Parkinson und Boxen.

Gehen Sport und Krankheit Hand in Hand?

Boxen kann eine Hirnerkrankung auslösen, das sogenannte Boxer-Parkinson.

Boxen kann eine Hirnerkrankung auslösen, das sogenannte Boxer-Parkinson.

Nach dem Tod von Profiboxer und Idol Muhammad Ali wird in den letzten Wochen wieder viel diskutiert: Wie gefährlich ist Boxen? War die Parkinsonerkrankung des Ausnahmesportlers ein Resultat seiner Boxerkarriere? War der längste Kampf des Muhammad Ali tatsächlich unumgänglich?
„Nein!“, sagt der Chefarzt der Schön Klinik München Schwabing, Professor Andrés Ceballos-Baumann. „Muhammad Ali litt an einer klassischen Parkinsonerkrankung, einem Morbus Parkinson. Er litt nicht an der Boxer-Hirnerkrankung, auch bekannt als Encephalopathia Pugilistica oder boxer's disease. Das ist etwas anderes. Was Ali passierte, hätte jeden treffen können. Es zeigen sich keine Zusammenhänge zu seiner Karriere als Profiboxer.“

 

Zwei Krankheiten – Morbus Parkinson und Boxer-Parkinson.

Neurologen unterscheiden zwischen Morbus Parkinson und dem Boxer-Parkinson.

„Boxen wird zwar mit Parkinson in Verbindung gebracht, aber es handelt sich dann um ein Syndrom, das neben dem Parkinson auch noch andere neurologische Auffälligkeiten zeigt“, erklärt Chefarzt Professor Ceballos-Baumann. Es ist also ein eigenständiges Krankheitsbild. 

 

Was ist ein Boxer-Parkinson?

Die betroffenen Boxer zeigen neurologische Auffälligkeiten, bei denen Parkinson ein Teil der Erkrankung sein kann. Hinzu kommen Koordinationsstörungen, eine typische Sprechstörung, die bei der eigentlichen Parkinsonerkrankung nicht so ausgeprägt ist und vor allen Dingen eine frühzeitige Demenz. „All diese Symptome konnte man bei Muhammad Ali nicht beobachten. Und das Zittern, das bei ihm sehr stark ausgeprägt war, das gibt es z.B. bei dem Boxer-Parkinson nicht.“ Muhammad Alis Symptome sprachen zudem auf bekannte Parkinson-Medikamente an.

 

Was passiert beim Boxen im Gehirn?

Wenn ein Mensch viele Schläge auf den Kopf bekommt, das Gehirn also chronisch erschüttert wird, kommt es im Gehirn zu Mikroblutungen, Beschleunigungstraumas und axonalen Schäden. „Hierbei reißen sozusagen einige Verkabelungen im Gehirn“, verdeutlicht Prof. Dr. Ceballos-Baumann. „Wenn ein Boxer z.B. in seiner Karriere viele K.O.s verbuchen muss, ist das Risiko hoch, dass er einen Boxer-Parkinson entwickelt.“ Trotzdem ist das Boxer-Syndrom relativ selten.

Bei einem Morbus Parkinson kommt es hingegen zu einem Untergang der vorwiegend Dopamin produzierenden Nervenzellen. Das sind also andere Prozesse, die hier im Gehirn ablaufen.

 

Der bekannteste Parkinson-Patient Muhammad Ali.

Auch wenn deutlich wird, dass der dreifache Boxweltmeister nicht unter einem Boxer-Parkinson litt – er ist und war zusammen mit Michael J. Fox der wohl berühmteste Parkinson-Patient. So riefen beide gemeinsam eine Stiftung ins Leben. „Die Parkinsonforschung, und damit alle anderen Betroffenen, haben davon sehr profitiert“, so Chefarzt Prof. Dr. Ceballos-Baumann. Eingeworbene Spenden dieser zwei bekannten Gesichter ermöglichten enorme Forschungsfortschritte und Veränderungen in der Parkinsontherapie.

„Muhammad Ali war ja auch noch im weiteren Verlauf sehr aktiv und hat sich politisch positioniert – auch das sind deutliche Anzeichen, dass seine Erkrankung mit dem Boxen nicht in Zusammenhang gebracht werden sollte. Das hätte er sonst gar nicht schaffen können.“

Muhammad Ali war ganz klar eine Ikone, innerhalb und außerhalb des Boxrings. Sein Kampf galt einer Krankheit, der er mehr als 30 Jahre die Stirn bot.

 

Unser beratender Experte

Prof. Dr. Andres Ceballos-Baumann

Chefarzt des Fachzentrums Neurologie und klinische Neurophysiologie in der Schön Klinik München Schwabing. Spezialisiert auf die Behandlung von Parkinson & Bewegungsstörungen.

Profil von Prof. Dr. Andres Ceballos-Baumann