Chronische Schmerzen.

Schmerzen sind Warnsignale.

Schmerz gehört zu den unangenehmsten Empfindungen für den Menschen. Schmerzen werden von ihrer Qualität her beispielsweise als dumpf, stechend, brennend oder pulsierend beschrieben. So unangenehm das Schmerzerleben ist, so wichtig ist es für unser Überleben. Denn Schmerz, vor allem akuter Schmerz, ist ein Warnsignal und bedeutet, dass etwas mit oder in unserem Körper nicht in Ordnung ist. Denken Sie an Zahnschmerzen: Spätestens dann, wenn dieser unangenehme Zustand auftritt, werden die meisten Menschen einen Zahnarzt aufsuchen, um die Ursache des Schmerzes beseitigen und damit den Krankheitsherd sanieren zu lassen. Akuter Schmerz ist also ein Warnsignal!

 

Anders bei chronischen Schmerzen.

Chronische Kopfschmerzen beeinträchtigen die Lebensqualität.

Chronische Kopfschmerzen beeinträchtigen die Lebensqualität.

Anders verhält es sich mit chronischen Schmerzen. Diese können selbstverständlich Ausdruck einer chronischen, manchmal lebensbedrohenden Erkrankung sein (z. B. Tumorschmerzen), aber nicht immer ist ein organischer Hintergrund zu finden, der das Ausmaß der Schmerzen vollständig erklärt. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass beispielsweise die Stärke von Rückenschmerzen nicht mit den Veränderungen, die am Röntgenbild zu sehen sind, übereinstimmen. Weitere Untersuchungen, die mittels bildgebender Verfahren, zum Beispiel dem fMRT (= funktionelle Magnetresonanztomographie) am Gehirn von Schmerzpatienten durchgeführt wurden, zeigten jedoch, dass das Ausmaß der Beschwerden mit der Aktivierung s ogenannter Schmerzzentren im Gehirn korreliert. Es gibt also ein Schmerzgedächtnis, welches bei Menschen unterschiedlich ausgeprägt ist und das „chronische“ Schmerzerleben beeinflusst.

Schätzungen der Deutschen Schmerzgesellschaft zufolge leiden ca. 8-16 Mio. Menschen in Deutschland an chronischen Schmerzen.

 

Schmerzstörung. Informationen von A-Z

Information. Was sind chronische Schmerzen?

Von chronischem Schmerz spricht man dann, wenn die Beschwerden länger als sechs Monate anhalten. Von einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ASS) spricht man, wenn ein Patient über Monate hin anhaltend über schwere und quälende Schmerzen klagt, für deren Erklärung adäquat durchgeführte somatische Untersuchungen keinen ausreichenden Anhalt ergeben und wenn emotionale und psychosoziale Belastungsfaktoren als ursächlich angesehen werden müssen. Diese Definition ist nicht unumstritten, da sie subjektiver Interpretation viel Raum lässt. Fakt ist jedoch, dass organische Befunde nicht mit dem Schmerzerleben übereinstimmen. Daher ist bei vielen Schmerzpatienten eine rein somatische Behandlung nicht zielführend, sondern ein psychosomatisches Störungsverständnis ist anzustreben.

 

Ursachen. Wie entsteht eine Schmerzstörung?

Wodurch entstehen Schmerzen?

Bei den meisten Schmerzpatienten findet sich ein organischer Kern, der ursprünglich „akute“ Schmerzen verursacht hat. Aus unterschiedlichen Gründen können diese Schmerzen schließlich chronisch werden, wobei der ursprüngliche somatische Hintergrund oft nicht mehr nachweisbar ist. Der Verlauf wird beispielsweise durch den persönlichen Umgang mit dem Schmerz beeinflusst – so werden ängstliche Menschen weniger aktiv mit den Beschwerden umgehen, da sie befürchten, die Symptomatik durch Bewegung oder andere körperliche Aktivitäten zu verschlimmern. Aber auch gleichzeitig auftretende Depressionen können bewirken, dass der Schmerz chronifiziert. Nicht zuletzt ist chronischer Schmerz für viele verantwortungsbewusste Menschen die einzige Möglichkeit, vor sich selbst einen Rückzug vor dauerhaft belastenden, unangenehmen Tätigkeiten zu rechtfertigen.

 

Das Denken kreist nur noch um die Schmerzen.

Durch die Schmerzen ist die Lebensqualität stark beeinträchtigt.

Durch die Schmerzen ist die Lebensqualität stark beeinträchtigt.

Chronische Schmerzerkrankungen sind dadurch charakterisiert, dass Schmerzen fast die ganze Zeit über vorhanden sind, dass häufig das Denken der Betroffenen nur mehr um die Schmerzen kreist und die Lebensqualität durch die Beschwerden deutlich vermindert wird. Trotz intensiver Untersuchungen kann oft keine ausreichende organische Ursache am „Schmerzort“ für die Schmerzen nachgewiesen werden. Viele Betroffene fühlen sich nun nicht ernst genommen und suchen weitere Ärzte, immer auf der Suche nach einer organischen Erklärung, auf. Doch die Suche bleibt häufig erfolglos, da der Schmerz nicht immer nur dort entsteht, wo er empfunden wird. Die Patienten probieren viele Schmerzmittel aus, die allerdings ebenfalls nicht die gewünschte und erhoffte Linderung bringen. Im Gegenteil, dies kann zu einer Abhängigkeit führen und bei Absetzversuchen zu einer Schmerzverstärkung – ein zusätzliches Problem ist dazugekommen.

