Nierensteine. Diagnostik & Therapie

Wie werden Nierensteine diagnostiziert?

Manche asymptomatischen Steine werden zufällig während Röntgenroutineuntersuchungen entdeckt. In den meisten Fällen wird jedoch nach einer Untersuchung eines mit akuten Schmerzen beim Arzt erschienenen Patienten durch Ultraschall oder Röntgen ein Stein gefunden. Aus den Röntgenbilder und der Ultraschalluntersuchung gewinnt der Arzt Erkenntnisse über Grösse und Lage eines Steines. Mit Blut und Urinuntersuchungen versucht der Arzt, Informationen über die möglichen Ursachen der Steinbildung zu finden. Um eine Entscheidung für die richtige Behandlung zu treffen, kann es auch notwendig sein, ein IVP (intravenöses Pyelogram) anzufertigen. Dabei wird ein Kontrastmittel in die Vene gespritzt, dass die Nierensteine auf dem dann angefertigten Röntgenbild erkennen lässt.

Wie werden Nierensteine behandelt?

Eine offene Operation ist heutzutage zum Glück in den meisten Fällen nicht mehr nötig. Viele Steine können auf dem natürlichen Weg ausgeschieden werden, was durch entsprechende Flüssigkeitsaufnahme unterstützt werden kann. Dies kann zu Hause geschehen und wird eventuell durch eine Schmerzmedikation unterstützt. Es ist sinnvoll, den Stein für die Analyse der Ursache dem Arzt zu übergeben (zum Auffangen des Steines kann ein spezielles Urinsieb oder ein Teesieb verwendet werden). Wenn bei Personen entdeckt wird, dass ein chronischer Harnwegsinfekt auf die Blockade durch einen Stein zurückzuführen ist, so sollte nach Entscheidung des Arztes der Stein entfernt werden. Der Patient muss danach sorgfältig überwacht werden, bis sicher ist, dass der Infekt kuriert ist.

Operative Behandlung

Der ärztliche Eingriff sollte als Option nur in Fällen erfolgen, in denen andere Möglichkeiten schon versagt haben, oder nicht angewendet werden dürfen. Das kann nötig sein, wenn ein Nierenstein nach einer bestimmten Zeit noch nicht spontan abgegangen ist und permanente Schmerzen verursacht, wenn er für einen spontanen Abgang zu groß ist oder an einem Platz feststeckt. Ebenso, wenn er den Urinabfluss verhindert oder permanante Harnwegsinfektionen verursacht. Ein Größenwachstum auf dem Röntgenbild oder permanent blutiges Urin sind ebenfalls Gründe für einen Eingriff. Vor noch nicht allzu langer Zeit war der chirurgische Eingriff zur Steinentfernung sehr schmerzhaft und mit einem längeren Spitalaufenthalt und einer langen Erholungsphase verbunden. Inzwischen wurde die Behandlung stark verbessert und es gibt viele Möglichkeiten, um eine offene Operation zu verhindern.

Operative Behandlung: Extrakorporale Stosswellenlithotripsie (ESWL)

Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie ist die für die Behandlung von Nierensteinen am häufigsten verwendete Behandlung. Bei der Stoßwellenlithotripsie werden außerhalb des Körpers Druckwellen erzeugt, welche von außen durch Haut und Gewebe auf den Stein fokussiert werden und diesen zu sandartigen Partikeln zerkleinern. Danach kann der Stein problemlos im Urin durch den Harntrakt ausgeschieden werden.

Wie wird eine ESWL angewendet?

