Einsame Angst – über seltene und ungewöhnliche Phobien.

Es gibt die Angst vor der Zahl 13, Angst vor schwarzen Katzen, vor Spinnen, Tauben, Enten. Es gibt die Logophobie – eine Angst vor bestimmten Wörtern, Angst vor leeren und Angst vor vollen Plätzen. „Es gibt keine Angst, die es nicht gibt“, weiß Dr. Gernot Langs, Chefarzt der Schön Klinik Bad Bramstedt. Manche Phobien sind so selten, dass sie selbst für Spezialisten eine Besonderheit darstellen. Trotzdem gibt es in der Schön Klinik Bad Bramstedt natürlich Hilfe für Patienten, die Angst vor öffentlichen Plätzen, Knöpfen oder Tauben haben. „Seltene und „skurrile“ Phobien werden nicht anders therapiert, als häufiger auftretende Angststörungen“, erklärt der Facharzt für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Es gilt schließlich, immer der Ursache auf den Grund zu gehen und die Angst zu besiegen.    

 

Der Weg aus der Angst ist der Weg durch die Angst.

Eine Knopfphobie ist gar nicht so selten.

Eine Knopfphobie ist gar nicht so selten.

Wenn jemand Angst vor Knöpfen hätte, würde zunächst untersucht, woher die Angst kommt. Warum ausgerechnet Knöpfe? Als nächsten Schritt führt der Therapeut eine klassische Expositionsbehandlung durch. Der Patient muss sich der Angst aussetzen. „Der Weg aus der Angst ist immer der Weg durch die Angst,“ erklärt Chefarzt Dr. Langs. Bei der Angst vor Knöpfen würde der Patient also Knöpfe in die Hand bekommen und nach einiger Zeit merken, dass die Angst unberechtigt ist, nichts passiert, vorbei geht. 

 

Wenn der Ekel regiert.

Was aber ist eigentlich eine Phobie? Eine Phobie ist immer auf Objekte bezogen und löst panikartige Anfälle aus. „Eine Patientin von mir hatte zum Beispiel Angst vor Tauben. Sie fand die nicht einfach hässlich oder unappetitlich, sie bekam Panikattacken.“ Der Ekel der Patientin wurde mit der Zeit so stark, dass sie beim Anblick von Tauben das Haus nicht mehr verlassen konnte. Eine Reise nach Venedig wäre für sie der blanke Horror gewesen. In der Therapie haben Patientin und Arzt die Angst dann aber in den Griff bekommen. Ob sie inzwischen nach Venedig reist, ist allerdings nicht bekannt – aber dass sie das Haus wieder verlassen kann.

 

Noch normal oder schon krankhaft?

Wer Tauben einfach nur eklig findet, muss nicht zur Therapie. Wer sich fürchtet, das Haus zu verlassen, schon. Dann regiert die Angst bereits das eigene Leben und bringt Einschränkungen mit sich. Wann also gehören Ängste in Behandlung? „Eine Phobie sollte behandelt werden, wenn sie die Lebensqualität herabsetzt,“ sagt Dr. Langs. Er rät dringend dazu eine Arachnophobie, also die Angst vor Spinnen, zu behandeln, wenn der Betroffene nicht einfach nur zusammenzuckt, sondern schreiend aus dem Zimmer rennt. „Die meisten spezifischen Phobien kann man leicht behandeln. Man muss es nur machen. Wenn man Angst und Ekel überwindet, hat man die Phobie hinter sich.“ Irgendwann kann der ehemals arachnophobische Patient eine Spinne einfach auf ein Blatt Papier nehmen und das  „Objekt“ aus dem Zimmer tragen. 

 

Sinnvolle Ängste.

Natürlich ist nicht jede Angst krankhaft. Angst kann auch sinnvoll und lebensrettend sein. Im Angesicht einer Vogelspinne ist die Angst vor Spinnen durchaus begründet. Beim Anblick eines Weberknechts in Panik zu verfallen ist krankhaft. Auch Höhenangst ist in Maßen leicht nachvollziehbar – diese Angst soll den Menschen davor bewahren aus großer Höhe zu stürzen. Schweißausbrüche in Seilbahnen und auf hohen, gut gesicherten Türmen sind aber entsprechend unnötig. Übrigens gibt es auch kulturell und historisch bedingte Phobien. Die Amakaphobie zum Beispiel – die Angst vor Zügen – gilt seit dem Ende der Dampflokomotive als ausgestorben. 

 

Exposition im Alltag.

Viele Ängste sind normal und vergehen von alleine. Bei Kindern ist das oft zu beobachten. Viele Kinder haben Angst vor Hunden. Wenn Eltern ihr Kind panisch vor jedem Dackel wegzerren, wird die Angst sich vermutlich verstärken – das Kind bekommt ja deutlich signalisiert „Es droht große Gefahr! Auch Mama hat Angst!“. Gehen Eltern mit gutem Vorbild voran, kann der Umgang normalisiert werden. Die meisten Eltern führen in solchen Fällen – ohne es zu wissen – eine Exposition durch: Sie gehen mit dem Kind zu einem Hund, streicheln ihn und zeigen so, dass das möglich ist, und nicht gefährlich. „Das macht man natürlich mit einem netten Hund und nicht mit einem zähnefletschenden Dobermann. Da ist die Angst sinnvoll. Auch das muss ein Kind verstehen.“ Idealerweise hat ein Kind nach der Begegnung einen angemessenen Respekt vor Hunden und kann damit umgehen. Da bleiben nur noch die Monster unterm Bett... „Eine gut bekannte Angst beziehungsweise eine ganz und gar nicht seltene Phobie“, schmunzelt Dr. Langs.

 

Unser beratender Experte

Univ. Doz. Dr. Gernot Langs

Chefarzt des Fachzentrums Psychosomatik in der Schön Klinik Bad Bramstedt.

Profil von Dr. Gernot Langs