Parkinson. Therapie

Welche Behandlungsmöglichkeiten / Therapiemethoden gibt es?

Die Behandlungsmöglichkeiten der Parkinson-Syndrome werden von Jahr zu Jahr zunehmend komplexer. Fast jedes Jahr werden neue Medikamente für die Parkinson-Therapie zugelassen. Die Aufgabe ist es weiterhin, für jeden Patienten eine individualisierte, „maßgeschneiderte“ Therapie zu entwerfen, mit nicht-medikamentösen Inhalten wie Krankengymnastik und ggf. Stimmtherapie im Zusammenspiel mit einem fein abgestimmten Medikamentenplan als Grundpfeiler.

 

Parkinson. Diagnostik, Therapie & Behandlung

Wichtig: Individuelle Therapie der Parkinson-Krankheit.

Gegebenenfalls können aufwändige Therapieformen wie die tiefe Hirnstimulation oder Medikamentenpumpen im weiteren Verlauf angezeigt sein. Immer wieder muss die Behandlung dem individuellen Krankheitsverlauf und den subjektiven Bedürfnissen des einzelnen Patienten angepasst werden. Nicht selten stellt sich heraus, dass bei Medikamenten "Weniger Mehr ist". Denn wenn nicht richtig indiziert, können sich besonders bei älteren Patienten, gerade "Cocktails" von Parkinson-Medikamenten negativ auswirken.

Die Therapie der Parkinson-Syndrome steht bisher im Wesentlichen auf zwei Standbeinen:

  • Pharmakotherapie
  • aktivierende Therapien aus den Bereichen
    - Physiotherapie
    - Ergotherapie
    - Stimmtherapie
    - Sprechtherapie
    - Schlucktherapie
    - sowie psychologische Verfahren.

Hinzugekommen ist die tiefe Hirnstimulation ("Hirnschrittmacher").

Als eine besondere Möglichkeit für viele, insbesondere die jüngeren Patienten, die erhebliche Wirkungsschwankungen während des Tages unter L-Dopa-Medikamenten erleben.

Bei Morbus Parkinson können unterschiedliche Beschwerden auftreten, die individuell therapiert werden. Lesen Sie auf den folgenden Seiten, welche diese sind und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

 

Medikamentöse Therapie bei Parkinson.

Die Parkinson-Krankheit war die erste langsam fortschreitende Hirnerkrankung, bei der die zugrunde liegenden Mechanismen aufgeklärt werden konnten und eine therapeutisch hocheffektive Neurotransmittersubstitution mittels Dopamin-Ersatzstoffen möglich wurde. Damit kann bei vielen Parkinson-Patienten bei geschickter Einstellung mit den Dopamin-Ersatzstoffen eine erstaunliche Symptomverbesserung erzielt werden, so dass bei vielen Patienten die Krankheitszeichen nicht mehr sichtbar sind, bei einigen Patienten sogar eine Symptomfreiheit eintritt. Hierdurch haben sich sowohl die Lebensqualität wie die Lebenserwartung der Betroffenen wesentlich verbessert, gleichzeitig hat die moderne medikamentöse Antiparkinsontherapie neue und komplexe Probleme, etwa jene des Wirkungsschwankungen (Wirkfluktautionen, ON/OFF-Symptomatik) und überschießenden Bewegungen (Dyskinesien) unter dopaminerger Medikation, geschaffen. Viele Parkinson-Patienten sind medikamentös über- bzw. fehltherapiert. Das liegt zunächst an der mitunter schwierigen Unterscheidung der Parkinson-Krankheit von anderen Parkinson-Syndromen, so dass Patienten auf Verdacht hin mit Antiparkinsonika behandelt werden.

 

Welche Medikamente gibt es zur Parkinson-Therapie?

Die wichtigsten Medikamente zur Behandlung eines Parkinson-Syndroms sind die Dopaminersatzstoffe. Die teilt man folgendermaßen ein:

  • DOPA-Präparate. Die Dopamin-Vorläufersubstanz L-Dopa, die immer in fixer Kombination mit einem so genannten Decarboxylasehemmer wie Benserazid oder Carbidopa eingenommen wird, wird im Hirn zu dem fehlenden Neurotransmitter Dopamin verstoffwechselt.
  • COMT-Hemmer (Catechol-O-Methyltransferase-Hemmer)
  • MAO-Hemmer B wie Rasagilin wirken auch losgelöst von L-Dopa und könnten zudem eine verlaufsverlangsamende Wirkung auf den Krankheitsprozess haben.
  • Dopaminagonisten sind Stoffe, die das körperliche Dopamin im Hirn nachahmen. Im Gegensatz zum L-Dopa müssen Dopaminagonisten nicht erst im Hirn verstoffwechselt werden, andererseits unterscheiden sich diese künstlichen Dopaminähnlichen Stoffe von dem Original.

Zur Verfügung stehen 10 verschiedene Dopaminagonisten:

Acht dieser Dopaminagonisten werden über den Magen-Darmtrakt aufgenommen. Ein einziger Dopaminagonist, das Apomorphin, ist als Medikament zur Injektion unter die Haut (subkutan) mit einer Kugelschreiber ähnlichen Spritze und mit einer Pumpe im Handel. Solche Spritzen und Pumpen werden auch von vielen jüngeren Diabetikern schon seit langem für die Insulinbehandlung eingesetzt. Ein weiterer Dopaminagonist, das Rotigotin, gilt als das Parkinson-Pflaster, weil es das einzige Parkinson-Medikament darstellt, dass über die Haut aufgenommen wird.

Von den acht Dopaminagonisten, die über den Magen-Darmtrakt aufgenommen werden, unterscheidet man eine Gruppe, die zu den Ergot- oder Mutterkorn-Derivaten gehören und eine andere die als NON-Ergot-Derivate bezeichnet werden.

  • Nicht vorwiegend über das Dopamin-System wirkende Parkinson-Medikamente
  • Anticholinergika. Diese Medikamente, synthetische Nachfolger der ersten medikamentösen Parkinson-Therapie überhaupt, Extrakte aus den Tollkirschen, spielen heutzutage eine untergeordnete Rolle.

Außerdem sind verschiedene Medikamente für spezifische nicht-motorische Probleme des Parkinson-Syndroms zugelassen wie das atypische Neuroleptikum Clozapin für die pharmakogene Psychose und der Cholinesterasehemmer Rivastigmin für die mit einem Morbus Parkinson assoziierten Demenz. Ferner werden viele Medikamente ohne spezielle Zulassung für Parkinson-Patienten eingesetzt (so genannter off-Label Einsatz) wie etwa das Botulinumtoxin ("BOTOX") für lästigen Speichelfluss.

 

Was muss ich bei der Medikamenteneinnahme beachten?

Viele Parkinson-Patienten mit Wirkungsschwankungen des L-Dopas müssen mehr als vier Mal am Tag L-Dopa-Medikamente einnehmen und versuchen sich sklavisch an vorgegebene Zeiten zu halten. Wichtiger als das genaue Einhalten dieser Zeiten für die L-Dopa-Einnahme ist aber das Umgehen eines vollen Magens. Deshalb sollten die L-Dopa-Einnahmen spätestens eine halbe Stunde vor und frühestens 90 Minuten nach einer Hauptmahlzeit erfolgen. Es lohnt sich darauf zu achten, wie Essen die Wirkung der L-Dopa-Präparate verändert und das mit dem Neurologen zu besprechen. Eiweißreiche Kost erschwert den Weg von L-Dopa in das Hirn.

 

Kreativität leben mit Parkinson

Viele erleben durch die Einnahme von Medikamenten eine neue Kreativität, die die Schön Klinik München Schwabing fördert.

Aus der Isolation in die Öffentlichkeit

 

Nebenwirkungen Medikation

Zu möglichen Nebenwirkungen von Parkinsonmedikamenten können Glückspiel, Kontrollsucht oder Fremdgehen zählen.

Nebenwirkungen Medikation

 

Medikamente bei atypischen Parkinson-Syndromen.

