Adipositas. Therapie, OP, Reha

Therapie-Ziel: Das reduzierte Gewicht langfristig halten.

Das primäre Ziel der Therapie ist, das reduzierte Gewicht langfristig zu halten.

Das primäre Ziel der Therapie ist, das reduzierte Gewicht langfristig zu halten.

Seit etwa zehn Jahren verfolgt die Adipositas-Therapie nicht mehr das primäre Ziel, Gewicht zu reduzieren, sondern das reduzierte Gewicht langfristig zu halten. Einige Methoden der Gewichtsreduktion sind inzwischen als klinisch sicher evaluiert. Schwieriger und nicht vollständig erforscht und evaluiert sind jedoch die therapeutischen Bedingungen, durch die die erreichte Gewichtsreduktion langfristig gehalten werden kann.

 

Kriterien von Gewichtsmanagement-Programmen bei Adipositas

Das Institute of Medicine (IOM) hat 1995 neue Kriterien zur Evaluation von Gewichtsmanagement-Programmen publiziert. Das IOM ist eine unabhängige, gemeinnützige Organisation, die Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit unvoreingenommen fachkundige Beratung bzw. Empfehlungen zur Verfügung stellen:

  • 1. Langfristiger Gewichtsverlust 1 Jahr oder länger; Gewichtsverlust mindestens 5 Prozent des Körpergewichts oder Reduktion des BMI um 1 oder mehr Einheiten.
  • 2. Verbesserung von Erkrankungen, die mit dem Übergewicht assoziiert sind; Mindestens einer der assoziierten Risikofaktoren soll klinisch signifikant verbessert werden (Bluthochdruck, Hypercholesterinämie, -triglyzeridämie, -glykämie, Diabetes mellitus Typ IIb).
  • 3. Verbessertes Gesundheitsverhalten; Verzehr nach speziellen Ernährungsvorgaben an mindestens 4 von 7 Tagen, Monitoring mit Ernährungsprotokollen, regelmäßige körperliche Aktivität (1/2 Stunde oder mehr moderate körperliche Aktivität am Tag; 4 x pro Woche oder mehr), regelmäßige ärztliche Konsultationen (mind. 1 x pro Jahr), insbesondere bei fortbestehendem Übergewicht, zur Fortführung oder zum Beginn adäquater Therapiemaßnahmen, zur Erkennung Übergewichts-assoziierter Erkrankungen.
  • 4. Monitoring von evtl. Nebenwirkungen durch das Programm.
  • 5. Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität.
 

Methoden der Adipositas-Therapie.

Die Adipositas-Therapie ist eine multimodulare Therapie: In Abhängigkeit vom BMI und vorliegenden Risikofaktoren sieht die Adipositas-Therapie eine gestufte Behandlung vor, wobei der Sockel der Behandlung eine langfristige Veränderung

  • der Ernährungsgewohnheiten
  • der Bewegung und
  • des Verhaltens vorsieht.

Ab einem Adipositas Grad II kann zusätzlich zu diesem Programm eine medikamentöse Behandlung für einen gewissen Zeitraum überlegt werden.

Bringen die oben genannten konservativen Maßnahmen kein zufriedenstellendes Ergebnis und liegt der BMI > 40, sollte die Möglichkeit einer Adipositas-Chirurgie geprüft werden, d.h. es könnte z.B. ein Magenband in Betracht gezogen werden.

 

Adipositas. Therapien, OP & Hilfe gegen Adipositas

Ernährungsumstellung.

Ernährungsgewohnheiten verändern bei Adipositas.

Das Essverhalten von fettreicher zu kohlenhydratreicher Kost umstellen.

Das Essverhalten von fettreicher zu kohlenhydratreicher Kost umstellen.

Kaum ein menschliches Verhalten ist derart stabil und resistent gegen Veränderungen wie das Essen. Jeder Mensch hat sein eigenes Essverhalten anhand seiner Anforderungen und Bedürfnisse über Jahre bzw. Jahrzehnte für sich individuell entwickelt. Diese subjektive Entwicklung ist aber oft nicht optimal.

 

Anti-Diät-Konzept bei Adipositas.

