Posttraumatische Belastungsstörung, PTBS, Trauma. Therapie

Individuelle multimodale Therapie.

Verschiedene therapeutische Techniken kommen zur Anwendung

Verschiedene therapeutische Techniken kommen zur Anwendung

Bedingt durch die Vielschichtigkeit der Symptomatik ist die Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung komplex und beinhaltet Interventionen auf verschiedenen Ebenen. Um den unterschiedlichen Aspekten auf biologischer, psychologischer und sozialer Ebene gerecht zu werden, hat sich eine multimodale Vorgehensweise bewährt, bei der verschiedene therapeutische Techniken zur Anwendung kommen. Bei der Auswahl der einzelnen Therapiekomponenten sollten die individuellen Bedingungen der Betroffenen in jedem Falle berücksichtigt werden.

 

Belastung, Trauma (PTBS). Diagnostik, Therapie & FAQ

Diagnostik. Wie wird ein Trauma festgestellt?

Hohe Sensibilität ist Bedingung in der Diagnose eines Traumas.

Routine alleine genügt nicht, auch erfahrene Therapeuten benötigen bei Traumatisierten das besondere Fingerspitzengefühl.

Routine alleine genügt nicht, auch erfahrene Therapeuten benötigen bei Traumatisierten das besondere Fingerspitzengefühl.

Es ist besonders wichtig, dass das diagnostische Gespräch in einer sicheren störungsfreien und wertschätzenden Atmosphäre stattfinden kann, in der mit hoher Kontrolle und ohne Scheu alle Aspekte der belastenden Erfahrungen angesprochen werden.

Die Diagnosestellung der Posttraumatischen Belastungsstörung erfolgt im Rahmen eines diagnostischen Gesprächs, welches mit besonderer Sensibilität geführt werden muss. Für die meisten Menschen, die ein Trauma erlebt haben, ist es nicht leicht, sich in eine professionelle Behandlung zu begeben. Häufig ist das zwischenmenschliche Vertrauen durch die Traumatisierung erschüttert und es fällt schwer sich anderen Menschen anzuvertrauen.

 

Nach einem Trauma fühlt man sich oft allein gelassen.

Verstärkt werden die Vertrauensverluste der traumatisierten Personen durch hilflose oder unverständliche Reaktionen der Umwelt auf das Erleben der Betroffenen. Bei den Betroffenen entsteht häufig das Gefühl, Menschen, die kein Trauma erlebt haben, können sowieso nicht nachempfinden wie man sich nach so einem Erlebnis fühlt. Deshalb kann sowieso niemand helfen. Man sollte und muss das Trauma alleine bewältigen.

Zudem haben betroffene, belastete Menschen oft die Sorge, dass durch Ansprechen des Ereignisses unkontrollierte schmerzhafte Erinnerungen ausgelöst und in der Folge wieder belastender werden könnten.

 

Therapie. Wie wird ein Trauma behandelt?

Mehrphasiger Behandlungsprozess.

In der wissenschaftlichen Literatur und den Behandlungsleitlinien ist man sich darüber einig, dass die Behandlung als Prozess zu gestalten ist, der verschiedene Phasen durchläuft. Zu bestimmten Zeiten können dabei auch mehrere Komponenten parallel zur Anwendung kommen. Es ist auch nicht immer sinnvoll, während einer Behandlung alle Phasen zu durchlaufen. Zwischen einzelnen Behandlungsabschnitten können durchaus therapeutische Pausen vereinbart werden und nicht in allen Fällen erscheint eine Traumakonfrontation sinnvoll. Man unterscheidet folgende drei Phasen:

 

Schritt eins: Stabilisierung.

In der Anfangsphase geht es vor allem darum, dass der Patient eine vertrauensvolle und tragfähige Beziehung zum Therapeuten oder zur Therapeutin aufbaut. Daneben wird er über die Entstehung der Symptomatik informiert und gewinnt so Verständnis und Zuversicht über die verschiedenen Bewältigungsmöglichkeiten. Ziel in dieser Stabilisierungsphase ist, dass er seine Reaktionen auf das Geschehene versteht, er wieder Sicherheit und Vertrauen gewinnt und er Distanzierungsstrategien entwickeln kann. Daneben soll er selbstschädigende Verhaltensweisen abbauen und alternative Strategien zur Verringerung der Spannung erlernen. Bei der Distanzierung haben sich vor allem Imaginationsverfahren und Kreativtherapien (z. B. Kunst oder Musiktherapie) bewährt. Aber auch das behutsame Aufgreifen von hinderlichen Gedanken und Bewertungen sowie die Entwicklung alternativer hilfreicherer Gedanken und Bilder, kann in dieser Phase eine Distanzierung und Bewältigung des Ereignisses unterstützen. In einem speziellen Fertigkeitentraining kann der Patient Möglichkeiten der Spannungsregulation erproben und einüben. Dies ermöglicht ihm, einen fürsorglicheren Umgang mit sich selbst zu entwickeln und hilft ihm selbstschädigende Verhaltensweisen zu vermeiden.

