Tinnitus (Ohrgeräusche). Ursachen & Symptome

Lärm kann die äußeren Haarzellen des Ohres schädigen. Dadurch kann ein Tinnitus entstehen.

Lärm kann die äußeren Haarzellen des Ohres schädigen. Dadurch kann ein Tinnitus entstehen.

Hinter einem Tinnitus steckt fast immer ein Problem des Hörsystems. Auf Störungen in diesem Bereich reagiert es oft mit schlechterem Hören, einer Überempfindlichkeit für Geräusche oder mit einem Tinnitus. Damit ähnelt dieses Sinnesorgan dem Auge, das auf Schäden ebenfalls mit Sehminderung, Licht- empfindlichkeit oder Lichtblitzen reagiert, die nur für den Betreffenden sichtbar sind. 

Lärm oder auch giftige Substanzen können die äußeren Haarzellen der Hörschnecke schädigen oder gar zerstören. Damit geht ihre Funktion als Geräuschdämpfer verloren. Es kommt zum Tinnitus oder auch anderen Hörstörungen.
Sind die inneren Haarzellen zusätzlich betroffen, können sie die Schallwellen nicht mehr richtig in entsprechende elektrische Nervenimpulse umsetzen. Das Phantomgeräusch entsteht dann durch fehlerhafte Impulse dieser Zellen.
Solche spontanen elektrischen Impulse kann aber auch der Hörnerv selbst erzeugen.
Auch an den Schaltstellen der betreffenden Nervenbereiche im Gehirn führen ungewollte Entladungen oder fehlende Rauschunterdrückung manchmal zu einem fehlerhaften Eindruck eines Umwelt-Geräuschs.

Tinnitus entsteht im Hörzentrum des Gehirns.

Schäden im Gehörgang führen aber nicht nur dort zum Verlust des Hörvermögens, sondern auch im Gehirn. Dort verändern sich Nervenverschaltungen im Bereich der Hörrinde. Aufnahmen mit funktioneller Magnet-Enzephalographie zeigen, dass sich die Areale verändern, in der bestimmte Frequenzen im Gehirn abgebildet werden. Vergleicht man die Belastung durch den Tinnitus mit dem Ausmaß der Veränderungen im Gehirn, so korrelieren die beiden Variablen sehr stark.

Bei zwei von drei Fällen geht Tinnitus auf ein vermindertes Hörvermögen im Innenohr zurück. Die Betroffenen leiden dann unter zunehmend schlechterem Gehör als Alterserscheinung oder durch frühere Lärmbelastungen. Aber auch die Menière-Krankheit (zusammen mit einseitigem Hörverlust und Drehschwindel) oder ein Hörsturz können das Ohrensausen auslösen. Generell sind die meisten Hörschäden mit einem Risiko für Tinnitus verbunden. Bei den restlichen Fällen bleibt die Ursache unklar. ("idiopathischer Tinnitus").

Häufigste Ursachen für Tinnitus.

  • Lärm ist die häufigste Ursache von Tinnitus. In 43% der Fälle lösen Dauerlärm oder ein lauter Knall das Ohrensausen aus. An zweiter Stelle liegen laut einer Umfrage der Deutschen Tinnitus-Liga beruflicher und privater Stress.
  • Zwei Drittel aller Schwerhörigen leiden auch unter Tinnitus, darunter können rund 20% die Phantomgeräusche nicht unterdrücken. Umgekehrt hören gut die Hälfte aller Tinnitus-Patienten schlecht. Ein Hörgerät tragen davon jedoch nur 7,5%.
  • Wenn die winzigen Hörknöchelchen durch eine Entzündung immer unbeweglicher werden, führt auch das zur Schwerhörigkeit und damit in der Mehrzahl der Fälle zum Tinnitus.
  • Ein Hörsturz kündigt sich oft ohne Vorwarnung und ohne vorherige Beschwerden an. Der Patient hört auf einem Ohr nicht mehr gut, hat aber in 70% der Fälle ein Ohrensausen. Allerdings bessert sich diese Form der Schwerhörigkeit sehr oft wieder von selber.
  • Bei einem Schädel-Hirn-Trauma entstehen nicht selten Verletzungen im Innenohr. Auch dann droht der Tinnitus.
  • Schließlich ist in seltenen Fällen das Rauschen im Ohr erstes Anzeichen eines Tumors der Nervenscheidezellen (Schwannom) des Hörnervs. Die Hörminderung kommt manchmal erst später.

Stress & Tinnitus

Bislang gibt es keine gesicherte Untersuchung für diese Hypothese.

Nebenwirkungen von Medikamenten.

Auf Beipackzetteln vieler Medikamente findet sich oft Tinnitus in der Liste möglicher Nebenwirkungen. Bei Antidepressiva, Aminophyllin, Chinidin, Carbamazepin, Doxycyclin, Indometacin, Koffein, Salicylaten, Salbutamol, Tetracyclin, Tuberkulostatika und einigen anderen kommt es zuweilen zum Tinnitus. Meist ist das Rauschen dann aber dosisabhängig und reversibel.

Bei Aminoglykosid-Antibiotika wie etwa Gentamycin, Kanamycin, Streptomycin, Neomycin, Bykomycin, aber auch Cisplatin sind jedoch auch bleibende Schäden möglich.

Halswirbelveränderungen und Muskelverspannungen.

Chronische Muskelverspannungen können einen bestehenden Tinnitus verstärken

Chronische Muskelverspannungen können einen bestehenden Tinnitus verstärken

Dauerhafte Muskelverspannungen oder verletzungsbedingte Veränderungen der Halswirbelsäule, zuweilen auch durch Muskelverspannungen ausgelöst, können ebenfalls zum Tinnitus führen oder ihn zusätzlich verstärken (zervikogener Tinnitus). Zähneknirschen oder Verspannungen im Kiefergelenk gehören ebenfalls zu diesen Störungen des Muskelgewebes, das über Nervenverschaltungen mit der Hörbahn verknüpft ist.

Morbus Menière.

Drehschwindel zusammen mit Tinnitus und einem Hörsturz gehört zu den typischen Symptomen der Menière-Krankheit. Erste Anzeichen sind ein zunehmender Druck im betroffenen Ohr und ein verstärktes Ohrgeräusch. Der Betreffende hört dann nur mehr undeutlich und verzerrt.

Symptome für Tinnitus.

Das typische Geräusch eines Tinnitus ist ein Klingen, Pfeifen, Rauschen oder Zischen in einem oder beiden Ohren oder aus dem Kopf heraus. Wer unter Tinnitus leidet, hört oft auch schlechter auf dem betroffenen Ohr oder ist empfindlich gegenüber Geräuschen. Zuweilen überdecken die Umgebungsgeräusche den Phantomlaut, manchmal ist das Geräusch aus dem Inneren aber auch lauter als der Lärm unserer Umwelt.

Das Tinnitus-Forum.

Willkommen im Tinnitus-Forum. Das Forum wird durch Dr. Hoffmann moderiert und ist offen für Betroffene, Patienten, Angehörige.

Tinnitus. Therapie

Chronischer, akuter oder subakuter Tinnitus? Welche Therapie gibt es und wann macht ein stationärer Aufenthalt Sinn?

Fachliche Betreuung

Goebel

Der Beitrag wird betreut durch

Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Gerhard Goebel


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