Mein Kind hat eine Essstörung. Wie kann ich helfen?

Magersucht, Bulimie und starkes Übergewicht gehören mittlerweile zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Weil Patienten mit Essstörungen immer jünger werden, ist ein frühzeitiger Behandlungsbeginn entscheidend, um eine Chronifizierung der Erkrankung abzuwenden.

Magersucht, Bulimie und starkes Übergewicht gehören mittlerweile zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Weil Patienten mit Essstörungen immer jünger werden, ist ein frühzeitiger Behandlungsbeginn entscheidend, um eine Chronifizierung der Erkrankung abzuwenden.

Wenn Sie bemerken, dass Ihr Kind unter einer Essstörung wie Magersucht oder Bulimie leidet, versuchen Sie, es dazu zu bewegen, einen Arzt oder Therapeuten aufzusuchen. Das Anbieten von Hilfe kann zunächst auf "Gegenwehr" bei den Betroffenen stoßen, da diese sich nicht krank fühlen und die Sorge um ihre Person als "Eingriff in die Privatsphäre" oder "Einschränkung ihrer Autonomie" erleben. Begleiten Sie daher wenn möglich Ihr Kind zu dem Arzt-Termin und berichten Sie über die Veränderungen und Probleme aus Ihrer Sicht, auch wenn dies für den Betroffenen unangenehm sein mag.

 

Informieren Sie sich über das Mysterium "Essstörung"!

Die Essstörung ist für viele Außenstehende ein "Mysterium" und häufig schwer nachvollziehbar. Insbesondere die Tatsache, dass die Betroffenen in unserer Wohlstandsgesellschaft "nichts essen können", wird von vielen Angehörigen nicht verstanden. Wir empfehlen Ihnen daher, sich über das tatsächlich schwer zu verstehende "Wesen der Essstörung" zu informieren. Die augenscheinliche Essproblematik stellt dabei ein vordergründiges Problem dar. Das eigentliche Leiden drücken die Betroffenen über das gestörte Essverhalten aus, da sie noch keine andere, gesündere Möglichkeit kennen, sich mitzuteilen.

 

Öffnen Sie sich für die Problematik und zeigen Sie Verständnis für Ihr Kind!

 Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass Sie verstehen möchten, warum es "nicht essen kann". Zögern Sie nicht, Ihre Hilflosigkeit, Ihre Sorgen und Ihr Nicht-Wissen mitzuteilen. Die betroffene Person wird in der Regel dankbar sein, Interesse an ihrer Person über das gestörte Essverhalten hinaus zu erfahren.

Versuchen Sie, die von Ihrem Kind geschilderten Probleme ernst zu nehmen, auch wenn Sie diese nicht immer nachvollziehen können. Personen mit Essstörungen haben in der Regel große Sorgen, dass ihre eigenen Belange, Sorgen oder Ängste "lächerlich" seien. Unterstützen Sie daher deren Offenheit durch Zuhören und Zeigen von Verständnis. Falls Ihr Kind zum aktuellen Zeitpunkt nicht über ihre Probleme sprechen möchte, teilen Sie ihm mit, dass Sie jederzeit ansprechbar bleiben werden.

 

Sprechen Sie auch über Ihre persönlichen Sorgen!

Sprechen Sie mit Ihrem Kind offen über Ihre eigenen Sorgen und Ängste. Vermeiden Sie hierbei, Vorwürfe zu machen über verändertes Verhalten oder unverständliche Essgewohnheiten. Dies würde zu einer Verstärkung eventueller Konflikte führen.

 

Thematisieren Sie die Essstörung nie beim Essen!

Sprechen Sie Veränderungen im Essverhalten oder beim Gewicht frühzeitig an und versuchen Sie, dabei nicht vorwurfsvoll zu sein. Veränderungen des Essverhalten sollten nicht übergangen oder in der Familie verschwiegen werden. Thematisieren Sie das Essverhalten Ihres Kindes außerhalb der Mahlzeiten. Während der Mahlzeiten ist es der Erfahrung nach nicht möglich, konstruktiv über die Essprobleme zu sprechen, da Ihr Kind zu angespannt ist und Rückmeldungen als Kritik und Bevormundung ansieht. Sorgen Sie für eine vertrauensvolle Atmosphäre und fragen Sie Ihr Kind, welche Art von Unterstützung für ihn hilfreich wäre.

