Therapie & Behandlung der Borderline-Störung.

Einsatz der kognitiven Verhaltenstherapie bei Persönlichkeitsstörungen wie Borderline.

Für alle Formen von Persönlichkeitsstörungen sind die Methoden der kognitiven Verhaltenstherapien einsetzbar. Bei bestimmten Persönlichkeitsstörungen ist aufgrund deren relativer Seltenheit noch keine etablierte Therapiemethodik und wissenschaftliche Evaluation bekannt, bei anderen Störungen hingegen schon. Bei der hier erneut vorrangig zu nennenden emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ ist die DBT, die Dialektische Verhaltenstherapie nach Marsha M. Linehan, recht effektiv. Wirksamkeitsnachweise existieren auch für die übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP) und die mentalisierungsbasierte Therapie (MBT).

 

Borderline. Diagnostik, Therapie & Behandlung

Diagnostik. Wie wird eine Borderline-Störung festgestellt?

Die Diagnostik von Borderline-Störungen ist schwierig.

Die Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen gilt als besonders schwierig, da fast alle typischen Symptome wie auch die oben schon erwähnten Kriterien qualitativ auch bei eindeutig gesunden Menschen auftreten können. Die qualitative Analyse allein ist deshalb nicht diagnoseklärend, sondern es muss eine gründliche und umfassende quantitative Analyse der Verhaltensweisen durchgeführt werden. Hierbei ist im Sinne einer Längsschnittdiagnose (Langzeitbeobachtung) festzustellen, ob bestimmte, das Syndrom dann definierende Fehlverhaltensweisen über längere Zeit chronisch, situationsübergreifend sowie rigide und unflexibel auftreten. Zudem müssen diese deutlich von der soziokulturellen Umgebung abweichen. Die Langzeitbeobachtung kann auch durch Fremdbeobachtung erfolgen.

 

Vertrauen schaffen ist zur Behandlung von Borderline-Patienten wichtig.

Schließt sich möglicherweise eine psychotherapeutische Behandlung an, ist zur Etablierung einer vertrauensvollen Basis die enge Abstimmung der diagnostischen Einschätzungen und Bewertungen mit den Betroffenen empfehlenswert. Nach Festlegung der übergeordneten genannten Kriterien kann eine Unterscheidung der Untertypen erfolgen, wobei in der klinischen Wirklichkeit meist Mischformen einzelner Untertypen auftreten.

 

Was ist noch hilfreich bei der Diagnostik von Borderline-Störungen?

Für die Diagnostik hilfreich sind sogenannte halbstandardisierte Interviews, bei denen standardisierte Fragen durch klinische Befragungen ergänzt werden. Vorrangig ist hier der SKID-II. Für einzelne Störungen gibt es auch spezifische veränderungsempfindliche Tests wie z. B. die Borderline-Symptomliste BSL.

 

Therapie. Behandlung bei Borderline

Das Therapiekonzept der DBT bei Borderline-Störungen.

Die DBT (dialektisch, behaviorale Therapie) ist im Bezug auf die Veränderung ungünstiger Verhaltensweisen wie Selbstschädigungsverhalten, Suizidalität, beziehungsschädigendes Verhalten sowie destruktive Verhaltensweisen bzgl. der Lebensqualität besonders effektiv. Ein Schwerpunkt liegt auf der konstruktiven Gestaltung der therapeutischen Beziehung und eines tragfähigen Arbeitsbündnisses durch vielfältige Strategien des sogenannten Commitments und der Validierung. D.h. der Patient wird nicht nur in die Verantwortung genommen, ihm wird auch vermittelt, dass seine subjektive Sicht der Dinge verstanden wird. Einen sehr hohen Stellenwert als grundlegende Therapieinterventionsebene haben Übungen zur inneren und äußeren Achtsamkeit.

 

Zentral bei der Borderline-Störung ist die Behandlung der emotionalen Instabilität.

Borderline-Patienten müssen lernen, sich und andere zu akzeptieren

Borderline-Patienten müssen lernen, sich und andere zu akzeptieren

Das zentrale Problemfeld der emotionalen Instabilität wird durch spezifische in der DBT entwickelte Konzepte und Strategien zur Emotionsregulation behandelt. Die immer bestehenden komplexen zwischenmenschlichen Schwierigkeiten werden mit interaktionellen Interventionen angegangen. Zudem bestehen häufig Probleme der Stressregulation, die mit wirksamen, selbst durchzuführenden Maßnahmen behoben werden können. Alle Problemfelder werden dabei durch den Einsatz von Fertigkeiten (Skills), die die Patienten aktiv erlernen können und müssen, gezielt positiv beeinflusst.