Auf dem Markt sind verschiedene ESWL Geräte vorhanden. Ältere Geräte verwenden ein Wasserbad, um die Stoßwellen in den Körper einzuleiten, bei modernen Geräten geschieht dies mittels eines weichen Wasserkissens, auf welchen der Patient liegt bzw. welches an den Patienten angekoppelt wird. Bei den meisten Geräten kann der Ortungs- und Positionierungsvorgang mit Hilfe von Ultraschall oder Röntgen geschehen. Früher war für die Lithotripsie eine Vollnarkose notwendig, bei modernen Geräten reicht heute meist eine Analgosedation (Ruhigstellung mit Schmerzmedikation). In manchen Fällen kann die ESWL-Behandlung ambulant ausgeführt werden. Die Erholungszeit nach der ESWL ist meist so kurz, dass nach wenigen Tagen die alltäglichen Aufgaben wieder ausgeführt werden können.

Nebenwirkungen und Komplikationen der ESWL

Die meisten Patienten haben an den Tagen nach der Behandlung etwas Blut im Urin. An der Eintrittsstelle der Stoßwelle sind Hautrötungen, kleine Einblutungen und lokales Unbehagen üblich. Um das Komplikationsrisiko zu verringern, schreiben die Ärzte ihren Patienten normalerweise vor, alle Medikamente, welche die Blutgerinnung beeinflussen (z.B. Aspirin), einige Wochen vor einer Behandlung abzusetzen. Beim Abgang der Steinfragmente durch die Harnleiter (Ureter) kann es zu Unwohlsein oder Koliken kommen. Manchmal ist es notwendig, dass vom Arzt eine Harnleiterschiene eingelegt wird. Eine Harnleiterschiene ist eine dünne Röhre, die das blockieren des Harnleiters durch Steinteile verhindert. Es kann auch vorkommen, das ein Stein durch eine einzelne Behandlung nicht zerstört werden kann, in diesem Fall wird die Behandlung wiederholt.

Operative Behandlung: Ureteroskopische Steinentfernung

Ureteroskopische Steinentfernung (A), Percutane Nephrolithotomie (B)

Ureteroskopische Steinentfernung (A), Percutane Nephrolithotomie (B)

Steine im mittleren und unteren Harnleiter (Ureter) könne sowohl mit ESWL als auch mit Ureteroskopie entfernt werden. Für diese Behandlung ist kein Hauteinschnitt erforderlich. Statt dessen schiebt der Arzt ein Ureteroskop durch die Harnröhre in die Blase und von dort in den Ureter. Der Arzt kann so den Stein lokalisieren, mit einem Körbchen einfangen und entfernen, oder ihn vor Ort mit energieapplizierenden Sonden zerkleinern. Manchmal wird vom Arzt eine Harnleiterschiene eingelegt um dem inneren Gewebe des Ureters die Möglichkeit zu geben, abzuheilen. Früher wurden solche Extraktionen blind durchgeführt, wobei ein höheres Risiko zur Harnleiterverletzungen bestand.

Operative Behandlung: Percotane Nephrolithotomie

Wenn der Stein sich in einer Lage befindet, welche eine effektive ESWL nicht erlaubt, oder wenn er zu groß für eine ESWL Behandlung ist, wird oft eine Behandlung empfohlen, die PCNL (Percutane Nephrolithotomie) genannt wird. Percutane Nephrolithotomie ist eine minimalinvasive endoskopische Operation. Es wird durch einen kleinen Hauteinschnitt ein Tunnel direkt zur Niere gebildet. Durch diesen Tunnel kann mit einem Nephroskop genannten Endoskop zur Niere vorgedrungen, der Stein dann lokalisiert und entfernt werden. Bei größeren Steinen kann es nötig sein, den Stein in der Niere zu zerkleinern. Dazu werden Sonden verwendet, die Energie auf den Stein applizieren (Elektrohydraulisch, Ultraschall). Generell erfordert diese Prozedur einen Spitalaufenthalt über mehrere Tage, wobei ein Nephrostomie Katheter während des Heilungsprozesses in der Wunde verbleibt. Ein Vorteil von PCNL gegenüber der ESWL ist, dass die Steine aktiv entfernt werden und nicht auf ihrem natürlichen Weg abgehen.

Fachliche Betreuung

Schimmelpenning

Der Beitrag wird betreut durch

Prof. Dr. med. Hendrik Schimmelpenning