Während bei dem Morbus Parkinson durch eine geeignete Kombination von Dopaminergika (Dopa-Präparate und Dopaminagonisten) häufig eine 100% Symptomlinderung in den ersten Jahren erreicht werden kann, ist bei Patienten mit atypischen Parkinson-Syndromen die Behandlung mit Dopaminergika meist bei weitem nicht so erfolgreich. Für Patienten mit atypischen Parkinson-Syndromen gilt häufig: Weniger ist mehr, weil die Parkinson-Medikamente sich sogar nachteilig auswirken können, indem sie den die Blutdruckregulation stören, zu Verkrampfungen (Dystonien) führen und vor allem Dingen können sie Verwirrtheitszustände auslösen. Bei einem Therapieversuch mit einem Dopa-Präparat, der alleine aus diagnostischen Gründen durchgeführt werden sollte (langsam aufsteigend über ein bis zwei Wochen bis 1000 mg Dopa in entsprechenden Handelspräparaten pro Tag verteilt auf mindestens drei Einnahmezeitpunkte), muss darauf geachtet werden, dass der Zustand nicht zusätzlich verschlechtert wird: Bei einigen Patienten mussten unter Dopaminergika bisweilen schmerzhafte unwillkürliche Muskelkrämpfe (Dystonien) in Kauf nehmen, die nach Absetzen dieser Medikamente wieder aufhören

 

Anti-Freezing-Therapie bei Gangblockaden.

Wie festgefroren am Boden…

Simple Zebrastreifen können für Parkinson-Patienten ein großes Hindernis darstellen.

Simple Zebrastreifen können für Parkinson-Patienten ein großes Hindernis darstellen.

Die Ampel springt auf grün aber der Mann, der kurz zuvor noch flüssig auf den Fußgängerweg zulief, bleibt wie festgefroren stehen. Er bewegt sich keinen Schritt von der Stelle. Dann springt die Ampel wieder auf rot. Der Mann steht immer noch wie versteinert an der gleichen Stelle.

Momente wie dieser kommen im Leben von Parkinson-Patienten immer wieder vor. Unter Stress, bei Drehungen oder nach längerem Stehen verharren Sie in ihren Bewegungen als seien sie eingefroren – Freezing wird dieses Phänomen in Fachkreisen entsprechend betitelt. An der Schön Klinik München Schwabing, spezialisiert auf die Behandlung von Parkinson-Patienten, wurde entsprechend ein spezielles Training entwickelt: Hier lernen die Patienten, mit solchen Freezing-Momenten umzugehen und den Zustand zu überwinden. 

 

Was bedeutet Freezing bei Parkinson?

Das sogenannte Freezing ist eine Gangstörung, mit der früher oder später jeder Parkinson-Patient zu tun bekommt. Der flüssige Gang stockt mit einem Mal. Mit reinem Willen ist der Gang kurzfristig, häufig nur für kurze Augenblicke, nicht mehr steuerbar; die Patienten beschreiben das Gefühl, als wären sie mit den Füßen am Boden festgeklebt.
Manchmal stehen diese Gangblockaden im Zusammenhang mit der Parkinson-Medikation, manchmal mit der tiefen Hirnstimulation. In jedem Fall muss der Patient lernen, mit Freezing-Momenten umzugehen, sonst führt die Bewegungsstarre in die persönliche Isolation. Wenn Patienten anfangen, die klassischen Freezing-Situationen zu vermeiden, können sie irgendwann nur noch in ihrer sicheren, gewohnten Umgebung bleiben. Sie schränken ihren Radius also stark ein und verlieren an Beweglichkeit und Lebensqualität. 

 

Das Münchner Anti-Freezing-Training – MAFT.

„Wenn ein Patient mit Freezing zu uns kommt, versuchen wir zunächst, die Medikation zu optimieren,“ erklärt Prof. Dr. Andrés Ceballos-Baumann, Chefarzt der Neurologie und Klinischen Neurophysiologie an der Schön Klinik München Schwabing. Kommen die Mediziner hier nicht weiter, dann geht es weiter zur Physiotherapie und zum MAFT – dem Münchner Anti-Freezing Training. Das Training für Parkinson-Patienten wurde in langjähriger Arbeit von Prof. Dr. Andrés Ceballos-Baumann, Dr. Urban Fietzek und den Physiotherapeutinnen Kerstin Ziegler und Frauke Schroeteler entwickelt und wird weiter optimiert. 

 

Auf der Suche nach dem Auslöser.

Verschiedene Tests werden in der Klinik durchgeführt, um den Freezing-Auslöser zu identifizieren.

Verschiedene Tests werden in der Klinik durchgeführt, um den Freezing-Auslöser zu identifizieren.

Im Münchner Anti-Freezing-Training geht es darum, gemeinsam mit dem Patienten herauszufinden, wann es bei ihm zum Freezing kommt und wie er es am besten überwindet. Patienten, bei denen diese „Festklebmomente“ im Alltag regelmäßig auftreten, werden, bevor das eigentliche Training losgeht, ausführlich getestet. Dafür muss das Freezing unter klinischen Bedingungen zuerst einmal provoziert werden. Entsprechend durchlaufen die Patienten einen Parcours mit klassischen Freezing-Situationen: Sie stehen von einem Stuhl auf, gehen über einen gemusterten Boden, drehen sich um die eigene Achse, wenden mehrmals, durchschreiten eine Tür und kommen zurück zum Ausgangspunkt.
Wenn der Hindernislauf ohne Störung geschafft ist, wird der Stresslevel des Patienten erhöht. Schließlich sind auch im Alltag Aufregung und Tagesform Komponenten, die eine Gangblockade auslösen. In einer zweiten Testrunde bekommt der Patient deshalb ein Tablett mit einem Glas Wasser in die Hand, in der dritten löst er nebenher noch eine Rechenaufgabe. 

 

Durch den Test zur individuellen Parkinson-Therapie.

Der Hindernislauf mit seinen unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen wird gefilmt und analysiert. Gemeinsam mit dem Patienten sehen sich Physiotherapeut und Arzt in der Schön Klinik München Schwabing den Test an und untersuchen, in welchen Situationen der Patient alleine nicht weiterkommt. „Diese Situationen werden im Folgenden gezielt trainiert,“ erklärt Prof. Ceballos-Baumann. „Wenn Drehungen die Blockade auslösen, dann üben wir gemeinsam immer wieder Wendeschritte und erarbeiten mit dem Patienten Strategien, wie er mit seinem Handicap zurechtkommt.“

So individuell, wie die Auslöser, sind auch die Mittel mit denen die Patienten lernen, ihr Freezing zu überwinden. Manchmal geht es darum, den eigenen Körper ein wenig auszutricksen und – zum Beispiel mit verschiedenen Hinweisreizen – von dem eigentlichen Problem abzulenken. Dafür stehen Therapeuten und Patient verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung. Im Training kommen zum Beispiel Laserpointer und Metronome zum Einsatz. Reagiert der Patient vor allem auf visuelle Hinweisreize, dann kann er mit dem Laserpointer einen Punkt vor sich werfen, auf den er seine Schritte setzt. Das macht er so lange, bis er wieder normal und ohne Hilfe weitergehen kann. Andere Patienten nutzen ein Metronom mit Kopfhörer als auditorisches Hilfsmittel und marschieren so nach einem selbst gewählten Taktgeber.

 

Trainieren, trainieren, trainieren.

Die Überquerung einer Ampel stellt nach dem Training kein Problem mehr dar.

Die Überquerung einer Ampel stellt nach dem Training kein Problem mehr dar.

Ist die schwierige Situation identifiziert und der richtige Hinweisreiz gefunden, dann wird geübt; zuerst in den Klinikräumen, dann auf der Straße. Bei Patienten mit klassischen „Anlasserproblemen“ wird an der Ampel vor dem Klinikgelände trainiert. Am Trainingsanfang kommt das Hilfsmittel zum Einsatz, später soll es auch ohne gehen. „Ein Patient, der in Ampelsituationen „freezt", wird nicht unter Zeitdruck den Laserpointer zücken und damit in der kurzen Grünphase die Straße überqueren. Wir helfen Patienten dabei, sich ohne Aufwand mental einen Klaps zu geben,“ erklärt Prof. Ceballos-Baumann. Manche Patienten kneifen sich in den Oberschenkel und können weitergehen, andere zählen leise die eigenen Schritte. Einmal erlebte Prof. Ceballos-Baumann einen Patienten, der in Freezing-Momenten ein Taschentuch fallen ließ. „Er trat kurz dagegen und konnte dann ganz normal seinen Weg fortsetzen.“ Manche Patienten finden durch das Training entsprechend zu ihrer ganz eigenen Lösung.

 

Wie beim Sport: nur regelmäßiges Training wirkt.

