Sportsucht.
Wenn Bewegungsdrang zwanghaft wird.

Spezielles Therapieangebot für Patienten mit krankhaftem Bewegungsdrang.

Am Anfang steht meist das Gewichtsproblem. Junge Leute, vor allem Mädchen, finden sich zu dick und fangen mit Diäten oder anderen Maßnahmen an. Weil Abnehmen mit Bewegung schneller funktioniert, beginnen sie mit Sport. Und eigentlich ist Sport ja gesund. Doch ein krankhafter Bewegungsdrang hat mit Gesundheit nichts mehr zu tun. Im Gegenteil. Dann wird der Sport zur Krankheit, zur Sucht.

 

Die Schön Klinik Roseneck behandelt auf sieben Spezialstationen Menschen mit Essstörungen. Seit mehreren Jahren bietet die Klinik auch ein spezielles Therapieangebot für Patienten mit krankhaftem Bewegungsdrang. Für die Patienten ist es ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Besserung ihres Gesamtzustandes.

 

Zuviel und zu wenig Energie – wer leidet an Sportsucht?

Sportsucht. Essstörung mit hohem Bewegungsdrang.

Sportsucht. Essstörung mit hohem Bewegungsdrang.

Manche Patienten kommen aus dem Leistungssport. In vielen Sportarten, bei denen das Gewicht eine Rolle spielt, wie bei Tänzern, Eisläufern, Radfahrern oder Ruderern, gibt es ein erhöhtes Risiko, an einer Essstörung zu erkranken. Durch das Experimentieren mit Nahrungsergänzungsmitteln, Verzicht auf Essen und Trinken und immer härteren Trainingseinheiten, haben bekanntermaßen solche Sportler ein hohes Risiko für die Entstehung einer Essstörung mit hohen Bewegungsdrang. Die meisten Sportsüchtigen geraten  allerdings eher aus anderen Gründen in die Krankheit. Sie beginnen mit einer Diät, dann kommt oft der Sport hinzu der dann immer mehr an Intensität und Zeit in Anspruch nimmt. Da es dabei keinen wirklichen Trainingsplan oder eine medizinische Überwachung wie im Spitzensport gibt, nehmen die Betroffenen unter dem selbst auferlegten Trainingspensum teilweise extrem ab oder brechen körperlich zusammen. 

 

Sport! Kein Spaß. Keine Spannung.

Dabei sollte doch Sport vor allem in der Freizeit eigentlich Spaß machen. Kleine Kinder rennen aus reiner Freude. Und dass Bewegung normalerweise entspannt und glücklich machen kann, ist auch medizinisch erwiesen. Deshalb wird in der Therapie von Patienten mit Depressionen auch dazu geraten, 3 mal pro Woche für mindestens eine Stunde lang moderaten Ausdauersport zu betreiben. Bei Sportsüchtigen geht es aber schon lange nicht mehr um den Spaß an der Bewegung und das Erlebnis in einer Gruppe. Mit großem Ernst und Leidensdruck absolvieren sie quälerische Übungen mit dem Ziel der „Selbstoptimierung“ und oder Gewichtsabnahme – und das notfalls mehrere Stunden am Tag, sozusagen um jeden Preis. Weil sie gleichzeitig auch noch ihre Nahrungsaufnahme und die Trinkmenge streng kontrollieren, werden sie nicht nur immer dünner. Die körperlichen Folgen können bedrohlich werden. Verschiedene Organe, wie zum Beispiel das Herz werden dauerhaft überlastet und selbst am Knochenbau zeigen sich die Zeichen einer Osteoporose. Wenn die Sporsüchtigen mit massiven Untergewicht kollabieren, sind ihre Organe meist schon erheblich angegriffen.

 

Irreparable Schäden als Folge des Bewegungszwangs.

