Magersucht. Ich habe keinen Hunger
Der Körper nimmt die Menge Energie auf, die er benötigt.
Die Energie, die der Körper täglich braucht, reguliert er durch die Nahrungsaufnahme. Bei Magersucht ist diese Regulation gestört.
Die Nahrungsaufnahme des Menschen scheint sehr stark von kurzfristig wirksamen Faktoren abhängig zu sein. Wir essen mehr, wenn die letzte Mahlzeit länger her ist, wenn die angebotenen Speisen appetitanregend sind, oder wir in Gesellschaft sind, und wir essen weniger, wenn wir uns dies aus Gewichtsgründen so vorgenommen haben. Dass dieser oberflächliche Blick auf die Regulation der Nahrungsaufnahme trügt, wurde erst in den letzen Jahren wirklich klar.
Die Forschung konnte mittlerweile belegen, dass der menschliche Organismus die Nahrungsaufnahme so regelt, dass die aufgenommene Nahrungsmenge annähernd die Energie bereit stellt, die der Körper im Augenblick braucht. Langfristig beträgt die Abweichung von Energieverbrauch und Energieaufnahme nur wenige Promille. Der Körper versucht, die Menge der im Körper gespeicherten Energie stets konstant zu halten; er drosselt den Energieverbrauch, wenn zu wenig Energie zugeführt wird, und er steigert den Energieverbrauch, wenn zu viel Energie bereitsteht.
Bei genügend Körperfett tritt ein Sättigungsgefühl ein.
Zuständig für die Aufrechterhaltung der Energieversorgung des Körpers ist ein kleiner Bereich des Gehirns, der sogenannte Hypothalamus, der auch andere Regulationsprozesse wie die Körpertemperatur, den Schlaf oder die Fortpflanzung reguliert. Der Hypothalamus kann allerdings die Nahrungsaufnahme über Hunger und Sättigung nur dann bedarfsgerecht regulieren, wenn er Informationen darüber erhält, wie der "Energiepegel" im Bereich des Körpers ist. Energie im Bereich des Körpers wird im Wesentlichen in Form von Fett in den Körperfettzellen abgespeichert. Im Jahr 1994 wurde an der Rockefeller Universität in New York erstmals ein Hormon isoliert, das für diesen Regulationsmechanismus von zentraler Bedeutung ist. Das Leptin wird in den Fettzellen in Relation zu der gespeicherten Fettmenge freigesetzt. Je mehr Fett im Körper zur Verfügung steht, desto mehr Leptin wird produziert. Leptin wirkt nun unmittelbar auf den Hypothalamus und dämpft die Nahrungsaufnahme. Zusätzlich zu diesem wichtigen sättigungsinduzierenden Hormon wurden mittlerweile eine ganze Reihe anderer Botenstoffe gefunden, die die Nahrungsaufnahme regulieren. All diesen Botenstoffen ist gemeinsam, dass sie alle zur Drosselung der Nahrungsaufnahme führten. Es schien zunächst so, dass Hunger nichts anderes sei als die Abwesenheit von Sattheit.
Das Hormon Ghrelin löst Hungergefühle aus.
Ein besonders hoher Ghrelin-Spiegel findet sich kurz vor den Mahlzeiten.
Dies wurde erst anders, als ein weiteres Hormon gefunden wurde, das Ghrelin. Ghrelin wird im Magen gebildet, und es wurde rasch klar, dass die Zufuhr von Ghrelin zur Steigerung der Nahrungsaufnahme führt. Wenn man Ghrelin in engen Zeitabständen über den gesamten Tag misst, so findet man besonders viel Ghrelin jeweils vor den Mahlzeiten im Blut. Ghrelin ist also offensichtlich das lange gesuchte Hormon, das Hunger induziert. Die Freisetzung von Ghrelin führt dazu, dass wir Hunger empfinden und Mahlzeiten beginnen. Ghrelin ist damit das bislang erste Peptid, das die Nahrungsaufnahme unmittelbar steigert. Insofern kann man dieses Hormon tatsächlich als den Stoff bezeichnen, "aus dem der Hunger ist".
Bei Magersucht besteht eine Resistenz gegen Ghrelin.
Essstörungen sind dadurch gekennzeichnet,
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dass die Regulation der Nahrungsaufnahme durch Hunger und Sättigung gestört ist,
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dass ungeregeltes Essverhalten auftritt,
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dass Körpergewicht stark schwankt und
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in vielen Fällen massives Übergewicht oder bedrohliches Untergewicht auftritt.
Es ist naheliegend, dass ein hohes Interesse der Forschung an den Hormonen besteht, die vom Organismus aus die Nahrungsaufnahme steuern.
In der Schön Klinik Roseneck wurden auch Patienten, die wegen einer Magersucht hochgradig untergewichtig sind, untersucht, und in ihren Blutspiegeln wurde eine große Anzahl des Hormons Ghrelin nachgewiesen. Offensichtlich besteht bei diesen Patienten eine Resistenz des Hypothalamus gegen die hungerauslösende Wirkung des Ghrelins.
In der weiteren Erforschung der Gründe für die Resistenz gegen Ghrelin liegt auch ein Potential für die Behandlung der Magersucht.
Ghrelin wirkt zudem stimmungsaufhellend.
Das Interesse der Forscher an diesem Stoff geht mittlerweile schon darüber hinaus. So weiß man, dass Ghrelin schützend gegen Depression und Angstsymptome wirkt. Dies könnte auch ein Grund dafür sein, dass Magersuchtpatienten, die beginnen wieder Gewicht zuzunehmen und damit abnehmende Ghrelinspiegel aufweisen, häufig auch über eine Stimmungsverschlechterung berichten.
Magersucht. Ursachen
Falsche Schönheitsideale, der Wunsch nach Anerkennung, die Faszination an Kontrolle: Magersucht hat viele Gründe.
Magersucht. Therapie
Kochen. Essen. Satt sein. Therapieziel ist Normalgewicht. Dafür lernen Magersüchtige für sich selbst zu kochen.
