Fraktur der Brustwirbelsäule / Lendenwirbelsäule. Therapie
Therapie von Verletzungen der Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule.
Sind Wirbel gebrochen, müssen diese operativ stabilisiert werden.
Die meisten Verletzungen der Rumpfwirbelsäule können konservativ, d.h. ohne Operation behandelt werden, sofern eine Instabilität und damit die Gefahr der Entwicklung von Fehlstellungen und Nervenausfällen ausgeschlossen werden kann. Schwerere Verletzungen beispielsweise mit Verschiebung oder Zerstörung einzelner Wirbel (wie z.B. ein Bruch) können und müssen operativ behandelt werden. Durch die Fortschritte der modernen Wirbelsäulenchirurgie können auch schwerste Verletzungen so korrigiert und stabilisiert werden, dass eine Frühmobilisation ohne Korsett möglich ist. An der Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule benutzen wir die kräftigen Wirbelbögen und Wirbelkörper zur Verankerung von Schrauben, die von hinten eingebracht werden. Die Schrauben und Verbindungselemente werden über kleinste Hautschnitte eingebracht und unter der Haut und Muskulatur miteinander verbunden. Durch ein Verschieben der Schrauben auf den Verbindungsstangen und die Veränderung des Winkels der Schrauben kann der Wirbelbruch dann aufgerichtet und zunächst stabilisiert werden.
Wiederherstellung der Belastungsfähigkeit.
4/5 der Last des menschlichen Körpers werden von den vorne gelegenen Wirbelkörpern getragen. Kommt es verletzungsbedingt zur Zerstörung eines oder mehrerer Wirbelkörper, wie es bei einem Bruch der Fall ist, so müssen diese operativ wieder aufgebaut werden. Dabei werden die verletzten Anteile des Wirbelkörpers und der Bandscheiben entfernt und ersetzt.
Endoskopische Verfahren an der Wirbelsäule.
Verwendung von Kunststoffhülsen.
Das Prinzip beruht auf der Verwendung von vier Kunststoffhülsen, die nach jeweils einem 1,5 - 2 cm großen Hautschnitt zwischen den Rippen in den Brustkorb eingesetzt werden. Über eine der Hülsen wird eine hoch auflösende Kameraoptik eingeführt, mit deren Hilfe die gesamte Operation im Körperinneren auf zwei Monitore im Operationssaal übertragen wird. Die anderen 3 Hülsen werden benützt, um die Operationsinstrumente, wie beispielsweise ein Ultraschall-Messer, schonend einzuführen. Um die Übersicht in der Brusthöhle zu optimieren, wird die Lunge auf der betroffenen Seite für die Dauer der Operation von der Beatmung ausgeschlossen. Der feste Brustkorb dient bei dem Eingriff als natürlich vorgegebene Operationshöhle, so dass die Operation im überdruckfreien Milieu ohne Verwendung eines Gases durchgeführt werden kann.
Entlastung des Rückenmarks.
Mit den für diese Technik eigens entwickelten Zangen, Hochfrequenzfräsen und Stanzen können dann die gebrochenen Anteile des Wirbelkörpers und zerrissene Bandscheiben entfernt werden. Nicht selten ist es durch die Wucht des Unfallmechanismus selbst auch zur teilweisen oder vollständigen Verlegung des Rückenmarkskanals mit Ausbildung von Lähmungen und Nervenausfällen gekommen. Es ist heute möglich auf endoskopischem Weg auch diese Knochensplitter schonend aus dem Kanal zu entfernen, um das Rückenmark zu entlasten und somit bestmögliche Voraussetzungen für den erhofften Rückgang von Lähmungen und Gefühlsausfällen schaffen.
Einsatz des Titankorbs.
Als Ersatz für den gebrochenen Wirbelkörper und die Bandscheiben wird ein mit körpereigener Knochensubstanz gefüllter Titankorb oder ein Knochenspan in den Defekt in der Wirbelsäule eingesetzt. Eine eigens für dieses Verfahren entwickelte Titanplatte wird mit Schrauben in der Wirbelsäule zu verankert, um die Stabilität weiter zu verbessern.
Vorteil der Endoskopie: Rasche Erholung nach der Op.
Begleitende Untersuchungen haben neben dem deutlich geringeren Blutverlust während der Operation vor allen Dingen einen positiven Einfluss auf die Schmerzintensität nach dem Eingriff nachweisen können. Diese Effekte schlugen sich in einer raschen Erholung der Patienten mit der Möglichkeit der frühen Mobilisation nieder. So können und sollen Patienten ohne verletzungsbedingte Lähmungen bereits am ersten Tag nach der Operation aufstehen. Einen für den Patienten angenehmen Nebeneffekt stellen die kleinen, nach wenigen Wochen kaum noch sichtbaren Narben dar.
