Parkinson. Therapie

Welche Behandlungsmöglichkeiten und Therapiemethoden gibt es?

Die Behandlungsmöglichkeiten der Parkinson-Syndrome werden von Jahr zu Jahr zunehmend komplexer. Fast jedes Jahr werden neue Medikamente für die Parkinson-Therapie zugelassen. Die Aufgabe ist es weiterhin, für jeden Patienten eine individualisierte, „maßgeschneiderte“ Therapie zu entwerfen, mit nicht-medikamentösen Inhalten wie Krankengymnastik und ggf. Stimmtherapie im Zusammenspiel mit einem fein abgestimmten Medikamentenplan als Grundpfeiler.

Wichtig: Individuelle Therapie der Parkinson-Krankheit

Gegebenenfalls können aufwändige Therapieformen wie die tiefe Hirnstimulation oder Medikamentenpumpen im weiteren Verlauf angezeigt sein. Immer wieder muss die Behandlung dem individuellen Krankheitsverlauf und den subjektiven Bedürfnissen des einzelnen Patienten angepasst werden. Nicht selten stellt sich heraus, dass bei Medikamenten "Weniger Mehr ist". Denn wenn nicht richtig indiziert, können sich besonders bei älteren Patienten, gerade "Cocktails" von Parkinson-Medikamenten negativ auswirken.

Die Therapie der Parkinson-Syndrome steht bisher im Wesentlichen auf zwei Standbeinen:

  • Pharmakotherapie
  • aktivierende Therapien aus den Bereichen
    - Physiotherapie
    - Ergotherapie
    - Stimmtherapie
    - Sprechtherapie
    - Schlucktherapie
    - sowie psychologische Verfahren.

Hinzugekommen ist die tiefe Hirnstimulation ("Hirnschrittmacher") als eine besondere Möglichkeit für viele, insbesondere die jüngeren Patienten, die erhebliche Wirkungsschwankungen während des Tages unter L-Dopa-Medikamenten erleben

Medikamentöse Therapie der Parkinson-Krankheit

Die Parkinson-Krankheit war die erste langsam fortschreitende Hirnerkrankung, bei der die zugrunde liegenden Mechanismen aufgeklärt werden konnten und eine therapeutisch hocheffektive Neurotransmittersubstitution mittels Dopamin-Ersatzstoffen möglich wurde. Damit kann bei vielen Parkinson-Patienten bei geschickter Einstellung mit den Dopamin-Ersatzstoffen eine erstaunliche Symptomverbesserung erzielt werden, so dass bei vielen Patienten die Krankheitszeichen nicht mehr sichtbar sind, bei einigen Patienten sogar eine Symptomfreiheit eintritt. Hierdurch haben sich sowohl die Lebensqualität wie die Lebenserwartung der Betroffenen wesentlich verbessert, gleichzeitig hat die moderne medikamentöse Antiparkinsontherapie neue und komplexe Probleme, etwa jene des Wirkungsschwankungen (Wirkfluktautionen, ON/OFF-Symptomatik) und überschießenden Bewegungen (Dyskinesien) unter dopaminerger Medikation, geschaffen. Viele Parkinson-Patienten sind medikamentös über- bzw. fehltherapiert. Das liegt zunächst an der mitunter schwierigen Unterscheidung der Parkinson-Krankheit von anderen Parkinson-Syndromen, so dass Patienten auf Verdacht hin mit Antiparkinsonika behandelt werden.

Welche Medikamente gibt es zur Parkinson-Therapie?

Die wichtigsten Medikamente zur Behandlung eines Parkinson-Syndroms sind die Dopaminersatzstoffe. Die teilt man folgendermaßen ein:

  • DOPA-Präparate. Die Dopamin-Vorläufersubstanz L-Dopa, die immer in fixer Kombination mit einem so genannten Decarboxylasehemmer wie Benserazid oder Carbidopa eingenommen wird, wird im Hirn zu dem fehlenden Neurotransmitter Dopamin verstoffwechselt.
  • COMT-Hemmer (Catechol-O-Methyltransferase-Hemmer)
  • MAO-Hemmer B wie Rasagilin wirken auch losgelöst von L-Dopa und könnten zudem eine verlaufsverlangsamende Wirkung auf den Krankheitsprozess haben.
  • Dopaminagonisten sind Stoffe, die das körperliche Dopamin im Hirn nachahmen. Im Gegensatz zum L-Dopa müssen Dopaminagonisten nicht erst im Hirn verstoffwechselt werden, andererseits unterscheiden sich diese künstlichen Dopaminähnlichen Stoffe von dem Original.

Zur Verfügung stehen 10 verschiedene Dopaminagonisten:

Acht dieser Dopaminagonisten werden über den Magen-Darmtrakt aufgenommen. Ein einziger Dopaminagonist, das Apomorphin, ist als Medikament zur Injektion unter die Haut (subkutan) mit einer Kugelschreiber ähnlichen Spritze und mit einer Pumpe im Handel. Solche Spritzen und Pumpen werden auch von vielen jüngeren Diabetikern schon seit langem für die Insulinbehandlung eingesetzt. Ein weiterer Dopaminagonist, das Rotigotin, gilt als das Parkinson-Pflaster, weil es das einzige Parkinson-Medikament darstellt, dass über die Haut aufgenommen wird.

Von den acht Dopaminagonisten, die über den Magen-Darmtrakt aufgenommen werden, unterscheidet man eine Gruppe, die zu den Ergot- oder Mutterkorn-Derivaten gehören und eine andere die als NON-Ergot-Derivate bezeichnet werden.