Wie bei jedem Training, so ist es auch beim Münchner Anti-Freezing-Training: Es geht nicht nur darum, dass dem Patienten die richtigen Übungen gezeigt werden – nein, er muss selbst auch dranbleiben. „Die Übungen funktionieren wie Medikamente; wenn man sie absetzt, dann lässt die Wirkung nach,“ weiß der Chefarzt und Parkinson-Experte. Der Patient übt also im besten Falle alleine weiter: Zuhause und auf der Straße, mit Metronom und Laserpointer und ohne. Das hält ihn mobil, verschafft ihm eine größere Selbstverständlichkeit in „seiner“ Problemsituation und reduziert vor allem auch den freezingauslösenden Stress. „Es funktioniert!“, so Prof. Ceballos-Baumann.

 

Welche Hilfsmittel gibt es bei Gangblockaden?

 

"Anti-Freezing-Stock".

Mit dem Anti-Freezing-Stock können Bewegungsblockaden unterbunden werden.

Mit dem Anti-Freezing-Stock können Bewegungsblockaden unterbunden werden.

Der so genannte „Anti-Freezing-Stock“ ist ein Gehstock mit einer kleinen Lasche am Griff. Tritt das Freezing auf, setzt man den Stock vor sich und betätigt durch eine leichte Beugung der Finger die Lasche. Daraufhin klappt am unteren Ende des Stockes eine kleine Barriere hervor, auf die man sich konzentrieren kann („drüber steigen“), um den nächsten Schritt auszulösen.

 

E-Health: Therapie mit Wii und Smartphone.

Wie die virtuelle und technische Realität in die Therapie einfließt.

Mit Wii Fit trainieren die Patienten ihr Gleichgewichtsgefühl.

Mit Wii Fit trainieren die Patienten ihr Gleichgewichtsgefühl.

Bowling, Tennis spielen, Autorennen. In vielen Haushalten sorgen sie für Spaß und gute Laune, sei es alleine, zu zweit oder gleich mit mehreren Personen zusammen: Die Rede ist von Spielekonsolen und Computerspielen. Was aber bisher nur als reine Freizeitbeschäftigung gesehen wurde, hält immer mehr Einzug in die Therapie. Da heißt es dann Fische fangen, Kugelballett oder Slalom fahren.

Bei Parkinson ist die Gehfähigkeit der Betroffenen eingeschränkt. Verminderte Schrittlänge, langsames Gehtempo und der plötzliche Stopp der Bewegung, das sogenannte Freezing,  beeinträchtigen die Lebensqualität. Hier kommt unsere virtuelle und vernetzte Welt ins Spiel, die diese Beeinträchtigungen durch akustische und visuelle Signale regulieren könnte.

 

Das Smartphone als therapeutische Hilfe für zu Hause.

In einem internationalen Projekt wurden tragbare Sensoren entwickelt, die verschiedene Gangparameter, wie z.B. die Schrittlänge, erfassen. Über eine Bluetoothverbindung werden diese Informationen an das eigene Smartphone gesendet. Stellte ein spezielles  Programm, das auf dem Smartphone abgespeichert wurde, fest, dass der Proband vom normalen Gangbild abweicht, erhielt der Parkinson-Patient sofort Feedback mit der Aufforderung, z.B. die Schrittlänge zu erweitern. Auch Freezing-Momente erfassen die Sensoren und schalten automatisch akustische Signale ein, um die Blockade zu überwinden. Am Ende einer Einheit und im Gesamtverlauf erhalten die Parkinson-Patienten Feedback über ihre Leistung. Wie hoch war die Geschwindigkeit? Wie viele Freezing-Episoden und mit welcher Dauer etc.? Die Pilotversuche waren sehr vielversprechend, nun wird an größeren Patientengruppen weiter getestet. Die Zukunftsvision ist,  Patienten mit dem Smartphone ein individuelles und motivierendes Gehtraining für das häusliche Umfeld anbieten zu können.

 

Unterwegs in der virtuellen Realität.

Der Patient steuert die Figur durch seine eigenen Bewegungen.

Der Patient steuert die Figur durch seine eigenen Bewegungen.

Das digitale Spiel (z.B. Wii Fit oder Kinect Adventure) startet. Auf dem Bildschirm sieht man eine Figur, die Gegenstände befördern soll. Der Spieler steuert die Figur durch seine Bewegungen. Sensoren übertragen die Bewegungen des Spielers auf die Figur und diese führt sie in Echtzeit aus. Was einfach klingt, ist für Parkinson-Patienten keine leichte Übung. Dennoch haben die Patienten Spaß an dem Spiel und können ihre Leistungssteigerung am Bildschirm verfolgen.

 

Schaffe ich einen höheren Score? Spielekonsolen spornen zu größeren Leistungen und Verbesserungen an.

Schaffe ich einen höheren Score? Spielekonsolen spornen zu größeren Leistungen und Verbesserungen an.

„Kognitive Beteiligung, insbesondere Aufmerksamkeit, Konzentration und Motivation sind wichtige Voraussetzungen für das Lernen und werden bei unseren Patienten durch das digitale Spiel besonders angesprochen“, führt Kerstin Ziegler aus, Physiotherapeutin und Mitglied der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe „aktivierende Therapien bei Parkinsonsyndromen“ (Leitung Prof. Dr. Ceballos-Baumann)  der Schön Klinik München Schwabing. Der Bewegungsverlauf wird  durch die sich bewegende Figur dargestellt oder als Score am Ende des Spiels als Bewegungsergebnis zurück gemeldet. Durch die Kombination aus Feedback und Instruktionen können Patienten ihr Bewegungsmuster korrigieren. Zudem könnten diese Spiele das motorische Lernen fördern.

 

Zeit für V-Time: Kinect Xbox als Bewegungstrainer.

Man geht entspannt im Park spazieren. Vögel zwitschern und fliegen umher. Plötzlich liegt eine Pfütze vor einem. Was nun? Eine Szene, die alltäglich ist, tatsächlich aber nur virtuell passiert. Mithilfe der Kinect Xbox wird die Bewegung des Patienten erfasst. Die Kamera zeichnet über Sensoren, die sich am Schuhrücken befinden, die Fußbewegung während des Gehens auf. Der Patient befindet sich dabei die ganze Zeit auf einem Laufband. Die Bewegungen auf dem Laufband werden in die Simulation übertragen und auf einen großen Bildschirm projiziert. Der Patient sieht auf dem Bildschirm seine „eigenen“ Füße in einer virtuellen Umgebung.

Welche Simulation gezeigt wird und auch der Schwierigkeitsgrad hängt vom Können des Patienten ab. In der Simulation stehen zwei Umgebungen zur Verfügung: der Park oder die Stadt. Zusätzlich können Hindernisse eingespielt werden wie Pfützen, Müll oder Schlaglöcher, die überstiegen werden müssen. Ein weiterer zusätzlicher Schwierigkeitsfaktor sind bewegte Objekte, wie Vögel oder Autos, unterschiedliche Lichtverhältnisse und Geräusche. Alles Faktoren, die einen Einfluss auf Schrittlänge, Gehtempo und Gehstrecke haben. Während des Trainings müssen Parkinson-Patienten ihre Schritte in Höhe und Länge anpassen. Die Patienten erhalten dabei ständig Feedback, ob sie ihre Aufgabe erfolgreich durchführen. In einer Pilotstudie konnte die Effektivität des Trainings bereits nachgewiesen werden. Selbst vier Wochen danach blieben die Ergebnisse erhalten und steigerten sich sogar noch, so dass nun an einer großen Gruppe von 300 Patienten in mehreren Kliniken weiter getestet wird.

 

Unsere Patienten haben Spaß und es hilft ihnen.

Geschafft. Große Freude beim Patienten und dem Physiotherapeuten über das erfolgreiche Level.

Geschafft. Große Freude beim Patienten und dem Physiotherapeuten über das erfolgreiche Level.

Motivation und Freude sind wichtige Voraussetzungen, um aktiv gegen die Parkinson-Krankheit anzugehen. Positives Feedback gibt den Patienten ein Erfolgsgefühl und unterstützt so den Belohnungseffekt beim Lernen. Dadurch wird dann wiederum die Motivation gesteigert. „Unserer Erfahrung nach ist die Nintendo Wii bei leicht betroffenen Patienten gut einsetzbar und sehr beliebt. Patienten schätzen es, etwas zu tun, was nicht primär mit ihrer Krankheit assoziiert wird“, so Frau Ziegler. Der Lerneffekt wird durch den Spaß am Spiel unterstützt. Bei einigen Spielen erhalten die Patienten am Ende einen Score, den sie beim nächsten Training übertreffen möchten.