Oft haben Betroffene verlernt, beim Essen auf ihren Körper und seine Signale zu vertrauen. Grundvoraussetzung für eine seelische Stabilisierung und für eine maßvolle Gewichtsabnahme ist zunächst eine Veränderung des Essverhaltens hin zu mehr Bewusstheit und Genuss nach dem Modell einer flexiblen Kontrolle. Dazu gehört die Wahrnehmung von internen Signalen wie Hunger und Sättigung, die Steigerung der körperlichen Aktivität mit Aufbau von Fitness sowie mehr Sicherheit im Umgang mit Alltagsproblemen. Dies beinhaltet auch den Gewinn an mehr Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten, basierend auf einem verbesserten Umgang mit Gefühlen und selbstgestellten Anforderungen. Dies ist wesentliche Bedingung dafür, das problematische Essverhalten aufgeben zu können.

 

Ein Ziel der Adipositas-Therapie: Reduzierung des Fettkonsums.

Ziel der Adipositas-Therapie ist es daher, im Rahmen der diätetischen Verhaltenstherapie das Essverhalten dahingehend zu trainieren, die Fettaufnahme zu normalisieren, den Kohlenhydratkonsum zu liberalisieren und den Alkoholkonsum in Grenzen zu halten. Anerkannte und internationale Studien haben gezeigt, dass Patienten, die ihren Fettkonsum bei gleichzeitiger Freigabe der Kohlenhydratzufuhr einschränken, eine Gewichtsreduktion erreichen konnten. Auf die richtige Protein-Menge müssen die Adipositas-Patienten in der Regel nicht achten, da eine ausreichende Menge an Proteinen (ca. 70 g/Tag) bei fettnormalisierter, kohlenhydratliberaler Ernährung quasi automatisch aufgenommen wird. Als Ziel der Therapie wird angestrebt, dass die Patienten im Rahmen des diätetischen Verhaltenstrennung lernen, ihren Fettkonsum auf 60-70 Gramm pro Tag zu reduzieren.

 

Adipositas. Fett versus Kohlenhydrate.

Kohlenhydratreiche Kost wirkt sättigender als fettreiche.

Kohlenhydratreiche Kost wirkt sättigender als fettreiche.

Die Aufnahme von Kohlenhydraten im Körper fördert das Sättigungsgefühl deutlich stärker als fettreiche Kost. Denn Kohlenhydrate sind – im Gegensatz zu fettreichen Lebensmitteln – energieärmer und zudem großvolumiger. Daher wird die Kohlenhydratmenge, die man den Patienten im Rahmen einer Adipositas-Therapie empfiehlt nicht nach oben begrenzt, sondern „freigegeben“. Die Experten vermitteln den Adipositas-Patienten aber immer wieder, auf ihr Sättigungsgefühl zu achten. Befolgen die Patienten diese Empfehlung, dann nehmen sie deutlich weniger Kalorien zu sich, wenn sie die Fettaufnahme reduzieren, aber dennoch so viele Kohlenhydrate zu sich nehmen, bis sie sich satt fühlen. Ein Beispiel: Acht Schokotrüffel liefern ebenso wie sechs Bananen jeweils 570 Kilokalorien (kcal). Das Sättigungsgefühl durch den Verzehr der Bananen ist aber weitaus größer, als beim Verzehr der Schokotrüffel. Das Beispiel veranschaulicht daher, dass der Sättigungseffekt von Kohlenhydraten erheblich stärker ist als der von fettreichen Speisen. Den höchsten Sättigungseffekt erzielen eiweißreiche Lebensmittel, wie z.B. Fleisch.

 

Verhaltensänderung.

Wichtiges Element in der Therapie: Verhalten verändern.

Viele Adipositas-Patienten haben aufgrund von Stress oder Frust übermäßig gegessen.

Viele Adipositas-Patienten haben aufgrund von Stress oder Frust übermäßig gegessen.

Durch psychologische Interventionen erreichen die Adipositas-Experten, dass sich das Verhalten, das zur Adipositas geführt hat (der Stressabbau, das Nicht-Bewegen, den Frust in sich hineinfressen etc.), ändert. Dabei haben sich kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionen als besonders wirksam erwiesen. Wesentliche Elemente bei der verhaltenstherapeutischen Adipositas-Therapie ist die Psychoedukation: Die Betroffenen erhalten ein solides Grundwissen um die wesentlichen Zusammenhänge der Adipositas (Genetik, Metabolismus, Ernährung, Bewegung, psychisches Befinden usw.). Zudem wird erfragt, wie die Krankheit im individuellen Fall entstanden ist, warum die Gewichtzunahme aufrecht erhalten wurde und welches Körpergewicht der Patient anstrebt.

