Kopfschmerzen (Migräne). Therapien

Welche Behandlungsmöglichkeiten bei Kopfschmerzen (Migräne) gibt es?

Fast alle primären Kopfschmerzen und viele sekundäre Kopfschmerzen sind heutzutage gut behandelbar. Dabei sollte der Patient darauf aufmerksam gemacht werden, dass insbesondere alle primären Kopfschmerzerkrankungen nicht „geheilt“ werden können, sondern die Behandlung in erster Linie darauf abzielt, die Zahl der Kopfschmerzepisoden zu reduzieren („Prophylaxe“), bzw. die einzelne Kopfschmerzepisode möglichst rasch und effektiv zu beenden („Attackenbehandlung“). Der größte Teil der Kopfschmerzsyndrome kann ambulant behandelt werden, sollte jedoch insbesondere in der Anfangsphase engmaschig von einem Kopfschmerzspezialisten begleitet werden. In dieser Zeit ist es ratsam, einen „Kopfschmerzkalender“ zu führen, auf dem die Kopfschmerzepisoden und deren Charakteristika vom Patienten selbständig vermerkt werden. Diese Dokumentation hilft dem behandelnden Arzt in der Planung und Überwachung der spezifischen Therapiemaßnahmen.

Sekundäre Kopfschmerzen erfordern einen stationären Aufenthalt im Krankenhaus

Viele sekundäre Kopfschmerzformen erfordern jedoch eine stationäre Behandlung in einer Neurologischen Klinik, da hierbei eine rasche Diagnosefindung und Therapiebeginn wichtig sind. Häufig bessern sich die Kopfschmerzen mit der Beseitigung der auslösenden Ursache, der Patient ist dann tatsächlich „geheilt“. Chronische Kopfschmerzen, die durch fälschlichen Gebrauch von Schmerzmitteln entstanden sind, erfordern einen „Entzug“ der auslösenden Medikamente. Dies kann – je nach verwendeter Substanz – ebenfalls für einige Tage unter stationärer Überwachung stattfinden. Wichtig ist, dass ein für jeden Patienten individuell ausgearbeiteter Behandlungsplan erstellt wird, der neben der Kopfschmerzerkrankung an sich auch das Alter, Begleiterkrankungen, die Lebensumstände, die persönlichen Erwartungen sowie eventuelle Gegenanzeigen des Patienten berücksichtigt. In den meisten Fällen ist eine Kombination aus medikamentösen und nicht- medikamentösen Therapieverfahren ratsam.

Medikamentöse Therapien bei Kopfschmerzen (Migräne)

Eine Vielzahl von Schmerzmitteln steht heute für die Behandlung von Kopfschmerzattacken zur Verfügung. Nicht alle sind jedoch für jede Form von Kopfschmerzen gleich gut geeignet. Insbesondere Kombinationspräparate (Zusammensetzung aus mehreren Wirkstoffen), die in Apotheken frei verkäuflich sind oder von Hausärzten gerne verschrieben werden, haben sich größtenteils als nutzlos oder sogar als schädlich erwiesen. Hier ist eine offene Rücksprache mit dem behandelnden Neurologen empfehlenswert.

Akutbehandlung bei Kopfschmerzen (Migräne)

Zur Akutbehandlung nahezu aller Kopfschmerzformen stehen jeweils mehrere Präparate zur Verfügung, die sich hinsichtlich Wirkstärke, Nebenwirkungen und Preis merklich unterscheiden. Für die Migräne existieren sogar hochspezifische Schmerzmittel (so genannte Triptane), die ausschließlich und sehr effektiv den Migränekopfschmerz therapieren. In der Mehrzahl der Fälle können aber selbst stärkere Kopfschmerzen mit einfachen und gängigen Schmerzmitteln wie Aspirin® oder Paracetamol® ausreichend behandelt werden, vorausgesetzt, sie werden richtig angewandt („so früh wie möglich, so viel wie nötig“). Nur bei Unverträglichkeiten oder Wirkungslosigkeit wird es nötig sein, in eine andere Substanzklasse zu wechseln.

Prophylaxebehandlung bei Kopfschmerzen (Migräne)

Bei sehr häufigen Kopfschmerzattacken ist es unter Umständen sinnvoll, eine medikamentöse Prophylaxebehandlung zu beginnen. Durch die regelmäßige, d. h. tägliche Einnahme eines Medikaments soll erreicht werden, dass die Zahl der Kopfschmerzepisoden über einen Zeitraum von mehreren Monaten deutlich reduziert wird. Die dabei verwendeten Medikamente sind meist keine Schmerzmittel, sondern z. B. Beta-Blocker, Antiepileptika, Antidepressiva usw. Sie werden in der Regel niedrig dosiert eingesetzt und sind gut verträglich. Die Entscheidung, wann und mit welchem Präparat eine Prophylaxebehandlung sinnvoll ist, sollte mit einem Neurologen abgesprochen werden.

Botulinumtoxin bei Kopfschmerzen (Migräne)

Der Einsatz von Botulinumtoxin, einem natürlich vorkommenden Nervengift, das in kleinsten Dosen in die Hals- oder Kopfmuskulatur gespritzt wird und bei vielen neurologischen Erkrankungen hilfreich ist, wurde zuletzt in mehreren Studien auch bei Kopfschmerzpatienten untersucht. Bislang konnte bei keiner Kopfschmerzform ein längerfristig nützlicher Effekt festgestellt werden.