 

Tanztherapie bei Parkinson.

Wer tanzt, fühlt sich gut.

Für Patienten mit Parkinson steht „Tanzen“ groß auf dem Therapieplan.

Für Patienten mit Parkinson steht „Tanzen“ groß auf dem Therapieplan.

Wer tanzt, fühlt sich fit. Wer tanzt, bewegt sich gerne - sogar locker und leicht im Rhythmus der Musik. Wenn aber jede Bewegung krankheitsbedingt beschwerlicher wird, die Schritte immer kleiner werden, die Motorik nicht mehr will, dann ist es schwer, für Bewegung zu begeistern. So bei vielen Patienten mit Parkinson.
Die Lösung: Tanzen auf Rezept. Für Parkinson-Patienten der Schön Klinik München Schwabing steht Tanzen bereits fest im Therapieplan. „Für die Patienten ein enormer Gewinn“, berichten die Ergotherapeutinnen Hildegard Wansorra und Wiebke Renzi.

 

Tanzen auf Rezept.

 „Gerade weil das Tanzen und die Bewegung zur Musik so viel Spaß macht, kommen die meisten Patienten sehr gerne und immer wieder zur Tanzstunde“, beobachten Hildegard Wansorra und Wiebke Renzi. Auch die Fortschritte ihrer Patienten haben sie fest im Blick – kurz- und langfristig werden sie wieder mobiler.
Tango-, Walzer- oder Foxtrott verbessern die Balance, Gehgeschwindigkeit und Schrittlänge von Parkinson-Patienten. So das Ergebnis einer Studie der Universität Freiburg. Einzig und allein beim Tango zeigte sich jedoch ein weiterer positiver Effekt: Patienten, die krankheitsbedingt mitten in ihrer Bewegung erstarren oder „einfrieren“ (so genanntes Freezing), schafften es auch einmal sich im Fluss der Musik ohne Stocken oder innehalten zu bewegen. Der Tango hat es also in sich.

 

Warum Tanzen wichtig ist.

Warum gerade Tanzen bei Parkinson-Patienten so positive Effekte zeigt, haben bereits weitere Studien untersucht. Wichtig für Parkinson-Patienten sind demnach vor allem die Hinweisreize. Unterstützung der Bewegung durch Musik. Kontakt mit einem Partner und Beobachten der Bewegungen anderer. Wer sich die Tanzschritte im Kopf bereits vorstellen kann, in Bewegungsmustern denkt, der kann sich viel besser bewegen. 1-2-3-4  – beim Tanzen ist der Kopf dem Körper ein wenig voraus.
Die positiven Eigenschaften von Tanz und Musik werden aber nicht nur in der Therapie für Parkinson-Patienten genutzt. In vielen medizinischen Bereichen wird sich bereits nach Musik bewegt:  in der Psychiatrie, Psychosomatik, Onkologie, Neurologie und Kardiologie. Denn wenn der Rhythmus ins Blut geht, trainiert sich auch die Ausdauer viel besser. Und wie die Frühlingssonne kitzelt der Tanz die Lebensfreude wieder wach.

 

Tanzkurse in den Kliniken.

Zwei unserer renommierten Parkinson-Fachkliniken, die Schön Klinik München Schwabing und die Schön Klinik Neustadt, bieten für ihre Patienten spezielle Tanzkurse an.

 

Gruppenkurse im Überblick.

Klinik Tanzgruppe Tag Uhrzeit
Schön Klinik München Schwabing Standtanz (für Patienten) jeden Dienstag 14:00 - 15:00 Uhr
  Sitztanz (für Patienten) jeden Mittwoch 14:00 - 15:00 Uhr
Schön Klinik Neustadt   dienstags 14-tägig 17:00 - 18:00 Uhr
Klinik Schön Klinik München Schwabing Tanzgruppe Standtanz (für Patienten) Tag jeden Dienstag Uhrzeit 14:00 - 15:00 Uhr
Tanzgruppe Sitztanz (für Patienten) Tag jeden Mittwoch Uhrzeit 14:00 - 15:00 Uhr
Klinik Schön Klinik Neustadt Tag dienstags 14-tägig Uhrzeit 17:00 - 18:00 Uhr

Ambulante videounterstützte Parkinsontherapie.

Die Kamera wird zu Hause installiert und überwacht die Bewegungen.

Die Kamera wird zu Hause installiert und überwacht die Bewegungen.

Mit Hilfe der ambulanten videounterstützten Parkinsontherapie kann die Behandlung beim Patienten teilweise zu Hause erfolgen. Die ambulante Therapie ermöglicht es, mit Hilfe von Videoaufnahmen Veränderungen im Zustandsbild der Beweglichkeit über den Tag zu beobachten. Der behandelnde Arzt erhält so ein objektives Bild vom tatsächlichen Grad und Art der Behinderung seines Patienten im täglichen Umfeld zu Hause.

 

Wie funktioniert die Therapie?

Für die Dauer der Therapie erhält der Patient zu Hause eine Beobachtungseinheit mit einer Kamera und einem Drucker.
Zu festgelegten Zeiten und nach Bedarf setzt sich der Patient vor die Kamera und löst eine Videaufnahme aus, um seine aktuelle Befindlichkeit für seinen Arzt zu dokumentieren. Eine Aufnahme dauert zwei Minuten.
Die Dateien werden nachts über die Telefonleitung an den Arzt übermittelt, es entstehen für den Patienten dabei keine Telefonkosten.
Der Arzt befundet dann die Aufnahmen. Ein spezielles Programm erleichtert dem Arzt dabei die Befundung der Videaufnahmen und erlaubt direkte Vergleiche innerhalb des Behandlungsverlaufes.

Sollten Änderungen in der Therapie notwendig sein, so werden sie mit dem Patienten telefonisch besprochen. Der Patient kann sich zu Hause die aktuelle Medikation, geplante Änderungen sowie Mitteilungen seines behandelnden Arztes über einen an der Beobachtugseinheit angeschlossenen Drucker ausgeben.
Das Therapieprogramm bietet zusätzlich speziell auf den Patienten zugeschnittene, krankengymnastische Übungsmodule. die vom behandelnden Arzt je nach Stadium der Erkrankung zugeordnet werden.

 

Rücken- und Gelenkprobleme bei Parkinson.

Frühzeitige interdisziplinäre Behandlung kann Beschwerden deutlich mindern.

Rückenschmerzen sind auch bei Parkinson typische Beschwerden.

Rückenschmerzen sind auch bei Parkinson typische Beschwerden.

Oft leiden die Patienten schon im Frühstadium und verstärkt im weiteren Verlauf der Erkrankung unter orthopädischen Problemen, insbesondere unter Rücken- und Gelenkbeschwerden. Eine frühzeitige Therapie durch Experten aus verschiedenen medizinischen Fachdisziplinen kann Beschwerden mindern und orthopädische Operationen vermeiden oder zumindest verzögern. Drei Experten der Schön Klinik Neustadt erläutern, wie Betroffene von dieser Zusammenarbeit profitieren: Dr. Uwe Jahnke, Chefarzt der Klinik für Neurologie und Klinische Neurophysiologie, Prof. Dr. Markus Quante, Chefarzt der Klinik für Wirbelsäulenchirurgie, sowie Dr. Karl Christian Westphal, Chefarzt der Klinik für Orthopädie.

 

Wieso leiden Parkinson-Patienten häufig an Rücken- und Gelenkbeschwerden?

Dr. Jahnke: Die Erkrankung schädigt das zentrale Nervensystem. In der Folge entwickeln die Betroffenen typische Symptome wie eine Versteifung der Muskeln, den so genannten Rigor, ein Zittern der Extremitäten, Tremor genannt, Bewegungsverlangsamungen oder auch Gangunsicherheiten aufgrund von Reflexstörungen. Schon in der Frühphase leiden Parkinson-Patienten infolge der damit einhergehenden Bewegungseinschränkungen oft an einseitigen Schulter- oder Rückenschmerzen. Diese und andere orthopädische Probleme nehmen im Zeitverlauf deutlich zu und führen dann zu irreversiblen Gelenk-  oder Rückenschädigungen. Durch eine rechtzeitige optimale neurologische und krankengymnastische Therapie lassen sich diese oftmals verhindern.