 

Realisierbare Therapieziele für Adipositas-Patienten.

Im nächsten Schritt vereinbart der Therapeut mit dem Patienten realisierbare gemeinsame Therapieziele. Im weiteren Verlauf folgt dann die Selbstbeobachtung und die Verhaltensanalyse: Zunächst steht dabei das Ernährungs- und Bewegungsverhalten im Fokus. Dann versuchen die Experten, die Bedingungen zu analysieren, welche ein bestimmtes erwünschtes Verhalten (z.B. keine Süßigkeiten zu essen) erleichtern (z.B. Fahrradfahren mit Freunden) oder welche mit hoher Wahrscheinlichkeit (z.B. Stress in der Arbeit) zu unerwünschten Verhalten (z.B. Süßigkeiten essen) führen.

 

Durch Selbstbeobachtung Kontrolle gewinnen.

Durch die Selbstbeobachtung ergibt sich dann ein klares Bild wann, wo, weshalb und warum es zu einem bestimmen Essverhalten kommt, so dass die Stimuli besser kontrolliert werden können. Mit Hilfe des Therapeuten erarbeitet sich der Adipositas-Patient Stimulus-Kontrollstrategien, um unerwünschte Verhaltensweisen häufiger abzuwenden.

 

Dysfunktionale Gedanken in der Adipositas-Therapie abbauen.

Das Erlernen von Entspannungstechniken hilft bei der Stressreduktion.

Das Erlernen von Entspannungstechniken hilft bei der Stressreduktion.

Darüber hinaus können durch Selbstbeobachtungsbögen dysfunktionale Gedanken (z.B. „Ich hab wieder nicht abgenommen“, „Ich schaffe das nie“; „Ohne was zu essen, schaffe ich den anstrengenden Tag nicht“, „Wenn ich jetzt nicht meine Süßigkeiten esse, bin ich im Gespräch zu aufgeregt.“) identifiziert, die Konsequenzen analysiert und dann schrittweise verändert werden. Da Rückfälle in alte (Ess-)Gewohnheiten oft mit psychosozialen Stress korrelieren, ist das Erlernen von Methoden zur Stressreduktion (Zeitmanagement, Problemlösefertigkeiten) und/ oder Spannungsreduktion (autogenes Training, progressive Muskelrelaxation) äußerst hilfreich.

 

Das soziale Umfeld in die Adipositas-Therapie einbeziehen.

Außerdem beleuchten Adipositas-Experten das soziale Umfeld und beziehen es in die Bemühungen bzw. Behandlung mit ein. Überdies sollte der Adipositas-Patient im Rahmen eines sozialen Kompetenztraining lernen, eigene Bedürfnisse zu erkennen, zu äußern und adäquat in seinem Umfeld umzusetzen. Eine detaillierte Rückfallprophylaxe hilft, adäquat mit möglichen Rückfällen umzugehen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass durch einen Rückfall die gesamte Behandlung in Frage gestellt oder sogar ganz abgebrochen wird.

 

Körperliche Aktivität gegen Adipositas.

Fahrradfahren auf dem Ergometer gehört in jedes gute Bewegungsprogramm.

Fahrradfahren auf dem Ergometer gehört in jedes gute Bewegungsprogramm.

Ohne körperliche Aktivität ist es nahezu unmöglich, dass Gewicht dauerhaft zu stabilisieren. Gerade Adipositas-Patienten fällt es schwer, ein aktives Bewegungsprogramm durchzuhalten. Die ersten drei Monate bedeuten eine besondere Herausforderung für Adipositas-Patienten, da sie durch das Bewegungsprogramm wenig positive Aspekte erleben. Das Training, dass von Schwitzen, Muskelkater, Gelenkbeschwerden und außer Atem sein begleitet sein wird, wirkt eher frustrierend und wird oft bereits nach kurzer Zeit wieder aufgegeben.

