Kann Akupunktur bei Parkinson helfen?
Grundprinzip der traditionellen chinesischen Medizin.
Die traditionelle chinesische Medizin versteht sich als Regulationstherapie, das bedeutet, dass der Organismus durch Dämpfen oder Anregen des Energieflusses harmonisiert wird. Qi ist das wichtigste Element in der chinesischen Medizin, denn Qi ist die Lebenskraft der Natur. Sie wohnt allem Lebendigen inne. Qi fließt ständig, d.h. jede Stagnation ist eine Störung. Ein vollständiger Stillstand des Qi bedeutet den Tod. Im menschlichen Körper speichert sich Qi in den sogenannten Speicherorganen (z.B. Leber). Aus ihnen fließt Qi in einem Bahnensystem durch den Körper. Diese Leitbahnen wurden aufgrund ihrer polaren Anordnung Meridiane genannt. Nach chinesischer Vorstellung fließen im Körper Qi und Blut gemeinsam. Wenn das Fließen von Qi gestört ist, fließt auch das Blut nicht harmonisch und umgekehrt. Durch Akupunktur wird versucht, die Dysbalance des gestörten Qi-Flusses zu korrigieren und somit den Kranken zu heilen.
Was ist Akupunktur?
Bei der Akupunktur werden Nadeln in bestimmte Akupunkturpunkte gestochen, um Beschwerden wie z.B. Kopfschmerzen, zu lindern.
Akupunktur wird in der chinesischen Medizin vor allem bei funktionellen Störungen und Schmerzerkrankungen eingesetzt. Träger der Akupunkturwirkung sind die bekannten Leitungsbahnen, wie z.B. die peripheren Nerven, aber auch das Zentralnervensystem. Die Wirkung der Akupunktur basiert auf den neuralen Beziehungen zwischen den oberflächlichen Körperschichten, wie z.B. Haut und Muskeln, und den inneren Organen.
Hat Akupunktur eine positive Wirkung bei Parkinson?
Wird eine Akupunktur in Verbindung mit der Einnahme von Medikamenten durchgeführt, kann dies tendenziell Vorteile haben.
Zu diesem Thema wurden einige Studien durchgeführt. So wurde z.B. die Akupunktur mit Placebo-Akupunktur verglichen, d.h., den Probanden wurde vorgetäuscht, sie würden eine Akupunktur erhalten. Die Analyse der Studie zeigte keinen Unterschied der Ergebnisse zwischen der durchgeführten Elektro- oder Nadelakupunktur und der Placebo-Akupunktur. Es liegt die Vermutung nahe, dass es sich hier um einen Placebo-Effekt handelt. Andere Studien untersuchten die Wirkung von Akupunktur in Verbindung mit Medikamenten versus nur der Einnahme der Medikamente. Die Kombinationstherapie Akupunktur plus Medikamente zeigte tendenziell Vorteile in einer gängigen Beurteilungsskala für Morbus Parkinson (UPDRS). Durch diese Skala kann die Krankheit in verschiedene Schweregrade eingeteilt werden. In einer anderen Studie wurden bei neu diagnostizierten Parkinson-Patienten eine Gruppe mit Akupunktur behandelt, während andere überhaupt noch keine Therapie bekamen. Hier konnten allenfalls leichte positive Effekte der Akupunkturbehandlung auf die Parkinson-Erkrankung nachgewiesen werden.
Vorsicht bei Ohrakupunktur mit Dauerimplantaten.
In den letzten Jahren wurden einige Studien zur Wirksamkeit der Ohrakupunktur mit kleinen Titannadeln als Dauerimplantate bei Parkinson durchgeführt. Bei allen seriösen Beobachtungen konnte aber keine signifikante Besserung der Parkinson-Symptome nachgewiesen werden. Daher ist von dieser Methode abzuraten, da zum Teil auch hohe Honorare verlangt werden.
Kontroverse Studienergebnisse bei Parkinson und Akupunktur.
Es sind noch zu wenig Studien vorhanden, um die Effektivität der Akupunktur bei Parkinson definitiv zu beweisen oder ganz widerlegen zu können. In diesem Zusammenhang ist der Hinweis wichtig, dass Akupunktur darauf zielt, funktionelle Ungleichgewichte zu heilen. Das, was unabänderlich zerstört ist kann durch sie nicht behoben werden. Eine Ausnahme bildet dabei die Abnahme der Übelkeit, die durch die regulierende Wirkung der Akupunktur aufgetreten ist. Weiterhin positiv zu berichten ist, dass bei der Anwendung von Akupunktur weniger Nebenwirkungen aufgetreten sind. Bezüglich einer etwaigen symptomatischen Wirkung der Akupunktur bei Parkinson muss somit als Fazit festgehalten werden, dass aktuell keine ausreichenden Hinweise hierfür vorhanden sind.
Fachliche Betreuung
Der Beitrag wird betreut durch
Prof. Dr. med. Andrés Ceballos-Baumann
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