Depression. Saisonal abhängige Depression

Wenn die Jahreszeit die Stimmung beeinflusst...

Noch Winterblues oder schon Depression? Die dunkle Jahreszeit führt häufig zu leichten Stimmungstiefs

Noch Winterblues oder schon Depression? Die dunkle Jahreszeit führt häufig zu leichten Stimmungstiefs

Laut Kalender hat der Herbst begonnen, die Tage werden kürzer. Liegen im Juni zwischen Sonnenauf- und -untergang über 17 Stunden, erleben wir in Deutschland im Dezember nur noch 8 Stunden Helligkeit. Dieser Lichtmangel trägt nicht nur am Polarkreis, sondern auch bei uns zur Entstehung der saisonal abhängigen Depression (SAD) bei. Etwa fünf Prozent der Menschen in Deutschland sind betroffen, leichtere Symptome sind weiter verbreitet. In nördlichen Ländern mit langen dunklen Wintern leiden etwa doppelt so viele Menschen unter SAD. Neben dem Breitengrad spielen auch das Klima, eine genetische Disposition und kulturelle Faktoren eine Rolle. Frauen und jüngere Menschen sind vergleichsweise häufig betroffen.

 

Hormone steuern innere Uhr.

Auch kann das Hormon Serotonin bzw. ein Serotoninmangel bei der Entstehung der SAD eine Rolle spielen. Es beeinflusst unsere Stimmung, unsere Körpertemperatur und auch unseren Appetit. Ist die Serotoninproduktion durch Lichtmangel gedämpft, fehlt – vereinfacht gesagt – ein Gegengewicht zum „Schlafhormon“ Melatonin. Eine Depression kann die Folge sein. Wichtig sei zwischen vorübergehender Herbstmüdigkeit und einer behandlungsbedürftigen Erkrankung zu unterscheiden.

 

Weihnachten kann ebenfalls Auslöser von Depressionen sein.

Weihnachten kann z.B. für Alleinstehende der Auslöser für Depressionen sein

Weihnachten kann z.B. für Alleinstehende der Auslöser für Depressionen sein

Davon zu unterscheiden ist das Phänomen, dass bereits bestehende psychosomatische Erkrankungen sich rundum Weihnachten verschlechtern. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Weihnachten ist nicht die Ursache, aber kann der Auslöser für depressive Episoden sein: Besonders gefährdet sind Alleinstehende und Menschen, die ihren Partner oder eine andere wichtige Bezugsperson verloren haben. Während sich im Alltag die Gefühlswelt ausblenden lässt, wird den Betroffenen in der besinnlichen Weihnachtszeit bewusst, wie einsam sie sind. Erst jetzt empfinden sie lange verdrängte Emotionen wie die Trauer über den Verlust eines Angehörigen, die Wut über die Untreue des Partners oder die Zurücksetzung nach einer verwehrten Beförderung.

 

Verstärkte Ausschüttung von Melatonin kann Ursache sein.

Jetlags und Zeitumstellung sind gute Beispiele dafür, wie auch bei gesunden Menschen der Organismus aus dem Takt geraten kann. Ein ähnlicher Mechanismus liegt auch bei einer Winterdepression zugrunde: Weniger Tageslicht führt zu einer verstärkten Ausschüttung von Melatonin im Gehirn. Da dieses Hormon unsere innere Uhr steuert, kommt es zu verstärkter Müdigkeit, die zu Antriebsmangel und gedämpfter Stimmung führt.

 

Antriebsmangel und Stimmungstiefs sind häufige Symptome.

Die meisten saisonal abhängigen Depressionen (SAD) beginnen im Herbst oder Winter und dauern bis ins Frühjahr hinein. Bei den Betroffenen zeigen sich Antriebsmangel und verstärkte Stimmungstiefs. Während Patienten mit einer „normalen“ jahreszeitunabhängigen Depression eher schlecht schlafen und wenig Appetit haben, so verspüren SAD-Patienten dagegen häufig Heißhunger, vor allem auf Süßes, und nehmen an Gewicht zu. Viele Patienten haben zudem ein hohes Schlafbedürfnis. Sie leiden unter Tagesmüdigkeit und es fällt ihnen deshalb oft schwer, im Alltag normal zu funktionieren. Hält starke Niedergeschlagenheit länger an, sollten betroffene Menschen immer einen Arzt aufsuchen.

 

Lichttherapie gegen Herbst- und Winterdepression.

Die sogenannte "Winterdepression“ spricht gut auf eine Lichttherapie an. Dabei sitzen die Patienten vor einer Speziallampe. Eine Sonnenbank oder normale Lichtquellen bringen nicht den gewünschten Effekt. Wichtig ist, dass die Augen geöffnet sind, damit das Licht nicht nur über die Haut, sondern über die Netzhaut der Augen aufgenommen werden kann. So kann der Lichtmangel in der dunklen Jahreszeit therapeutisch ausgeglichen werden und der gestörte Tag-Nacht-Rhythmus nachjustiert werden. Über die Wahl eines Lichttherapiegeräts, die Intensität und Dauer der Bestrahlung kann nur ein Arzt entscheiden.

Nicht alle Patienten sprechen auf die Lichttherapie an oder die Behandlung ist aufgrund des Zeitaufwands nicht möglich. In diesen Fällen oder bei schweren Formen der saisonal abhängigen Depression kann eine medikamentöse Behandlung notwendig werden. Durch längere Aufenthalte unter freiem Himmel und ausreichend Bewegung können Betroffene vorbeugen. So können regelmäßige Herbstspaziergänge während der verbleibenden Sonnenstunden auch einer beginnenden „Herbstmüdigkeit“ entgegen wirken.

 

Schieben Sie eine Therapie nicht auf.

Wenn akut behandlungsbedürftige psychosomatische Erkrankungen in der Zeit vor Weihnachten vorliegen, sollte eine notwendige Therapie nicht zugunsten der Feiertage aufgeschoben werden. So verständlich der Wunsch ist, Weihnachten zu Hause zu verbringen, so unrealistisch ist oft die Erwartung, ein harmonisches Fest trotz der psychischen Probleme feiern zu können. Wer beispielsweise unter Depressionen leidet, erlebt die Unfähigkeit, sich über die kleinen Dinge des Alltags zu freuen, als besonders schmerzhaft. Während eines gut gemeinten Urlaubs („Spann doch mal aus!“) oder der Feiertage kann dies für die Betroffenen zu einer zusätzlichen Belastung werden. Wird eine Behandlung aufgeschoben, besteht das Risiko einer Verschlechterung und Chronifizierung. Wenn die Betroffenen das krankheitsauslösende Umfeld verlassen, kann dies der erste Schritt und die beste Voraussetzung für eine Besserung der psychosomatischen Störung sein.

 

Depression. Therapie

Psychotherapie und die medikamentöse Behandlung sind wichtige Elemente der Depressions-Therapie.

Therapie

Depression. FAQ

Wir haben die häufigsten Fragen zusammengestellt, die uns unsere Patienten gestellt.

FAQ / Häufige Fragen