Adipositas, starkes Übergewicht.

Adipositas gilt auch heute oft noch als ein vernachlässigtes Thema. Die Patienten erleben oft, dass ihre Krankheit als Ausdruck einer Charakter- oder Willensschwäche abgetan wird. Durch ihre Ausbreitung rückt das starke Übergewicht aber zunehmend in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Gerade übergewichtige Jugendliche und junge Erwachsene geraten unter immensen Druck, der oft auch zu sozialer Diskriminierung und Hänseleien führt. In den Medien werden sie ständig mit Schlankheitsidealen konfrontiert, die oftmals sogar im Bereich des Untergewichts liegen.

 

Adipositas ist kein vorübergehendes Problem.

Klar ist inzwischen, dass es sich bei Adipositas nicht nur um ein vorübergehendes Problem handelt, sondern eine Krankheit ist, die häufig in der Bevölkerung auftritt.

Auf bis zu 20 Milliarden Euro pro Jahr schätzen Experten die Kosten für das Gesundheitssystem, die indirekt oder direkt durch die Adipositas verursacht werden. Dies entspricht circa 6 bis 8 Prozent der Gesamtkosten im Gesundheitssystem.

 

Adipositas. Informationen von A-Z

Information. Was ist eine Adipositas?

Als Essstörungen, unter die auch Adipositas fällt, bezeichnet man ein Phänomen, bei der die Menge der aufgenommenen Nahrung oder das daraus resultierende Körpergewicht als krankhaft gilt. Das Phänomen ist schon lange bekannt, so wurde extremes Übergewicht bereits im antiken Griechenland erwähnt: In alten Schriften lassen sich Hinweise finden, dass man sich beim Essen mäßigen und körperlich ertüchtigen sollte. Auch finden sich Überlegungen, inwiefern übermäßiges Gewicht den Ausbruch weiterer Erkrankungen begünstigt.

 

Ab welchem Gewicht spricht man von Adipositas?

Übermäßiges Gewicht birgt die Gefahr weiterer Erkrankungen.

Übermäßiges Gewicht birgt die Gefahr weiterer Erkrankungen.

Inzwischen veraltet, jedoch noch immer sehr verbreitet, ist der sogenannte Broca-Index, der Normalgewicht definierte als Betrag in Kilogramm, den die Körpergröße jenseits der 100 Zentimeter erreicht, d.h. bei einer Person mit einer Körpergröße von 187 cm läge das Normgewicht bei 87 Kilogramm. Durch diese Berechnung kam es jedoch bei sehr kleinen und auch sehr großen Menschen zu Fehleinschätzungen und zudem wurde das Normalgewicht scheinbar exakt auf ein Kilogramm bestimmt. Als einfaches Maß wurde in den letzten Jahren zur Bestimmung des Normalgewichtes der Bauchumfang vorgeschlagen, wobei der Umfang von mehr als einem Meter per Definition die Indikation zu einer Therapie darstellt.

 

Der Body Mass Index – internationaler Index für Adipositas.

Geläufiger und international durchgesetzt hat sich inzwischen der Body Mass Index (BMI = kg/m²), der die Körperhöhe modifiziert und die Bewertung in größeren Intervallen vornimmt. Die Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG) hat für die Bewertung des BMI folgende inzwischen auch international übliche Intervalle festgelegt:

BMI unter 18,5            Untergewicht

BMI 18,5 – 24,9          Normalgewicht

BMI 25,0 – 29,9          Übergewicht

BMI 30,0 – 34,9          Adipositas Grad I

BMI 35,0 – 39,9          Adipositas Grad II

BMI über 40,0             Adipositas Grad III

 

Adipositas. Welchen Handlungsbedarf für welchen Grad?

Liegt der BMI über 30, ist eine Therapie gegen die Fettleibigkeit dringend angeraten.

Liegt der BMI über 30, ist eine Therapie gegen die Fettleibigkeit dringend angeraten.

Ein BMI zwischen 25 und 30 stellt nur dann eine Indikation zur Gewichtsabnahme dar, wenn auch entsprechende Risikofaktoren oder ein massiver psychosozialer Leidensdruck aufgetreten sind. Unter Risikofaktoren sind Diabetes mellitus Typ 2, Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) und Hyperlipidämie (erhöhte Konzentration von Blutfetten) zu nennen. Bei einem BMI von über 30 besteht in jedem Fall eine unbedingte Indikation zur Therapie. Ab einem BMI größer als 40 sollte darüber hinaus über chirurgische Interventionen nachgedacht werden, z.B. das Einsetzen eines Magenbandes.