Einsatz der Navigation.
Kommt es auf allergrößte Genauigkeit an, so können heute sämtliche oben dargestellte Eingriffe unter Verwendung eines Navigationssystems durchgeführt werden. Dabei werden die präoperativ, d. h. vor der Operation, gewonnenen Bilddaten der verletzten Wirbelsäule mit Daten abgeglichen, die während der Operation entweder durch Röntgenaufnahmen oder manuelle Abtastung markanter Strukturen gewonnen werden. Die Wirbelsäule wird dem Operateur dann als dreidimensionales Modell dargestellt, in dem er beispielsweise die Bohrrichtung, als auch die Länge und Richtung von Schrauben in allen Ebenen kontrollieren und korrigieren kann.
Rehabilitation nach Verletzungen an der Wirbelsäule.
Je nach Ausmaß der Verlegung des Wirbelkanals resultiert daraus eine Lähmung durch Kompression des Rückenmarks oder der darin verlaufenden Nervenbündel. Gelingt es innerhalb kürzester Zeit, das Rückenmark vom Druck zu befreien, so ist eine Erholung von Nervenfunktionen möglich. Bei beiden Patientengruppen – mit und ohne neurologische Ausfälle - können wir heute in der Weiterbehandlung darauf bauen, dass im Bereich der Verletzung nach konservativer oder operativer Therapie stabile Verhältnisse vorliegen, die eine funktionelle Physiotherapie und Ergotherapie sehr früh ermöglichen. In den meisten Fällen kann so die Rehabilitation schon am 1. Tag nach der Operation beginnen.
Wiedereingliederung ins Berufsleben.
Bei Patienten ohne neurologische Ausfälle steht dabei die Wiedereingliederung in das ursprüngliche Berufsleben im Vordergrund. Dies ist hier in Abhängigkeit vom ursprünglichen ausgeübten Beruf in unterschiedlichem Maß möglich. Ein Zimmermann, der sich bei einem Sturz vom Dach einen Trümmerbruch des 1. Lendenwirbels zuzog, wird auch heute trotz Anwendung modernster minimal-invasiver Verfahren der Stabilisierung und Rekonstruktion der Wirbelsäule kaum in der Lage sein, diesen mit schwersten körperlichen Belastungen verbundenen Beruf auf Dauer konkurrenzfähig auszuüben und wird – wenn er jung genug ist – Umschulungsmaßnahmen in Anspruch nehmen müssen. Bei Berufen mit leichter oder mittelschwerer körperlicher Belastung verhält es sich weitaus günstiger, so dass wir insgesamt über alle Berufsgruppen gesehen, von einer Wiedereingliederungsrate von etwa 80% nach Wirbelsäulenverletzung ausgehen können. Im deutschsprachigen Raum rechnen wir mit einer durchschnittlichen Dauer von 8 bis 12 Wochen bis zum Eintritt der Arbeitsfähigkeit.
Wiederherstellung der Eigenständigkeit nach einer Lähmung.
In Abhängigkeit von der Lähmungshöhe ist das vorrangige Ziel der Rehabilitation von Verletzten mit einer Lähmung die Wiederherstellung der Eigenständigkeit. Die Aktivitäten des täglichen Lebens müssen neu erlernt und auf die neuen Bedingungen hin ausgerichtet werden. Dazu gehören das Erlernen des Gebrauchs eines Rollstuhls und das Überwechseln vom Bett in den Rollstuhl. Das Kathetern der Harnblase und die Entleerung des Darmes sind neue Anforderungen, die sich aus der Lähmung von Harnblase und Mastdarm ergeben. Der Querschnittgelähmte bedarf einer lebenslangen Nachsorge, um typische Komplikationen, wie Harnwegsinfekte und Liegegeschwüre frühzeitig zu erkennen. In Abhängigkeit vom Lähmungsbild sollte immer die Wiedereingliederung in das Berufsleben angestrebt, um auch das soziale Umfeld zu stabilisieren.
Diagnostik
Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen geben Aufschluss. Zur weiteren Diagnose werden CT oder MRT hinzugefügt.
Diagnostik
Spezialisierte Kliniken
Diese Kliniken sind auf die Behandlung einer Fraktur der Lenden- und Brustwirbelsäule spezialisiert.
Spezialisierte Kliniken