Leistenbruch (Leistenhernie, Bauchwandbruch, Hernien). Therapien
Warum sollte man etwas tun?
Bei einem Leistenbruch gibt es keine „Spontanheilung“ – ganz im Gegenteil, der Bruch wird mit der Zeit größer. Außerdem besteht die Gefahr der Darmeinklemmung, diese ist – wie bereits erwähnt - zwar selten, aber lebensgefährlich.
Was kann man dagegen tun?
Bruchband? Nein! Ein Bruchband ist ungeeignet, weil es den Bruch nicht kuriert, drückt und die Haut schädigt. Zudem ist es schwierig anzulegen und hinderlich.
Operation? ja! Diese ist sinnvoll, da die Lücke geplant verschlossen wird. Eine Notfallsituation wird vermieden – bei geringem Risiko.
Wie - welche Operationsprinzipien gibt es?
- Offene Schnittoperation:
Über eine 5 – 7 cm lange Hautinzision mit Durchtrennung und Rekonstruktion der Bauchwandschichten im Bruchbereich wird durch Nähte oder Einnähen eines Kunststoffnetzes der Bruch behandelt
- Endoskopische / laparoskopische Operation:
Ein minmal-invasiver Eingriff, der auch als "Schlüssellochoperation" bezeichnet wird. Durch 3 kleine Minischnitte unter Kamerasicht von der Bauchhöhle aus oder vor dem Bauchfell entlang wird ein ausreichend großen Kunststoffnetz platziert.
- Konventionelle Operation:
Siehe "offene" Operation jedoch mit Verzicht auf ein Kunststoffnetz, da die Nähte des Kunststoffnetzes Spannungen erzeugen können.
- Spannungsfreie Operation:
Dieses Prinzip verfolgt die Einnaht von Kunststoffnetz per offener Schnittoperation oder die breitflächige Überdeckung der Bruchpforte mit einem Kunststoffnetz, meist endoskopisch/laparoskopisch durchgeführt.
Warum Kunststoffnetz? Wer braucht es? Wann braucht man es?
Bei Bindegewebsschwäche u./o. körperlicher Belastung ist das Kunststoffnetz wichtig als stabilisierende Schicht in Verbindung mit einer Narbenbildung. Auch bei endoskopischen / laparoskopischen Operationsverfahren ist ein Netz technisch bedingt notwendig. Der Vorteil: Alle benachbarten Bruchpforten werden mit abgedeckt. Für eine spannungsfreie Versorgung der Bruchpforte ist ebenfalls ein Netz erforderlich.
Durch die Verwendung eines Kunststoffnetzes lässt sich das Ergebnis verbessern. Es kommt zu weniger Rückfällen als bei Operationen ohne Netz
Verbesserungen der Netze?
- Früher: stärkere Schrumpfung des Materials möglich – heute: geringes Materialgewicht, weitere Maschen, hohe Flexibilität und sehr gute Verträglichkeit
- Bei Darmkontakt Verwachsungen/Fistelbildungen möglich - heute: Neue Netzbeschichtungen, die Darmkontakt zulassen (Beispiel: Neuentwicklungen für die laparoskopische Narbenbruchoperation)
- Früher: Reaktion mit Flüssigkeitsabsonderung häufig – heute: sehr selten immer noch möglich
- Schmerzen nach der OP – heute: seltene Ursache Netzbefestigung durch Klammern (neu: Kleben!) oder durch Vernarbung / Irritation der Nerven im OP-Gebiet – selten Korrektureingriff nötig
Leistenbruchoperation von heute?
Eine Leistenbruchoperation von heute zeichnet sich durch eine geringe Rezidivquote aus, zudem bestehen praktisch keine Wundheilungsprobleme. Der hohe Patientenkomfort ist durch ambulante oder kurzstationäre schmerzarme Operationsverfahren gewährleistet. Die Patienten sind nach kurzer Schonung wieder schnell belastbar.
Operative Konzepte
- " Shouldice"-Operation (offen - konventionell ohne Netz):
Dieses Verfahren kommt bei Jugendlichen und Erwachsenen unter 30 Jahren bei Erstversorgung zum Einsatz. Der Eingriff wird ambulant durchgeführt entweder mit Lokalanästhesie oder unter Vollnarkose.
- " Lichtenstein"-Operation (offen – spannungsfrei mit Netz):
Dieses Verfahren wird in der Erstversorgung von über 30jährigen und älteren Patienten durchgeführt. Je nach Begleiterkrankung ambulant oder stationär, mit Lokalanästhesie oder unter Vollnarkose
- "TAPP"-Operation (laparoskopisch durch die Bauchhöhle mit Netz):
Diese Operationstechnik wird bei Rezidivhernien und fraglich beidseitigen Leistenhernien, immer unter Vollnarkose durchgeführt. Dazu ist 1 Tag stationärer Aufenthalt notwendig.
- "TEP"-Operation (endoskopisch vor dem Bauchfell mit Netz):
Diese Alternative zur Lichtensteinoperation kommt evtl. auch bei beidseitiger Erstversorgung zum Einsatz. Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose. 1 Tag stationärer Aufenthalt ist erforderlich.
- Bauchwandbrüche am Nabel und am Oberbauch, Narbenbrüche (laparoskopisch mit Netz): Hier erfolgen eine individuelle Beratung des Patienten und die Festlegung des für ihn geeigneten Verfahrens. Der Eingriff erfolgt stationär, immer unter Vollnarkose
- Abweichungen je nach Begleiterkrankungen und unter Mitentscheidung des Patienten
Rehabilitation. Was kommt nach der Operation?
Nach einer Leistenbruchoperation erfolgen 1 – 2 Wochen Schonung, orientiert an den postoperativen Restbeschwerden, danach sind leichte Tätigkeiten bereits möglich.
Erfahrungsgemäß ist eine volle Einsatzfähigkeit und Belastbarkeit nach ca. 3 - 4 Wochen möglich. Ein Fadenzug ist nicht erforderlich, da resorbierbare Hautnähte verwendet werden.
Ein Wasserkontakt (Duschen) ist ab dem 2. Post-OP-Tag ohne Verband erlaubt.
Fachliche Betreuung
Der Beitrag wird betreut durch
Dr. med. Lutz Steinmüller