Essstörung bei Männern.

Magersucht, Bulimie & Co. sind nicht nur ein Frauenproblem.

Wenn jedes Gramm zählt und jede Kalorie schmerzt, kann es sich um eine Essstörung handeln.

Wenn jedes Gramm zählt und jede Kalorie schmerzt, kann es sich um eine Essstörung handeln.

Essstörungen treten deutlich häufiger bei Frauen auf. Doch auch Männer können an jeder Art der psychosomatisch bedingten Krankheit leiden – seien es Magersucht, Bulimie oder auch die sogenannte Heißhungerattacke (Binge Eating Disorder). Obwohl Essstörungen bei Männern seltener diagnostiziert werden, sind Symptomatik und Verlauf der Krankheit ähnlich wie bei Frauen.

Zu frühe Pubertät kann Essstörungen begünstigen.

Im Vergleich zu Frauen gestaltet sich bei Männern die Entwicklung in der Kindheit etwas anders. Jungen treten im Mittel zwei Jahre später in die Phase der Pubertät ein als Mädchen. Daraus ergibt sich eine fortgeschrittenere psychologische Reife bei Jungen, was durchaus schützend wirken kann. Andererseits haben Jungen, die im Vergleich zu Gleichaltrigen früher in die Pubertät kommen, ein höheres Risiko, an Essstörungen zu erkranken. Der niedrigere Anteil an biologischem Körperfett bei Jungen kann auch schützend wirken. Inwieweit homosexuelle Neigungen einen Risikofaktor für Essstörungen darstellen, wird immer wieder diskutiert, ist wissenschaftlich aber nicht belegt.

Bei Jungen steht die körperliche Fitness im Vordergrund.

Körperliche Fitness und ein muskulöser Körper stellen für Jungen und Männer das Ideal dar.

Körperliche Fitness und ein muskulöser Körper stellen für Jungen und Männer das Ideal dar.

Jungen wünschen sich in der Pubertät häufig mehr Muskelmasse und akzeptieren somit eher eine Gewichtszunahme. Eine Gewichtszunahme bei Mädchen nährt viele Ängste z.B. im Bauch- oder Beckenbereich. Diese Umstände können dazu beitragen, dass Mädchen bereits in der Pubertät beginnen zu fasten, um einer unerwünschten Gewichtszunahme gegenzusteuern. Bei den Jungen steht mehr die körperliche Fitness und der Muskelaufbau im Vordergrund (Adoniskomplex). Auch die größere Veränderung des Körpers in der Pubertät bei jungen Frauen scheint einen höheren Risikofaktor als bei jungen Männern darzustellen.

Risikofaktoren sind Alter, Übergewicht und Kampfsport.

Risikofaktoren sind Übergewicht im Vorfeld der Erkrankung, aber auch Sportarten, die mit Gewichtsklassen oder mit möglichst niedrigem Körpergewicht verbunden sind wie z.B. Kampfsport, Skispringen oder Turnen.

Es gibt keine ausreichende Datenlage für den Verlauf von Essstörungen bei Männern, jedoch tendenzielle Hinweise auf einen insgesamt günstigeren Verlauf. Je früher die Diagnose und damit der Therapiebeginn erfolgt, umso günstiger kann sich dies auf die Prognose auswirken.

Die Sterblichkeitsrate ist sowohl für Frauen und für Männer bei Anorexia nervosa recht hoch. Von der Bulimie betroffene Männer leiden öfter an Fettleibigkeit und sind bei Krankheitsbeginn etwas älter.

Typische Folgeerkrankungen von Männern mit Essstörungen.

Die Diagnose Essstörung bei männlichen Patienten geht häufig mit weiteren Begleiterkrankungen einher. Wichtige Begleiterkrankungen können substanzinduzierte Störungen sein. Besonders Alkoholmissbrauch, aber auch Borderline-Persönlichkeitsstörungen finden sich bei an Bulimie erkrankten Männern häufiger als bei Frauen. Die emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ ist gekennzeichnet durch Wechsel der Emotionen und ausgeprägte Stimmungsschwankungen, aber auch Spannungszustände und Selbstverletzungen gehören dazu.

Männer sind wesentlich resistenter gegen Essstörungen.

Der Anteil der Männer mit Essstörungen beträgt schätzungsweise rund ein Zehntel. So sind von 100 Magersucht-Patienten rund acht Prozent männlich, bei Bulimie (Ess-Brechsucht) liegt der Wert bei etwa 15 Prozent. Von der Essstörungs-Krankheit Binge-Eating-Disorder sind rund 20 Prozent Männer betroffen. Warum sie deutlich weniger unter Essstörungen leiden, hängt mit mehreren Schutzfaktoren zusammen. Generell zeigen essgestörte Männer weniger psychopathologische Auffälligkeiten, auch kommen Gemütserkrankungen bei Frauen mit Essstörungen häufiger vor. Zur Persönlichkeit gibt es wenige belegbare Daten. Es gibt Hinweise, dass Perfektionismus und Zwanghaftigkeit bei Frauen ausgeprägter sind. Zudem zeigen sie offenbar in geringerem Maße typische Persönlichkeitsmerkmale von Essstörungen wie Schüchternheit, mangelndes Selbstwertgefühl sowie Überangepasstheit.

Therapie

Essstörungen müssen therapiert werden. Wichtig ist, dass das eigene Selbstbild geändert wird.

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Fachliche Betreuung

Leibl

Der Beitrag wird betreut durch

Dr. med. Carl Leibl


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