Multiple Sklerose (MS).

Multiple Sklerose ist eine der häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems.

Patienten mit Multiple Sklerose müssen mit neuen Situationen umgehen lernen.

Patienten mit Multiple Sklerose müssen mit neuen Situationen umgehen lernen.

Die Multiple Sklerose (MS) ist in unseren Breiten eine der häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Sie befällt überwiegend jüngere Menschen, Frauen sind doppelt so häufig betroffen als Männer, und kann zu vorübergehenden oder sogar bleibenden Behinderungen führen. Für die oft mitten im Leben stehenden Betroffenen bedeutet die Konfrontation mit der Diagnose „MS“ eine harte Herausforderung mit möglichen Konsequenzen für die berufliche Tätigkeit, für Familie und Partnerschaft, für die eigene körperlich-seelische Integrität und Unabhängigkeit.

 

Der Krankheitsverlauf einer Multiplen Sklerose kann beeinflusst werden.

Eine Heilungsmöglichkeit, in dem Sinne wie z.B. Antibiotika einen bestimmten Infekt dauerhaft ausheilen können, ist bei der Multiplen Sklerose bislang nicht bekannt. Allerdings hat sich in den letzten Jahren die Palette von Medikamenten, die den Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose günstig beeinflussen können, deutlich erweitert und etliche zusätzliche Substanzen befinden sich derzeit „in der Pipeline“, d.h. sie werden gerade in Studien erprobt und versprechen für die nahe Zukunft verbesserte Effekte. Daneben haben sich Behandlungsmethoden bewährt, die auf eine Linderung von Symptomen und eine Verbesserung der Lebensqualität abzielen. Wie bei kaum einer anderen Erkrankung haben sich auch auf verschiedenen Ebenen Selbsthilfegruppen und Verbände zusammengefunden, in Deutschland vor allem die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), die die Interessen der MS-Betroffenen politisch vertreten und auf vielfältige Weise Unterstützung leisten.

 

Die Krankheitsverläufe der Multiplen Sklerose sind unterschiedlich.

Die Diagnose Multiple Sklerose bedeutet auch keineswegs immer Behinderung. Die Krankheitsverläufe sind sehr unterschiedlich. Ein Teil der Betroffenen entwickelt nur vorübergehend Symptome und kann über Jahrzehnte hinweg ohne Beeinträchtigung in seinem gewohnten Alltag leben. Andere erleiden innerhalb von Jahren zunehmende Behinderungen bis zur Rollstuhlpflichtigkeit. Es ist bislang nicht sicher möglich, zu Beginn einer Erkrankung den genauen weiteren Verlauf vorherzusagen. Allerdings gehen derzeit verbesserte diagnostische Möglichkeiten mit der Verbesserung von Therapiemöglichkeiten Hand in Hand.

 

Multiple Sklerose. Informationen von A-Z

Information. Was ist Multiple Sklerose?

Rechts ein gesundes Gehirn, links ein Gehirn mit Multiple Sklerose

Rechts ein gesundes Gehirn, links ein Gehirn mit Multiple Sklerose

Derzeit kann noch niemand diese Frage wirklich umfassend beantworten. Aber es sind viele Details von Prozessen bekannt, die bei dieser Erkrankung ablaufen. Und man weiß einiges über Faktoren, die das Risiko erhöhen an Multiple Sklerose zu erkranken.

 

Fehlgeleitetes Immunsystem bei Multiple Sklerose

Es besteht kein Zweifel, dass zumindest ein Teil des zugrunde liegenden Krankheitsprozesses der Multiplen Sklerose, wahrscheinlich sogar der überwiegende Teil, durch eine Entzündung bedingt ist. Dabei greift das Immunsystem fehlgeleitet Anteile von eigenen Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark an (Autoimmunerkrankung). Vor allem die Myelinscheiden, die die Ummantelung der Fortsätze der Nervenzellen (Axone) bilden und dadurch die Leitfähigkeit verbessern, stehen im Visier der außer Kontrolle geratenen Entzündung. Die Abläufe dieser Entzündungsreaktion sind überaus komplex und schließen verschiedene Immunzellen (T- und B-Lymphozyten) und eine Vielzahl von Botenstoffen mit ein. Normalerweise ist das zentrale Nervensystem durch die so genannte Blut-Hirn-Schranke gegenüber Immunzellen relativ gut abgeschottet. Bei der Multiplen Sklerose kommt es jedoch zu einem zeitweisen Zusammenbruch dieser Schranke, und damit ist dem verblendeten Angriff auf die Nervenzellen Tür und Tor geöffnet.