 

Adipositas. Auch eine psychische Störung?

Ferner wird diskutiert, ob es sich bei der Adipositas um eine psychische Störung handelt: Ist diese wie eine Impulskontrollstörung und als solche ähnlich wie die Drogenabhängigkeit zu kategorisieren? Schließlich ist das krankhafte Übergewicht wesentlich auf die mangelnde Kontrolle der Nahrungsaufnahme zurückzuführen und stellt somit zugleich ein psychisches und gesundheitliches Problem dar.

 

Bestimmte Essverhalten können zu einer Adipositas führen.

Kennzeichen für subsyndromale Essstörungen sind, das nicht alle Kriterien einer klinischen Essstörung erfüllt sind. Häufig treffen ein paar Symptome zu, wie z.B. Unzufriedenheit mit dem Körpergewicht und Diätverhalten, aber sie reichen nicht, um sie einer konkreten Essstörung wie der Adipositas zuzuordnen. Bestimmte Essverhalten legen aber eine Essstörung nahe. Diese können zu einer Adipositas führen.

  • Binge: sporadische Essattacken mit Kontrollverlust, ohne dass die zeitlichen oder mengenmäßigen Kriterien der Binge Eating Störung vollständig gegeben sind.
  • Grazing bezeichnet ein über Stunden, z. T. über Tage anhaltendes ständiges Essen, ohne dass dieses Verhalten kontrolliert werden kann.
  • Night-Eating ist gekennzeichnet durch übermäßiges Essen, insbesondere abends. Über 25 % der täglichen Kalorienmenge werden nach dem Abendessen zugeführt. Hinzu kann noch nächtliches Erwachen mit Nahrungsaufnahme in mindestens drei Nächten pro Woche kommen, was häufig mit morgendlicher Appetitlosigkeit, Schlafproblemen, depressiven Verstimmungen und vermehrtem Stresserleben verknüpft ist.
  • Emotional-Eating hat häufig eine Funktion zur Stimmungsstabilisierung, wie z.B. zum Vermeiden von aversiven Emotionen wie Ärger, Angst, Frust, Enttäuschungen oder Langeweile. Das Essen hat häufig auch Belohnungscharakter und ist sehr häufig mit depressiven Verstimmungszuständen verknüpft. Zentral bestehen enge Zusammenhänge zwischen der Nahrungsaufnahme, dem Serotonin- und dem Dopaminstoffwechsel.
  • Suchtartiges Essen wird von einer Reihe von Patienten berichtet, die das typische Smptom aufweisen, nach Essen zu gelüsten. Ihre Gedanken kreisen ständig ums Essen und sie haben das Gefühl, immer mehr essen zu müssen. Dieses Verhalten hat negative Auswirkungen auf die soziale Funktion. Möglicherweise besteht hier auch ein Zusammenhang mit Defiziten in der Impulskontrolle.
 

Adipositas. Nachteile für Karriere und Partnersuche.

Erwachsene mit Adipositas werden in der Gesellschaft im Gegensatz zu den Heranwachsenden zum Teil besser akzeptiert, ihnen werden im allgemeinen Attribute wie gemütlich, ruhig, verständlich und ausgeglichen zugeschrieben. Doch im Hinblick auf die berufliche Karriere kommt diese positive Einschätzung nicht zum Tragen, sondern dann gilt die Fettleibigkeit eher als Ausdruck von Disziplinlosigkeit. Auch bei der Aufnahme sozialer Kontakte und der Partnersuche wirkt sich die Fettleibigkeit aufgrund der vorherrschenden Schönheitsideale eher negativ aus. Das heißt: Der Betroffene leidet doppelt, zum einen unter seinem zu hohen Gewicht und den damit verbundenen Einschränkungen bzw. somatischen (körperlichen) Folgeerkrankungen und zum anderen an der fehlenden sozialen Akzeptanz.

 

Symptome. Anzeichen für eine Adipositas

Psychosoziale und körperliche Risikofaktoren bei Adipositas.