 

Warum ist eine frühzeitige interdisziplinäre Behandlung so wichtig?

Prof. Quante: Parkinson ist zwar nach wie vor nicht heilbar, dennoch haben Betroffene heute aufgrund verbesserter medikamentöser und anderer Therapien die gleiche Lebenserwartung wie gesunde Menschen. Ziel jeder Behandlung ist es, die Lebensqualität der Patienten so lange wie möglich auf hohem Niveau zu erhalten. Dazu gehört, neben anderen körperlichen, psychischen und kognitiven Therapien, auch Schädigungen am Bewegungsapparat durch Fehlhaltungen und Fehlbelastungen zu minimieren. In der Schön Klinik Neustadt werden Parkinson-Patienten deshalb von Beginn an von einem interdisziplinären Expertenteam behandelt, in dem Neurologen, Orthopäden und Wirbelsäulenchirurgen gemeinsam die für den jeweiligen Patienten optimale Therapie erarbeiten, mit dem Ziel, eine Operation gänzlich oder zumindest so lange wie möglich zu vermeiden.

 

Und wenn eine orthopädische Operation nicht zu vermeiden ist?

Dr. Westphal: Wenn die medikamentöse Einstellung, neurologische und konservative orthopädische Therapien beziehungsweise spezifische wirbelsäulenchirurgische Behandlungen ausgeschöpft sind und dennoch keine ausreichende Beschwerdefreiheit für den Patienten erreicht wurde, dann kann ein operativer Eingriff sinnvoll sein. Auch hierbei ist die Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Disziplinen – von der optimalen, präoperativen medikamentösen Einstellung über den operativen Eingriff selbst bis hin zur anschließenden Rehabilitation – entscheidend für einen nachhaltigen Therapieerfolg. Neun von zehn Parkinson-Betroffenen können übrigens, wie andere endoprothetische Patienten auch, nach einer Gelenkersatz-Operation am Schön Klinik Endo Aktiv-Programm teilnehmen: Das heißt, sie werden noch am Tag der Operation mobilisiert und kommen so im wahren Wortsinn wieder schneller auf die Beine.

 

Kamptokormie.

Vorübergebeugte Körperhaltung bei Parkinsonpatienten ist behandelbar!

Bei einer Kamptokormie sinkt der Oberkörper nach vorne.

Bei einer Kamptokormie sinkt der Oberkörper nach vorne.

Wenn ein Parkinsonpatient Rückenschmerzen bekommt, nimmt er das zunächst oft nicht besonders ernst. Das sollte er aber. Denn werden die Schmerzen stärker und der Rücken beginnt sich zu wölben, dann ist Eile geboten! Innerhalb weniger Monate kann es sonst passieren, dass der Oberkörper des Patienten stark nach vorne sinkt. Kamptokormie heißt dieses Symptom, das zum Glück nur bei wenigen Patienten auftritt und aus einem aufrechten Parkinsonpatienten einen Pflegefall machen kann.

„Lange galt Kamptokormie als unheilbar,“ weiß Dr. Uwe Jahnke, Chefarzt für Neurologie und klinische Neurophysiologie der Schön Klinik Neustadt. „Tatsächlich wissen wir heute, dass viele Fälle von Kamptokormie durchaus behandelbar sind, wenn wir früh genug ansetzen.“ Vor allem Wassergymnastik verschafft vielen Betroffenen wieder Linderung.

 

Wenn der Rücken nach vorne kippt.

Je weiter die Beugung voranschreitet, desto mehr werden wichtige Funktionen eingeschränkt.

Je weiter die Beugung voranschreitet, desto mehr werden wichtige Funktionen eingeschränkt.

Ein Buckel ist im Grunde nichts schlimmes, eine Kamptokormie im schwierigen Verlauf schon. „Meist beginnt die Beugung recht sachte“, erklärt Chefarzt Dr. Uwe Jahnke. „Die Patienten sind anfangs vor allem insofern beeinträchtigt, als sie immer schlechter nach vorne sehen können. Das stört und stigmatisiert, ist aber noch nicht die schlimmste Begleiterscheinung der Beugung.“

Sinkt der Rücken immer stärker nach vorne, dann wird die gesamte Rückenmuskulatur in Mitleidenschaft gezogen, Wirbelkörper können brechen, der Darm wird gequetscht und in seiner Tätigkeit behindert und die Patienten bekommen immer schlechter Luft. „In relativ kurzer Zeit kann so aus einem recht fitten Parkinsonpatienten ein Pflegefall werden!“ weiß Dr. Jahnke aus Erfahrung.

 

Den Ursachen auf der Spur.

Woher die Beugung kommt und wer die etwa zwei Prozent der Parkinsonpatienten sind, die davon betroffen sind, ist bis heute nicht zuverlässig erforscht. „Es gibt deutliche Hinweise, dass es zwei Sonderformen der Kamptokormie gibt,“ so Dr. Jahnke. Die eine liegt im Rigor, der parkinsontypischen Steifheit, begründet und gilt als recht gut behandelbar. Die andere Form hängt mit einer Dystonie, einer Blockierung und Verkrampfung der Muskulatur, zusammen und ist deutlich schwerer zu behandeln. Hinzu kommt, dass manche Parkinsonmedikamente im Verdacht stehen, eine Dystonie zu begünstigen.

 

Der Weg zum aufrechten Gang: Physiotherapie und Nordic Walking.

Verschiedene Übungen, die den Rücken aufrichten, gehören zum Trainingsprogramm.

Verschiedene Übungen, die den Rücken aufrichten, gehören zum Trainingsprogramm.

Wenn Dr. Jahnke und seine Kollegen erste Anzeichen einer Beugung entdecken, dann wird zunächst einmal die Medikation umgestellt. Gleichzeitig kommt der Patient in physiotherapeutische Behandlung. Übungen, mit denen die Rückenmuskulatur gestärkt wird, gehören zum Trainingsprogramm. Mithilfe des Trainings soll und kann der Patient wieder aufgerichtet werden. Auch das Gehen am aufrechten Gehwagen verspricht gute Erfolge. Wer noch fitter ist, wird beim Nordic Walking gestärkt.

 

Erstaunliche Therapieerfolge durch Wassergymnastik.

Im Wasser nehmen die Patienten wieder eine aufrechte Haltung ein.

Im Wasser nehmen die Patienten wieder eine aufrechte Haltung ein.

Patienten der Schön Klinik Neustadt mit drohender Kamptokormie kommen zudem in den Genuss einer Wassergymnastik. „Das Erstaunliche ist, dass sich die Muskelverkrampfung im Wasser fast vollständig löst,“ berichtet Dr. Jahnke. Selbst Patienten, die sich kaum noch aufrichten können, stehen im Schwimmbad plötzlich gerade und können die aufrechte Haltung danach, je nach Zustand der Muskulatur, auch noch eine Weile halten.

Wassergymnastik ist deshalb ein sehr wichtiger Bestandteil der Therapie. „Wenn wir eine beginnende Kamptokormie früh erkennen und mit den Patienten arbeiten, dann kann man sehr viel erreichen. Letztlich entscheiden der Zeitpunkt und das Training darüber, ob ein Patient in kurzer Zeit ein Pflegefall wird oder ob er selbstständig weiterleben kann.“

Dass gezieltes Training auch noch bei schwierigen Fällen viel bewirken kann, sieht Dr. Jahnke immer wieder an einer Patientin, die mit einer starken Beugung zu ihm kam und durch tägliches Rückentraining eine Aufrichtung geschafft hat – mit 80 Jahren. Zuhause bewegt sich die betagte Dame heute frei, für Ausflüge nutzt sie einen hohen Gehwagen.

 

Ärzte und Patienten für Behandlung von Kamptokormie sensibilisieren.

Wenn Wassergymnastik und Physiotherapie Menschen vor der Pflegebedürftigkeit bewahren kann, warum gibt es dann trotzdem schwere Verläufe durch Verschleppung?

„Die Patienten sind oft nicht sensibilisiert und viele behandelnde Ärzte denken immer noch, man könne eh nichts machen,“ erklärt der Parkinson-Spezialist Dr. Jahnke. Um das zu ändern, reist er immer wieder durch die Republik und hält Vorträge vor Neurologen und Parkinsonpatienten sowie Angehörigen. Dabei geht es ihm zum Einen um die Früherkennung der Kamptokormie und zum Anderen darum, unnötige und sogar gefährliche Operationen zu verhindern.

