Zwangsstörung, Zwänge.

Der Zwang "Ich muss das immer wieder tun."

„Ich kann das einfach nicht lassen, obwohl ich weiß, dass es unsinnig ist.“ „Ich fühle mich wie verrückt bei klarem Verstand.“

Diese oder ähnliche Äußerungen kann man von Patienten, die an einer Zwangsstörung leiden, immer wieder hören. Die Betroffenen müssen aus ihnen unerklärlichen Gründen immer wieder bestimmte Handlungen durchführen oder bestimmte Gedanken denken obwohl sie wissen, dass sie unsinnig sind.

Zwangsstörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Erwachsenenalter, die mit erheblichen Einschränkungen in der alltäglichen Lebensführung einhergehen. Mittlerweile gibt es effektive Methoden und verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung der Zwangsstörung.

 

Zwangsstörung, Zwänge. Informationen von A-Z

Information. Was sind Zwangsstörungen?

Wenn bestimmte Gedanken immer wiederkehren.

Zwangsstörungen äußern sich durch sich aufdrängende Ideen, Gedanken oder Impulse, die den Betroffenen immer wieder stereotyp beschäftigen. Sie sind fast immer bedrohlich, teilweise quälend. Auch wenn die Gedanken als unwillkürlich und häufig abstoßend erlebt werden, werden sie von den Betroffenen als zur eigenen Person gehörig wahrgenommen. Der Versuch Widerstand zu leisten oder die Gedanken zu verdrängen ist in der Regel erfolglos. Zwangshandlungen oder -rituale sind stereotype Verhaltensweisen, die ständig wiederholt werden. Sie werden weder als angenehm empfunden, noch dienen sie dazu, an sich nützliche Aufgaben zu erfüllen. Die betroffene Person erlebt sie oft als Vorbeugung gegen ein objektiv unwahrscheinliches Ereignis, das ihr Schaden bringen, oder bei dem sie selbst Unheil anrichten könnte. Im Allgemeinen wird dieses Verhalten als sinnlos und ineffektiv erlebt, es wird immer wieder versucht, dagegen anzugehen. Angst oder Anspannung ist meist ständig vorhanden. Werden die Handlungen unterdrückt, verstärkt sich die Angst und Anspannung deutlich. Man unterscheidet Zwangsstörungen,

 

Wie häufig sind Zwangserkrankungen?

Während man früher glaubte, Zwangserkrankungen seien relativ selten, weiß man heute, dass sie zu den 5 häufigsten psychischen Erkrankungen zählen. 1 - 2% der erwachsenen Bevölkerung ist davon betroffen. Die Häufigkeiten sind in unterschiedlichen Kulturen gleich. Egal, ob die Erhebungen in USA, Ägypten, Uganda, Lateinamerika oder Hongkong durchgeführt wurden, es ergaben sich annähernd gleiche Zahlen. Auch die Verteilung auf unterschiedliche soziale Schichten war gleich. Männer sind genauso häufig betroffen wie Frauen.

 

Symptome. Anzeichen einer Zwangsstörung

Welche Beschwerden treten auf?

Zwangserkrankte verspüren einen starken inneren Drang, Dinge zu denken oder zu tun, die sie eigentlich für unsinnig oder übertrieben halten. Der Versuch sich gegen diesen Drang zu wehren, gelingt meist nicht oder führt sogar zu einer Zunahme der Gedanken und Impulse. Belastende Gedanken, befürchtete Katastrophen drängen sich immer wieder ins Bewusstsein und lösen massive Unruhe und Anspannung oder gar Ekel aus. Obwohl der Verstand weiß, dass die Gedanken und Befürchtungen unsinnig oder übertrieben sind, lässt sich das unangenehme Gefühl mit dem Verstand nicht beruhigen. Der Organismus befindet sich in einer Art falschem Daueralarm. Dieser falsche Daueralarm lässt sich nicht einfach abstellen. Nur durch ritualisiertes Gegensteuern mit Zwangshandlungen oder Gegengedanken kann das Bedrohungsgefühl reduziert werden. Dies kann mitunter bis zu Stunden dauern und den gesamten Tagesablauf beeinträchtigen.