 

Wie kann man einem Abbruch der Bewegungstherapie vorbeugen?

Dem vorzeitigen Abbruch kann vorgebeugt werden, indem vor allem folgende Prinzipien berücksichtigt werden:

  • Das Training mit kleinen Schritten beginnen, keine Überforderung, der "knallroter Kopf" und der keuchende Atem sollten vermieden werden.
  • Die körperliche Aktivität in einem sozialen Kontakt einbetten, was dazu führt, dass das Training positiv erlebt und damit langfristig durchgehalten werden kann.
  • Hilfreich ist es, Inaktivitäten durch Aktivitäten zu ersetzen (z.B. Treppen statt Fahrstuhl, Fahrrad statt Auto).
  • Nicht nur die unmittelbare körperliche Bewegung führt zu einem Verbrauch von Kalorien, sondern die erhöhte Muskelmasse führt zu einer Erhöhung des Grundumsatzes.
 

Diäten bei Adipositas.

Formula-Diäten zur Gewichtsreduktion.

Werden nach der Diät wieder die alten Essgewohnheiten aufgenommen, ist schnell das alte Gewicht wieder erreicht.

Werden nach der Diät wieder die alten Essgewohnheiten aufgenommen, ist schnell das alte Gewicht wieder erreicht.

Formen neuer Diäten, wie z.B. die Formula-Diäten, sind weitestgehend makro- und mikronährstoff-optimiert und stellen daher im Gegensatz zur Nulldiät kein gesundheitliches Risiko dar. Empfohlen werden verschiedene diätetische Behandlungsmöglichkeiten: Die Kalorienzufuhr dieser energiereduzierten Mischkost liegen zwischen 450 Kilokalorien und maximal 1500 Kilokalorien pro Tag. Viele Patienten halten diese Diätformen gut durch, da diese eine schnelle Gewichtsreduktion ermöglichen. Der Hauptgrund: Die sehr rigiden Diätstrategien unterscheiden sich deutlich von der Alltagskost, so dass es leichter fällt, nicht in alte Essgewohnheiten zurückzufallen. Nach Beendigung der Diät werden aber die alten Essgewohneheiten wieder aufgenommen und das alte Gewicht stellt sich rasch wieder ein, teilweise geht es dann über das Ausgangsgewicht hinaus. Somit bewirken die Formula-Diäten ohne ein längerfristig begleitendes Verhaltenstraining mit angepasstem Ess- und Bewegungsverhalten eher das Gegenteil der erwünschten Gewichtsstabilisierung. Werden die Formula-Diäten jedoch eingebettet in die oben genannten Maßnahmen, so können sie sehr effektiv sein.

 

Hände weg von unspezifischen Diäten.

Eine reine Salatdiät sollte aufgrund von Mangelernährung nicht in Erwägung gezogen werden.

Eine reine Salatdiät sollte aufgrund von Mangelernährung nicht in Erwägung gezogen werden.

Unspezifische, oft durch die Medien propagierten Diäten (z.B. Trennkost, Atkinsdiät, Punktediät, Fit for Life oder verschiedenste Salate oder Obstdiäten) haben, so unterschiedlich sie ausgerichtet sind, eines gemeinsam: Über längere Zeit angewendet führen sie zu einer Fehl- oder Mangelernährung. Sie stellen somit in keinster Weise eine ernst zu nehmende Therapieoption dar und dürfen auch nicht als solche betrachtet werden. Der Gewichtsverlust ist nur kurzfristig und basiert hauptsächlich auf einem Wasser- und Proteinverlust, der nach Beendigung der Diät wieder ausgeglichen wird und somit langfristig keine Gewichtsreduktion bringt.

 

Medikamentöse Adipositas-Therapie.

Medikamente werden bei Adipositas nur bei schwerwiegenden Gründen verschrieben.

Medikamente werden bei Adipositas nur bei schwerwiegenden Gründen verschrieben.

Die genauen biochemischen Mechanismen bei der Nahrungsaufnahme sind bis heute noch weitgehend unbekannt. Eine kausalbezogene medikamentöse Therapie der Adipositas ist deshalb nur in Ansätzen möglich. Amphetamine und andere Appetitzügler werden aufgrund ihres Suchtpotentials und weiterer schwerwiegender Nebenwirkungen schon lange nicht mehr verordnet. Auch Schilddrüsenmedikamente sollten bei gesunder Stoffwechsellage nicht eingenommen werden.

