Angst vor zwischenmenschlichen Kontakten & Öffentlichkeit.
Menschen, die an einer Sozialen Phobie leiden, vermeiden häufig zwischenmenschliche Kontakte, weil sie Angst haben, sich zu blamieren oder abgewiesen zu werden. „Small talk“ ist für die Betroffenen ein Gräuel. Typischerweise vermeiden sie beispielsweise Restaurantbesuche, weil sie befürchten, beim Betreten des Lokals von allen anderen Gästen beobachtet und negativ beurteilt zu werden. Andere Sozialängstliche meiden es, in der Öffentlichkeit zu essen, zu trinken oder zu schreiben, weil sie dabei zittern könnten und sie sich dafür schämen würden. Soziale Ängste können auf bestimmte Situationen beschränkt sein oder fast alle sozialen Situationen betreffen. Auch die Angst zu erröten wird zu den Sozialen Ängsten gezählt, ebenso steckt hinter Prüfungsängsten häufig die Angst, sich zu blamieren.
Die Betroffenen fallen durch ihr Vermeidungsverhalten auf.
Auffällig werden die Betroffenen aber weniger durch die Symptome der Angst, sondern durch das Verhalten, welches sie an den Tag legen, um möglichst unauffällig zu bleiben. So wenden sich beispielsweise sozialphobische Menschen beim Trinken häufig von den Anderen in der Umgebung ab, damit sie nicht beobachtet werden, falls sie zu zittern beginnen. Gerade dieses Verhalten zieht aber die Blicke der anderen Menschen auf sie, was sie in ihren Ängsten (= ich falle auf) bestätigt. Ebenso vermeiden sie häufig Berufe, in denen sie viel mit anderen Menschen zu tun haben, obwohl sie die grundlegenden Kompetenzen für deren Ausübung haben. Sie trauen es sich schlichtweg nichts zu und verbauen sich dadurch die Karriere.
Wie entstehen Soziale Ängste?
Die eine Ursache für die Entwicklung von sozialen Ängsten gibt es nicht. Vielmehr zeigt die Forschung, dass mehrere Umstände aufeinander treffen, damit soziale Ängste sich entwickeln.
Persönlichkeit als Faktor
Zum Einen ist die Persönlichkeit ein wichtiger Faktor. Viele Betroffene berichten, dass sie ein einschneidendes Erlebnis in ihrer Kindheit oder Jugend hatten, welches letztendlich die sozialen Ängste auslöste, z.B. Hänseleien wegen Errötens oder sie wurden in der Schule ausgelacht, weil sie bei einer Prüfung etwas Falsches gesagt haben. Hier ist aber zu bedenken, dass die Ereignisse auf einen „fruchtbaren Boden“ fallen müssen, damit sich Ängste entwickeln, d.h. die Betroffenen wurden stark verunsichert und entwickelten Selbstzweifel.
Erziehung als Faktor
Kinder, die von ihren Eltern ständig kritisiert wurden, die wenig Liebe bekommen haben oder ihnen gezeigt wurde, dass sie stören, entwickeln ein geringes Selbstwertgefühl und sind stark verunsichert. Diese Verunsicherung übertragen sie auf andere Lebensbereiche. Das gleiche gilt für ein überfürsorgliches Elternhaus, wenn Kinder nicht lernen, mit negativen Erfahrungen und Fehlern umzugehen.
Traumatische Erlebnisse als Faktor
Auch traumatische Erlebnisse in der Kindheit können eine soziale Phobie begünstigen. Typisches Beispiel ist, wenn Kinder wegen ihres äußerlichen jahrelang gehänselt werden. Sie fühlen sich als Erwachsene minderwertig und hässlich, finden keinen Partner etc.
Gesellschaftliche Normen als Faktor
Auch gesellschaftliche Normen bzw. Vorurteile können bei einem Menschen soziale Phobien auslösen. Ist man ausländischer Abstammung z.B. Muslime oder Afrikaner, greifen die Vorurteile der Erwachsenen und übertragen sich auf die Kinder. Die Betroffenen werden angefeindet, gehänselt, als minderwertig betrachtet, ausgeschlossen etc. Das gleiche gilt für Arbeitslose oder Hartz4-Empfänger. Der Lernfaktor für die Betroffenen ist: man ist minderwertig, zu nichts zu gebrauchen, häßlich ...