 

Die Betroffenen schämen sich für ihre Handlungen.

Für Außenstehende ist nur schwer nachvollziehbar, dass die Betroffenen ihre unsinnigen Handlungen nicht einfach beenden können. Die Einsicht in die eigene Unsinnigkeit der Gedanken und Handlungen ist häufig mit Scham verbunden. Dies führt dazu, dass viele Betroffene versuchen, ihre Symptome vor Bekannten und Freunden, ja sogar vor Familienangehörigen zu verbergen.

 

Symptome aller Zwangsstörungen.

Alle Zwänge haben eine Bedrohungs- und eine Abwehrseite. Ein als unkontrollierbar erlebter Gedanke signalisiert Bedrohung: z. B. „Wenn Du nicht noch einmal kontrollierst, passiert etwas Schlimmes“. Dieser Gedanke wird durch die Zwangshandlung z. B. den Herd kontrollieren, abgewehrt. Auch wenn der Betroffene sieht, dass er kontrolliert, stellt sich das Gefühl der Sicherheit nicht ein. Das tückische bei einer Zwangserkrankung ist, dass sich die Befürchtungen mit einer einmaligen Kontrolle nicht besänftigen lassen. Wahrnehmung, Verstand und Gefühl passen nicht zusammen. Es braucht mehrmalige zeitraubende Kontrollen und Hilfsrituale oder Rückversicherungen, bis sich eine Beruhigung einstellt. Dies führt naturgemäß zu einer starken Verunsicherung bei den Betroffenen.

 

Symptome von Wasch- und Kontrollzwängen.

Betroffene mit Kontrollzwängen befürchten z. B. durch Fahrlässigkeit einen Brand auszulösen.

Betroffene mit Kontrollzwängen befürchten z. B. durch Fahrlässigkeit einen Brand auszulösen.

Bei Waschzwängen befürchten die Betroffenen, sich oder andere Menschen durch Berührung mit gefährlichen Substanzen oder Erregern anzustecken oder zu schaden. Manche haben die Vorstellung, unbeabsichtigt mit ekelerregenden Substanzen in Berührung gekommen zu sein und diesen Ekel nicht mehr loszuwerden. Sie fühlen sich regelrecht verseucht. Die durch die unangenehmen Vorstellungen verursachten Angst und Ekelgefühle können nur durch umfangreiche Putz oder Reinigungsrituale gemindert werden. Menschen, die an Kontrollzwängen leiden, haben ständig selbst verschuldete Katastrophen vor Augen. Sie befürchten durch Fahrlässigkeit einen Brand, eine Überschwemmung oder einen Einbruch verursacht zu haben. Andere haben den Gedanken, ohne es zu merken, einen Menschen überfahren zu haben und kontrollieren durch mehrmaliges Abfahren der Fahrstrecke oder durch Anrufe bei der Polizei.

 

Symptome anderer Zwangsstörungen.

Manche Menschen werden von ihren Zwangsbefürchtungen dazu getrieben, magische Rituale oder Regeln einzuhalten, um Unglück von Angehörigen abzuwenden. Sie müssen Dinge in einer ganz bestimmten Reihenfolge und in einer vorgegebenen Häufigkeit tun, dürfen nicht auf Fugen treten oder sich nur nach bestimmten Regeln bewegen. Andere entwickeln Frage- und Wiederholungszwänge, denn nur so stellt sich ein Gefühl ein, dass alles in Ordnung ist.

 

Weitere Symptome bei einer Zwangsstörung.

Eine Zwangsstörung tritt meist mit anderen Störungen auf wie z.B.

  • Depression
  • Panikstörung
  • soziale Phobie

80% der Betroffenen weisen depressive Symptome auf, die aber häufig nicht auf eine Volldiagnose "Depression" zutreffen. Persönlichkeitsstörungen können ebenfalls auftreten. Meist sind das die abhängige und die selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeitsstörung. Bei ungefähr 12% tritt die körperdysmorphe Störung auf.  

