Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson, Parkinson-Syndrom). Diagnostik

Wie wird Parkinson festgestellt?

Es gibt keinen Blut-Test oder anderes Verfahren, mit dem die Diagnose Parkinson 100% feststeht. Die Diagnose und Unterscheidung einzelner Parkinson-Syndromen hat zunächst mit rein klinischen Mitteln zu erfolgen, d. h. der Neurologe hört sich die Beschreibung der Beschwerden des Patienten, bzw. der Angehörigen, an, und untersucht den Patienten. Man braucht einfach Erfahrung, um ein Parkinson-Syndrom richtig einordnen zu können, damit dann das Therapiekonzept stimmig ist. Nicht umsonst hat sich innerhalb der Neurologie eine Unterspezialität „Bewegungsstörungen/Parkinson“ entwickelt und entsprechenden Kliniken auf das Gebiet Parkinson spezialisiert.

Bildgebende Verfahren zur Feststellung von Parkinson

Bildgebende Verfahren des Hirns (Computertomographie, Kernspintomographie, Sonographie u. a.) haben ihre Bedeutung in erster Linie als Zusatzinformation in der Unterscheidung der verschiedenen Parkinson-Syndrome. Die Befunde der kranialen Computertomographie und der Kernspintomographie des Gehirns sind bei der typischen Parkinson-Krankheit unauffällig. Bei typischen klinischen Befund und Verlauf ist daher ein bildgebendes Verfahren wie CCT und MRT nicht zwingend erforderlich. Bei im Vordergrund imponierender Gangstörung, atypischen Symptomen und rascher Progredienz muss eine Bildgebung jedoch erfolgen

Bildgebende Verfahren - Computertomographie

Eine Computertomographie (CT) des Kopfes liefert Röntgenbilder des Gehirns, der Knochen sowie der Blutgefäße. Die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) ist das Mittel der Wahl. Das CCT ist lediglich zum Nachweis größerer struktureller Läsionen oder eines Normaldruckhydrozephalus hilfreich. Kernspintomographie

Bildgebende Verfahren - Magnetresonanz-Tomographie (MRT)

Eine weitere Möglichkeit, das Gehirn abzubilden, ist die Kernspintomographie (Magnetresonanz-Tomographie, MRT). Die Schichtaufnahmen, die durch ein starkes Magnetfeld erzeugt werden, liefern genauere Darstellungen als die Computertomographie und so lassen sich selbst kleinste Veränderungen feststellen. Es ist hilfreich zur Abgrenzung anderer Parkinson-Syndrome von der Parkinson-Krankheit.

Bildgebende Verfahren - Ultraschalluntersuchungen

Weitere Untersuchungsmethoden sind Ultraschalluntersuchungen (Doppler – Sonographie) der Blutgefäße am Hals und Kopf und neuerdings auch des Hirngewebes. Hiermit stellt der Arzt fest, ob und wie stark die Gefäße z. B. durch Arterienverkalkung verschlossen sind oder ob der Blutfluss zum Gehirn normal ist. Diese Untersuchung ist sehr hilfreich, da viele Patienten ein gefäßbedingtes Parkinson-Syndrom aufweisen, das anders zu behandeln ist. Ein bestimmtes Muster bei der Untersuchung des Hirnstamms kann in der Frühdiagnose als wertvolle Information in die Gesamtbeurteilung einfließen. Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) zeigt Veränderungen am Herzen auf, die unter Dopaminagonisten auftreten können. Bei bestimmten Parkinson-Medikamenten sind Herzultraschall-Untersuchungen (Herzecho) in jährlichen Abständen Vorschrift. Bei Ödemen (Wasseransammlung) in den Beinen sind Herzechounteruntersuchungen wesentlich, um zwischen Nebenwirkungen der Parkinson-Medikamenten und einer Herzerkrankung zu unterscheiden.