 

Schritt zwei: Konfrontation.

Ist der Patient ausreichend stabilisiert, kann im nächsten Schritt eine weitere Bearbeitung seines Traumas mithilfe von Konfrontationstechniken erfolgen. Dazu wird der Betroffene mit dem belastenden Ereignis konfrontiert, indem er gemeinsam mit dem Therapeuten Situationen erarbeitet, die dabei gut kontrolliert und vom Therapeuten gestützt und begleitet werden. Ziel ist es, dass der Patient sich mit abgespaltenen Erlebnisinhalten auseinandersetzt, um sie so einer Bearbeitung und damit einer Integration in sein Leben zugänglich zu machen. Er begreift die Bedrohung als etwas Gewesenes und integriert die Erfahrung, das Trauma erlebt zu haben in seine individuelle Biographie. Für diese Traumaarbeit stehen verschiedene Verfahren zur Konfrontation zur Verfügung. Sie werden individuell im Laufe der Therapie gemeinsam mit dem Patienten entwickelt, je nachdem, ob die Ängste, die Vermeidung oder ressourcenorientierte Kontrollstrategien im Schwerpunkt der Behandlung stehen sollen. In der Regel sind mit den Konfrontationstechniken auch Strategien verbunden, womit der Patient negative Bewertungen und Grundüberzeugungen verändern kann, die durch das Trauma entstandenen sind. In der Therapie werden belastende gedankliche Folgen des Traumas wie z. B. Überzeugungen über die eigene Schuld, Befürchtungen zum zerbrechlichen Selbst, übermäßige Beschäftigung mit Ungerechtigkeit und Ärger o. ä. überprüft und mit den Betroffenen hilfreichere Alternativen entwickelt.

 

Schritt 3: Integration.

Ziel der anschließenden Integrationsphase ist es, die Akzeptanz des Traumas von Seiten des Patienten und dessen Folgen zu verbessern, weitere Störungen als Folge des Trauma zu verhindern, soziale Unterstützung zu mobilisieren und die soziale und berufliche Reintegration zu fördern.

 

Zusatztherapien.

Um die oben genannten Ziele zu erreichen, werden neben den eigentlichen psychotherapeutischen Verfahren Zusatztherapien aus den folgenden Bereichen angeboten:

  • Entspannungsverfahren
  • Genusstraining
  • Selbstsicherheitstraining

Da häufig die körperlichen Grenzen und die körperliche Unversehrtheit betroffen sind, hat sich der Einsatz körperorientierter Verfahren sehr bewährt. Kreativtherapien wie Kunst- oder Musiktherapie können während der Therapie den Zugang zu bildhaften Gedächtnisinhalten und deren Bearbeitung erleichtern.

 

Traumagruppe.

Ziel der Traumagruppe ist, Menschen zu ermutigen, Hilflosigkeit zu überwinden und psychosomatische Beschwerden und Einschränkungen in ihrem Alltag zu verändern. Diese Erfahrung ist deshalb besonders wichtig, da Opfer schwerer Belastungen häufig keine Möglichkeiten der Einflussnahme auf das hatten, was mit ihnen geschah. Zu den zentralen Anliegen der Behandlung gehört die Förderung von Einsicht in die z.T. komplexen Beschwerden mit dem Ziel, wieder mehr Kontrolle über die Vorgänge im eigenen Körper entwickeln zu können. Der Auseinandersetzung mit aktuellen wiederkehrenden Erinnerungen, schützenden Reaktionen sowie mit verändertem körperlichen Erleben kommt im weiteren Verlauf große Wichtigkeit zu, da hier häufig zusätzliche Belastungen für Betroffene entstehen.