 

Medikament, das eine Adipositas-Therapie unterstützen kann.

Orlistat kommt in der Adipositas-Therapie zum Einsatz: Es hemmt die im Darm stattfindende Fettabsorption um 30 Prozent. Durch die auftretenden Nebenwirkungen (vor allem Übelkeit und Durchfälle) wird dabei in gewisser Weise eine verhaltenstherapeutische Wirkung, eine sogenannte operante Konditionierung, erzielt: Um die unangenehmen Nebenwirkungen zu vermeiden, versuchen die Patienten den Fettanteil konsequent zu verringern.

Es kann jedoch nicht als Dauermedikation gegeben werden, so dass sich die Frage stellt, wie sich das Gewicht nach dem Absetzen der Medikation halten lässt.

 

Medizinprodukte zur Unterstützung einer Adipositas-Therapie.

Sättigungskapseln, die als Medizinprodukte gelten, enthalten entweder gepresstes Kollagen oder Zellulosestreifen, die im Magen aufquellen und dadurch ein gesteigertes Sättigungsgefühl verursachen sollen.

 

Chirurgische Adipositas-Therapie.

Die Operation erfolgt in der Regel nach sorgfältiger und gemeinsamer Abwägung der Alternativen.

Ob eine Operation durchgeführt wird, entscheidet ein Adipositas-Chirurg, üblicherweise in enger Absprache mit Hausarzt und Fachärzten.

In der Regel wird auch ein in der Problematik erfahrener Psychosomatiker oder Psychiater mit in die Voruntersuchungen einbezogen. Dieser untersucht, ob neben dem Übergewicht ggf. vorliegende seelische Beeinträchtigungen oder Erkrankungen einschließlich Essstörungen den Erfolg eines operativen Vorgehens gefährden können und gibt eine entsprechende Behandlungsempfehlung.

 

Nur von Spezialisten operieren lassen.

Das Gütesiegel "Referenzzentrum für Adipositaschirurgie" der DGAV.

Das Gütesiegel "Referenzzentrum für Adipositaschirurgie" der DGAV.

Damit die Operation Erfolg verspricht, sollte man sich nur von Spezialisten behandeln lassen. Dass man bei Spezialisten ist, zeigt z.B. das Zertifikat "Referenzzentrum für Adipositaschirurgie" der DGAV (Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie). Um das Zertifikat zu erhalten, muss die Klinik hohe Qualitätsstandards in Behandlung, Ausstattung und Nachsorge erfüllen. In Deutschland gibt es nur neun Zentren, die das Gütesiegel erhalten haben. Die Schön Klinik Hamburg Eilbek ist eine davon und die einzige in Norddeutschland.

 

Wann sollte eine Operation in Betracht gezogen werden?

Adipositas mit einem BMI über 40 geht häufig mit körperlichen Erkrankungen, wie z.B. Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Schlafapnoe, Erkrankungen des Bewegungsapparates etc. einher. Auch seelische Erkrankungen, wie z.B. Depressionen oder Angsterkrankungen kommen häufig vor. Die Betroffenen sind oft massiv in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. 

Waren konservative Maßnahmen zur Gewichtsreduktion nicht erfolgreich, sollte man auch chirurgische Verfahren in die weitere Behandlungsplanung mit einbeziehen. 

 

Die OP-Methoden unterscheiden sich deutlich voneinander.

Die heute zur Anwendung kommenden operativen Verfahren reichen vom verstellbaren Magenband über den sogenannten „Schlauchmagen“ bis hin zu einem sogenannten Magenbypass. Meist werden diese Verfahren mit der sogenannten „Schlüssellochtechnik“ durchgeführt. Welches operative Verfahren zur Anwendung kommt, entscheidet der Chirurg. Die Verfahren unterscheiden sich deutlich. Dies gilt für die Wirkungsweise, für den Umfang der möglichen Gewichtsabnahme (30-80% des Übergewichts), die Risiken und die Langzeit-Auswirkungen. Insofern ist auch eine intensive Aufklärung des Patienten über das Operationsverfahren, seine Langzeitfolgen wie auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den Chirurgen vorgeschrieben.

