Magersucht (Anorexia Nervosa, Anorexie).

Zu dick trotz Unternährung?

Für Magersüchtige ist das Wichtigste: schlank sein. Verzichten. Und alle Anderen darin zu übertreffen. Sie essen am wenigsten. Sie treiben am meisten Sport. Nur wenn Sie das schaffen, sind Sie mit sich zufrieden. 

Magersucht ist eine seelisch bedingte Essstörung. Nach außen hin sichtbar ist der bewusst herbeigeführte Gewichtsverlust. Ebenfalls gibt es für diese Patienten oft nur schwarz oder weiß, erlaubt oder verboten. Jedes Lebensmittel fällt in eine Bewertungskategorie. Butter? Verboten. Zucker? Nicht erlaubt. Wasser? In Ordnung.

 

Verzerrte Körperwahrnehmung.

Ich bin zu dick! Magersüchtige glauben auch dann, wenn sie schon längst Untergewicht haben, fett und hässlich zu sein. Ihre Körperwahrnehmung ist gestört.

Ich bin zu dick! Magersüchtige glauben auch dann, wenn sie schon längst Untergewicht haben, fett und hässlich zu sein. Ihre Körperwahrnehmung ist gestört.

"Seht ihr denn nicht meine Speckfalten?!" Magersüchtige fühlen sich von Freunden und Familie häufig nicht ernst genommen, wenn diese sagen: "Du bist schlank. Du bist schön." Denn sie selbst fühlen sich dick und hässlich. Patienten mit Magersucht (Anorexie) haben eine gestörte Körperwahrnehmung: Trotz offensichtlicher Unterernährung fühlen sie sich nicht nur dick und unförmig, sie sehen sich tatsächlich so.

Wir unterstützen Patienten mit Magersucht darin, aus diesem Gedankenmuster auszubrechen, sich selbst und den eigenen Körper wieder zu mögen. Nur wer sich liebt, wird seinen Körper auch wieder ausgewogen und gesund ernähren. Und kann auch ohne Verzicht stolz auf sich sein.

 

Magersucht (Anorexie). Informationen von A-Z

Information. Was ist eine Magersucht (Anorexia nervosa)?

Magersucht - was ist das?

Wenn ich dünn bin, bin ich wer: Gerade heranwachsenden Mädchen und jungen Frauen werden magersüchtig.

Wenn ich dünn bin, bin ich wer: Gerade heranwachsenden Mädchen und jungen Frauen werden magersüchtig.

Ganz bewusst auf Nahrung verzichten: Magersucht (Anorexia nervosa) ist eine seelisch bedingte Essstörung, die von strikten Regeln und unbedingter Kontrolle über das eigene Körpergewicht geprägt ist. Für diese Patienten gibt es oft nur schwarz oder weiß, erlaubt oder verboten. Jedes Lebensmittel fällt in eine Bewertungskategorie. Butter? Verboten. Zucker? Nicht erlaubt. Wasser? In Ordnung.

Nach außen hin sichtbar ist der bewusst herbeigeführte Gewichtsverlust. Betroffene hungern auch dann noch, wenn ihnen als Folge der Mangelernährung die Haare ausfallen oder schon alle Knochen zu sehen sind. Durch ein verzerrtes Körperbewusstsein fühlen sie sich trotzdem noch zu dick. Figur und Gewichthaben aber einen übermäßig hohen Einfluss auf ihr Selbstwertgefühl – so ist die Angst vor einer Gewichtszunahme groß. Jedes Gramm mehr bedeutet weniger geschätzt und geachtet zu werden.

 

Wer ist am häufigsten betroffen?

Am häufigsten tritt eine Magersucht oder Anorexie bei heranwachsenden Mädchen und jungen Frauen auf. Sie versuchen während des Erwachsenwerdens, in Zeiten des Umbruchs, noch in einem Punkt die Kontrolle zu behalten: ihrem Körpergewicht. Heranwachsende Jungen und junge Männer können aus diesem Grund natürlich ebenfalls magersüchtig werden. Viele Patienten haben ein niedriges Selbstwertgefühl und glauben mit Hilfe des Schlankseins oder ihrer Willensstärke die gewünschte Anerkennung zu bekommen.

 

Was gibt es für Phasen bzw. Formen der Magersucht?