  • Nicht vorwiegend über das Dopamin-System wirkende Parkinson-Medikamente
  • Anticholinergika. Diese Medikamente, synthetische Nachfolger der ersten medikamentösen Parkinson-Therapie überhaupt, Extrakte aus den Tollkirschen, spielen heutzutage eine untergeordnete Rolle.

Außerdem sind verschiedene Medikamente für spezifische nicht-motorische Probleme des Parkinson-Syndroms zugelassen wie das atypische Neuroleptikum Clozapin für die pharmakogene Psychose und der Cholinesterasehemmer Rivastigmin für die mit einem Morbus Parkinson assoziierten Demenz. Ferner werden viele Medikamente ohne spezielle Zulassung für Parkinson-Patienten eingesetzt (so genannter off-Label Einsatz) wie etwa das Botulinumtoxin ("BOTOX") für lästigen Speichelfluss.

Apomorphin-Pumpentherapie

Die Apomorphin-Pumpentherapie hilft die Symptome bei fortgeschrittenem Parkinson zu mildern.

Medikamente bei atypischen Parkinson-Syndromen

Während bei dem Morbus Parkinson durch eine geeignete Kombination von Dopaminergika (Dopa-Präparate und Dopaminagonisten) häufig eine 100% Symptomlinderung in den ersten Jahren erreicht werden kann, ist bei Patienten mit atypischen Parkinson-Syndromen die Behandlung mit Dopaminergika meist bei weitem nicht so erfolgreich. Für Patienten mit atypischen Parkinson-Syndromen gilt häufig: Weniger ist mehr, weil die Parkinson-Medikamente sich sogar nachteilig auswirken können, indem sie den die Blutdruckregulation stören, zu Verkrampfungen (Dystonien) führen und vor allem Dingen können sie Verwirrtheitszustände auslösen. Bei einem Therapieversuch mit einem Dopa-Präparat, der alleine aus diagnostischen Gründen durchgeführt werden sollte (langsam aufsteigend über ein bis zwei Wochen bis 1000 mg Dopa in entsprechenden Handelspräparaten pro Tag verteilt auf mindestens drei Einnahmezeitpunkte), muss darauf geachtet werden, dass der Zustand nicht zusätzlich verschlechtert wird: Bei einigen Patienten mussten unter Dopaminergika bisweilen schmerzhafte unwillkürliche Muskelkrämpfe (Dystonien) in Kauf nehmen, die nach Absetzen dieser Medikamente wieder aufhören

Aktivierende Parkinson-Therapien: Physio-, Stimm-, Sprech-, Schluck-, Ergotherapie

Gemessen an den Behandlungspräferenzen der Patienten kommt den aktivierenden Verfahren ein beträchtlicher Stellenwert zu. Denn im weiteren Verlauf des Morbus Parkinson und anderer Parkinson-Syndrome kommt es in aller Regel zu Problemen bei den Funktionen Stehen, Gehen, Körperhaltung, Stimme, Sprechen und Schlucken, die durch medikamentöse Therapie und tiefer Hirnstimulation alleine kaum behandelt werden können. Es ist sogar so, dass die tiefe Hirnstimulation und Medikamente diese Funktionen dann verschlechtern, ganz zu schweigen von unerwünschten Nebenwirkungen. Traditionell wird Physiotherapie bei Parkinson-Patienten zwar am häufigsten aber noch mit unspezifischen Zielvorstellungen verschrieben. Zielsymptomatik sind vor allem alltagsrelevante Gleichgewichtsdefizite mit Fallneigung, Gangstörungen wie motorische Blockaden („Freezing“) und Festination, die häufig zu einem Verlust der Selbstständigkeit mit Heimeinweisung führen. Neue physiotherapeutischer Ansätze zielen schon auf ein Training früh im Verlauf des Morbus Parkinson mit möglichst großamplitudigen Bewegungen kombiniert mit muskulären Dehnungen

Tanzen gegen Parkinson

Wer tanzt fühlt sich gut. Wer tanzt fühlt sich fit. So steht für Patienten mit Parkinson groß ?Tanzen? auf dem Therapieplan.

Sport & Parkinson

Betroffene sollten ihren Alltag auf körperliche Aktivitäten ausrichten. Je früher man seine Fähigkeiten trainiert, desto besser können spätere Defizite ausgeglichen werden.

Parkinson & Akupunktur

Akupunktur wird in der chinesischen Medizin vor allem bei funktionellen Störungen und Schmerzerkrankungen eingesetzt. Kann Parkinson durch Akupunktur therapiert werden?

Entspannungsverfahren bei Parkinson

Durch innere Ruhe können Anspannungen gelindert werden und wirken somit positiv auf die körperliche und psychische Verfassung.

Sozialleistungen für Parkinson-Patienten

Menschen mit Morbus Parkinson haben als chronisch Kranke Anspruch auf verschiedene Sozialleistungen, beispielsweise die Befreiung von Zuzahlungen für Medikamente oder Heilmittel (wie Physio-, Ergo-, Sprach- und Schlucktherapie). Wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, können sie auch einen Schwerbehindertenausweis beantragen, der ebenfalls zu verschiedenen Begünstigungen berechtigt (z. B. beim Parken und bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel).

Spezilaisierte Kliniken

Unserer Kliniken verfügen über qualifizierte Ärzte und Therapeuten zur Behandlung der Parkinson-Krankheit.

Fachliche Betreuung

Ceballos-Baumann

Der Beitrag wird betreut durch

Prof. Dr. med. Andrés Ceballos-Baumann


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