Mit Hilfe der Psychotherapeuten und der anderen Betroffenen wollen wir Patienten in der Gruppe unterstützen, über ihre aktuellen Belastungen ins Gespräch zu kommen und das Leiden unter dem Schweigen und dem Gefühl der Isolation zu durchbrechen. Ergänzend werden Möglichkeiten aufgezeigt, sich mit belastenden Gefühlen und Anspannungszuständen anders als bisher auseinanderzusetzen, um wieder mehr zu sich selbst und dem eigenen Erleben stehen zu können. Themen wie Schuldzuweisungen an die eigene Person, Gefühle von Scham, der Selbstabwertung oder Ekel stehen häufig im Mittelpunkt der gruppentherapeutischen Behandlung. In der Gruppe der Mitpatienten kann es erleichternd sein, andere Sichtweisen für sich zu erarbeiten. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit traumatisch erlebten Erfahrungen der Vergangenheit geschieht allerdings nicht in der Gruppe, sondern im Schutz der Einzeltherapie.

 

Ressourcengruppe.

Zentraler Punkt dieses gruppentherapeutischen Angebotes ist die Erarbeitung von Selbstkontrolle und Möglichkeiten zur Emotionsregulation im Umgang mit den vielfältigen Symptomen der PTBS. Ziel ist das Erlangen einer ausreichenden Stabilität, die es erlaubt, Symptome zu kontrollieren und deren Verstärkung zu verhindern. Darüber hinaus ist sie eine wichtige Voraussetzung, um sich mit bestimmten, belastenden Inhalten bzgl. schwieriger Erfahrungen, auseinanderzusetzen, ohne das erneut Erfahrungen des Überschwemmt-werdens und der Hilflosigkeit gemacht werden. Neben Methoden der DBT kommen Formen der Entspannung, der Imagination sowie der Streßbewältigung zum Einsatz. Die jeweiligen Methoden werden in der Gruppe vorgestellt und eigenständig von den TeilnehmerInnen geübt.

 

Kunsttherapie für Patienten mit PTBS.

Die begleitende Kunsttherapie ist ein wichtiges Angebot, dass die Ressourcen unserer Patienten im Umgang mit ihren aktuellen Beschwerden unterstützen soll und da, wo Worte fehlen, eine Ausdrucksmöglichkeit bieten kann. Im Vordergrund steht das eigene aktive Handeln, das Erkennen und Umsetzen eigener Bedürfnisse und das Üben selbstfürsorglichen Verhaltens. Themen, die hier aufgegriffen werden, beziehen sich auf die Entwicklung und Gestaltung innerer stärkender Bilder, die Definition von Grenzen zwischen der eigenen Person und anderen, die Entwicklung eigener Hilfsmöglichkeiten im Umgang mit belastenden Gefühlen und Erinnerungen und die Unterstützung von Hoffnung auf eine positive Weiterentwicklung. Es wird in einer Gruppe von max. 8 TeilnehmerInnen mit unterschiedlichen Materialien gearbeitet und sich untereinander dazu ausgetauscht.

 

Psychopharmaka.

In Fällen mit einer besonders ausgeprägten Symptomatik kann es sinnvoll sein, den therapeutischen Prozess durch die Gabe eines Medikamentes zu unterstützen. Es gibt einige Medikamente, vornehmlich aus der Wirkstoffklasse der Selektiven Serotonin- Wiederaufnahmehemmer (SSRI), die sich bei der Behandlung von Symptomen der Posttraumatischen Belastungsstörung als wirksam erwiesen haben. Zeitweise kann es auch sinnvoll sein, bei starken Anspannungs- oder Erregungszuständen bzw. hartnäckigen Schlafstörungen Medikamente, die gegen Symptome der Psychose wirken (Antipsychotika) einzusetzen.

 

FAQ. Häufig gestellte Fragen

Wie viele Menschen erleben während ihres Lebens ein Trauma?

Eine der bekanntesten amerikanischen Studien besagt, dass 60% der Erwachsenen einmal in ihrem Leben eine traumatische Erfahrung im Sinne der oben beschriebenen Traumakriterien machen. Deutsche Studien, die an jungen Erwachsenen durchgeführt worden waren (Alter: 14-24 Jahre), ermittelten bei 25%-27% der Befragten Traumaerfahrungen. Am häufigsten waren dabei Unfälle bzw. Beobachtung von Unfällen und körperliche Gewalt.

 

Entwickeln alle Menschen, die ein Trauma erleben eine PTBS?