Etwa 50% der Betroffenen  halten ausschließlich Diät, Fasten oder treiben viel Sport, um ihr Gewicht zu reduzieren. Diese Art der Magersucht ist als restriktiver Typ definiert.

 Bei anderen Patienten entwickelt sich aus der Magersucht eine Bulimie oder wechseln sich Phasen der Magersucht mit Phasen einer Bulimie ab (Binge-Eating oder Purging-Typ). Betroffene fangen auf einmal wieder an zu essen, teilweise unkontrolliert und in großen Mengen. Um trotz Eßanfällen schlank zu bleiben, erbrechen sie sich anschließend. Auch Abführmittel, Entwässerungsmittel oder Klistiere werden zu Hilfe genommen.

Eine andere Form ist die Orthorexie. Betroffene fixieren sich derart auf gesundes Essen, dass am Ende nur noch wenige Lebensmittel übrig bleiben, die sie als "essbar" bezeichnen. Die Folgen sind Mangelerscheinungen und extremer Gewichtsverlust.

 

Symptome. Anzeichen einer Anorexie (Magersucht).

1. Magersucht-Anzeichen: ständige Gewichts-Beschäftigung.

Erste Anzeichen einer Magersucht ist die ständige Beschäftigung mit dem Gewicht. Magersüchtige haben extreme Angst vor einer Gewichtszunahme oder davor, dick zu werden, obwohl sie schon untergewichtig sind. Sie kennen kaum ein anderes Gesprächsthema als über Essen und Diäten zu reden. Sie kontrollieren zudem ständig ihr Gewicht, teilweise sogar mehrmals täglich.

 

2. Magersucht-Anzeichen: Verändertes Essverhalten.

Magersüchtige weisen ein verändertes Essverhalten auf. Sie essen nicht mehr spontan und lustvoll sondern sehr kontrolliert. Um ihr vermeintlich zu hohes Gewicht zu reduzieren, nehmen sie nur geringe Mengen Nahrung zu sich und verweigern Lebensmittel, die zu viele Kalorien enthalten. Zeitweise verzichten sie komplett auf die Nahrungsaufnahme. Ungefähr die Hälfte der Magersüchtigen hält Diäten, während bei den anderen auch bulimische Symptome auftreten: sie erbrechen das Essen.

 

3. Magersucht-Anzeichen: extremer Gewichtsverlust.

Magersüchtige essen nur sehr wenig und wenn, dann nur Nahrungsmittel, die kaum Kalorien enthalten. Um Gewicht zu verlieren, werden nicht nur Diäten durchgeführt sondern auch exzessiv Sport getrieben. Sie verlieren durchschnittlich 45 - 50% ihres Ausgangsgewichts. Das Körpergewicht von Magersüchtigen liegt 15% niedriger als das Normalgewicht. Liegt der BMI niedriger als 17,5, gilt dies als sicheres Anzeichen einer Magersucht. Aber nicht alle Magersüchtige weisen einen BMI niedriger als 17,5 auf, haben dafür aber alle anderen Symptome einer Magersucht. Daher sollte man nicht ausschließlich auf den BMI schauen.

 

4. Magersucht-Anzeichen: Leugnung des geringen Körpergewichts.

Magersüchtige sehen sich selber immer als zu dick an, obwohl sie augenscheinlich schon untergewichtig sind. Dieser Irrglaube führt dazu, dass immer weitere Diäten durchführen bis hin zu einer kompletten Nahrungsverweigerung, nur um noch mehr abzunehmen.

 

5. Magersucht-Anzeichen: Haarausfall, keine Monatsblutung.

Neben dem Gewichtsverlust gibt es weitere körperliche Anzeichen, die typisch für eine Magersucht sind. Das sind neben Haarausfall, brüchigen Haaren und Nägeln auch eine trockene und schuppige Haut. Es kommt bei vielen auch zu einer sogenannten Lanugobehaarung, die am Rücken, Gesicht und Armen auftritt. Das Lanugohaar ist eigentlich ein Hautschutz des Fötus, um ihn vor Schall, Druck und Vibrationen zu schützen. Zu dem Wachstum kann es bei Magersüchtigen aufgrund der kaum noch vorhandenen schützenden Fettschicht kommen. Das Lanugohaar dient somit als Kälteschutz. Durch das Fehlen des Körperfetts sind Magersüchtige sehr kälteempfindlich und haben eine erniedrigte Körpertemperatur. Bei Frauen setzt die Menstruation aus, während bei Männern Potenzstörungen oder sogar Impotenz auftreten. Tritt die Magersucht vor der Pubertät auf, wird die Entwicklung entscheidend gestört. Das Wachstum endet vorzeitig und die Geschlechtsreife tritt nur verzögert oder gar nicht ein. Bei Mädchen bleibt die Entwicklung der Brust aus, bei Jungen der Hoden und der Penis.