 

Das Diathese-Stress-Modell.

Nach dem so genannten Diathese-Stress-Modell ergeben sich bei einer somatoformen Störung die Symptome aus den komplexen Wechselwirkungen von biologischen, psychologischen und sozialen Faktoren. Genetische körperliche Prädispositionen (Empfänglichkeit für bestimmte Erkrankungen) und frühere Schmerzerfahrungen, die im Schmerzgedächtnis abgespeichert wurden, führen zu einer speziellen Sensibilisierung, die durch bestimmte Denkmuster und emotionale Befindlichkeiten sowie soziale Faktoren wie Familie und Beruf verstärkt oder gemildert werden kann. Im Zuge eines Lernprozesses entwickeln die Patienten ein Schmerzverhalten, das nicht mehr als direkte Reaktion auf den Schmerz zu verstehen ist, sondern als persönlichkeitsspezifischer Umgang mit diesem. Das muss nicht bedeuten, dass biologisch-organische Ursachen gar keine Rolle spielen. Sie reichen eben nur nicht aus, die individuellen Beschwerden hinreichend zu erklären.

 

Der Einfluss der Körperwahrnehmung.

Bei der Wahrnehmung von chronischen Schmerzen spielen drei verschiedene Körpersysteme eine wichtige Rolle:

  • die Sinneszellen und die ihnen nachgeschalteten Nervenzellen
  • das Rückenmark als erste Verarbeitungsstation
  • das Gehirn, in dem der Schmerz letztendlich als bewusste Erfahrung entsteht.
 

Chronische Schmerzen. Die Sinneszellen

Überall im Körper befinden sich Sinneszellen, die unter anderem Schmerzreize aufnehmen und registrieren können. Diese Schmerzfühler nennt man Schmerzrezeptoren. Sie sitzen in der Haut, in den Eingeweiden, in den Bändern, in den Gelenken und in den Muskeln. Sie werden aktiv, wenn der Körper einem für ihn schädlichen Reiz ausgesetzt wird. Dies kann durch eine Verletzung oder durch eine Krankheit geschehen. In einem solchen Fall sendet der Schmerzrezeptor zahlreiche Impulse über bestimmte Nervenbahnen direkt ins Rückenmark, das sich gut geschützt in der Wirbelsäule befindet.

 

Chronische Schmerzen. Das Rückenmark

Inzwischen weiß man, dass die im Rückenmark ankommenden Schmerzimpulse nicht nur einfach an das Gehirn weitergeleitet werden, sondern dass schon auf dieser Stufe ein recht komplizierter Verarbeitungsprozess einsetzt, der den ursprünglichen Schmerzimpuls sehr verändern kann. Dieser komplizierte Prozess lässt sich leichter verstehen, wenn man sich vorstellt, im Rückenmark sei eine Art Tormechanismus installiert, den alle ankommenden Schmerzimpulse passieren müssen. Je nachdem, ob dieses Tor geöffnet oder geschlossen ist, werden die einströmenden Impulse weitergeleitet, verstärkt oder unterdrückt. Je weiter geöffnet das Tor ist, um so deutlicher spüren wir Schmerzen. Ist das Tor geschlossen, gelangen die Schmerzimpulse nicht bis ins Gehirn und wir nehmen keine Schmerzen wahr.

 

Chronische Schmerzen. Das Gehirn

Das Gehirn übernimmt hier die Rolle einer Schaltzentrale, indem es unter anderem durch direkte Befehle an das Rückenmark veranlasst, das Tor entweder zu öffnen oder zu schließen. Der besonders große Einfluss des Gehirns bei der Verarbeitung von Schmerzen wird am Beispiel des Phantomschmerzes deutlich: hier handelt es sich um einen starken und sehr lange andauernden Schmerz, der nach der Amputation eines Körperteils und Abheilung der Narbe auftritt. Das Gehirn ist so einflussreich, dass es die Empfindung hervorrufen kann, dass ein Arm oder ein Bein immer noch große Schmerzen verursacht, obwohl es gar nicht mehr vorhanden ist. Auch dieser Schmerz ist ein echter Schmerz!

 

Symptome. Anzeichen einer Schmerzstörung

Symptom Depression durch fehlgeschlagene Therapien.

Aufgrund der erfolglosen Therapieversuche werden die Betroffenen immer hoffnungsloser und in der Folge häufig depressiv. Dies ist als schwerwiegende Komplikation zu sehen, da depressive Menschen in der Regel noch empfindsamer gegenüber Schmerzen werden. Bei Patienten steht daher das Absetzen, oder bei medizinisch indizierter Schmerzmitteleinnahme, die Umstellung der Medikation in Kombination mit der Therapie der Depression im Vordergrund.

 

Chronische Schmerzen & Depression

Chronische Schmerzen ziehen viele Folgeprobleme nach sich, wie z.B. eine Depression.

Chronische Schmerzen & Depression

 

Symptome der Fibromyalgie.

Eine besondere Verlaufsform einer chronischen Schmerzerkrankung ist das Fibromyalgiesyndrom (FMS), bei dem weitere Beschwerden, wie z. B. Erschöpfung und Konzentrationsstörungen, auftreten. Auch die Fibromyalgie geht häufig mit Depressionen einher.

 

Therapie & Rehabilitation

Ziel der Therapie ist es, die Schmerzen zu verringern. Unterstützend wirkt sportliche Aktivität.

Therapie & Rehabilitation

Spezialisierte Kliniken

Diese Kliniken sind auf die Behandlung chronischer Schmerzen spezialisiert.

Spezialisierte Kliniken