 

Ursachen. Wie entstehen Zwänge?

Der Erziehungsstil hat Einfluss auf die Entwicklung einer Zwangsstörung.

Der Erziehungsstil hat Einfluss auf die Entwicklung einer Zwangsstörung.

Damit eine Zwangserkrankung entsteht, müssen in der Regel mehrere Komponenten zusammenkommen. Man kennt verschiedene Risikofaktoren, die für sich alleine genommen noch nicht dazu führen, dass eine Erkrankung auftritt, aber die Entwicklung einer Zwangserkrankung begünstigen können. Kommen mehrere Risikofaktoren zusammen, die dazu führen, dass Belastungen nicht mehr bewältigt werden können, steigt die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung.

Die wichtigsten heute bekannten Faktoren sind:

  • Vererbung
  • neurobiologische Faktoren
  • Erziehungsstile
  • prägende Ereignisse in der Lebensgeschichte
  • Persönlichkeitseigenschaften
  • Belastungen vor und während des Beginns der Erkrankung
 

Vererbung.

Verschiedene Forschungsprojekte haben ein gehäuftes Auftreten von Zwangs- und Angsterkrankungen bei Angehörigen von Betroffenen gefunden. Wenn ein oder beide Elternteile an einer Zwangserkrankung leiden, so ist das Risiko ebenfalls an einer Zwangsstörung zu erkranken bei den Kindern erhöht. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Zwillingen. Leidet ein Zwilling an einer Zwangserkrankung, so ist das Risiko, Zwänge zu entwickeln für den anderen Zwilling ebenfalls erhöht. Da aber auch viele Mitglieder von belasteten Familien gesund bleiben, wird der genetische Zusammenhang eher gering eingeschätzt. Unklar ist dabei auch, zu welchem Anteil die Kinder durch Modellernen Zwänge von ihren Eltern übernehmen.

 

Neurobiologie.

In den letzten Jahren sind eine Fülle von Untersuchungen zu neurobiologischen Hintergründen der Zwangsstörung durchgeführt worden. Dabei hat man immer wieder zeigen können, dass bei Patienten, die unter einer Zwangsstörung leiden bestimmte Hirnbereiche besonders stark durchblutet sind. Diese Bereiche werden speziellen Filtersystemen bei der Informationsverarbeitung zugeordnet und werden durch den Botenstoff Serotonin beeinflusst. Die Verteilung dieses Botenstoffes im Gehirn scheint bei Zwangspatienten verschoben zu sein. Durch diese Störungen im Filtersystem können viele der zunächst als seltsam erscheinenden Phänomene bei Zwangspatienten im Sinne einer Störung der Informationsverarbeitung gut erklärt werden. Unter Experten ist man sich allerdings nicht einig darüber, ob diese neurobiologischen Befunde tatsächlich die Ursache der Erkrankung darstellen oder ob sie lediglich ein Abbild der Erkrankung sind. Interessant ist allerdings, dass sich die krankheitstypischen Veränderungen im Gehirn durch Medikamente, die im Serotoninsystem wirken, rückgängig machen lassen. Erstmals konnte in Untersuchungen an zwangserkrankten Patienten aber auch gezeigt werden, dass sich solche Veränderungen durch eine verhaltenstherapeutische Psychotherapie zurückbilden ließen!

 

Erziehungsstile, belastende Ereignisse in der Lebensgeschichte.

Erziehungstile.

Es gibt keine eindeutigen Erziehungsfaktoren, die automatisch zu einer Zwangserkrankung führen. Bei entsprechend empfindsamen Menschen können aber bestimmte Erziehungsmerkmale Eigenschaften fördern, die die Entwicklung einer Zwangserkrankung begünstigen. Werden schon früh hohe Erwartungen an Selbstständigkeit und Verantwortung gestellt, Fehler sehr kritisch bewertet und Erfolge wenig anerkannt, können Kinder verunsichert werden und insgesamt vorsichtiger und ängstlicher auf Anforderungen und im zwischenmenschlichen Kontakt reagieren. Daraus kann wiederum ein vermehrtes Streben nach Sicherheit resultieren. Über Perfektionismus wird versucht Fehler und nachfolgende Kritik zu vermeiden. Auch ein überängstlicher Erziehungsstil, bei dem die Eltern ihre Kinder immer wieder vor Gefahren warnen und sie übermäßig beschützen, kann zu einer anhaltenden Verunsicherung bei den Kindern führen. Erziehungsstile sind aber niemals alleine für die Erkrankung verantwortlich.

