Hypochondrie, Gesundheitsangst.

Jeder Mensch ist besorgt um seine Gesundheit. Gesundheitsängste (englisch: "health anxieties"), in der Fachsprache auch als Hypochondrie bezeichnet, sind in der Allgemeinbevölkerung durchaus verbreitet.

In einer Studie der Universität Mainz fand G. Bleichert eine Häufigkeit von ca. 9% in der Allgemeinbevölkerung, Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen. "Hypochondrie" wurde und wird leider noch immer von vielen Menschen belächelt und mit "Tachinieren" oder vorgetäuschten Beschwerden gleichgesetzt. Dies trifft keinesfalls zu. Jeder Mensch ist besorgt um seine Gesundheit und das ist auch gut so. Denn sonst würden wir ungesund leben, keinen Sport betreiben, ungesund essen und uns nicht vor Infektionskrankheiten schützen. Der Übergang von überlebensnotwendiger Gesundheitsfürsorge und Krankheitsvorsorge zu Gesundheitsängsten ist fließend und individuell verschieden.

 

Hypochondrie (Gesundheitsangst). Informationen von A-Z

Information. Was versteht man unter einer Hypochondrie?

Gesundheitsängste („Hypochondrie“) sind charakterisiert durch die Angst, an einer schweren körperlichen Erkrankung zu leiden. Befürchtet werden im Allgemeinen Erkrankungen, die in der Zukunft ein langes Siechtum und den Tod bedeuten würden. Dazu zählen beispielsweise Krebserkrankungen, HIV-Infektionen oder die Creutzfeld-Jacob-Erkrankung. Diese Ängste können vorübergehend auftreten (z. B. bei Medizinstudenten), aber auch überdauernd sein und dann die Lebensqualität deutlich einschränken. Patienten mit einer “Hypochondrie“ sind sich meist bewusst, dass das Ausmaß ihre Befürchtungen nicht der Realität entspricht. Sie schämen sich häufig dafür und versuchen, die Ängste vor Anderen, auch dem Partner und der Familie, geheim zu halten.

 

Symptome. Welche Beschwerden treten auf?

Schon kleine Anmerkungen, dass man z.B. blass ausschaut, schürt die Angst vor einer Erkrankung.

Schon kleine Anmerkungen, dass man z.B. blass ausschaut, schürt die Angst vor einer Erkrankung.

Im Vordergrund der „Hypochondrie“ steht das Gefühl Angst – im Konkreten, die Angst um die eigene Gesundheit und vor Krankheiten. Daher trifft der Begriff Gesundheitsängste viel mehr das zentrale Element des Störungsbildes als „Hypochondrie“: Es handelt sich nämlich im Kern um eine Angsterkrankung. Und aus diesem Verständnis lassen sich auch die Symptome, das Erklärungsmodell und die daraus resultierende Therapie ableiten. Ziel des Menschen ist es, unangenehme Gefühle so rasch wie möglich zu beseitigen, und Angst ist ein unangenehmes Gefühl. Wenn also Beschwerden auftreten und diese Angst auslösen, wird der Gesundheitsängstliche gesundes „Krankheitsverhalten“ zeigen: Er wird sich schonen, er wird Hausmittel anwenden und bei Nicht-Besserung den Arzt aufsuchen. Aber - wie jeder Mensch geht er zum Arzt, um zu hören, dass seine Beschwerden harmlos sind und leicht geheilt werden können.

 

Wenn die Gesundheitsangst das Leben bestimmt

Krankheitscharakter liegt jedoch dann vor, wenn die Ängste das Leben bestimmen oder die Lebensqualität dadurch beeinträchtigt wird. Aufgrund der Stigmatisierung der Gesundheitsängste wagen viele Betroffene nicht, mit ihrer Umgebung darüber zu sprechen. Gesundheitsängste treten häufig gemeinsam mit einer Panikstörung auf, wobei bei der „Hypochondrie“ die Angst vor den Folgen der Erkrankung in der nahen oder fernen Zukunft im Vordergrund steht, bei der Panikstörung die unmittelbar bevorstehende Katastrophe (z. B. ein Herzinfarkt).

