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Was können Angehörige von Angstpatienten tun?

Angsterkrankungen und Partnerschaften

Vergleicht man Menschen mit unglücklichen Partnerschaften mit Menschen in glücklichen Partnerschaften, so findet man bei den unglücklichen fast dreimal so häufig Angsterkrankungen. Man weiß jedoch bis heute nicht, was Henne und was Ei ist. Möglicherweise steigert partnerschaftliche Unzufriedenheit das allgemeine Anspannungsniveau so stark, dass eine Angsterkrankung ausgelöst wird. Andererseits beeinflusst aber auch die individuelle Angsterkrankung die Abläufe und Routinen der Partnerschaft bzw. Familie so sehr (z.B. einkaufen, Ausflüge etc.), dass dies die Partnerschaft belastet. Diese beiden Prinzipien werden auch für fast alle anderen psychischen Erkrankungen diskutiert. Denn bei den meisten Erkrankungen findet sich ein Zusammenhang zwischen psychischer Erkrankung und Partnerschaftszufriedenheit.

Der Partner wird in den Angstkreislauf integriert

Was jedoch spezifisch bei den Angsterkrankungen häufig passiert, ist, dass der Angehörige zum Co-Ängstler wird und der betroffene Patient bei seinem Partner Hilfe und Beruhigung sucht. Damit wird der Partner zur Sicherheitsperson und somit in den Angstkreislauf integriert. Er möchte dem Betroffenen helfen, wobei er oft des Guten zu viel tut. Z.B begleitet er ihn in Angst machenden Situationen, übernimmt Besorgungen etc. Dadurch verstärkt sich die Angst, dem Partner wird bei der Bewältigung seiner Ängste aber nicht geholfen. Im weiteren Verlauf können ständige Hilferufe Angehörige einengen. Manchmal wird die Stimmung untereinander gereizter und aggressiver. Für beide entsteht ein zunehmender Wunsch nach Distanzierung bei zunehmender Abhängigkeit. Betroffene und Angehörige haben schnell das Gefühl, dass sie selbst oder die Angst missbraucht werden. In manchen Fällen übernimmt die Angst sogar unbewusst die Funktion, den Partner an sich zu binden und von anderen Problemen oder Konflikten abzulenken. Die Angst kann zunehmend eine eigentlich gute Beziehung trüben.

Was Angehörige tun können

Angehörige und Freunde können Betroffene unterstützen, indem sie die Angststörung als behandlungsbedürftige Erkrankung ernst nehmen. Sie sollten Verständnis zeigen und Bereitschaft signalisieren, über die Ängste zu sprechen. Es erscheint sinnvoll, sich vorher über Angststörungen zu informieren. Angehörige oder Freunde können jedoch nicht die Rolle eines Therapeuten übernehmen. Sie sollten aber die Betroffenen aktiv ermutigen, zum Hausarzt, Nervenarzt oder Psychologen zu gehen. Angehörige können ihre Besorgnis ausdrücken, Informationen besorgen und motivieren.

Wie sieht eine Behandlung von Angsterkrankungen aus?

Die optimale Angstbehandlung sieht die Konfrontation mit angstauslösenden Situationen (z.B. Bahn fahren) und Körperempfindungen (z.B. Herzklopfen) vor. D.h., der betroffene Patient muss sich ohne seine Sicherheitsstrategien diesen Auslösern längerfristig aussetzen. Zu Beginn einer solchen Übung steigt die Angst massiv an. Bleibt der Patient jedoch in der angstbesetzten Situation, kommt es im Verlauf zu einer körperlichen Gewöhnungsreaktion und damit längerfristig zu einem Abflachen der gesamten Angstreaktion. Der Patient kann zunehmend angstbesetzte Situationen aufsuchen, ohne dass er von Ängsten gequält oder überwältigt wird. Diese Therapie gilt als effektivste Behandlungsmethode der Angsterkrankung. Sie muss für den Betroffenen jedoch als „bittere Medizin“ betrachtet werden und erfordert viel Behandlungsmotivation.

Motivieren Sie Ihren Partner zum Üben

Sie als Angehöriger können das Üben des Betroffenen in der Therapie fördern. Dieses erreichen Sie z.B. durch Ermutigungen zu Üben, die Bemühungen anerkennen oder indem Sie Ihren Partner bei Angst besetzten Situationen ermutigen, sie nicht zu verlassen bzw. wieder aufzusuchen. Hierdurch wirken Sie unterstützend in eine Angst abbauende statt in eine angstförderliche Richtung. Sie selbst erhalten wieder mehr „Luft zum Atmen“ und sind vermutlich weniger gereizt.
Letztlich sollte jedoch klar sein: Der Betroffene muss selbst Verantwortung für seine Therapie übernehmen.

Wann sie gemeinsam das Gespräch aufsuchen sollten

Bestehen massive Probleme und Konflikte innerhalb von Partnerschaft und Familie, sollten Sie am besten gemeinsam das Gespräch mit einem Therapeuten suchen. Von ihm lassen Sie sich beraten, wer zu welchen Veränderungen bereit ist oder zu solchen motiviert werden kann.

Buchtipps

Hexal-Ratgeber Angst
Angsterkrankungen, Behandlungsmöglichkeiten
von H U Wittchen
ISBN-10:3-8055-6172-5

Ratgeber Panikstörung und Agoraphobie
Fortschritte der Psychotherapie, Band 14
Informationen für Betroffene und Angehörige
von Nina Heinrichs
Hogrefe Verlag GmbH + Co.
ISBN-10:3-8017-1986-3

Ihr Ansprechpartner

Braukhaus

Dr.

Christoph Braukhaus

Tel.: 04192 504-634