Vocal Cord Dysfunction (VCD, Atemnot durch Stimmband-Störung ). Ursachen & Symptome

Vocal Cord Dysfunction (VCD, Atemnot durch Stimmbandstörung) psychosomatisch verursacht?

In den ersten Veröffentlichungen vor etwa 15 bis 20 Jahren wurde hauptsächlich eine psychosomatische Ursache vermutet. Diskutiert wurde über besondere Persönlichkeitsstrukturen, aber auch über erhöhte Angst- und Panikintensität. Ebenfalls finden sich immer wieder Erwähnungen von Missbrauchssituationen in der Vergangenheit. Diese beziehen sich nicht nur auf sexuellen, sondern auch auf körperlichen und psychischen Missbrauch.

Körperliche Ursachen für eine Vocal Cord Dysfunction (VCD).

In den letzten Jahren wird jedoch sehr deutlich, dass vor allem rein körperliche Probleme eine Vocal Cord Dysfunction auslösen können. Hierzu zählen vor allem:  

  • Reflux-Symptome (z. B. "saueres Aufstoßen").
    Dabei spielt das typische Sodbrennen, das oberhalb des Magens verspürt wird, eine geringere Rolle als der Reflux, der im Rachenbereich stattfindet (laryngo-pharyngealer Reflux). Es reichen kleinste Mengen von Säure oder Magenflüssigkeit, um einen Schluss der Stimmbänder anzustoßen.
  • Sekretfluss aus dem Bereich der Nase und der Nasennebenhöhlen.
    Entzündliches Sekret fließt die Rachenwand in Richtung Stimmbänder hinunter und stellt somit ebenfalls einen Reiz für die Stimmbänder dar.

Sowohl für den Reflux wie auch die Sekretion aus dem Nasenbereich (im Englischen "post nasal drip, PND" genannt) stellt ein Verschluss der Stimmbänder zunächst einen ganz wichtigen, natürlichen Abwehrreflex dar. Die Stimmbandregion ist die letzte Körperregion, an der der Eintritt von schädigenden Flüssigkeiten in die Lunge blockiert werden kann.

Experten gehen heute davon aus, dass aus diesem wichtigen, sinnvollen Reflex über besondere, noch nicht erklärte Mechanismen eine Erkrankung Vocal Cord Dysfunction wird. Hierbei sinken offensichtlich die Auslöseschwellen für diese Schlussbewegung der Stimmbänder, so dass kleinste Reize ausreichen, um eine solche Atemwegseinengung mit Atemnot auszulösen.

Wie äußert sich die Vocal Cord Dysfunction (VCD)?

Die Vocal Cord Dysfunction (VCD) ist charakterisiert durch sehr plötzlich auftretende Atemnot-Probleme. Dies können von einem zum anderen Atemzug entstehen. Oft ist es ein Hustenstoß, der diese Atemnot auslöst. Die Intensität kann sehr unterschiedlich sein: Teils erleben die Patienten lediglich ein Gefühl eingeschränkter Atmung, teils befürchten sie aber sogar, augenblicklich ersticken zu müssen. Somit wird die Vocal Cord Dysfunction oft als sehr bedrohliche Krankheit erlebt.

Vocal Cord Dysfunction. Meist als Problem bei der Einatmung wahrgenommen.

Auf Fragen hin können die meisten Patienten angeben, dass sie die Einschränkung als die Einatmung betreffend wahrnehmen und das Problem im Bereich der oberen Atemwege bzw. im Hals erleben. Allein mit dieser Schilderung der Symptome liegt der Verdacht, dass eine Vocal Cord Dysfunction (VCD) vorliegt, sehr nahe. Desweiteren sollten die untersuchenden Mediziner danach fragen, was die Atemnot-Attaken auslöst und welche Rolle der Husten dabei spielt.

VCD-Erkrankung oft von Asthma bronchiale begleitet.

Bei etwa zwei Dritteln der VCD-Patienten liegt zusätzlich ein Asthma bronchiale vor, so dass neben der VCD-Problematik auch noch die Symptomatik eines typischen Asthma bronchiale auftreten kann. Dies kann das gesamte Bild außerordentlich komplizieren und verwirren. Dann ist die diagnostische Zuordnung mitunter wirklich nicht leicht.

Wie häufig ist die Vocal Cord Dysfunction (VCD)?

Zur Häufigkeit der Stimmbandstörung gibt es noch keine sicheren Angaben. Untersuchungen an Erwachsenen und Kindern zeigen aber, dass mindestens drei bis fünf Prozent, möglicherweise sogar bis zu zehn Prozent aller Menschen, die angeblich an Asthma bronchiale leiden, eine VCD aufweisen. Bei einer Häufigkeit von fünf Prozent würde dies für Deutschland hochgerechnet bedeuten, dass ca. 250.000 bis 300.000 Menschen an einer VCD leiden.

Hauptsächlich Frauen von Vocal Cord Dysfunction betroffen.

Von der VCD sind hauptsächlich Frauen betroffen. In der Literatur sowie auch bei den inzwischen mehr als 700 Patienten, die in der Schön Klinik Berchtesgadener Land, dem deutschen Referenzzentrum für die VCD, behandelt wurden, sind etwa 75 Prozent der Betroffenen weiblichen Geschlechts. Die Ursachen hierfür sind noch nicht bekannt. Früher wurde immer betont, dass vor allen Dingen junge Frauen betroffen sind. Dies kann bei den Patientenuntersuchungen in der Schön Klinik Berchtesgadener Land nicht bestätigt werden.

Fachliche Betreuung

Kenn

Der Beitrag wird betreut durch

Dr. Klaus Kenn