 

Nach einer OP reduziert sich das gefährliche Übergewicht.

Gegenüber konservativen Behandlungsmaßnahmen haben sich die chirurgischen Verfahren in Langzeituntersuchungen als deutlich überlegen erwiesen. Allerdings muss man anmerken, dass nur die wenigsten Patienten normalgewichtig werden; die meisten bleiben übergewichtig, jedoch auf einem niedrigeren Niveau als vor der Operation. Dies ist meist mit einem Gewinn an Lebensqualität und einer Besserung der Folgeerkrankungen verbunden. Das Essverhalten nach einem operativen Vorgehen entspricht nicht mehr einem „normalen Essverhalten“. Häufig bilden sich neue „Essrituale“ aus, die z.T. sinnvoll, z.T. aber auch schädlich sein können und im Rahmen der Langzeitbetreuung ggf. auch psychotherapeutisch/psychosomatisch mitbehandelt werden müssen.

 

Wann sollte eine chirurgische OP nicht durchgeführt werden?

Eine chirurgische Operation sollte nicht durchgeführt werden, wenn folgende Kriterien zutreffen:

  • Chaotische Lebensführung, keine Motivation
  • Dauerhafte Medizinische Versorgung nicht gesichert
  • Schwere Essstörung wie z.B. Bulimia nervosa
  • Schwere seelische Störungen wie Psychosen, unbehandelte Suchterkrankungen, emotional instabile (Borderline-) Persönlichkeitsstörungen, fraglich auch Impulskontrollstörungen
 

Eine Adipositas-OP alleine ist nicht die Lösung.

Die chirurgische Adipositas-Behandlung ist ein wichtiger Baustein in der Behandlung der gesundheitsgefährdenden Adipositas. Sie ist aber nicht in der Lage, als einzige Maßnahme alle mit dem Übergewicht verknüpften Probleme körperlicher wie seelischer Art zu lösen. Die Durchführung Adipositas-chirurgischer Maßnahmen bedarf zudem der ausdrücklichen Zustimmung der Krankenkassen bzw. Krankenversicherung.

 

Chirurgische Maßnahmen im Überblick.

Magenbypass.

Der Arzt teilt den Magen. Es entstehen eine kleine Magentasche und ein größerer, funktionstüchtiger Restmagen. Die Magentasche ist schnell gefüllt, da sie nur wenig Nahrung aufnehmen kann. Die Patienten fühlen sich schneller gesättigt und bleiben auch länger satt. Der Dünndarm wird zusätzlich umgeleitet. Nahrung und Verdauungssäfte vermischen sich erst im mittleren Dünndarm. Das führt zu einer geringeren Kalorienaufnahme. Durch den Bypass kann ein größerer Gewichtsverlust herbeigeführt werden, als z.B. durch das Magenband. Allerdings erfordert dieses Verfahren eine lebenslange Ergänzung mit Vitaminen. Zudem kann eine Magenspiegelung nicht mehr durchgeführt werden.

 

Schlauchmagen.

Hier wird ein großer Teil des Magens entfernt. Es bleibt nur ein schlauchförmiger Restmagen übrig. Die Patienten können nur noch geringe Nahrungsmengen aufnehmen und fühlen sich schneller gesättigt. Der normale Verdauungsprozess bleibt aber unberührt. Bei der OP wird genau der Teil des Magens entfernt, der für die Produktion des Hormons Ghrelin zuständig ist. Dieses Hormon löst ein Hungergefühl aus. Die Patienten haben seltener Heißhungerattacken und verspüren weniger Hunger. Seltene Komplikationen sind z.B. undichte Nahtstellen.

 

Verstellbares Magenband.

Ein verstellbares Magenband wird um den oberen Teil des Magens gelegt. Das Band besteht aus Silikon und übt einen geringen Druck aus. Isst man, sammelt sich die Nahrung zuerst im oberen Teil und gelangt langsam in den unteren Teil des Magens. Dadurch, dass die obere Magentasche so klein ist, füllt sie sich schnell und signalisiert dem Gehirn, dass der Magen voll ist. Man fühlt sich schneller und für längere Zeit gesättigt und man isst insgesamt weniger. Das Magenband kann über einen Zugang, der unter die Haut implantiert wird, verstellt werden. Dabei wird Kochsalzlösung eingeführt, wodurch sich das Füllvolumen ändert und das Band kann enger bzw. weiter gestellt werden.