Normalerweise tritt Osteoporose bei älteren Menschen auf, die sich kaum noch bewegen können und geht bei ihnen mit einem deutlich erhöhten Frakturrisiko einher, also der Gefahr, bei Stürzen schwere Knochenbrüche zu erleiden. Bei Patientinnen mit massiven Untergewicht und einem ausgeprägten Bewegungsdrang oder –zwang können ebenfalls schon kleine Stürze zu schweren Knochenbrüchen am Oberschenkel oder an den Wirbelkörpern führen, Äußerlich gesehen gleicht das Krankheitsbild damit dem der älteren Menschen. Viele der Schäden, die Sport- und Magersüchtige ihrem Körper zufügen, können zum Glück in der Therapie sehr gut behandelt werden. Die Veränderungen an der Knochendichte sind allerdings langsame Stoffwechselprozesse, die viel Zeit benötigen bis zur Normalisierung. Sie stellen damit ein schwerwiegendes Problem dar und einen wichtigen Grund, warum das eine Sportsucht die ja oft mit Essstörungen verbunden ist, bei Verdacht möglichst schnell therapiert werden sollte.

 

Von der Sportsucht zum normalen Sport.

Sport - Entspannung, Spaß & Erlebnis!

Sport - Entspannung, Spaß & Erlebnis!

Wenn Patienten mit einem ausgeprägten Bewegungsdrang in die Schön Klinik Roseneck kommen, wird zunächst versucht wieder eine Bewusstsein für ein normales normales Bewegungsverhalten zu schaffen. Die meisten Sportsüchtigen haben nämlich ein ähnlich unrealistisches Selbstbild wie viele Ernährungsgestörte. Sie finden ihren Bewegungsdrang völlig normal. Eine gute technische Möglichkeit bieten Aktivitätsmesser, die über mehrere Tage das Bewegungsausmaß und die Ruhephasen dokumentieren. Die Werte über das Ausmaß der Aktivität werden dann verglichen mit denen eines „normalen“ Altersgenossen und mit der Aktivität von Sportstudenten. Viele Patientinnen mit einer Sportsucht liegen in ihrer körperlichen Aktivität weit über dem täglichen Bewegungsprogramm von Sportstudenten. Oft wird Ihnen in einem solchen Vergleich zum ersten Mal bewusst, wie viel sie wirklich trainieren. „Wir versuchen den Betroffenen in der Therapie beizubringen, dass Sport nicht nur Qual sein muss, der man gezwungenermaßen nachgeht um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, zum Beispiel die Gewichtsreduktion. Sport soll für sie wieder das sein, was er sein kann: vor allem Spaß, Entspannung aber auch Interaktion mit Anderen und damit ein Gruppenerlebnis.“ 

 

Vor dem Kollaps die Notbremse ziehen.

Bewegungsausmaß und Ruhephasen dokumentieren!

Bewegungsausmaß und Ruhephasen dokumentieren!

Nicht jeder sportsüchtige Patient kommt erst nach einem körperlichen Zusammenbruch in die Schön Klinik Roseneck. Besser ist es natürlich, wenn die Patienten vorher die „Notbremse ziehen“. Wenn Freunde oder Angehörige merken, dass jemand beginnt, immer härter zu trainieren und stark abzunehmen, sollten sie auf jeden Fall versuchen, sie oder ihn darauf anzusprechen. Manchmal ist der Betroffene so in seiner eigenen Welt aus Ideen zum  idealen Muskelaufbau oder Kalorienabbau gefangen, dass es schwer ist, ihn zu erreichen. Manchmal lässt er sich aber auch helfen. Ab einem Gewicht mit einem BMI von unter 17,5 fängt es an, körperlich gefährlich zu werden. Manche Patienten kommen aber erst nach einer viel schlimmeren Gewichtsabnahme. Dann hat der Sport mit Sicherheit schon sehr lange keinen Spaß mehr gemacht. Und der Weg zu einem Psychotherapeuten ist auf jeden Fall der richtige erste Schritt um professionelle Hilfe zu bekommen.