Freude am Leben trotz chronischer Krankheiten
Mit gezielten Strategien Lebensqualität zurückgewinnen.
Trotz einer chronischen Krankheit kann man Freude am Leben empfinden.
Wer erfährt, dass er an einer chronischen Krankheit leidet, die ihn für lange Zeit, wenn nicht gar für immer beeinträchtigt, empfindet erst einmal Trostlosigkeit: Das Leben scheint seine Qualität verloren zu haben. Chronische Krankheiten wie Herz-oder Lungenerkrankungen, Rheuma oder bleibende Wirbelsäulenschäden werfen bei den Betroffenen viele Fragen und Sorgen auf. Patienten mit chronischen Krankheiten müssen sich oft aus einem seelischen Tief hocharbeiten und brauchen Unterstützung zur Krankheitsbewältigung, um die neue Situation meistern zu können. Dennoch schaffen es viele chronisch Kranke, ihre Freude am Leben wiederzufinden. Gezielte Strategien zur Krankheitsbewältigung helfen, Perspektiven zu entwickeln und Lebensqualität zurückzugewinnen.
Erster Schritt der Krankheitsbewältigung: sich zur Krankheit bekennen.
Viele Menschen, die erfahren, dass sie unter einer chronischen Krankheit leiden, wollen dies möglichst verheimlichen und oft auch sich selbst gegenüber nicht eingestehen. Sie versuchen so weiterzuleben, als wären sie gesund, versuchen stark zu sein. Doch raten die Experten für Krankheitsbewältigung von dieser Haltung ab: Es kostet sehr viel Kraft, die Erkrankung zu verstecken. Wenn niemand ahnt, wie schlecht es dem Betroffenen geht, dann bekommt er auch kein Verständnis und keine angemessene Hilfe.
Soll man die chronische Krankheit im Bauchladen vor sich hertragen?
Andere Menschen stehen zwar zu ihren chronischen Krankheiten, aber ihre Gedanken kreisen fast nur noch um das belastende Thema und sie erzählen jedem davon. Sie tragen ihre Krankheit quasi wie in einem Bauchladen vor sich her, und die Umwelt reagiert darauf häufig ablehnend. Im Laufe der Zeit finden Patienten mit chronischen Krankheiten oft selbst einen ganz guten Weg, sich rechtzeitig zu ihrer Krankheit zu bekennen, wenn sie sonst nicht registriert würde. Das Thema wird auch beiseite gelassen, wenn die Situation keinen Hinweis darauf erfordert.
Man ist selbst der beste Experte für die Krankheitsbewältigung.
Oft resultiert aus einem längeren Entwicklungsprozesses, dass Patienten mit chronischen Krankheiten zu der Erkenntnis gelangen: „Ich selbst bin der beste Experte für meine eigene Situation.“ Dieses Bewusstsein kann sehr hilfreich sein, wenn es darum geht, sein Leben mit der Krankheit neu einzurichten. Wenn Patienten an dieser Einschätzung festhalten, können sie damit auch Ärzte und Therapeuten bei ihrer Arbeit unterstützen.
Wichtig bei der Krankheitsbewältigung: die Sichtweise verändern.
Obwohl ihr Leben lang an die Sauerstoff-Therapie gebunden – für diese Patientin mit chronischer Lungenerkrankung hält der Alltag noch viele Freuden bereit, wie z.B. beim leichten Training im Fitnessstudio.
Experten für Krankheitsbewältigung empfehlen ihren Patienten, den Blick davon wegzulenken, was wegen der chronischen Erkrankung nicht mehr geht, und dahin zu richten, was alles noch gelingt. Die eigene Sichtweise dementsprechend zu verändern, hilft vielen Patienten mit chronischen Krankheiten, statt des halbleeren wieder das halbvolle Glas zu sehen. Manche Patienten möchten etwas an ihrem Leben verändern, um besser mit der Krankheit klarkommen zu können. Dies gelingt am einfachsten, wenn sie mit der Veränderung bei dem Rädchen ansetzen, das sich am leichtesten drehen lässt. Sieht man nämlich das große Räderwerk der Lebenszufriedenheit, dann beeinflusst jedes Rad das nächste. Manche Patienten nehmen sich als erstes Rädchen vor, eine halbe Stunde Ruhe in jeden Tag einzuplanen, andere dagegen setzen auf einen regelmäßigen Spaziergang oder Treffen mit dem Freundeskreis.
Wert eines Menschen durch chronische Krankheiten nicht geringer.
Viele Menschen, die von ihrer chronischen Erkrankung erfahren, fürchten, dass sie für ihre Mitmenschen jetzt weniger wert sind. Dieser Eindruck entsteht schnell, weil die gesellschaftliche Anerkennung in der Regel von Leistung abhängt. Doch stimmt diese Einschätzung in der Familie und im engen Freundeskreis nicht, und dies kann man sich auch leicht selbst klarmachen: Wenn man sich in die umgekehrte Situation versetzt und sich vorstellt, dass der Familienangehörige oder enge Freund krank wäre – würde man ihn dann weniger mögen? Natürlich nicht - und somit sollte man selbst auch nichts dergleichen annehmen – ein ganz wichtiger Schritt zur Krankheitsbewältigung.
Wertvoll: Austausch mit anderen Betroffenen.
Zudem ist der Austausch mit anderen Betroffenen oft sehr hilfreich, vor allem dann, wenn die Krankheit schwer zu verstehen ist. Andere Mitglieder in Selbsthilfegruppen, die unter der gleichen chronischen Erkrankung leiden, vermitteln oft den Mut, sich wieder eigenständige Bereiche im Leben zurückzuerobern. Daher werden sie – neben der Familie und den Freunden – oft zu wichtigen Gesprächspartnern, die weiterhelfen können, wieder Freude am Leben zu gewinnen.
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