Seelische Belastungen.

Treten im Lauf eines Lebens außergewöhnliche Belastungen auf, so kann bei diesen bereits verunsicherten Menschen ein starkes bewusstes oder auch unbewusstes Überforderungsgefühl entstehen. In solchen Situationen kann eine Zwangssymptomatik auftreten, über die stellvertretend versucht werden soll, wieder Kontrolle über eine scheinbar nicht zu bewältigende Situation zu bekommen. Kann z. B. jemand einen Konflikt mit einem nahestehenden Menschen nicht bewältigen, kann es sein, dass sich ein Kontrollzwang entwickelt. Dieser sorgt dann zum einen dafür, dass man mit anderen Dingen als dem unangenehmen Konflikt beschäftigt ist und gleichzeitig gibt er einem das Gefühl, aktiv etwas zu unternehmen, um unangenehme Situationen zu vermeiden. Der Konflikt wird gewissermaßen auf eine Nebenbühne verschoben und dort scheinbar bearbeitet. So kann jede seelische Belastung unter den beschriebenen Voraussetzungen zum Ausbruch einer Zwangserkrankung führen.

 

Persönlichkeit.

Wie oben bereits angedeutet sind Erziehungsfaktoren und Lebensereignisse an der Ausformung der Persönlichkeit beteiligt. Je nachdem, wie jemand seine Umwelt wahrnimmt, welches Bild er von sich und anderen hat und mit welcher emotionalen Empfindsamkeit er ausgestattet ist, wird er mit Lebensanforderungen und - herausforderungen unterschiedlich robust umgehen können. Wir haben auch schon erwähnt, dass Zwänge gehäuft in Lebenssituationen auftreten, die besondere Bewältigungsleistungen verlangen. In solche Situationen kommen die individuellen Persönlichkeitsstile besonders zum Tragen. Dabei können bestimmte Eigenschaften auf dem Boden einer besonderen, unter anderem auch biologisch bedingten Empfindsamkeit zu Risikofaktoren für die Entstehung einer Zwangserkrankung werden. Besonders perfektionistische Menschen, die Fehler unbedingt vermeiden möchten, kontrollieren häufiger noch einmal nach als Menschen, die auch einmal Fehler zulassen können. Hohe Ängstlichkeit und geringes Selbstwertgefühl verlangen nach mehr Sicherheit und können über dieses Bedürfnis zu Zwängen führen. Diese vermitteln dann stellvertretend auf einer anderen Ebene Sicherheit. Zwänge können in diesem Zusammenhang auch den Versuch darstellen, Kritik unter allen Umständen zu vermeiden. Ausgeprägte Schüchternheit und geringes Durchsetzungsvermögen können in diesem Sinne ebenfalls zu Risikofaktoren werden.

 

Zwänge bei Jugendlichen

Rituale sind für Kinder wichtig. Wenn diese aber den Alltag dominieren und vor allem einen normalen Alltag unmöglich machen, dann ist die Grenze zur Zwangserkrankung erreicht.

Heute mal nicht Hände waschen!

 

Zwänge. Therapie

Die Verhaltenstherapie ist der wichtigste und erfolgreichste Bestandteil der Therapie von Zwangsstörungen.

Therapie Zwangsstörung

Alltag. Ratgeber & Tipps

Was können Angehörige bei einer Zwangsstörung tun?

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Katalog der Zwangsobjekte

In unserer Galerie stellen wir Ihnen die häufigsten Zwangsobjekte vor.

Zwangsobjekte

Katalog der Zwangsformen

Es gibt verschiedene Arten von Zwängen, wie z.B. Waschzwang, Ordnungszwang, Kontrollzwang...

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