Magersucht (Anorexie). Alltag, Ratgeber & Tipps

Wie spreche ich jemanden an, der an Magersucht leidet?

Wenn Sie jemanden das erste Mal auf eine Magersucht ansprechen, wird der Betroffene wahrscheinlich zuallererst mit Unmut oder Angst reagieren bzw. versuchen, alles abzustreiten. Beharren Sie dann nicht auf dem Thema sondern lassen Sie ihn wissen, dass Sie für ihn da sind, wenn er darüber sprechen möchte.

Es gibt ein paar Regeln, die Sie bei der Aufnahme eines Gesprächs beachten sollten:

  • Reden Sie nicht über Essen, Aussehen oder Gewicht, denn die eigentlichen Probleme liegen tiefer
  • Ermutigen Sie ihn, Hilfe anzunehmen
  • Zwingen Sie ihn nicht zum Essen
  • Machen Sie ihm keine Vorwürfe und werden Sie nicht zornig
  • Hören Sie ihm zu
  • Geben Sie keine übereilten Meinungen und Ratschläge ab
  • Schlüpfen Sie nicht in die Rolle eines Therapeuten 

Was Sie auf keine Fall sagen sollten, da die Bemerkungen genau das Gegenteil bewirken können:

  • "Setz dich hin und iss wie ein normaler Mensch"
    • Wenn er das könnte, würde er es tun. Tiefe, emotionale Konflikte halten ihn davon ab.
  • "Warum tust du mir das an?"
    • Im Grunde genommen tut er es sich selber an und nicht Ihnen. Mit dem Satz verunsichert man den Betroffenen noch mehr und er fühlt sich noch schuldiger.
  • "Gut siehst du aus. Du hast zugenommen"
    • Der Betroffene nimmt nur die Worte "zugenommen" wahr und glaubt, dass er fett ist.
  • "Du siehst furchtbar aus"
    • Kommentare zum Aussehen sollten Sie vermeiden, denn er ist von seinem Körperempfinden besessen und glaubt, nur noch mehr abnehmen zu müssen um "besser" auszusehen.
  • "Du machst alles kaputt" bzw. "Du bist Schuld, dass es uns so schlecht geht, weil wir uns ständig Sorgen um dich machen."
    • Dieser Satz verursacht nur noch mehr Schuldgefühle und treibt ihn weiter in die Magersucht.
  • "Du machst das nur, um Aufmerksamkeit zu erregen." oder "Du willst bloß im Mittelpunkt stehen."
    • Eine Magersucht ist ein Aufschrei nach Hilfe und wird nicht absichtlich herbeigeführt.
  • "Für jemanden mit Magersucht bist du aber ganz schön kräftig"
    • Dieser Satz veranlasst den Betroffenen nur, noch mehr abnehmen zu wollen, denn er glaubt, zu dick zu sein.
  • "Du isst bloß nichts, um uns unter Druck zu setzen und zu erpressen."
    • Der Betroffene reagiert mit Schuldgefühlen, weil er niemand anderen unter Druck setzen möchte.
  • "Wir werden jeden Tag dein Gewicht kontrollieren."
    • Die Gewichtskontrolle ist die einzige Kontrolle, über die der Magersüchtige noch verfügt und über die sich sein Selbstwertgefühl bestimmt. Nehmen Sie ihm diese Kontrolle weg, steigert er sich nur noch mehr in seine Magersucht.
  • "Du ruinierst unseren Ruf in der kleinen Stadt." oder "Mit dir können wir uns nicht mehr öffentlich zeigen." oder "Die Leute reden schon über dich."
    • Diese Sätze steigern die Schuldgefühle des Betroffenen. Er zieht sich immer weiter zurück.
  • "Du bist doch viel zu dünn. Schau doch mal all die dürren Models an, wie ekelhaft die alle aussehen." oder " Du stehst da wie ein Strich in der Landschaft."
    • Magersüchtige haben eine verkehrte Schönheitsvorstellung. Ihr Ideal ist das dünn sein und das finden sie schön. Solche Aussagen bestätigen sie nur in ihrer Magersucht.

Die Entscheidung zur Therapie liegt beim Betroffenen.

Man steht als Angehöriger oft hilflos dem Magersüchtigen gegenüber und will ihn aufrütteln. Aber die Entscheidung, ob er sich helfen lassen möchte, obliegt dem Betroffenen. Man kann niemanden zu einer Therapie zwingen. Bei akuter Lebensgefahr kann der Betroffene zwar zwangsernährt werden, aber ist die Akutphase überstanden und er kehrt wieder nach Hause zurück, beginnt die Magersucht wieder von vorne. 

Suchen Sie sich Hilfe bei einem Spezialisten oder einer Selbsthilfegruppe. Sie unterstützen Sie und helfen Ihnen, den richtigen Weg zu finden.

Spezialisierte Kliniken

Sechs Schön Kliniken, von Schleswig-Holstein bis Bayern, haben sich auf die Behandlung von Magersucht spezialisert.

Ärzte & Therapeuten

Wir haben für Sie eine Auswahl an Ärzten & Therapeuten gelistet, die auf die Behandlung von Magersucht spezialisiert sind.

Fachliche Betreuung

Cuntz

Der Beitrag wird betreut durch

PD Dr.med. habil. Dipl. Psych. Ulrich Cuntz


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