Pflanzliche Präparate bei Kopfschmerzen (Migräne)

Für die Wirksamkeit pflanzlicher Präparate existieren wenige Belege. Lediglich in der Prophylaxebehandlung von Migräneattacken kommen Pestwurz und Mutterkorn als Medikamente der zweiten Wahl zum Einsatz.

Nicht-medikamentöse Therapien bei Kopfschmerzen (Migräne)

Den nicht-medikamentösen Therapieverfahren kommt bei den häufigsten Kopfschmerzerkrankungen eine große Rolle zu, zumal dies ein Bereich ist, in dem sich der Betroffene selbst aktiv einbringen kann. Insbesondere bei chronischen Schmerzpatienten sollten sie mit derselben Aufmerksamkeit verfolgt werden, wie die Einnahme von schmerzlindernden Tabletten.

  • Im Vordergrund stehen hierbei Übungen zur Stressbewältigung und Entspannungstraining, beispielsweise Muskelentspannung nach Jacobson oder Autogenes Training.
  • Ebenso nützlich ist regelmäßiges (d. h. 2-3 x wöchentliches) Ausdauertraining (z. B. Joggen, Schwimmen oder Radfahren).
  • Für einige Patienten ist eine Umstellung der Lebensgewohnheiten (Anpassung der Schlafdauer und der Schlafrhythmen) sinnvoll, z. B. bei einer Häufung von Migräneattacken an den Wochenenden.
  • Sind bestimmte Nahrungsmittel (z. B. Käse, Alkohol) als Auslöser für Kopfschmerzattacken eindeutig identifiziert, sollten diese gemieden werden.

Akupunktur bei Kopfschmerzen (Migräne)

Hinsichtlich der Akupunktur zeigt sich bislang ein widersprüchliches Bild. Auch wenn die Erfahrung zeigt, dass einzelne Patienten immer wieder über positive Effekte berichten, konnte dies in wissenschaftlichen Studien bei bislang keiner Kopfschmerzform überzeugend nachgewiesen werden. Nach derzeitigem Trend ist jedoch insbesondere bei chronischen Kopfschmerzsyndromen ein Therapieversuch gerechtfertigt.

Physiotherapeutische und physikalische Maßnahmen bei Kopfschmerzen (Migräne)

Wärmeanwendungen, Massagen oder Dehnungsübungen   haben ihren Stellenwert insbesondere beim chronischen Spannungskopfschmerz. Auch bei Kopfschmerzen, die durch Veränderungen der Halswirbelsäule ausgelöst werden, ist ein Einsatz im Einzelfall sinnvoll.

Operative Therapien bei Kopfschmerzen (Migräne)

Bei manchen sekundären Kopfschmerzsyndromen ist eine Operation hilfreich, wenn nicht sogar notwendig, um die Kopfschmerzen zu beseitigen (z. B. bei Hirntumoren, Nervenwasseraufstau, Gefäßveränderungen). Aufgrund der Vielzahl der auslösenden Ursachen und der verwendeten Operationsverfahren kann an dieser Stelle nicht näher darauf eingegangen werden.

In seltenen Fällen kann aber auch für primäre Kopfschmerzerkrankungen oder Neuralgien eine Operation eine sinnvolle Therapiemaßnahme darstellen. Am häufigsten werden bislang Operationen bei der Trigeminusneuralgie durchgeführt, wobei mit unterschiedlichen Techniken entweder die Nervenkerngebiete des schmerzauslösenden Trigeminus-Nerven im Gehirn zerstört werden oder der Trigeminus-Nerv entlastet wird, wenn als Schmerzauslöser ein drückendes Blutgefäß identifiziert worden ist. Seit kurzem ist es auch möglich, mit speziellen Bestrahlungstechniken (Radiochirurgie, "gamma knife") schmerzempfindliche Strukturen bei der Trigeminusneuralgie "herauszuschneiden".

Für Neuralgien anderer Nerven im Kopf- oder Halsbereich sind ebenfalls operative Verfahren entwickelt worden, wobei zum Teil elektrische Stimulationselektroden an den betroffenen Nerven angeschlossen und unter die Haut eingesetzt werden. Diese Methoden wurden jedoch bislang nur an wenigen Patienten angewendet, die Erfolgsergebnisse sind teilweise widersprüchlich, so dass zuvor in jedem Fall versucht werden sollte, die medikamentösen Möglichkeiten voll auszuschöpfen.

Bei Cluster- Kopfschmerzen, die auf jegliche andere Therapien nicht mehr ansprachen, wurden jüngst erfolgreich Elektroden zur tiefen Hirnstimulation ("Hirnschrittmacher") eingesetzt. Diese Methode ist jedoch noch als experimentell zu werten und sollte, angesichts der geringen Fallzahlen, nur in einem hochspezialisierten Zentrum durchgeführt werden.

Fachliche Betreuung

Herzog

Der Beitrag wird betreut durch

Dr. Jürgen Herzog