Die Patienten müssen ihre Ernährung umstellen und lernen, mit dem neuen Sättigungsgefühl umzugehen. Durchschnittlich verlieren die Patienten 50% ihres Übergewichts. Das Magenband kann individuell auf jeden Patienten eingestellt werden und bleibt in der Regel ein Leben lang im Körper. Es kann aber jederzeit wieder entfernt werden. Selten treten Komplikationen auf wie das Durchrutschen des Magens durch das Band, ein Verrutschen des Bandes oder eine Magendurchbohrung.

 

* Grafiken copyright © Dr. Beate Herbig

 

Rehabilitation. Wieder fit für den Alltag werden

Ziel der Rehabilitation ist, Behinderungen oder Einschränkungen im Alltag oder Beruf zu verhüten bzw. zu überwinden. Dem Patienten soll es wieder möglich sein, aktiv am täglichen Leben teil zu nehmen. Dazu können neben psychotherapeutischen Behandlungselementen auch zahlreiche flankierende Maßnahmen wie Sport- und Bewegungstherapie, physikalische Anwendungen, Entspannungstechniken und berufsbezogene Maßnahmen angewandt werden. 

 

Erstellung des Rehaplans.

Zu Beginn der Rehabilitation werden die funktionellen Einschränkungen erhoben und realistische Rehabilitationsziele vereinbart. Dabei wird die persönliche Lebensgeschichte des Patienten und die jeweils auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren berücksichtigt, die der Symptomatik zugrunde liegen. Bei der Erstellung des Therapieplans werden zudem die individuellen Ressourcen und Kompetenzen des Patienten mit einbezogen. Denn die aktive Mitarbeit der Patienten ist zur Erreichung der Rehabilitationsziele unerlässlich.

 

Das Therapieangebot in der Rehabilitation.

Der Therapieplan wird individuell aus folgenden Elementen erstellt:

  • Gruppentherapien: schwerpunktbezogene Gruppen (z. B. Depression 60+)
  • Gruppentherapie Soziale Kompetenz
  • Einzeltherapie
  • Entspannungstherapie
  • Biofeedback (Gruppe)
  • Ergotherapie
  • Sozialberatung
  • Sport- und Bewegungstherapie
  • Vorträge und Seminare zu gesundheitsfördernden Maßnahmen
  • physikalische Therapie
 

Nachsorge. Wie es nach der Behandlung weitergeht

Adipositas-Therapie. Eine lebenslange Aufgabe.

Unter Experten setzt sich immer mehr die Überzeugung durch, dass Adipositas-Therapien vergleichbar mit der Behandlung der Hypertonie oder Diabetes mellitus Typ 2 eine lebenslange Therapie erfordert. Die bei sehr vielen Patienten vorliegende genetische Disposition zur Fettspeicherung verlangt, dass bei Auswahl und Verzehr von Lebensmitteln und Speisen permanent gegengesteuert wird. Zudem muss die kontinuierliche Bewegung in den Alltag etabliert werden, um eine erneute Gewichtszunahme zu vermeiden.

 

Gesellschaftliche Ideale erschweren Therapie-Erfolg.

Aus medizinischer Sicht ist bereits ein Erfolg, wenn die Patienten eine weitere Gewichtszunahme vermeiden. Doch wird dieses Erfolgskriterium von den Patienten selbst und der Gesellschaft als unzureichend betrachtet. Denn das extreme Schlankheitsideal gilt als attraktive Norm, wodurch die Effektivität der Adipositas-Therapie in Frage gestellt wird. Die überhöhten Zielvorstellungen überfordern bzw. frustrieren die Patienten und bahnen somit das Risiko für Rückfälle.

 

Adipositas. Fragen, FAQ

Hier finden Sie antworten zu den wichtigsten Fragen rund um Adipositas.

FAQ zur Adipositas-Operation

Spezialisierte Kliniken

Diese spezialisierte Kliniken verfügen über qualifizierte Ärzte und Therapeuten zur Behandlung von Adipositas.

Kliniken für Adipositas