Magersucht | Orthorexie
Besessen von gesunder Ernährung.
Bratwurst und Burger schlagen ihnen auf den Magen. Bei ökologischer Rohkost und Frischkorn-Müsli dagegen schlägt ihr Herz höher – vor Glück. Eingekauft wird im Bioladen oder direkt beim Erzeuger. Lebensmittel mit Zusatzstoffen kommen natürlich nicht in die Tüte. Zu ungesund. Essen ist ein heikles Thema, das akribisch geplant werden muss. So akribisch, dass es die Grenzen des Gesunden überschreitet. Orthorexie heißt die Fixierung auf scheinbar gesundes Essen. Menschen, die darunter leiden, verbannen alles vom Teller, was in ihren Augen ungesund oder schädlich ist.
Der Begriff Orthorexie (aus dem Griechischen orthós = „richtig“ und órexis = „Appetit“) tauchte erstmals vor 15 Jahren auf und bedeutet „richtiger Appetit“. Wobei „richtig“ nicht aussagt, wie viel gegessen wird, sondern vor allem was. Statt Margarine muss es kalt gepresstes Distelöl sein, statt Limonade lieber ein Saft aus ungedüngtem Weizengras. Ein Weißmehlbrötchen aus dem Discounter ist für zwanghafte Gesundesser genauso ungenießbar wie das Steak für einen eingefleischten Vegetarier. Das Gemüse kommt nur vom Bio-Bauern. Es zu kochen wäre fatal, dabei könnten wertvolle Nährstoffe verloren gehen. Also wird es roh verzehrt und möglichst direkt nach der Ernte.
Gesunde Lebensmittel um jeden Preis.
Die zwanghafte Fixierung, nur noch gesund zu essen führt häufig dazu, dass nur noch auf Obst und Gemüse zurückgegriffen wird. Mangelerscheinungen und extremer Gewichtsverlust sind die Folgen.
Bewusst, kalorienarm und frisch zu essen klingt eigentlich vernünftig. Gefährlich wird das gesunde Essen allerdings, wenn es zur Obsession wird. Etwa wenn sich Betroffene stundenlang mit Vitamingehalt, Nährwertangaben und Inhaltsstoffen von Lebensmitteln beschäftigen. Wenn der Einkauf vermeintlich gesunder Sachen eine Wissenschaft für sich wird. Auf Orthorektiker oder Betroffene mit Orthorexie trifft das zu. Da kann es dann schon mal passieren, dass sie einen halben Tag allein mit der Auswahl und Zubereitung einer Mahlzeit zubringen.
Hinzu kommt: Nach Skandalen wie Dioxin in Eiern oder Antibiotika im Huhn wird die Bandbreite an „verlässlichen“ Lebensmitteln immer kleiner. Um ihren Körper nicht zu belasten, verzichten Betroffene dann lieber gänzlich auf tierische Produkte und ernähren sich vegan – also rein pflanzlich. Bei Einseitigkeit sind allerdings Mangelerscheinungen vorprogrammiert. Und die Betroffenen verlieren häufig stark an Gewicht – was in extremen Fällen zur Magersucht führen kann.
Was dem Körper gut tun soll, schädigt ihn nachhaltig.
Bei vielen Orthorektikern steht zu Beginn ihres übertriebenen Essverhaltens der Wunsch im Vordergrund, dem eigenen Körper etwas Gutes zu tun – abzunehmen oder mit Fast-Food-Gewohnheiten aufzuräumen. Doch aus dem Wunsch kann schnell eine Marotte werden und aus der Marotte ein Zwang. Die strenge Disziplin, die Betroffene beim Essen an den Tag legen, stärkt ihr Selbstwertgefühl. Auch hierbei zeigen Betroffene starke Parallelen zu Magersüchtigen. Durch die übermäßige Selbstkontrolle fühlen sie sich sicher, erfolgreich und „Normalessern“ überlegen. Schaffen sie es mal nicht, ihren rigiden Ernährungsplan einzuhalten, plagen sie massive Schuldgefühle. Den vermeintlichen Fehltritt gleichen sie meist durch Fasten wieder aus.
Soziale Isolation statt geselliges Beisammensein.
Freude und gesunder Appetit auf eine Mahlzeit bleiben bei diesem zwanghaften Essverhalten auf der Strecke. Der missionarische Eifer dagegen erwacht. Geradezu fanatisch versuchen Betroffene bisweilen auch Freunde und Bekannte zur Gesundkost zu bekehren. Was denen aber oft gar nicht schmeckt.
Soziale Kontakte werden dann häufig von den Betroffenen abgebrochen – der Gesundheit zuliebe. Menschen, die an Orthorexie leiden, sind daher oft sehr einsam und fühlen sich von ihrer Umwelt unverstanden.
Noch kein eigenständiges Krankheitsbild.
Noch gilt Orthorexie offiziell nicht als Krankheit. Behandlungsbedürftig wird dieses extreme Essverhalten auch erst dann, wenn Betroffene selbst einen massiven Leidensdruck verspüren oder immer mehr an Gewicht verlieren. In der Schön Klinik wird diese Essstörung wie Magersucht oder Bulimie in einer psychosomatischen Klinik behandelt. Betroffene sollen zu einem normalen Essverhalten zurückfinden und lernen, dass sie durchaus genussfähig sind. Sie müssen wieder lernen, was „normal“ bedeutet – in Punkto Portionsgröße und Toleranz dem Lebensmittel gegenüber. Denn man kann eine Gemüsesuppe auch essen und sogar genießen, ohne die Herkunft der Petersilie zu kennen...
Magersucht. Therapie
Kochen. Essen. Satt sein. Therapieziel ist Normalgewicht. Dafür lernen Magersüchtige für sich selbst zu kochen.
Spezialisierte Kliniken
Sechs Schön Kliniken, von Schleswig-Holstein bis Bayern, haben sich auf die Behandlung von Magersucht spezialisert.