 

Gruppentherapie "Fertigkeitentraining".

Übergeordnetes Ziel der Gruppe ist der Erwerb von Fertigkeiten zur Stresstoleranz. Eine Fertigkeit zur Stresstoleranz ist jedes Verhalten, das in einer belastenden Situation die Anspannung senkt und so die Fähigkeit Stress zu ertragen erhöht, ohne langfristig zu schaden. Fertigkeiten zur Stresstoleranz sollen eingesetzt werden, wenn schmerzliche Zustände („Stress“) auftreten und deren Ursachen zum jetzigen Zeitpunkt oder grundsätzlich nicht veränderbar sind. Stresstoleranzfertigkeiten schaffen die Voraussetzung dafür, dass eine spätere Problemlösung überhaupt möglich wird. „Hinter“ dem Stress stecken meist unbewältigte Gefühle. Deshalb werden in der Gruppe auch erste Fertigkeiten zur Emotionsregulation vermittelt. Die notwendige Basis bilden die ebenfalls vermittelten Fertigkeiten zur Achtsamkeit, welche darauf zielen, mehr Bewusstheit im Alltag und somit mehr Steuerungsmöglichkeiten über sich selbst zu gewinnen.

 

Dialektische Grundhaltung ist wesentlich.

Sehr wesentlich für die Therapieform ist eine dialektische Grundhaltung der Behandler und des Gesamtteams. D.h. es muss eine Ausgewogenheit zwischen verschiedenen Störungsanteilen, auch versteckten, hergestellt und ständig eine Balance gewahrt werden zwischen Akzeptanz und Veränderung des Patienten oder zwischen standardisiertem und individuellem Vorgehen. Dialektische Fragen und Interventionen ziehen sich durch den gesamten Therapieprozess und erfordern ein hohes Maß an Teamkohärenz, Störungswissen und Supervision (Form der Beratung zur Reflexion und Verbesserung des Handelns).

 

Ergänzende Behandlung bei Borderline-Störung.

In der Gestaltungstherapie können sich Borderline-Patienten gestalterisch mit ihrem Syndrom auseinandersetzen

In der Gestaltungstherapie können sich Borderline-Patienten gestalterisch mit ihrem Syndrom auseinandersetzen

Neben den vorrangig in Gruppentherapien eingesetzten Interventionen werden einzeltherapeutische Sitzungen durchgeführt. Sehr sinnvoll und gut mit dem DBT-Konzept zu ergänzen sind Gruppeninterventionen der Bewegungstherapie und der Kunsttherapie. Da die Betroffenen eine Vielzahl von psychosomatischen Symptomen aufweisen, sollten diese gleichzeitig auch einer symptomspezifischen Behandlung zugeführt werden. Die Borderline-Störung kann und sollte grundsätzlich ambulant behandelt werden. Aufgrund der Komplexität ist aber zumindest zu Beginn, oft auch später, immer wieder eine multimodale stationäre Behandlung erforderlich.

 

Therapieüberblick.

Die Therapie besteht grundsätzlich aus folgenden Elementen:

  • Fertigkeitentraining
  • Gruppenverhaltenstherapie
  • Achtsamkeitsgruppe
  • Selbsthilfeorientierte Übungsgruppe
  • Kunst-, Ergotherapie
  • Bewegungstherapie
  • Verhaltenserprobungen
  • Sozialberatung
 

Rehabilitation. Wieder fit für den Alltag werden

Rehabilitation bei Borderline-Störung.

Bei fortgeschrittener Behandlung und schon relativer Stabilität der Patienten können Maßnahmen zur sozialen und beruflichen Rehabilitation weiterführend überlegt und durch-geführt werden. Die Voraussetzungen für eine Rehabilitationsfähigkeit werden aber nicht selten erst bei fortgeschrittener Behandlung erreicht.

 

Das übermächtige Gefühl

Sie fühlte sich schon immer irgendwie anders. Fühlte sich nicht wohl in ihrer Haut. Heute ist klar: Sie litt an Borderline.

Eine Patientin berichtet

 

Borderline & Alltag

Wie sieht der Alltag mit Borderline aus? Können Borderliner z.B. Beziehungen eingehen?

Alltag. Ratgeber & Tipps

Spezialisierte Kliniken

Diese spezialisierten Kliniken verfügen über qualifizierte Ärzte und Therapeuten zur Behandlung von Borderline.

Borderline-Kliniken

 

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