Multiple Sklerose. Ursachen
Warum entsteht Multiple Sklerose?
Die genaue Ursache der Multiplen Sklerose ist nicht bekannt. Wahrscheinlich gibt es auch gar nicht „die“ Ursache, sondern die Erkrankung wird durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren ausgelöst. Bislang konnten mehrere solcher Risikofaktoren identifiziert werden, bei deren Vorliegen die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ein Mensch an MS erkrankt. Dabei haben sowohl Genetik als auch Umwelt einen Einfluss.
Multiple Sklerose. Genetische Veranlagung
Dass die Multiple Sklerose durch genetische Veränderungen mitbedingt ist und in einer Familie gehäuft auftreten kann, ist schon lange bekannt. Erkrankt ein eineiiger Zwilling an Multiple Sklerose, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 30 %, dass sein Zwilling ebenfalls diese Erkrankung entwickelt. Selbst bei zweieiigen Geschwistern liegt das Erkrankungsrisiko mit 2 % noch deutlich über dem von 0,1 % in der Normalbevölkerung. In jüngerer Zeit konnte speziell auf dem Chromosom 6 ein Genort identifiziert werden, der für die Steuerung von immunologischen Prozessen bedeutsam ist und an dem man Veränderungen bei Multiple Sklerose feststellen konnte.
Multiple Sklerose. Umwelteinflüsse
Auch die geographische Lage beeinflusst die Häufigkeit der Multiplen Sklerose
Andererseits ist ebenfalls schon seit vielen Jahren bekannt, dass offenbar auch bestimmte Umwelteinflüsse das Risiko für Multiple Sklerose erhöhen. Erstaunlicherweise zählen dazu auch geographische Bedingungen. Je näher ein Mensch in Richtung Äquator aufwächst, desto geringer ist sein Erkrankungsrisiko. Je weiter weg er in Richtung Nord- oder Südhalbkugel seine Kindheit verbringt, desto häufiger entwickelt er eine Multiple Sklerose. Nordeuropa und Nordamerika sind Gebiete mit der höchsten Multiple Sklerose-Erkrankungsrate. Migrationen nach der Pubertät haben nach früheren Untersuchungen jedoch keinen Einfluss mehr und man behält das Risiko der Gegend, in der man aufgewachsen ist. Neuere Studien stellen diese Altersgrenze aber in Frage. Eine Überlegung dazu ist, dass es mit der Sonneneinstrahlung in einer kritischen Prägungsphase des Immunsystems zu tun hat. Die UV-Strahlung fördert die Bildung von Vitamin D im Körper. Neuere Forschungsergebnisse belegen, dass Vitamin D nicht nur für den Knochenstoffwechsel wichtig ist, sondern auch Einfluss auf das Immunsystem hat. Tatsächlich konnte in Untersuchungen ein Zusammenhang zwischen dem Vitamin D Spiegel im Blut und dem Erkrankungsrisiko für Multiple Sklerose hergestellt werden. Je höher der Spiegel, desto geringer das Risiko.
Sind Viren die Auslöser für Multiple Sklerose?
Bestimmte Erreger erhöhen das Risiko
Das scheinbar gelegentlich epidemische Auftreten von Multiple Sklerose-Fällen hat immer wieder zu der Diskussion geführt, ob ein Zusammenhang mit bestimmten Erregern, speziell mit Viren, besteht. Beispielhaft sei die Epidemie auf den Faröer-Inseln genannt. Dort gab es keinen bekannten Fall einer Multiple Sklerose vor 1943. Dann, während der Besetzung mit britischen Truppen im zweiten Weltkrieg, traten innerhalb von 2 Jahren 21 Multiple Sklerose-Erkrankungen bei Inselbewohnern auf. Man nahm an, dass die Erkrankung durch die Truppen „eingeschleppt“ wurde. Man hat jedoch niemals belegen können, dass die Multiple Sklerose durch einen bestimmten infektiösen Erreger direkt verursacht ist. Das ist auch angesichts der derzeitigen Erkenntnisse sehr unwahrscheinlich. Aber es gibt gute Indizien dafür, dass der Kontakt mit bestimmten Erregern langfristig das Immunsystem zu selbstagressiven Verhaltensweisen veranlassen kann. So konnte in neuesten Studien gezeigt werden, dass eine Vermehrung von Antikörpern gegen das Epstein-Barr-Virus im Blut, als Hinweis auf eine frühere erfolgreiche Auseinandersetzung des Immunsystems mit diesem Erreger, mit einem bis zu 9-fach erhöhten Risiko für eine Multiple Sklerose einhergeht.
Fachliche Betreuung
Der Beitrag wird betreut durch
Dr. Mario Paulig