Burnout. Alltag | Soziale Netzwerke
Sind soziale Netzwerke Kraftspender oder Krafträuber?
Ein gut funktionierendes Netzwerk kann einen bei Stress auffangen, ein schlechtes kann zu einem Burnout führen.
Beziehungen machen glücklich. Partner, Kinder, Freunde, Verwandte, Arbeitskollegen oder Nachbarn – der Mensch tauscht sich gerne aus und bekommt noch viel lieber positive Bestätigung von anderen Menschen zurück, die ihm wichitg sind. So tragen soziale Netzwerke wesentlich zur eigenen Gesundheit bei. Soziale Netzwerke unterstützen in Krisensituationen wie auch im Alltag, sind Stütze bei persönlichen Problemen oder Kinderbetreuung. Allerdings können soziale Netzwerke auch belastend sein, wenn zu wenig Verständnis entgegengebracht wird, wenn erwünschte Hilfe ausbleibt oder wenn es zu Kränkungen und Verletzungen kommt.
Wie sollte das soziale Netzwerk aufgebaut sein?
Ein zu großes soziales Netzwerk bedeutet einen größeren Pflegeaufwand, was eine Belastung darstellen kann.
Eine wichtige Rolle spielt der Aufbau des soziales Netzwerkes. Wichtig sind Merkmale wie Größe, Zusammensetzung und Anzahl der Personen in ihren sozialen Rollen und wie eng diese wiederum miteinander in Beziehung stehen.
Größe des Netzwerks:
Menschen haben verschiedene Wünsche in Bezug auf die Größe ihres sozialen Netzwerkes: die einen wollen ganz viele Kontakte haben und andere wiederum sind zufrieden mit einer kleinen Anzahl naher Freunde. Trotz dieser unterschiedlichen Vorstellungen, die auch mit dem Lebensalter zusammenhängen, kann man davon ausgehen, dass ein Netzwerk, dass weniger als 1-3 Personen aufweist, eher mit Befindlichkeitsstörungen einhergeht. Und wer zumindest eine Vertrauensperson hat, lebt gesünder, ist weniger anfällig für chronische Erkrankungen, plagt sich weniger mit Ängsten und Depressionen und lebt länger.
Dabei sollte das soziale Netzwerk aber auch nicht zu groß sein, denn die Pflege eines solchen Netzwerks erfordert viel Energie und Aufwand. So investieren zum Beispiel ältere Menschen ihre Kraft und Zeit meist lieber in bewährte Beziehungen. Der "Glückforscher" Ed Diener spricht von einem "Grenznutzen" und meint damit, dass wir andere Menschen brauchen um glücklich zu sein, aber ab einer gewissen Anzahl an wichtigen Menschen bringen zusätzliche Freunde kaum noch zusätzliche Erfüllung.
Dichte des Netzwerks:
Es hat sich als günstig erwiesen, ein soziales Netzwerk zu haben, dass sich aus verschiedenen Beziehungen (z.B. Freunde, Verwandte, Arbeitskollegen usw.) zusammensetzt. Wird das Netzwerk zu einseitig und besteht z.B. ausschließlich aus Verwandten, die zueinander in sehr enger Beziehung stehen, so kann dies einerseits hilfreich sein (durch einen hohen Grad an Unterstützung), auf längere Sicht hin gesehen aber auch belasten (durch ein hohes Ausmaß an Kontrolle und wenig Kontakt zur Außenwelt).
Ein soziales Netzwerk unterstützt.
Ein soziales Netzwerk, in dem man sich geborgen, eingebettet und ausreichend unterstützt fühlt, trägt wesentlich zur Gesundheit und zum Wohlbefinden bei. In diesem Fall werden die sozialen Beziehungen zu eindeutigen Kraftspendern und viele Menschen berichten über häufige positive Zusammentreffen mit anderen.
Ein soziales Netzwerk belastet.
Aber auch beim besten Willen der Hilfegebenden ist es oft gar nicht so einfach, dass die Hilfe, die gegeben wird beim Hilfeempfänger auch so positiv ankommt. Es kann sein, dass die Unterstützung als zu wenig (enttäuschte Unterstützungserwartungen) oder zu viel angesehen wird (Abhängigkeiten) oder dass die Unterstützung, die gegeben wird gar nicht als hilfreich erlebt wird (z.B. Beschwichtigungsversuche). Vielen Menschen leiden auch darunter, dass das Ausmass zwischen Geben und Nehmen nicht ausgewogen ist.
Obwohl soziale Belastungsinteraktionen wie z.B. Ärger, Vernachlässigung, Abwertungen, Respektlosigkeit, Bedrohungen oder Einschränkungen im Alltag viel seltener vorkommen als positive Interaktionen können sie doch eine gravierende negative Auswirkung auf das Wohlbefinden und die Gesundheit haben.
Was tun, wenn das soziale Netzwerk keinen Halt bietet?
Es gibt für diese Frage keine einfachen Antworten. Zuerst sollte eine Netzwerkanalyse stattfinden, um herauszufinden wo das Problem liegt. Ist das Netzwerk zu klein, so könnte ein Ansatzpunkt im Aufbau neuer Beziehungen (z.B. über die Mitgliedschaft in einem Verein) oder in der Aktivierung bereits bestehender Kontakte sein. Für viele stellt das Internet eine neue Kontaktform dar und kann bei sorgfältiger Anwendung auch dazu führe, neue Kontakte zu knüpfen oder bestehende zu fördern.
Gibt es zu viele eindeutige Krafträuber, so stellt sich die Frage, ob es zu einer Veränderung der Beziehungen kommen kann (z.B. Konfliktfähigkeit stärken) oder ob manche Beziehungen besser beendet werden sollten. Es kann auch vorkommen, dass genügend Unterstützung da ist, diese aber nicht als solche wahrgenommen oder angenommen werden kann. Sind die Schwierigkeiten gravierender, so kann vielleicht ein Kurs zur Erlernung sozialer Kompetenzen helfen, manchmal eine Therapie, in der jemand wieder Verständnis, Akzeptanz und Wertschätzung erfährt.
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