Zwangsstörungen. Therapie
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Entsprechend der Ursachen sollte die Therapie an mehreren Punkten ansetzen. In der Fachsprache wird diese Vorgehensweise multimodale Therapie genannt. Eine umfassende Therapie sollte folgende Komponenten beinhalten:
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Aufbau einer vertrauensvollen wertschätzenden Beziehung zwischen Therapeut und Betroffenem
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Förderung einer positiven Einstellung zur Therapie und den zu erwartenden Veränderungen
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Entwicklung einer verständlichen Erklärung über die Entstehung der Problematik unter Berücksichtigung lebensgeschichtlicher und aktueller Lebensbezüge
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Vermittlung von Informationen über die Erkrankung
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Erwerb von Fertigkeiten, die Zwänge zu reduzieren durch therapeutenbegleitete Konfrontationsverfahren mit Reaktionsbewältigung
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Förderung von zwischenmenschlichen Fertigkeiten unter Nutzung von Stärken
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Übernahme der neu gewonnenen Freiheiten und Fertigkeiten in den Alltag
Wann sollte man sich in eine Behandlung begeben?
Wenn Zwangssymptome, die von Betroffenen selbst als übertrieben oder unsinnig wahrgenommen werden, zu einem starken Leidensdruck führen und den Alltag deutlich beeinträchtigen, sollte professioneller Rat gesucht werden. Als Faustregel kann gelten: Wenn Zwangsgedanken oder –handlungen mehr als eine Stunde pro Tag in Anspruch nehmen, wird es bedenklich.
Verhaltenstherapeutische Methoden
Vor einer Therapie war das Benutzen von öffentlichen Verkehrsmittel wegen der 'Verunreinigung' bei Personen mit einem Reinigungszwang undenkbar.
Es gilt heute als gesichert, dass verhaltenstherapeutische Methoden bei der Behandlung der Zwangsstörung am erfolgreichsten sind. Zentraler Bestandteil dieser Therapie ist das Einüben von Fertigkeiten zur Bewältigung unangenehmer Gefühlszustände, die durch Zwangsbefürchtungen ausgelöst werden. Unter Anleitung eines geschulten Therapeuten werden Betroffene nach einer sorgfältigen Vorbereitung an Situationen herangeführt, die Zwangsbefürchtungen auslösen. Wird dem Drang, die Handlungen auszuführen, dann nicht nachgegeben, erfahren sie, dass die unangenehmen Gefühle auch ohne Zwangsrituale bewältigt werden können. Durch mehrfaches Wiederholen dieser Übungen gewinnen die Betroffenen mehr und mehr Sicherheit. So können Schritt für Schritt weitere Situationen aufgesucht werden. Die unangenehmen Gefühle und Empfindungen treten immer weniger auf.
Überwindung des Zwangs
Bei der Exposition soll der Patient Situationen aufsuchen, die in ihm negative Gefühle und daraus folgend den Zwang hervorrufen.
