Niereninsuffizienz / Nierenversagen. Therapien
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die Therapie der Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen:
- Behandlung der auslösenden Grunderkrankung
- Nierenschutztherapie um ein Fortschreiten zu verhindern / zu verlangsamen
- Behandlung der eigentlichen Niereninsuffizienz mit ihren Folgeerkrankungen
- Vorbereitung und Durchführung einer Nierenersatzbehandlung (Dialyse, Transplantation)
Da es sich bei Nierenerkrankungen meist um chronische Erkrankungen handelt, ist besonders hier ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Arzt und Patient für den Therapieerfolg und die Lebensqualität des Patienten wichtig.
Behandlung der auslösenden Grunderkrankung
Nach einer genauen Diagnosestellung ist z. T. eine sehr spezialisierte Therapie erforderlich, die in die Hände erfahrener Ärzte gehört und die sich an dem aktuellen Stand der Forschung orientieren muss.
Häufig geht es darum, eine gute Einstellung eines Bluthochdrucks oder einer Zuckerkrankheit zu finden.
Nierenschutztherapie um ein Fortschreiten zu verhindern / zu verlangsamen
Für jeden Patienten mit Nierenerkrankungen ist es wichtig, über eine Prophylaxe informiert zu werden. Durch bestimmte Verhaltensweisen oder die wirksame Behandlung von Begleiterkrankungen kann das Fortschreiten einer Niereninsuffizienz verzögert, in manchen Fällen sogar gestoppt werden
Behandlung der eigentlichen Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) mit ihren Folgeerkrankungen
Besonders die Folgeerkrankungen einer Niereninsuffizienz erfordern Augenmerk und konsequente Behandlung. Viele Funktionen der Niere lassen sich durch eine geeignete Therapie unterstützen und z. T. ersetzen. So wird die Blutbildung durch das Hormon Erythropoeitin (kurz: Epo) und der Knochenstoffwechsel u. a. durch Vitamin-D-Präparate reguliert. Der Patient wird beraten, seine Ernährung und Trinkmenge seiner individuellen Stoffwechselsituation anzupassen. Besonders hier ist die Motivation zur Mitarbeit entscheidend.
Vorbereitung und Durchführung einer Nierenersatzbehandlung (Dialyse, Transplantation)
Die eigene Nierenfunktion kann auf drei verschiedene Arten ersetzt werden:
- Hämodialyse (im Volksmund "Blutwäsche")
- Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse)
- Nierentransplantation
Die Technik der Dialyse wurde über die letzten Jahrzehnte immer weiter verfeinert, rettet vielen Menschen das Leben und ermöglicht den betroffenen Patienten heutzutage ein relativ komfortables Leben.
Die Dialyse übernimmt vor allem die Entfernung der Stoffwechselabbauprodukte, die Kontrolle der Blutsalze und die Regulation des Wasserhaushalts. Hämodialyse und Peritonealdialyse unterscheiden sich dabei in ihren grundlegenden Prinzipien. Welches Verfahren bei einem Patienten angewendet wird hängt von vielen Faktoren ab. Von besonderer Wichtigkeit sind hierbei die Lebensumstände und Wünsche des Patienten aber natürlich auch die medizinischen Voraussetzungen. Der Patient sollte möglichst vor dem Beginn einer Dialysetherapie über alle Nierenersatzverfahren aufgeklärt und über jeweilige Vor- und Nachteile aufgeklärt werden.
In einer kurzen Zusammenfassung werden die beiden Dialyseformen hier dargestellt.
- Hämodialyse (im Volksmund "Blutwäsche")
Bei diesem Verfahren wird das Blut des Patienten in einem Dialysegerät von Giftstoffen und überschüssigem Wasser befreit. Die Blutsalze werden ausgeglichen. Um ausreichend Blut dialysieren zu können, muss ein Gefäßzugang hergestellt werden. Im Notfall erfolgt dies über einen Gefäßkatheter. Um eine langfristige Dialysebehandlung zu ermöglichen, wird in den meisten Fällen eine Gefäßoperation am Arm durchgeführt. Für den Erfolg einer solchen Operation ist eine gute Diagnostik vor der Operation und das Können bzw. die Erfahrung des Chirurgen/Chirurgin von entscheidender Bedeutung.
In aller Regel wird die dauerhafte Hämodialysetherapie in einer Dialysepraxis durchgeführt. Hierzu kommt der Patient mindestens dreimal pro Woche für jeweils 4 Stunden an das Dialysegerät. Liegen geeignete Voraussetzungen vor, kann die Hämodialysebehandlung auch zu Hause durchgeführt werden (Heimhämodialyse).
- Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse)
Bei diesem Verfahren nutzt man die Bauchhöhle des Patienten als "Dialysekammer". Mehrmals täglich wird frische Dialyseflüssigkeit in die Bauchhöhle geleitet und beim nächsten Wechsel wieder abgelassen. Mit der Flüssigkeit werden Giftstoffe und überschüssiges Wasser entfernt. Um eine solche Dialysebehandlung zu ermöglichen, muss in einer Operation durch die Bauchdecke ein dauerhafter Katheter eingebracht werden. Auch für den Erfolg dieser Operation ist die Erfahrung eines Chirurgen/Chirurgin erforderlich.
Da der Patient die Peritonealdialyse problemlos zu Hause durchführen kann, ermöglicht sie eine große Eigenständigkeit und gilt durch die tägliche Behandlung als kreislaufschonender. In manchen Fällen kann auch die Peritonealdialyse mithilfe eines Dialysegeräts unterstützt werden.
Nierentransplantation
Die dritte Möglichkeit die Nieren zu ersetzten, ist eine Transplantation. Hierbei wird die Niere eines anderen Menschen in den eigenen Körper verpflanzt. Man unterscheidet eine Lebendspende (z.B. von einem Angehörigen) von der Spende eines Verstorbenen.
In jedem Fall erfordert eine Transplantation danach die lebenslange Einnahme von Medikamenten, die eine Abstoßung verhindern sollen.
Die Nierentransplantation ist auf wenige spezialisierte Zentren beschränkt.
Fachliche Betreuung
Der Beitrag wird betreut durch
Prof. Dr. med. Hugo Heidemann