 

6. Magersucht-Anzeichen: Psychische Veränderungen.

Magersüchtige haben extreme Angst vor einer Gewichtszunahme. Schon eine Zunahme von wenigen Gramm löst regelrecht Panik aus, was dazu führt, dass das Essverhalten noch strenger kontrolliert wird. Depressionen und eine starke Reizbarkeit sind eine Folge dieser extremen Kontrolle.

 

Warnsignale, die auf eine Magersucht hindeuten.

Angehörige und vor allem Eltern sollten bei veränderten Verhaltensweisen aufmerksam und wachsem sein, denn der Übergang von einer merkwürdigen Essweise zu einer Essstörung ist fließend. Wenn der Betroffene sich anders verhält als sonst, sollten Angehörige es nicht ignorieren. Dauern die Verhaltensweisen länger an, kann es sein, dass sie sich verselbstständigen. Treffen mehrere der aufgeführten Warnsignale zu, sollten Sie sich fachlichen Rat bei einem Arzt oder einer Beratungsstelle einholen.

  • Warnsignal Unzufriedenheit mit dem Äußeren
    • Der Betroffene findet sich zu dick
    • Er findet sich auch zu dick, wenn andere sagen er ist zu dünn
    • Angst vor einer Gewichtszunahme
    • Nörgerlei über bestimmte Körperteile (zu breite, Hüften, zu dicker Bauch...)
    • Häufiges Wiegen
    • Eine bestimmte Kleidergröße muss erreicht oder eingehalten werden
  • Warnsignal verändertes Essverhalten
    • Sehr kontrolliertes Essen
    • Gegessen wird nur zu bestimmten Uhrzeiten
    • Es wird nur gesundes, kalorienarmes gegessen
    • Einschränkung von gesunder / vegetarischer Ernährung
    • Einteilung der Lebensmittel in gut und schlecht
    • Auslassen von Mahlzeiten
    • Erfinden von Ausreden, um nicht am Essen teilzunehmen (man hat schon gegessen, man hat Bauchschmerzen...)
    • Winzige Portionen
    • Hin und her schieben des Essens auf dem Teller
    • Lesen von Kochbüchern
    • Bekocht andere, isst aber nie mit
  • Körperliche Warnsignale
    • Abnahme von mehr als 6 kg in den letzen 3 Monaten
    • Häufiges Frieren
    • Kreislaufprobleme
    • Haarausfall
    • Ausbleiben der Regelblutung
    • Impotenz
  • Emotionale Warnsignale
    • Verleugnung von Problemen
    • Gereiztheit
    • Depression
    • Streit ums Essen
    • Extremer Ehrgeiz
    • Geringes Selbstwertgefühl
    • Leistungsorientiert
  • Weitere Warnsignale
    • Extremes Sporttreiben, um abzunehmen trotz Erschöpfung und Schwäche (sofort nach dem Essen wird Sport getrieben, vor dem Fernseher Gymnastik gemacht...)
    • Rückzug von Freunden
    • Vernachlässigung der Hobbys
    • Kauf und Einnahme von Abführmitteln
 

Magersucht. Folgen

Nierenschäden, Herz-Rhythmus-Störungen oder Osteoporose: Die Mangelernährung bei Magersucht kann Folgen nach sich ziehen.

Körperliche, psychische Folgen

 

Ursachen. Wie entsteht eine Magersucht (Anorexie)?

Bei der Entstehung einer Magersucht spielen verschiedene Faktoren zusammen, die sich gegenseitig beeinflussen. Biologische, psychologische und gesellschaftliche Einflüsse sind dabei die Hauptursache für eine Magersucht.

 

Die Entwicklung der Körperschemastörung.

 

In der Grafik zeigt sich der Einfluss der verschiedenen Faktoren, aus denen sich eine Körperschemastörung entwickelt. Aus dieser Störung heraus verändert sich das Essverhalten.

 

Biologische Einflüsse.

