Zwangsstörungen. Ursachen

Wie entstehen Zwangsstörungen (Zwänge)?

Der Erziehungsstil hat Einfluss auf die Entwicklung einer Zwangsstörung.

Der Erziehungsstil hat Einfluss auf die Entwicklung einer Zwangsstörung.

Damit eine Zwangserkrankung entsteht, müssen in der Regel mehrere Komponenten zusammenkommen. Man kennt verschiedene Risikofaktoren, die für sich alleine genommen noch nicht dazu führen, dass eine Erkrankung auftritt, aber die Entwicklung einer Zwangserkrankung begünstigen können. Kommen mehrere Risikofaktoren zusammen, die dazu führen, dass Belastungen nicht mehr bewältigt werden können, steigt die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung.

Die wichtigsten heute bekannten Faktoren sind:

  • Vererbung
  • neurobiologische Faktoren
  • Erziehungsstile
  • prägende Ereignisse in der Lebensgeschichte
  • Persönlichkeitseigenschaften
  • Belastungen vor und während des Beginns der Erkrankung

Vererbung

Verschiedene Forschungsprojekte haben ein gehäuftes Auftreten von Zwangs- und Angsterkrankungen bei Angehörigen von Betroffenen gefunden. Wenn ein oder beide Elternteile an einer Zwangserkrankung leiden, so ist das Risiko ebenfalls an einer Zwangsstörung zu erkranken bei den Kindern erhöht. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Zwillingen. Leidet ein Zwilling an einer Zwangserkrankung, so ist das Risiko, Zwänge zu entwickeln für den anderen Zwilling ebenfalls erhöht. Da aber auch viele Mitglieder von belasteten Familien gesund bleiben, wird der genetische Zusammenhang eher gering eingeschätzt. Unklar ist dabei auch, zu welchem Anteil die Kinder durch Modellernen Zwänge von ihren Eltern übernehmen.

Neurobiologie

In den letzten Jahren sind eine Fülle von Untersuchungen zu neurobiologischen Hintergründen der Zwangsstörung durchgeführt worden. Dabei hat man immer wieder zeigen können, dass bei Patienten, die unter einer Zwangsstörung leiden bestimmte Hirnbereiche besonders stark durchblutet sind. Diese Bereiche werden speziellen Filtersystemen bei der Informationsverarbeitung zugeordnet und werden durch den Botenstoff Serotonin beeinflusst. Die Verteilung dieses Botenstoffes im Gehirn scheint bei Zwangspatienten verschoben zu sein. Durch diese Störungen im Filtersystem können viele der zunächst als seltsam erscheinenden Phänomene bei Zwangspatienten im Sinne einer Störung der Informationsverarbeitung gut erklärt werden. Unter Experten ist man sich allerdings nicht einig darüber, ob diese neurobiologischen Befunde tatsächlich die Ursache der Erkrankung darstellen oder ob sie lediglich ein Abbild der Erkrankung sind. Interessant ist allerdings, dass sich die krankheitstypischen Veränderungen im Gehirn durch Medikamente, die im Serotoninsystem wirken, rückgängig machen lassen. Erstmals konnte in Untersuchungen an zwangserkrankten Patienten aber auch gezeigt werden, dass sich solche Veränderungen durch eine verhaltenstherapeutische Psychotherapie zurückbilden ließen!

Erziehungsstile und belastende Ereignisse in der Lebensgeschichte

Es gibt keine eindeutigen Erziehungsfaktoren, die automatisch zu einer Zwangserkrankung führen. Bei entsprechend empfindsamen Menschen können aber bestimmte Erziehungsmerkmale Eigenschaften fördern, die die Entwicklung einer Zwangserkrankung begünstigen. Werden schon früh hohe Erwartungen an Selbstständigkeit und Verantwortung gestellt, Fehler sehr kritisch bewertet und Erfolge wenig anerkannt, können Kinder verunsichert werden und insgesamt vorsichtiger und ängstlicher auf Anforderungen und im zwischenmenschlichen Kontakt reagieren. Daraus kann wiederum ein vermehrtes Streben nach Sicherheit resultieren. Über Perfektionismus wir versucht Fehler und nachfolgende Kritik zu vermeiden. Auch ein überängstlicher Erziehungsstil, bei dem die Eltern ihre Kinder immer wieder vor Gefahren warnen und sie übermäßig beschützen, kann zu einer anhaltenden Verunsicherung bei den Kindern führen. Erziehungsstile sind aber niemals alleine für die Erkrankung verantwortlich. Treten im Lauf eines Lebens außergewöhnliche Belastungen auf, so kann bei diesen bereits verunsicherten Menschen ein starkes bewusstes oder auch unbewusstes Überforderungsgefühl entstehen. In solchen Situationen kann eine Zwangssymptomatik auftreten, über die stellvertretend versucht werden soll, wieder Kontrolle über eine scheinbar nicht zu bewältigende Situation zu bekommen. Kann z. B. jemand einen Konflikt mit einem nahestehenden Menschen nicht bewältigen, kann es sein, dass sich ein Kontrollzwang entwickelt. Dieser sorgt dann zum einen dafür, dass man mit anderen Dingen als dem unangenehmen Konflikt beschäftigt ist und gleichzeitig gibt er einem das Gefühl, aktiv etwas unternehmen, um unangenehme Situationen zu vermeiden. Der Konflikt wir gewissermaßen auf eine Nebenbühne verschoben und dort scheinbar bearbeitet. So kann jede seelische Belastung unter den beschriebenen Voraussetzungen zum Ausbruch einer Zwangserkrankung führen.

Persönlichkeit

Wie oben bereits angedeutet sind Erziehungsfaktoren und Lebensereignisse an der Ausformung der Persönlichkeit beteiligt. Je nachdem, wie jemand seine Umwelt wahrnimmt, welches Bild er von sich und anderen hat und mit welcher emotionalen Empfindsamkeit er ausgestattet ist, wird er mit Lebensanforderungen und - herausforderungen unterschiedlich robust umgehen können. Wir haben auch schon erwähnt, dass Zwänge gehäuft in Lebenssituationen auftreten, die besondere Bewältigungsleistungen verlangen. In solche Situationen kommen die individuellen Persönlichkeitsstile besonders zum Tragen. Dabei können bestimmte Eigenschaften auf dem Boden einer besonderen, unter anderem auch biologisch bedingten Empfindsamkeit zu Risikofaktoren für die Entstehung einer Zwangserkrankung werden. Besonders perfektionistische Menschen, die Fehler unbedingt vermeiden möchten, kontrollieren häufiger noch einmal nach als Menschen, die auch einmal Fehler zulassen können. Hohe Ängstlichkeit und geringes Selbstwertgefühl verlangen nach mehr Sicherheit und können über dieses Bedürfnis zu Zwängen führen. Diese vermitteln dann stellvertretend auf einer anderen Ebene Sicherheit. Zwänge können in diesem Zusammenhang auch den Versuch darstellen, Kritik unter allen Umständen zu vermeiden. Ausgeprägte Schüchternheit und geringes Durchsetzungsvermögen können in diesem Sinne ebenfalls zu Risikofaktoren werden.

Zwänge. Symptome

Betroffene spüren einen starken Drang Dinge zu tun, die sie selbst für unsinnig halten.

Zwänge. Therapie

Die Verhaltenstherapie ist der wichtigste und erfolgreichste Bestandteil der Therapie von Zwangsstörungen.

Fachliche Betreuung

Osen

Der Beitrag wird betreut durch

Dr. med. Bernhard Osen


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