 

Viele Operationen sind nicht notwendig.

Kommt ein Patient mit seiner Beugung zum Orthopäden oder zum Wirbelsäulenchirurgen, kann es passieren, dass operiert wird. „Bei Kamptokormie eines Parkinsonpatienten ist das fast immer ein Fehler!“ warnt Dr. Jahnke. Denn wird die Wirbelsäule versteift, dann tritt die Beugung wenig später an einer anderen Stelle wieder auf. Manchmal passiert es auch, dass die Verkrampfung sich ihren Weg sucht und Titanschrauben und -stäbe brechen lässt – ein sonst äußerst selten beobachtetes Phänomen.

 

Wenn Operation, dann durch Spezialisten!

„Wenn überhaupt operiert wird, dann müssen das absolute Spezialisten machen – und zwar aus beiden Fächern, den Wirbelsäulenchirurgen mit Unterstützung der spezialisierten Neurologen,“ so Dr. Jahnke. Entsprechend wurde an der Schön Klinik in Neustadt über viele Jahre eine Operationstechnik zur Komplettversteifung von Parkinsonpatienten entwickelt, bei der interdisziplinär Hand in Hand zusammengearbeitet wird. Für Patienten, bei denen mit Training nichts mehr erreicht werden kann, ist diese Technik eine sinnvolle Lösung. Der Rücken wird wieder gerade und die Patienten sind vor allem schmerzfrei. Die meisten anderen aber sollten möglichst nicht operiert, sondern trainiert werden – und zwar rechtzeitig!

 

Tremor, Gleichgewichtsstörungen.

Das Problem des Tremor

Immer wieder finden sich Patienten, die über Jahre Dopaminersatzstoffe einnehmen, obwohl sie nicht an einem Parkinson-Syndrom leiden, sondern an der häufigsten Bewegungsstörung überhaupt, dem essentiellen Tremor.

Das ist bei Patienten mit problematischem nicht auf Medikamente ansprechenden Tremor zu berücksichtigen, genauso wie die Tatsache, dass Parkinson-Patienten zusätzlich an einem essentiellen Tremor leiden können. Beta-Blocker können analog zum essentiellen Tremor bei affektiver Bahnung des Tremors versucht werden. Die Behandlung besteht in einer geeigneten Zusammenstellung und Dosierung der Parkinson-Medikamente.

Andere Arzneimittel wie bestimmte Betablocker und Mittel gegen Anfallsleiden können versucht werden. Die tiefe Hirnstimulation ist dann bei entsprechendem Leidensdruck nach erfolgreicher Durchführung eine Hilfe.

 

Gefährlich: Gleichgewichtsstörungen und Stürze

Die häufigsten Frakturen sind Schenkelhalsfrakturen. Bei allen sturzgefährdeten Patienten sollte die Medikation überprüft werden, da hier häufig eine Ursache zu finden ist.

Mit Hilfe eines Hausbesuchs (Sozialdienste, Ergo-/ Physiotherapie) sollte darauf geachtet werden, die Verletzungsmöglichkeiten in der häuslichen Umgebung so gering wie möglich zu halten (Kanten polstern, Engpässe vermeiden, Türschwellen beseitigen, etc.). Es sollten auch Umbaumaßnahmen und eine Hilfsmittelversorgung, z. B. mit einem Rollator oder die Indikation für Hüft- bzw. Kopfprotektoren besprochen werden.

Das Training von Schutzschritten durch Gleichgewicht destabilisierende Reize („Schupstrning“) kann in einem Zeitraum von zwei Wochen mit einer Trainingsfrequenz von zwei mal zwanzig Minuten pro Tag die Länge des ersten Schutzschrittes vergrößern. Apparategestützte Verfahren wie Laufbandtraining und Ganzkörpervibrationen führen lediglich zu kurzfristigen Verbesserungen von Gang- und Gleichgewichtsparametern. 

 

Stimm- und Sprechstörungen

Sprechen und Stimmbildung können bei der Parkinson-Krankheit ausgeprägt verändert sein. Bei vielen Patienten wird die Stimme leise, verliert an emotionaler Schwingung und klingt monoton. Eine Veränderung des Sprechens mit Auslassen von Silben und Beschleunigungen gegen Ende eines Satzes kommt ebenso vor wie ein charakteristisches Stottern, welches durch eine Starthemmung beim Sprechbeginn gekennzeichnet ist.

Die Stimm- und Sprechtherapie nach der LSVT®-Methode (Lee Silverman Voice Therapy) gilt als Prototyp für eine moderne wissenschaftliche Fundierung der aktivierenden Therapien überhaupt.

 

Schluckstörungen (Dysphagie) und vermehrter Speichelfluss

Schluckstörungen sind ein häufiges Symptom besonders bei den atypischen Parkinson-Syndromen. Auffällig sind bei Parkinson-Patienten in späteren Stadien die Diskrepanz zwischen dem Befund im Hals und die geringe subjektive Beeinträchtigung durch die Schluckstörung.

Das Vorkommen an „stillen“ Aspirationen (Eintreten von Nahrung und Speichel in die Lunge) ohne die typischen klinischen Zeichen wie Husten oder „nasse“ Stimme, erschwert die Diagnose.

Wegen des meist schlechten Ansprechens der Schluckstörungen auf die Parkinson-Medikation und eher die Verschlechterung durch die tiefe Hirnstimulation sowie insbesondere der schweren Lungenentzündungen bei Parkinson-Patienten kommt der Schlucktherapie eine wichtige Bedeutung zu.

Der vermehrte Speichelfluss (Hypersalivation, Sialorrhoe) entsteht durch selteneres Schlucken und nicht durch vermehrte Produktion von Speichel. Eine effektive und sichere Behandlung des lästigen Speichelfluss ist mit Botulinumtoxin-(„BOTOX“) Injektionen in die Ohrspeicheldrüse ist gesichert.

Im Vergleich zu medikamentösen Therapieansätzen sind unerwünschte Wirkungen nicht zu erwarten, außerdem ist die Therapie einfach, schnell und ohne wesentliche Beeinträchtigung des Patienten durchzuführen.

 

Depression und Ängste

Depressionen treten bei ca. 40-50% der Parkinson-Patienten auf und werden zu selten diagnostiziert. Dabei ist erstaunlich, dass die Depression die Lebensqualität der Parkinson-Patienten mindestens genauso stark verschlechtert wird wie die motorische Beeinträchtigung.

Die Beurteilung der Depression bei Parkinson-Patienten ist aber schwierig, da die für das Krankheitsbild typische Verlangsamung und die Schlafstörungen auch bei Depressiven auftreten, die ansonsten nicht an Parkinson erkrankt sind.

Häufig sind Parkinson-Patienten gar nicht richtig depressiv, sondern immer müde und apathisch, verlieren den Antrieb und die Initiative. Außerdem kommt es auch zu Stimmungsschwankungen, die annähernd parallel zu den motorischen Symptomen verlaufen.

 

Behandlungsmöglichkeit. Psychotherapie

Neben der Behandlung mit Medikamenten ist die Begleitung des Kranken bei der Bewältigung seiner körperlichen Behinderung und der Erhaltung seiner psychosozialen Kompetenz eine wesentliche Aufgabe im Rahmen einer psychotherapeutischen Einzel- und Gruppentherapie.

Soziale Kontakte sind durch Kommunikationsprobleme bei veränderter Psychomotorik häufig begleitet von Scham- und Insuffizienzgefühlen und führen zu Vermeidungsreaktionen und einem fortschreitenden sozialem Rückzug.

Ein wesentlicher Ansatz zur Behandlung dieser negativen Wechselwirkung besteht in einer situationsspezifischen, strukturierten Gruppenpsychotherapie. Eine Einzeltherapie hat vor allem nach der Diagnose-Eröffnung und bei Depressionen einen wichtigen Stellenwert.

 

Behandlungsmöglichkeit. Entspannungstechniken

Klassische Entspannungstechniken (z. B. Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen) und Körpergefühlsschulungen (z. B. Autogenes Training und Feldenkrais) in Gruppen- oder Einzelsitzungen können bei der Verbesserung der Stresstoleranz helfen sowie Schmerzen des Bewegungsapparates reduzieren.