 

Viele leiden auch unter Depressionen.

In Zusammenhang mit Krankheitsängsten treten bei vielen Patienten komorbide Störungen auf, das heißt sie leiden unter verschiedenen psychischen Störungen.   Bis zu etwa 40 Prozent sind nach Ergebnissen klinischer Studien von Depressionen betroffen – wobei diese primär oder als Folgeerkrankung entstehen kann. Als weitere Komorbidität kommen bei bis zu 20 Prozent der Patienten Somatisierungsstörungen vor. Diese zeichnen sich durch körperliche Beschwerden aus, die keine ausreichende organische Ursache haben.

 

Die angstfreien Phasen werden immer kürzer.

Wenn die Symptome aber nicht verschwinden, werden die Ängste aufrechterhalten und das Krankheitsverhalten bleibt bestehen. Weitere Schonung, weitere Arztbesuche, Wiederholung der Untersuchungen und neue Untersuchungen sind die Folge. Die Betroffenen beginnen häufig selbst im Internet zu recherchieren, suchen eine harmlose Erklärung für die Beschwerden. Leider stoßen sie dabei eher auf angstmachende als auf angstreduzierende Berichte, so dass das Gegenteil des Erhofften erreicht wird. Selbstuntersuchungen (= Checken), um festzustellen, dass keine Symptome vorhanden sind, ständiges „nach innen schauen“ (= scanning) und das Suchen nach Rückversicherung bei Familienmitgliedern und Freunden, immer in der Hoffnung beruhigt zu werden, bewirken meist das Gegenteil. Es gibt keine 100% Beschwerdefreiheit und die angstfreien Phasen werden nach einer Untersuchung, die wieder einmal keinen Befund gebracht hat, immer kürzer.

 

Ursachen. Wie entsteht eine Hypochondrie?

Bei genauer Befragung von Patienten mit Gesundheitsängsten finden sich meist in der Kindheit und Jugend Ereignisse, die einen "gesunden" Umgang mit Körperbeschwerden schwer oder unmöglich gemacht haben. Diese Ereignisse waren hoch emotional besetzt und hatten Krankheiten und Körpersymptome zum Inhalt. Dazu zählen beispielsweise:

  • Ein überbehüteter Erziehungsstil: Sobald Körperbeschwerden auftraten, auch wenn diese harmlos waren, wurden diese dramatisiert. Dadurch haben die Kinder die subjektive Erfahrung gemacht, dass Körpersymptome (fast) immer etwas Schlimmes und Lebensbedrohliches sind.
  • Eine eigene schwere Erkrankung in der Kindheit und Jugend: Auch hier wurde internalisiert, dass Krankheit Trennung von zu Hause bedeuten kann und mit unangenehmen Gefühlen wie Ängsten und Traurigkeit verbunden ist.
  • Die schwere Erkrankung eines Familienmitglieds: Dies bedeutet oft, dass die Erkrankung zentrales Thema in der Familie war und das Kind daraus geschlossen hat, dass Krankheit, immer etwas Schreckliches und Bedrohliches ist
 

Die Folge ist, dass die Kinder folgende Leitsätze mit in ihr Leben nehmen:

  • Krankheit ist immer (lebens-) bedrohlich
  • Gesundheit ist 100%es Freisein von Körperbeschwerden

Ausgelöst werden die Ängste im Erwachsenenalter meist durch emotional belastende Ereignisse, wie ein Todesfall im Familien- bzw. Freundeskreis oder als Folge stressreicher Zeiten (so genannter "Daily hassles")

 

Cyberchondrie

Das Internet weiß alles. Warum also zum Arzt gehen, wenn man auch googeln kann? Aber gerade diese Suche macht viele erst krank.

Wenn die Internet-Suche krank macht

 

Diagnostik & Therapie

Durch die Sporttherapie gewinnen die Patienten wieder Vertrauen in den eigenen Körper.

Diagnostik & Therapie Hypochondrie

Spezialisierte Kliniken

Diese Kliniken sind auf die Behandlung der Hypochondrie spezialisiert.

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