Der Mensch scheint insgesamt über gute Bewältigungs- und Kompensationsmechanismen zu verfügen, so dass nur ein Teil der Betroffenen anhaltende Störungen als Folge eines Traumas entwickelt. Eine PTBS-Symptomatik tritt üblicherweise innerhalb der ersten Monate nach dem Trauma auf, kann aber auch noch viele Jahre nach dem Ereignis erstmals in Erscheinung treten. In den ersten Stunden und Tagen nach einem Trauma herrschen oft psychische Schock- oder akute Belastungsreaktionen vor. Auch eine sich im Anschluss herausbildende PTBS-Symptomatik kann sich in den folgenden Wochen und Monaten zurückbilden. In der oben bereits erwähnten Studie waren nach 4 Jahren die Hälfte und nach zehn Jahren ein Drittel der Betroffenen beschwerdefrei. Man muss allerdings bedenken, dass bis zu 80% der Betroffenen neben der PTBS-Symptomatik zusätzliche andere Störungen wie Depressionen oder Angststörungen ausbilden. Interpersonelle Traumen gehen häufiger mit der Entwicklung einer PTBS einher als Unfälle oder Naturkatastrophen. So entwickeln ca. 55% aller Vergewaltigungsopfer eine Posttraumatische Belastungsstörung, wohingegen nach Unfällen in ca. 8% der Fälle eine PTBS auftritt.

 

Kann man vorhersagen wer eine PTBS entwickelt?

Es gibt Faktoren, die das Auftreten einer PTBS begünstigen. Je schwerer das Ereignis, gemessen an der Traumadauer, dem Schadensausmaß, dem Verletzungsgrad oder der Anzahl der Toten, desto wahrscheinlicher ist das Auftreten einer PTBS. Der Zusammenhang zu diesen Ereignisfaktoren ist aber relativ gering, was darauf hinweist, dass zusätzliche psychologische Faktoren eine Rolle spielen. So hat sich gezeigt, dass ein ausgeprägtes Schulderleben sowie ein vermeidender Bewältigungsstil mit Gefühlsvermeidung und exzessiven Grübeln sowie exzessiver Ärger und Wut als begünstigende Faktoren gelten können.

 

Kann man das Auftreten einer PTBS nach einem Trauma verhindern?

Immer wieder diskutiert worden sind so genannte Debriefing-Programme, die zur Bearbeitung traumatisierender Erfahrungen bei Soldaten und Rettungspersonal entwickelt wurden. Es handelt sich dabei um ein klar strukturiertes und standardisiertes Vorgehen, bei dem die Teilnehmer innerhalb von 24-72 Stunden in der Gruppe mit anderen Betroffenen über ihre Gedanken und Eindrücke sowie die wichtigsten Gefühle und Reaktionen im schlimmsten Moment des Ereignisses berichten sollten. Einige Studien haben inzwischen herausgefunden, dass eine solche Vorgehensweise in der Verhinderung von PTBS- Symptomen nicht wirksam war. Es wurde sogar in einer Studie über eine Zunahme der Symptomatik bei den Teilnehmern berichtet. Wie wirksam letztendlich Frühinterventionen sind, ist nach der bisherigen Datenlage nicht sicher festzustellen. In jedem Fall scheint ein individualisiertes Vorgehen mit der Identifikation von Risikopersonen, durchgeführt von geschultem Personal, erforderlich zu sein.

 

Gibt es Faktoren, die vor einer PTBS schützen können?

Nachdem man immer wieder Menschen gefunden hat, die selbst schwerwiegende Traumata relativ gut verarbeitet haben, hat man sich in der Traumaforschung schon früh mit der Frage beschäftigt, was Menschen nach traumatischen Erlebnissen gesund hält. Man fand u. a. heraus, dass Menschen, die einen offenen Bewältigungsstil zeigen und mit anderen über das erlebte Trauma sprechen können, eine geringere Belastung aufwiesen. Wenn es zusätzlich gelingt, die Bewältigung des Traumas als Herausforderung zu sehen, für die es sich lohnt zu kämpfen und das Geschehene in einem Sinnzusammenhang zu sehen, scheint dies ebenfalls gesundheitsförderlich zu sein.

 

Wann sollte man sich in eine Behandlung begeben?

Wenn die oben beschriebenen Symptome so belastend sind, dass deutliche Einschränkungen in der Alltagsbewältigung bestehen oder die Symptome über mehrere Wochen oder Monate anhalten, sollte professioneller Rat gesucht werden.

 

Umgang mit Trauma

Nach einer Katastrophe unter einem Trauma zu leiden, ist vollkommen normal.Ein Drittel der Menschen schafft es aber nicht, das Trauma zu überwinden.

Hilfe bei der Überwindung

 

Spezialisierte Kliniken

Wir haben für Sie Kliniken gelistet, die auf die Behandlung von PTBS spezialisiert sind.

Spezialisierte Kliniken