Neben dem psychosozialen Leidensdruck, der von den Betroffenen störender und beeinträchtigender erlebt wird als die körperlichen Risikofaktoren, sind Adipositas häufig mit einer Fülle anderer Krankheiten verbunden. Diese können signifikant gebessert oder sogar geheilt werden, wenn der Patient nachhaltig Gewicht abnimmt.

 

Psychosozialer Leidensdruck von Adipositas-Patienten.

Mehrere veröffentlichte Umfragen und sozialpsychologische Experimente deuten beispielhaft das Ausmaß der psychosozialen Stressoren an, denen die Fettleibigen in unserem westlich geprägten Kulturkreis ausgesetzt sind.

So zeigen Studien, dass Adipositas-Betroffene

  • weniger verdienen
  • seltener einen Arbeitsplatz erhalten
  • seltener als Mieter akzeptiert werden
  • höhere Gefängnisstrafen erhalten

Schon Kindergartenkinder ziehen eine zerlumpte einer dicken Puppe vor und sprechen dem Körpergewicht eine hohe Bedeutung für die soziale Position zu. Lehrer beurteilen Schulaufsätze von dicken Kindern – im Rahmen eines kontrollierten Experimentes – schlechter als die von normalgewichtigen Kindern.

 

Folgeerkrankungen mit hohem Risiko bei Adipositas.

Insgesamt haben Menschen mit Adipositas ein erhöhtes Operationsrisiko und eine höhere Wahrscheinlichkeit vorzeitiger Berentung. Falls sie wegen einer Erkrankung untersucht werden müssen, finden sie oft erschwerte Bedingungen vor, weil beispielsweise Liegen, Stühle und Diagnostikgeräte nicht auf ihre Leibesfülle ausgerichtet sind.

 

Häufige Folgeerkrankungen von Adipositas:

  • Herz- und Kreislauferkrankungen (insbesondere Bluthochdruck, Herzschwäche)
  • Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparats (Gon- und Coxarthrose, Wirbelsäulensyndrom)
  • Venenleiden (Krampfadern)
  • Schlafbedingte Atmungsstörungen (Schlafapnoe)
  • Metabolische und hormonelle Beschwerden (vor allem Diabetes mellitus Typ 2, Dyslipidämie, Hyperurikämie)
  • Erkrankungen des gastrointestinales Systems (Gallenblasenleiden, Gallensteine, Fettleber, Refluxösophagitis)
  • erhöhtes Karzinomrisiko (Uterus, Mamma, Colon, Prostata, Gallenblase)
  • verminderte Fertilität (Fruchtbarkeit)
  • Komplikationen bei Geburt und Stillzeit
 

Ursachen. Wie entsteht eine Adipositas?

Adipositas. Fettreserven waren evolutionsbedingt sinnvoll.

Fettreserven zu bilden, um in Zeiten mit schlechter Nahrungsversorgung ein Überleben zu ermöglichen, ist keine Störung oder Krankheit, sondern eine geniale Anpassung des Stoffwechsels im Laufe der Evolution. Nur in Zeiten, in denen ein Nahrungsüberschuss besteht und die Energiereserven nicht mehr abgerufen werden, besteht die Option zum Übergewicht. Die damals sinnvolle Fettspeicherung, die den Menschen das Überleben sicherte, geht jedoch heute mit einer erhöhten Morbidität (Krankheitshäufigkeit) und Mortalität (Sterberate) einher.

 

Adipositas hat nicht nur eine Ursache.

Vor allem die Aufnahme fettreicher Nahrungsmittel führt zu Adipositas.

Vor allem die Aufnahme fettreicher Nahrungsmittel führt zu Adipositas.

Die Frage nach der Ursache der Adipositas ist nicht abschließend geklärt. Die alleinige Annahme, dass Übergewichtige zu viel essen und/oder sich zu wenig bewegen, leuchtet zwar ein, kann aber nicht als alleinige Erklärung der Ursachen der Fettleibigkeit ausreichen. Eher scheint es so zu sein, dass die Adipositas eine Erkrankung ist, die sich aus verschiedenen Facetten zusammensetzt, wobei als Ursachen die Umweltbedingungen, die eingeschränkte Bewegung und die Aufnahme von vor allem fettreicher, kohlenhydratarmer Nahrung in den verschiedensten Ausprägungen zur Entstehung der Erkrankung führen. Bei vielen Patienten liegt eine genetische Disposition vor, was anhand von Zwillingsstudien und gentechnischen Untersuchungen belegt werden kann: Viele Menschen sind also bereits aufgrund ihrer Gene anfällig für die Ausbildung der Adipositas.