Bildgebende Verfahren - Positronenemissionstomographie (PET)

Die PET erlaubt in erster Linie im Rahmen von wissenschaftlichen Untersuchungen die präklinische Diagnose der Parkinson-Krankheit. Sie steht für eine klinische Anwendung jedoch nicht zur Verfügung. Aufgrund des hohen Aufwands (Radiochemiker vor Ort, Zyklotronanlage mit hohem Personalaufwand, rechnerintensive Datenauswertung usw.) liegen allerdings keine Daten für die Sensitivität und Spezifität für eine breite klinische Anwendung vor.

Bildgebende Verfahren - Single-Photon-Emission-Computed-Tomography

  • IBZM-SPECT
    Die Single-Photon-Emission-Computed-Tomography (SPECT) ist im Vergleich zu PET verbreiteter und nicht so aufwändig. Diese Untersuchung hat differentialdiagnostische Bedeutung bei der Abgrenzung der Parkinson-Krankheit von atypischen Parkinson-Syndromen. Leider ist der diagnostische Wert der Befunde häufig eingeschränkt, da sie im individuellen Fall keine absolute Trennschärfe für die Differentialdiagnostik der Parkinson-Syndrome besitzen. Parkinson-Medikamente müssen abhängig von ihrer Halbwertszeit bis zu 2 Wochen vor der Untersuchung abgesetzt werden.
  • DaTSCAN™
    In Europa wurde im Jahr 2000 dieses Radiopharmakon zur Differentialdiagnose von essentiellem Tremor und Parkinson-Syndromen zugelassen. Eine weitere europäische Zulassung besteht für die Unterscheidung zwischen Alzheimer- und der mit einem Parkinson-Syndrom vergesellschafteten Lewy-Body-Demenz. Hiermit lässt sich auch das präsynaptisches dopaminerge System untersuchen. Mit dem DaTSCAN™ war es in 97 % der Fälle möglich, zwischen einem Parkinson-Syndrom und dem essentiellen Tremor (ET) zu unterscheiden. Allerdings gibt es aber keine Trennschärfe für die Differenzierung unterschiedlicher Parkinson-Syndrome untereinander. Im Gegensatz zum PET ist die Sensitivität und Spezifität in Frühphasen der Erkrankung nicht untersucht. Ein Absetzten von Parkinson-Medikamenten vor der Untersuchung ist anders als beim IBZM-SPECT nicht notwendig

Neurophysiologische Untersuchungen: Untersuchung von Leitgeschwindigkeiten bestimmter Nervenbahnen

  • Evozierte Potentiale, transkranielle Magnetstimulation
    Mit evozierten Potentialen und der transkraniellen (durch den Schädel) Magnetstimulation können die Nervenbahnen untersucht werden. Beim Morbus Parkinson sind diese intakt, so dass abnormale Befunde an Parkinson-Plus Syndrome denken lassen sollten.
  • Posturographie
    Die Posturographie (Messung des Gleichgewichts beim Stehen) zusammen mit einer Ganganalyse helfen Gangstörungen und Standunsicherheit zu objektivieren. Diese Verfahren kommen bei der Differentialdiagnose zwischen "Parkinson-Syndrom-der-unteren-Körperhälfte" (frontaler Gangstörung) und Morbus Parkinson, insbesondere bei älteren Patienen, zu Nutze und sind für die Verlaufskontrolle wertvoll.
  • Elektromyographie
    Die EMG (Elektromyographie = Muskelstrommessung) spielt eine Rolle als Oberflächen-EMG (ohne Nadeln!) zur Tremordifferenzierung.
  • Elektroenzephalogie
    Die EEG (Elektroenzephalographie = Hirnstrommessungen) spielt eine Rolle, um die Hirnfunktion zu beurteilen, die Verträglichkeit von Medikamenten zu überprüfen und um Sicherzustellen, dass Medikamente keine erhöhte Anfallsbereitschaft verursachen.

Fachliche Betreuung

Ceballos-Baumann

Der Beitrag wird betreut durch

Prof. Dr. med. Andrés Ceballos-Baumann


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