 

Psychose, Wahn, Halluzinationen, Verwirrtheit, Demenz

Viele Parkinson-Patienten entwickeln im Langzeitverlauf (in hohem Alter, nach langer Krankheitsdauer) Halluzinationen bzw. wahnhafte Zustände, welche einerseits als unerwünschte Wirkung der Parkinson-Medikamente geschehen und andererseits als Komplikation einer Demenzentwicklung auftreten.

Bei neu aufgetretener oder Verschlechterung von schon vorbestehenden Halluzinationen bzw. wahnhaften Zuständen, Verwirrtheit, Zunahme von Schläfrigkeit muss - losgelöst von der Art des Parkinson-Syndroms- eine Reihe auslösender Ursachen ausgeschlossen und behoben werden, bevor nach Pychopharmaka gegriffen wird.

 An erster Stelle sind zu nennen:

  1. Austrocknung (zu wenig getrunken, Wasserverlust bei Hitze, Durchfall, Erbrechen…),
  2. Harnwegs- und Lungenentzündungen (Infekte), sowie
  3. Medikamente und medikamentöse Wechselwirkungen
    Deshalb ist im Verlauf eine kritische Nutzenanalyse der bestehenden Medikation vorzunehmen. „Cocktails“ aus mehreren zentral wirksamen Mitteln sind bei älteren Menschen prinzipiell ungünstig. Überdosierungen einzelner Medikamente müssen ausgeschlossen werden. Dazu kann eine Niereninsuffizienz beitragen, insbesondere bei Amantadin und Memantin, die gänzlich über die Niere ausgeschieden werden.
 

Es kann nicht genügend betont werden, das eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr bei älteren Parkinson-Patienten wesentlich ist, um Halluzinationen bzw. wahnhafte Zustände, Verwirrtheit, Zunahme von Schläfrigkeit, Demenz vorzubeugen.

Wenn keine auslösenden Ursachen wie eine Harnwegsentzündung oder eine Austrocknung (Dehydratation) gefunden wurden, muss die vorbestehende Anti-Parkinsonmedikation neu geplant werden. Es bietet sich an, zunächst die Medikamentenänderung rückgängig zu machen, an der zuletzt etwas verändert wurde.

Verhaltensprobleme sollten sofern möglich auch mit anderen Ansätzen behandelt werden als Medikamente. Ungünstige Faktoren wie Kälte, Hitze, Lärm, Vereinsamung sollten behoben werden. Programme für Angehörige im Umgang mit Demenz sind erwiesenermaßen hilfreich.

Interessant ist, dass Aroma- und Lichttherapie - wenn über einen längeren Zeitraum eingesetzt - in kontrollierten Studien ähnlich effektiv seien wie Neuroleptika.

 

Medikamentöse Behandlung der Demenz mit Rivastigmin

Rivastigmin ist bis 2008 das einzige Medikament, das für die Indikation leichte bis mittelschwere Demenz bei Patienten mit Morbus Parkinson in Europa zugelassen ist. Eine Therapie mit Rivastigmin darf nur begonnen werden, wenn eine Bezugsperson zur Verfügung steht, die regelmäßig die Medikamenteneinnahme des Patienten überwacht.

Patienten mit Halluzinationen profitieren wahrscheinlich erheblich mehr von Rivastigmin als Parkinson-Patienten mit Demenz, die nicht halluzinieren. Symptome wie Wahn, Halluzinationen, Angst, Apathie lassen sich ebenfalls positiv beeinflussen Inwieweit sich die bessere Verträglichkeit des Rivastigmin-Pflasters bei Patienten mit Alzheimer-Demenz auf die Parkinson-Patienten mit Demenz übertragen lässt, ist derzeit Untersuchungsziel einer größeren internationalen Studie.

 

Lidöffnungsprobleme und Verkrampfungen (Dystonien)

Lidöffnungsprobleme (Blepharospasmus), Verkrampfungen (Dystonien)

Häufig können Patienten mit Morbus Parkinson ihre Lider nicht oder nur schwer öffnen. Zudem treten auch Schlafstörungen und dadurch bedingt, eine große Tagesmüdigkeit auf. 

Einige Patienten mit der typischen Parkinson-Krankheit, ca. 20 % der Parkinson-Patienten nach tiefer Hirnstimulation im STN sowie viele Patienten mit einer MSA oder einer PSP Patienten weisen eine Lidöffnungshemmung auf. Sie haben Schwierigkeiten auf Aufforderung die Augen zu öffnen, wenn sie einmal zu sind. Dabei bleiben die Augenlider zu, die Brauen werden nach oben gezogen und auf der Stirn bilden sich Falten. Es sieht so aus, als versuchten die Patienten mit dem Stirnmuskel die Augen zu öffnen.

Falls Dopaminergika wie L-DOPA-Präparate oder Dopaminagonisten bei diesen Patienten eingesetzt werden, muss geachtet werden, dass diese Medikamente die Lidöffnungsprobleme auslösen bzw. verschlechtert.

Für die Lidöffnungshemmung sind Injektionen von Botulinumtoxin für die Lider hilfreich und können dieses stark behindernde Symptom - im Extremfall funktionelle Blindheit bei intaktem Sehorgan - effektiv lindern.

 

Schlafstörungen

Schlafstörungen sind eine häufige Begleiterscheinung der Parkinson-Krankheit und können viele Ursachen haben. Die Unbeweglichkeit und Steifigkeit während der Nacht kann zu Schmerzen führen. Schmerzhafte Verkrampfungen vor allen in den Füßen können frühmorgens sehr lästig sein (Off-Dystonie). 

Der Neurologe sollte sich erkundigen, ob nächtliche Schmerzen auftreten oder wie das Umdrehen im Bett gehe. Einschlafen kann durch den Tremor und ein Syndrom der inneren Unruhe (u. a. Restless-Leg- Syndrom) erschwert werden. Alles bisher sind Zeichen einer Unterdosierung mit Dopaminersatzstoffe. 

Bestimmte Antiparkinsonmittel führen allerdings besonders häufig zu Halluzinationen, mitunter können Verwirrtheitszustände auftreten. Lebhafte Träume, das Gefühl der Anwesenheit von Personen, bei Wissen das diese gar nicht da sind, stellen häufige Vorboten von besorgniserregenden richtigen Halluzinationen dar und müssen gut im Verlauf verfolgt werden.

Es ist immer die Frage zu stellen, ob Einsicht besteht oder nicht? Ferner können Dopaminersatzstoffe Überbewegungen und heftigen Zuckungen beim Einschlafen verursachen, die unter Dopaminergika-Therapie gehäuft auftreten. Der nächtliche Harndrang ist ebenfalls ein Grund für Schlafunterbrechungen. Wegen der typischerweise schlechteren Beweglichkeit während der Nacht, aufgrund der fehlenden Zufuhr von Dopaminersatstoffen, sind die Toilettengänge auch mit einem höheren Sturzrisiko vergesellschaftet. Deshalb ist es für viele Patienten eine Erleichterung eine Urinflasche oder einen Toilettenstuhl in Bettnähe zu haben.

 

Gewaltschlaf (REM-Schlaf-Verhaltensstörung)

Ein spezielles Problem ist der Gewaltschlaf, die so genannte REM-Schlaf-Verhaltensstörung, die durch Schreien, Um-sich-Schlagen, bis hin zu schlafwandlerischen Verhaltensmustern gekennzeichnet ist. Die Betroffenen sind sich des Problems gar nicht bewusst, es wird von den Ehepartnern berichtet. REM-Schlaf-Verhaltensstörung kann durch fast alle Antidepressiva, insbesondere Mirtazapin ausgelöst werden und wird meist mit Clonazepam behandelt.

 

Tagesmüdigkeit, Sekundenschlafattacken

Müdigkeit kann zum einen durch die Parkinson-Syndrome selbst verursacht sein. Für viele Patienten kann Müdigkeit, ein extrem beeinträchtigendes Symptom darstellen, in der Fachsprache wird meist dann von Fatigue gesprochen. Hier gilt es zunächst sicherzustellen, dass die Müdigkeit nicht durch die Antiparkinsonmedikamente selbst verursacht wird. Gerade die Dopaminersatzstoffe Pramipexol, Ropinerol, Rotigotin, Cabergolin können Müdigkeit bis hin zu Sekundenschlafattacken verursachen. In der Zwischenzeit wird Müdigkeit als ein derartig lästiges Symptom bei Parkinson anerkannt, dass kleinere Studien Therapieversuche mit Medikamenten wie Modafinil und Methylphenidat untersucht haben, sofern die spezifischen Parkinson-Medikamente wie Amantadin und MAO-B-Hemmer mit eher wachmachender Wirkung keine Besserung hervorrufen.

