursache einer Einengung des Wirbelkanales

Funktionsaufnahmen der Halswirbelsäule.

Konnten durch die konventionellen Röntgenaufnahmen und auch durch die Computertomographie gröbere Verletzungen der Halswirbelsäule ausgeschlossen werden, so wird Ihnen Ihr behandelnder Arzt manchmal die Durchführung sog. Funktionsaufnahmen empfehlen. Sie dienen dem Nachweis oder Ausschluss einer Instabilität der Halswirbelsäule durch eine Verletzung von Bändern oder Bandscheiben. Hierzu wird Sie Ihr Arzt auf eine Untersuchungsliege legen, Ihren Kopf sicher in beide Hände nehmen und Ihren Kopf unter laufender Kontrolle mit einem sog. Röntgenbildwandler untersuchen. Hier können, wie bei Filmaufnahmen, die Bewegungen der einzelnen Halswirbel gegeneinander bei der Überstreckung nach hinten und bei der Beugung nach vorne beobachtet und kontrolliert werden. Ist ein Band oder eine Bandscheibe zerrissen, so zeigt sich dies durch eine vermehrte Beweglichkeit und verletzungsbedingte Verschiebung benachbarter Wirbel. Bei vorsichtiger Durchführung der Untersuchung am bewusstseinsklaren Patienten besteht kein Risiko der Verschlimmerung und der Verletzung durch die Untersuchung selbst.

Magnetresonanztomographie (MRT).

Eine Magnetresonanztomographie wird bei Verletzungen durchgeführt, wenn es darum geht:

  • Nervenausfälle nach einer Verletzung abzuklären
  • Eine Feindiagnostik von Verletzungen der Bänder und der Bandscheiben durchzuführen
  • Bei vorliegen tumoröser oder entzündlicher Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule
  • Zur Beurteilung von Rückenmarkverletzungen oder Veränderungen (Tumor, Blutung, Entzündung)

Therapien

Bei stabilen Brüchen ist eine Halskrause ausreichend. Bei instabilen muss operiert werden.

Rehabilitation

In der Reha wird die Halsmuskulatur wieder aufgebaut und die Beweglichkeit verbessert.

Fachliche Betreuung

Siepe

Der Beitrag wird betreut durch

PD Dr. med. habil. Christoph Siepe


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