Es liegen Vermutungen nahe, dass bei Magersüchtigen eine Störung der Hirnregion vorliegt, die das Essverhalten, die sexuelle Aktivität und die Menstruation steuert. Allerdings können diese Funktionsstörungen auch erst im Laufe der Erkrankung auftreten, aufgrund des Gewichtsverlustes. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle. Im Moment schätzt man, dass die Wahrscheinlichkeit, eine Magersucht zu vererben, bei 60% liegt.

 

Psychologische Einflüsse.

Häufig tritt eine Magersucht in der Pubertät auf, also in einer Zeit, in der ein Mädchen sich zur Frau entwickelt. Diese Entwicklung und die Findung einer neuen Identität kann zu einer Überforderung und zu einem Gefühl der Unsicherheit führen. Das Gefühl, Kontrolle über sein Körpergewicht ausüben zu können, scheint vielen Magersüchtigen Sicherheit zu geben und sie gewinnen dadurch ihr Selbstwertgefühl zurück.

Sexueller Missbrauch, ein geringes Selbstwertgefühl und eine zwanghafte Persönlichkeitsstruktur können ebenfalls die Ursache für Magersucht sein.

Familiäre Situation

Aber auch die Familie hat einen gewissen Einfluss auf die Entwicklung einer Magersucht. Häufig werden in der Familie Konflikte nicht angesprochen und das Kind wird stark behütet. Hohe Leistungsanforderungen prägen die Familiensituation und begünstigen Perfektionismus. Häufig treten Väter nicht in Erscheinung und die Ehe ist vom traditionellen Rollenbild geprägt. Emotionen werden in der Familie nicht ausgelebt und oft auch unterdrückt.

Weitere Merkmale im Umgang innerhalb der Familie, die die Entwicklung einer Magersucht begünstigen:

  • Ordnung
  • Disziplin
  • kein Austausch von Zärtlichkeiten
  • Verzicht der Mütter auf Karriere zugunsten der Familie
  • Wunsch nach dem perfekten Kind
  • zwiespältige Beziehung zwischen Kind und Eltern
  • Wunsch nach mehr Akzeptanz von Vätern
 

Gesellschaftliche Einflüsse.

Modezeitschriften, Modelsendungen, von überall her prangen einem sehr schlanke Frauen und muskulöse Männer entgegen. Dieses Schönheitsideal kann junge Frauen und Männer stark beeinflussen und verunsichern, da suggeriert wird, dass nur schlanke Frauen und muskulöse Männer erfolgreich und beliebt sind.

 

Magersucht. Therapie

Kochen. Essen. Satt sein. Therapieziel ist Normalgewicht. Dafür lernen Magersüchtige für sich selbst zu kochen.

Diagnostik & Therapie

Magersucht. Qualität

70% unserer Patienten* mit Essstörungen sind nach der Therapie mit ihrem Körper zufrieden.

Magersucht - Qualität

 

Spezialisierte Kliniken

Sechs Schön Kliniken, von Schleswig-Holstein bis Bayern, haben sich auf die Behandlung von Magersucht spezialisert.

Spezialisierte Kliniken

 

Ich habe keinen Hunger

Magersüchtige empfinden keinen Hunger. Sie scheinen resistent gegen das Hunger auslösende Hormon Ghrelin zu sein.

Hunger-Hormon Ghrelin

Seinen Körper akzeptieren

Sixpack oder Model-Maße: unrealistisch! Den eigenen Körper zu akzeptieren, ist ein wichtiger Schritt raus aus der Magersucht.

Körperakzeptanz-Therapie

 

Wie rede ich Magersüchtige an?

Einen Magersüchtigen auf seine Probleme anzusprechen, ist nicht einfach. Wir haben Ihnen deshalb einige Tipps zusammengestellt.

Alltag. Ratgeber & Hilfe

 

Orthorexie. Besessen von gesunder Ernährung

Eingekauft wird im Bioladen oder Bauernhof. Orthorexie-Betroffene sind zwanghaft fixiert auf gesundes Essen. Entsprechend mager kann die Mahlzeit manchmal ausfallen.

Wenn gesunde Ernährung in die Magersucht führt

 

Das Muschelorakel. Ein Film über die Magersucht-Therapie

Eine Patientin hat ihre Therapie als Comic verfilmt. In dem Video werden die wichtigsten therapeutischen Interventionen dargestellt.