 

Impulskontrollstörungen: Hypersexualismus, Zwang, u.ä.

Impulskontrollstörungen: Hypersexualismus, Spielsucht, Kaufzwang, Missbrauch, bzw. zwanghafte Einnahme von Dopaminersatzstoffen

Impulskontrollstörungen wurden vor allem seit dem Einzug von Dopaminagonisten in die Parkinson-Therapie beschrieben. Sie treten aber auch unter der tiefen Hirnstimulation auf.

Das Problem der Dopaminagonisten ausgelösten Spielsucht ist wohl aufgrund der rechtlichen Möglichkeit, in den USA sich dann seine Spielschulden von dem jeweiligen Pharmazeutischen Unternehmen bezahlen zu lassen in die Medien geraten und in seiner Bedeutung und Häufigkeit vollkommen übertrieben worden.

Andere Impulskontrollstörungen wie Hypersexualismus, zwanghaftes Kaufen, Essen („Fressattacken“) und „Punding“ sind aber viel häufiger.

Gerade der Hypersexualismus, ein gesteigertes inadäquates sexuelles Verlangen, kann für Partnerschaften extrem belastend sein und ist durch Verringerung der Dopaminagonisten-Dosis leicht zu behandeln.

Mit „Punding“ wird ein komplexes anhaltendes, zweckloses, und stereotypes Verhalten gemeint, das mit einer zwanghaften, subjektiv zunächst nicht störender Faszination für die Durchführung stereotyper Handlungen wie Ein- und Auspacken, Aufreihen etc. einhergeht.

Der Missbrauch von L-Dopa und des kurzwirksamen Apomorphin nicht um die Beweglichkeit zu verbessern sondern um einen „Kick“ zu spüren, tritt vor allem bei jüngeren Parkinson-Patienten auf und wird als Dopamindysregulationssyndrom, und die hedonistische homeostatische Dysregulation bezeichnet.

 

Blasenstörungen, Erektionstörungen

Je nach dem, wie intensiv man Patienten befragt, sind Blasenstörungen bei Parkinson-Patienten extrem häufig (60 %).

Hauptprobleme sind der nächtliche Harndrang, ein lästiger Harndrang tagsüber sowie die erhöhte Miktionsfrequenz. Früh im Verlauf auftretende Blasen- und Erektionsstörungen sprechen allerdings eher für eine Multiple Systematrophie.

Eine ausreichende Dopaminersatztherapie ist Grundlage der Therapie. Daneben stehen für den imperativen Harndrang Anticholinergika, Alpha-Blocker bei Entleerungsstörungen, in Einzelfällen Desmopressin und Botulinumtoxin zur Verfügung. Während der Therapie mit Blasen bremsenden Mitteln sollte der Restharn nach dem Wasserlassen mit Ultraschall immer wieder bestimmt werden. Bei hohem Restharn von >100ml (unvollständige Leerung der Blase) können die Medikamente zu einem Harnverhalt führen. 

Wichtig: Die negativen Effekte der anticholinergen Blasenmedikamente auf das Denkvermögen bis hin zur Verwirrtheit und Halluzinationen stellen bei Parkinson-Patienten immer wieder ein nicht zu unterschätzendes Problem dar. Hinzu kommt die Müdigkeit, Mundtrockenheit, Verschwommensehen, Verstopfung, Wasser in den Beinen (Ödeme) sowie der plötzliche Harnverhalt.

 

Erektionstörungen

Früh im Verlauf auftretende Erektionsstörungen sprechen gegen das Vorliegen eines typischen Parkinson-Syndroms und eher für eine Multiple Systematrophie.

Erektiles Versagen kann durch Medikamente wie Sildenafil (Viagra) (50-100 mg) bei Parkinson-Patienten am besten behandelt werden, und durch intrakavernosale Injektion von Papaverin oder durch ein Penisimplantat verbessert werden.

Problematisch ist der Einsatz allerdings bei medikamentös induziertem Hypersexualismus unter Dopaminagonistentherapie. 

 

Blutdruck, Schwindel, Verstopfung, Schmerzempfinden

Niedriger Blutdruck, Schwindel (orthostatische Hypotonie)

Ein behindernder niedriger Blutdruck entwickelt sich bei etwa 30% der Patienten mit fortgeschrittenem Parkinson-Symptom und früh im Verlauf bei der Multiplen Systematrophie.

Strategien wie elastische Stützstrümpfe bzw. Strumpfhosen, salzreiche Ernährung, häufige kleine Mahlzeiten, nächtliches Hochstellen des Bettkopfendes und langsames Aufstehen aus der Sitzposition sollten versucht werden.

Wichtiger ist die Überprüfung, ob Blutdruckmedikamente, Betablocker, Diuretika und Dopaminagonisten sinnvoll eingesetzt werden. Eine Reihe von Medikamente wie stehen zur Behandlung des behindernden niedriger Blutdruck zur Verfügung.

 

Verstopfung (Obstipation)

Parkinson-Patienten leiden sehr häufig an Verstopfung. Diese geht sogar häufig um Jahre einer Parkinson-Krankheit voraus und stellt damit ein Risikofaktor für die Entwicklung eines Parkinson-Syndroms dar.

Für die Obstipation gelten neben allgemeinen Maßnahmen (viel Flüssigkeit, Kultur des Stuhlgangs, Bewegung, ausgewogene Ballastreiche Nahrung etc.) eine ausreichende Dopaminersatz-Therapie und die Vermeidung von anticholinergen Medikamenten.

Wichtig: Ballaststoffreiche Kost, Flohsamen, Leinsamen, etc. wirkt nur zusammen mit viel Wasser!

 

Schmerzen

Bei gezielter Befragung geben 40% der Parkinson-Patienten Schmerzen und Missempfindungen an. Trotz dieser Häufigkeit werden Schmerzen bei Parkinsonpatienten in der klinischen Praxis in ihrer Bedeutung weithin unterschätzt. Diffuse, tiefe, brennende Schmerzen, die schlecht zu lokalisieren sind, und im Bereich der Lendenwirbelsäule und im Gesäß auftreten, aber auch im Bereich der Brust und des Bauches, führen mitunter zu irrtümlichen Diagnosen.

Nicht selten gehört die Schmerzsymptomatik zu den Erstsymptomen und wird als orthopädische Problematik fehlgedeutet. Aber auch im weiteren Verlauf der Erkrankung können beim Parkinson-Syndrom immer wieder Schmerzen auftreten, die irrtümlicherweise nicht in Zusammenhang mit der Grunderkrankung gebracht und daher falsch behandelt werden.

 

Tiefe Hirnstimulation

Tiefe Hirnstimulation

Die Tiefe Hirnstimulation ist ein neurochirurgischer Eingriff in das Gehirn, um Krankheitssymptome zu verbessern.

Operative Therapie

 

Information: Apomorphin-Pumpentherapie

Apomorphin-Pumpentherapie

Die Apomorphin-Pumpentherapie hilft die Symptome bei fortgeschrittenem Parkinson zu mildern.

Zur Apomorphin-Pumpentherapie

 

Sozialleistungen für Parkinson-Patienten.

Menschen mit Morbus Parkinson haben als chronisch Kranke Anspruch auf verschiedene Sozialleistungen, beispielsweise die Befreiung von Zuzahlungen für Medikamente oder Heilmittel (wie Physio-, Ergo-, Sprach- und Schlucktherapie). Wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, können sie auch einen Schwerbehindertenausweis beantragen, der ebenfalls zu verschiedenen Begünstigungen berechtigt (z. B. beim Parken und bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel).

 

Bessere Therapien durch Zusammenarbeit

Gemeinsam besser werden. Das ist der Schön Klinik ein großes Anliegen. Sie hat es sich zum Ziel gemacht, die Therapien für Parkinson-Patienten zu verbessern.

Gemeinsam besser werden

 

Spezialisierte Kliniken

Unsere Spezial-Kliniken im Überblick: Diese Krankenhäuser verfügen über qualifizierte Ärzte & Therapeuten zur Behandlung der Parkinson-Krankheit.

Spezialkliniken für Parkinson

Leben mit Parkinson

Wie gestaltet sich der Alltag mit Parkinson? Reisen, Beruf, Medikation, Alltag. Tipps und praktische Übungen für zu Hause.

Parkinson - Tipps im Überblick