 

Passen Sie Ihre Essgewohnheiten nicht den Wünschen ihres Kindes an!

Binden Sie Ihr Kind in die Planung der Mahlzeiten mit ein, behalten Sie aber eigene Essgewohnheiten bei.

Binden Sie Ihr Kind in die Planung der Mahlzeiten mit ein, behalten Sie aber eigene Essgewohnheiten bei.

Planen Sie die Mahlzeiten gemeinsam oder abwechselnd. Darüber können Sie mit Ihrem Kind ins Gespräch kommen, ihm zudem zeigen, dass es bezüglich des Essens mitbestimmen kann. Behalten Sie aber das eigene Essverhalten oder Essgewohnheiten der Familie bei. Dazu gehören auch die Essenszeiten, "Lieblingsspeisen", oder auch Kochgewohnheiten. "Die Essstörung" sollte möglichst wenig Raum in der Familie erhalten. Über eine Anpassung eigener Gewohnheiten an die "Wünsche der Essstörung" entlasten Sie Ihr Kind zwar kurzfristig, unterstützen jedoch längerfristig das krankhafte Essverhalten.

 

Vernachlässigen Sie Ihre anderen Kinder nicht!

Häufig waren Kinder mit Essstörungen in der Familie eher unauffällig. Meist waren es die Geschwister, die mehr Aufmerksamkeit gefordert und bekommen haben. Durch die Essstörung kann sich dies nun ändern. Nun sind die Betroffenen die "Sorgenkinder" und erhalten viel Aufmerksamkeit. Dies führt häufig zu Konflikten unter den Geschwistern, da sich die "gesunden" Geschwister nun vernachlässigt fühlen. Schenken Sie auch Ihren "gesunden" Kindern weiterhin viel Aufmerksamkeit. Reden Sie mit Ihnen über die Erkrankung ihrer Schwester / ihres Bruders und klären Sie sie über die Essstörung auf. Häufig sind sie verunsichert und wissen nicht, wie sie mit ihrem "kranken" Geschwisterteil umgehen sollen. Haben Sie daher immer ein offenes Ohr und ermutigen Sie die Geschwister, mit dem Betroffenen zu sprechen und ihm Mut zu machen.

 

Holen Sie auch für sich selbst Hilfe und stehen Sie die Erkrankung nicht alleine durch!

Versuchen Sie nicht, die Belastungen alleine zu tragen oder die Erkrankung selbst mit Ihrem Kind zu bewältigen. Essstörungen sind schwerwiegende psychosomatische Erkrankungen, die zu einer Belastung des gesamten Umfeldes führen. Daher ist es kein "Versagen", sondern unabdingbar, wenn Sie sich selbst Hilfe holen: In der Literatur, bei Beratungsstellen, Teilnahme an Angehörigen-Selbsthilfegruppen, beim Arzt oder Therapeuten. Sprechen Sie gegenüber Dritten über Ihre eigenen Sorgen und Ängste. Dies kann zu einer großen Entlastung beitragen und Sie selbst stärken. Sorgen Sie insbesondere in der Krankheitsphase Ihres Kindes für sich selbst (z.B. eigene Hobbies weiter führen, die eigene Partnerschaft pflegen). Neben der Erhaltung Ihrer eigenen psychischen Gesundheit vermeiden Sie einen "sekundären Krankheitsgewinn" Ihres Kindes ("solange ich krank bin, kümmern sich alle besonders um mich").

 

Spezialabteilung für Jugendliche mit psychischen Erkrankungen

Mit unserer Spezialabteilung für Jugendliche (14 bis 18 Jahre), Schwerpunkt Essstörungen, reagieren wir auf eine ernst zu nehmende Entwicklung - denn die Patienten werden immer jünger.

Weitere Informationen

 

Alltag. Ratgeber & Tipps

Wie sieht der Alltag mit einer Essstörung aus?

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