Resilienz. Das Immunsystem der Seele.

Die Fähigkeit, innere Stärke zu entwickeln.

Resilienz: Die Seele stärken.

Resilienz: Die Seele stärken.

Krisen erlebt jeder. Aber die Frage, warum der eine Mensch daran verzweifelt und der andere nach kurzer Zeit wieder aufrecht steht und sein Leben meistert, hat die Medizin sich trotzdem lange nicht gestellt. Die Eigenschaft, die den einen fast unangreifbar macht, heißt Resilienz. „Die Fähigkeit, mit Stressbelastung im Erwachsenenalter auszukommen, scheint in hohem Maße davon abzuhängen, ob man in der Kindheit von Eltern, Lehrern oder anderen Bezugspersonen etwas mitbekommen hat, was stark macht,“ erklärt Dr. Gernot Langs, Chefarzt der Psychosomatik an der Schön Klinik Bad Bramstedt. Bei den meisten Menschen, die besonders resilient erscheinen, liegt das Geheimnis ihrer Stärke also im Elternhaus.

 

Liebevolle Strenge macht Kinder stark.

Wenn kleine Kinder mit großer Selbstverständlichkeit erleben, dass jemand hinter ihnen steht, ganz gleich was passiert, entwickeln sie ganz natürlich ein gesundes Selbstwertgefühl. Das gilt auch für Situationen, in denen es für das Kind einmal nicht so gut läuft. „Kommt das Kind mit einer schlechten Schulnote nach Hause und die Eltern signalisieren: ‚kein Grund zum Verzweifeln!’, lernt das Kind, Prioritäten zu setzen“, erklärt Dr. Gernot Langs. „Zuwendung ist dann erst einmal wichtiger als die Schulnote.“ Dennoch ist das ständige Bestärken des Kindes auch eine Gratwanderung. Bei Sprösslingen, die für jeden Unfug gelobt werden, schießen Eltern über das Ziel hinaus. Auch Kindern, die beim Spielen immer gewinnen und permanent davor bewahrt werden, hinzufallen, tun die Eltern keinen Gefallen. „Wenn das Kind nicht im Kleinen üben kann, mit Frustrationen umzugehen, trifft jeder spätere Schlag umso härter“, weiß der erfahrene Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Kinder brauchen Grenzen, an denen sie sich messen können. „Letztlich ist es eine Mischung aus Unterstützung und Respekt, die Kinder stark macht – eine Art liebevolle Strenge,“ erklärt Dr. Langs.

 

Hänseleien: Wie Eltern Resilienz fördern oder untergraben.

Natürlich haben es nicht alle Kinder leicht. Wer auf dem Schulhof wegen Übergewicht gehänselt wird, braucht zuhause eine gute Portion mehr an Rückhalt. Kinder, die auch noch von ihren Eltern hören, dass sie zu dick seien, werden permanent in ihrem Selbstwertgefühl getroffen. „Solche Kommentare können sehr verletzend wirken und jede Resilienz untergraben. Wenn Eltern ihre Kinder in den Arm nehmen und ihnen erklären, dass man das gemeinsam schaffen kann, muss die Hänselei kein Problem sein. Jugendliche, die mit Essverhaltensstörungen zu uns in die Klinik kommen, haben hingegen oft in der Kindheit von ihren Eltern gehört, dass sie nicht so viel essen sollen“, erzählt Dr. Langs. Wie wichtig Übergewicht, Schulnoten oder Pickel in der Pubertät letztlich werden, hängt davon ab, wie der Betroffene und sein Umfeld das Problem bewerten. Das gilt für Kinder und Jugendliche und setzt sich im Erwachsenenalter fort.

 

Nicht nur Eltern vermitteln Selbstbewusstsein.

Auch wenn Eltern für Kinder die Hauptbezugspersonen sind, können andere Einflüsse ebenso für eine große innere Stärke und eigene Abwehrkraft sorgen. Bei manchen Jugendlichen übernehmen Lehrer diese Rolle. Manchmal erfüllen sie Vorbildfunktionen, manchmal vermitteln sie ihren Schülern Selbstbewusstsein, in dem sie ihnen etwas zutrauen und sie bestärken. Bei vielen Jugendlichen werden später Freunde und Partner zu den wichtigsten Bezugspersonen. „Wer zuhause nicht permanent aufgebaut wird, hat also auch außer Haus die Möglichkeit, stark zu werden. Das gilt auch später noch“, so Dr. Langs. „Auch Erwachsene können noch etwas in Sachen Resilienz lernen. In unseren Therapien erarbeiten wir Kompetenzen, mit denen Patienten ihr Selbstbewusstsein stärken. Aber wie mit vielen Dingen, die ein Mensch lernt, so ist es auch mit der Resilienz: Je früher man es lernt, desto effektiver ist es.“

 

Resilient, aber nicht unberührbar.

Auch resiliente Menschen sind  nicht immun gegen jedwede Krise. Einschläge können jeden treffen und bei jedem ist die Grenze der Belastung irgendwann erreicht. „Interessant ist für uns Mediziner, dass manche Menschen sich schell wieder fangen und nach vorne blicken, während andere psychische Erkrankungen entwickeln.“ Der eine findet sich in seiner Situation zurecht und ist bald wieder handlungsfähig, der andere sieht sich als Opfer der Umstände und verzweifelt. „Wir erleben das oft bei grundsätzlich zufriedenen und unzufriedenen Menschen. Unzufriedene haben es immer schwerer, Zufriedene sind bei Verletzungen eher in der Lage sich zu fragen, wie wichtig ein Problem wirklich ist.“ Wer sich in seinem Privatleben stabil fühlt, kann Probleme im Job in der Regel besser wegstecken. In finanziellen Engpässen fühlt sich der eine bedroht, der andere sagt sich, „es ist nur Geld.“ So kann ein und dasselbe Problem aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet groß oder klein sein. Über die Perspektive entscheidet zuletzt die eigene Resilienz.

 

Unser Interviewparter.

 

Univ. Doz. Dr. Gernot Langs

Chefarzt des Fachzentrums Psychosomatik in der Schön Klinik Bad Bramstedt.

Profil von Dr. Gernot Langs

 

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