Die Expositionstherapie
Kognitive Strategien
Begleitet wird diese übungsorientierte Therapie durch sogenannte kognitive Strategien. Hierbei werden Bewertungen und Gedanken, die sich ungünstig auf die Symptomatik auswirken bewusst gemacht, auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft und ggf. Alternativen erarbeitet. Ziel ist es, die als störend und bedrohlich erlebten Gedanken nicht mehr als Gefahrensignale wahrzunehmen, sondern als Teil eines alltäglichen Gedankenstroms ohne relevante Bedeutung. So kann man z. B. lernen, dass ein plötzlich einschießender Gedanke „ich könnte jemandem schaden, ohne es zu bemerken“ nicht bedeutet, dass man gefährlich oder ein schlechter Mensch ist. Man erkennt, dass die meisten Menschen abstruse Gedanken haben, die sie gar nicht beachten, weil sie sie für „Gedankenmüll“ halten. Sie werden erst dadurch bedrohlich, dass man ihnen (eine negative) Bedeutung beimisst. Menschen, die unter Zwängen leiden, bewerten den Inhalt ihrer Gedanken strenger als andere und fühlen sich stärker für sie verantwortlich. In der Therapie wird daran gearbeitet, zu realistischeren Einstellungen zu kommen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Therapie ist es, zu entdecken, welche äußeren und inneren Bedingungen zur Entstehung der Symptomatik beigetragen haben und welche Faktoren dafür verantwortlich sind, dass sie sich nicht wieder spontan zurückbildet. Häufig findet man zum Zeitpunkt des Beginns der Erkrankung belastende Lebensbedingungen, die den Ausbruch der Erkrankung begünstig haben. Dies steht oftmals im Zusammenhang mit inneren Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass Belastungen nicht bewältigt werden konnten. Im Rahmen der Therapie werden Fertigkeiten erarbeitet, die es ermöglichen, Belastungen besser zu bewältigen. Darüber hinaus sollen Möglichkeiten zur Reduktion der Belastungsfaktoren selbst entwickelt werden. Eine Therapie der Zwangserkrankung sollte immer Strategien zum Umgang mit den Zwängen und den dazugehörigen Gefühlen und Empfindungen selbst als auch eine Arbeit an den Hintergrundsbedingungen beinhalten, damit den Zwänge der Nährboden entzogen wird.
Medikamente
Bei der Behandlung von Zwangsstörungen haben sich Medikamente als wirksam erwiesen, die ihre Wirkung im Serotoninsystem entfalten. Die bekanntesten sind die so genannten Serotonin- Wiederaufnahmehemmer. Sie müssen in ausreichender Dosierung und ausreichend lange gegeben werden, um eine Wirkung erzielen zu können. Sie wirken erst, wenn eine bestimmte Wirkstoffkonzentration im Blut vorhanden ist und verschiedene Anpassungsprozesse im Gehirn stattgefunden haben. Dies kann in manchen Fällen bis zu 12 Wochen dauern. In der Einstellungsphase können Nebenwirkungen auftreten, die aber in den meisten Fällen innerhalb der ersten ein bis zwei Wochen deutlich zurückgehen oder sogar ganz verschwinden. Werden die Medikamente wieder abgesetzt, treten in den weitaus meisten Fällen die Zwänge wieder auf. Es sollte deshalb immer zusätzlich eine Psychotherapie durchgeführt werden.
Therapie: Wann ambulant, wann stationär?
Eine ambulante Behandlung reicht in der Regel aus, wenn der Alltag noch gut bewältigt werden kann. Häufig ist es sinnvoll, in einer intensiven Therapiephase Verhaltensübungen im häuslichen Umfeld oder in realen Lebenssituationen in Begleitung eines Therapeuten durchzuführen, damit sich der Zwang nicht ein Rückzugsgebiet sichern kann, von dem aus er immer wieder die Regie übernimmt. Sollte dies im Rahmen einer ambulanten Therapie nicht möglich sein, ist zu prüfen, ob eine stationäre Therapie sinnvoll ist. Im Rahmen einer stationären Therapie besteht zudem die Möglichkeit in Gruppentherapien unter Anleitung eines Therapeuten Erfahrungen anderer Betroffener zur Erreichung der eigenen Ziele zu nutzen. Wenn zusätzlich zu einer ausgeprägten Zwangserkrankung andere psychische Störungen auftreten oder der Lebensmut bis zur Lebensmüdigkeit sinkt, sollte auf jeden Fall eine stationäre Therapie erwogen werden. Die Aufenthaltsdauer für eine solche Behandlung beträgt normalerweise mindestens 6 bis 8 Wochen.
Zwangsstörungen, Zwänge. Qualität
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Spezialisierte Kliniken
Diese Kliniken sind auf die Behandlung von Zwangsstörungen spezialisiert.
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