 

Adipositas. Syndrom eines genetischen Defekts?

In seltenen Fällen kann Adipositas im Rahmen eines genetischen Defekts auftreten, etwa bei dem Ahlström-Hallgen-Syndrom, dem Ahlström-Oslon-Syndrom, dem Bardet-Biedl-Syndrom, dem Cohen-Syndrom oder dem Prader-Willi-Syndrom. Im Hinblick auf die weitere Behandlung ist es wichtig zu erkennen, ob die Adipositas möglicherweise im Zusammenhang mit einem genetischen Defekt steht. Im Rahmen der körperlichen Untersuchung könnten weitere Symptome festgestellt werden, die auf einen solchen genetischen Defekt hindeuten: Auffälligkeiten im Bereich der Intelligenz, des Muskeltonus sowie der Entwicklung von Fingern, Zehen und Genitalien.

 

Sekundäre Adipositas bei Krankheiten, Medikamenten oder Suchtproblemen.

Ferner sollte im Rahmen der Diagnostik daran gedacht werden, dass andere Erkrankungen und vor allem auch Medikamente und Suchtstoffe extremes Übergewicht bedingen können, die man demzufolge als sekundäre Adipositas bezeichnet. Folgende Krankheiten können beispielsweise zu einem krankhaften Übergewicht führen:

  • Morbus Cushing
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Eierstockzysten
  • Veränderungen im Gehirn (z.B. Tumore, Entzündungen, Gefäßveränderungen)

 Folgende Medikamente können beispielsweise eine Gewichtszunahme verursachen:

  • Psychopharmaka
  • Hormone
  • Antidiabetika
  • Kortison
  • Blutdruckmittel

Aber auch Suchtmittel wie Alkohol, Cannabis oder andere appetitsteigernde Substanzen können zu Adipositas führen.

 

Diagnostik. Wie wird eine Adipositas festgestellt?

Körperliche Untersuchung & Analyse der Lebensgewohnheiten.

Die medizinische Diagnostik von Adipositas dient zu Beginn dazu, andere Krankheiten und veränderbare Ursachen die zu einer Adipositas führen zu erkennen und zu behandeln. Im zweiten Schritt soll sie aber auch die Gefahren der Essstörung abwehren, indem sie die damit verbundenen Komplikationen erkennt. Daher sollte zu Beginn der Behandlung eine Statuserhebung erfolgen:

  • Bestimmung von Größe und Gewicht sowie BMI
  • Bestimmung der Fettverteilung (insbesondere bei BMI > 30)
  • Körperliche Untersuchung
  • Feststellung und Dokumentation evtl. bestehender Folgeerkrankungen (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Arthrose, usw.)
  • Blutdruckmessung
  • Laboruntersuchungen (Blutglukose, Lipide, Harnsäure, Schilddrüsenwerte, Cortisol)
  • Gewichtsanamnese
  • Medikamentenanamnese, ggf. Suchtanamnese
  • Ernährungsgewohnheiten (Tagebuch über eine Woche)
  • Erhebung der Familien-, Psycho- und Sozialanamnese
  • Aktivitätsprotokoll
 

Therapie, OP, Reha

Schon der Verlust von 20kg ist ein Erfolg. Das primäre Ziel der Therapie ist, das reduzierte Gewicht langfristig zu halten.

Therapie & Hilfe

Adipositas-Chirurgie

Wenn konservative Maßnahmen fürs Abnehmen nicht erfolgreich waren, werden chirurgische Methoden überlegt.

Adipositas-Chirurgie

 

Hautstraffung nach Therapie

Wie wird eine Bauchstraffung durchgeführt? Worauf muss danach geachtet werden?

Hautstraffung nach Therapie

Spezialisierte Kliniken

Diese spezialisierte Kliniken verfügen über qualifizierte Ärzte und Therapeuten zur Behandlung von Adipositas.

Kliniken für Adipositas