Im Gleichgewicht – wie Tai Chi bei Parkinson helfen kann.

Großräumige Bewegungen gegen Parkinson.

Tai Chi konzentriert sich auf ruhige, fließend-harmonische Bewegungen – Aspekte, die einigen Symptomen von Parkinson entgegenwirken.

Tai Chi konzentriert sich auf ruhige, fließend-harmonische Bewegungen – Aspekte, die einigen Symptomen von Parkinson entgegenwirken.

Wer Tai Chi für sich entdeckt, bleibt länger im Gleichgewicht. Denn wer diese alte chinesische Kampfsportart übt,  konzentriert sich auf  ruhige, fließend-harmonische Bewegungen – Aspekte, die einigen Symptomen von Parkinson entgegenwirken. Aus diesem Grund wird Tai Chi für Parkinson-Patienten im Rahmen der Physiotherapie zunehmend eingesetzt. Vor allem im Anfangsstadium der Krankheit können Patienten hiervon profitieren. „Tai Chi kennt viele Bewegungsformen und Parkinson kann in verschiedenen Formen und Ausprägungen auftreten“, erklärt Frauke Schroeteler, stellvertretende Leitung Physiotherapie und Physikalische Therapie an der Schön Klinik München Schwabing. „Treffen aber der richtige Patient und die passend adaptierte Bewegungskunst zusammen, dann kann das eine Menge verändern. 195  Patienten, die in einer Studie ein halbes Jahr lang mehrmals pro Woche übten, zeigten signifikant positive Effekte bezüglich Gleichgewicht und Sturzrisiko.“

 

Eine Frage der Symptomlage und der Motivation – Tai Chi ist kein Allheilmittel.

Bei Parkinson werden die Bewegungen klein und unkoordiniert, beim Tai Chi spielen weiche, großräumige, aufeinander abgestimmte Bewegungen mit Kicks, Drehungen und Schrittfolgen sowie Achtsamkeit und Konzentration eine große Rolle. „Weil Parkinson-Patienten in späteren Stadien der Krankheit Einschränkungen ihrer Gleichgewichtsleistungen erleben, versucht man hier frühzeitig mit Training entgegenzuwirken“ , weiß Frau Schroeteler. Unter den vielen Tai Chi-Stilen scheint dabei der Tai Chi Chuan Yang-Stil (lange Form) für Parkinson-Patienten besonders geeignet zu sein. Leichter betroffene Patienten profitieren dabei wie bei anderen aktivierenden Therapieansätzen. „Dass Tai Chi generell bei Parkinson hilft, kann man so aber nicht sagen“, bremst Frau Schroeteler vor zu großen Erwartungen. „Für Tai Chi braucht man einen langen Atem. Die Patienten müssen sich einlassen können und dranbleiben.“ Tai Chi ist ein komplexes Bewegungssystem. Es geht nicht um ein einzelnes Symptom, das quasi durch Bewegung weg therapiert werden soll, sondern um einen schon mehrere Jahrhunderte erprobten Weg zu innerem und äußerem Gleichgewicht. Dafür braucht man Ausdauer und Konzentration. „Tai Chi ist ein Weg, keine neue Anwendung.“

 

Durch Training die Einschränkungen bei Parkinson hinauszögern.

Parkinson-Patienten können selbst viel für bessere Koordination, Beweglichkeit und Stabilität tun. „Wir raten unseren Patienten am besten täglich zu trainieren und die motorischen Leistungen zu optimieren.“ Die begründete Hoffnung besteht, dass, wer von einem höheren Niveau aus startet, dann bei motorischen Einschränkungen länger von seinen Fähigkeiten zehren kann. Ob ein Parkinson-Patient zum Tai Chi oder anderen Ausdaueraktivitäten findet, ist letztlich nicht der entscheidende Punkt. Wichtig ist, dass er motorisch aktiv bleibt, gegen seine kleine und langsame Bewegungsdurchführung angeht, am besten mit einer Bewegungsart, die ihm wirklich Freude macht.

 

Tai Chi ist Standbein der traditionellen chinesischen Medizin.

In der Schön Klinik München Schwabing ist diese asiatische Bewegungskunst als Angebot und Erweiterung der Therapiepalette zu verstehen. „Wir betreuen unsere Patienten unterschiedlich lang stationär. Wir nützen diese Zeit um ihnen auch weiterführende Therapievorschläge für die Zeit nach ihrem Krankenhausaufenthalt zu machen. Da Parkinson immer früher diagnostiziert wird, also auch in Stadien, in denen die Patienten noch weniger Einschränkungen haben, ist es wichtig, dass wir ihnen verschiedene, individuell auf sie zugeschnittene Vorschläge machen können. Ziel ist dabei, ihre Lebensqualität positiv zu beeinflussen .“

Interessieren sich Patienten für Tai Chi, dann besuchen sie die Tai Chi-Gruppe von Frauke Schroeteler und sehen, ob das etwas für sie ist. Dort erfahren sie auch, dass Tai Chi kein Sport und keine Therapieform ist, sondern ein Standbein der chinesischen Medizin. „Die Taoisten zielten darauf, im Gleichklang mit der Natur und in ihren Kreisläufen zu leben. Durch Meditation, Atem- und Gesundheitsübungen sowie das Praktizieren von Kampfkünsten strebten sie an, in einem möglichst langen Leben zu Einsicht und Weisheit bzw. zu innerer und äußerer Balance zu gelangen. Gleichgewicht und Balance sind im Parkinsonverlauf gefährdet, ein möglicher Grund, warum  Parkinsonbetroffene durch Tai Chi profitieren können.“

 

Auch nach der Klinik weiter trainieren.

Patienten, die in der Schön Klinik München Schwabing zum Tai Chi finden, können im Anschluss an den Klinikaufenthalt weiter Tai Chi üben. Manchmal ist ein gemeinsames Training der Parkinson-Patienten mit gesunden Tai Chi-Übenden in Volkshochschulkursen oder in Tai Chi-Schulen möglich. Eigene Tai Chi-Gruppen für Parkinson-Patienten werden bislang nur vereinzelt angeboten. Ab Mai 2014 startet die Schön Klinik München Schwabing hierzu probeweise einen wöchentlichen Kurs.

„Spaß an der Bewegung ist das Wichtigste“, so die Physiotherapeutin. „Und das Wissen, aktiv etwas für sich getan zu haben.“

 

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