 

Schubweiser Verlauf der Multiplen Sklerose

Kurzzeitig kann bei Multiple Sklerose z.B. eine Sehstörung auftreten

Kurzzeitig kann bei Multiple Sklerose z.B. eine Sehstörung auftreten

Für die Betroffenen kann sich das mit dem meist relativ raschen Auftreten von bestimmten neurologischen Symptomen bemerkbar machen. Man nennt das dann einen „Schub“. Je nachdem, welche Anteile von Gehirn und Rückenmark gerade entzündet sind, kann es sich z.B. um eine Lähmung, eine Sehstörung oder um einen Sensibilitätsverlust eines Körperteils handeln. Gesunde Anteile des Immunsystems registrieren jedoch, dass hier was total schief läuft. Sie versuchen die akute Entzündung einzudämmen und die Blut-Hirn-Schranke wieder abzudichten. Je nachdem, wie gut es gelingt, die Entzündung zum Abklingen zu bringen, bevor sie irreparable Schäden an den Nervenzellen angerichtet hat, können sich die Ausfälle nach einem Schub vollständig oder nur teilweise zurückbilden. Im günstigen Fall können am Zerstörungsort die schützenden Myelinscheiden wieder aufgebaut werden (Remyelinisierung), anderenfalls verbleiben Defekte mit dauerhafter Vernarbung (Gliose) oder einfach umschriebene Löcher, im Kernspin als „black holes“ bezeichnet.

 

Die Entzündung kann an anderen Stellen des Nervensystems auftreten

Damit ist die Sache aber meist nur für den Moment ausgestanden. Denn das Immunsystem hat ein ziemlich gutes Gedächtnis, in mancherlei Hinsicht ein besseres als das in unserem Gehirn. Das ist gut, damit auch noch nach langer Zeit ein ungebetener Eindringling, der schon mal versucht hat, bei uns einen Fuß in die Tür zu bekommen, rasch wiedererkannt und hochkant wieder hinausgeworfen wird. Problematisch wird es nur, wenn das Immunsystem paranoid ist und glaubt, der Eindringling sei noch im Haus. Immer wieder kommt es dann zu selbstzerstörerischen vermeintlichen Säuberungsaktionen. So kann bei der Multiplen Sklerose in unterschiedlichen zeitlichen Abständen die Entzündung an anderen Stellen des Nervensystems erneut zuschlagen. Dieses Muster, dass Gehirn und Rückenmark zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten betroffen sind, ist sehr typisch für die Multiple Sklerose. Dies geht auch in die Diagnosekriterien mit ein. Ebenso wurde der Name „Multiple Sklerose“ davon abgeleitet, dass sich schon seit langer Zeit bei der pathologischen Untersuchung an vielen (multiple) Stellen von Gehirn und Rückenmark verhärtete Vernarbungsstellen (Sklerose) feststellen ließen.

 

Sekundäre Progression bei Multipler Sklerose

85 % aller Multiple-Sklerose-Erkrankungen beginnen mit einem solchen schubartigen Verlauf mit unterschiedlich guter Rückbildung der Symptome und zwischenzeitlicher Ruhe. Nach mehreren Jahren kommt es jedoch bei der Hälfte der Patienten mit einem ursprünglich schubartigen Verlauf zu einer schleichenden Verschlechterung ohne, dass in der Regel wesentliche Verbesserungen dazwischen liegen. Das wird dann „sekundäre Progression“ genannt. 15 % der Multiple Sklerose-Betroffenen haben bereits von Beginn an einen schleichend progredienten Verlauf („primär progrediente Multiple Sklerose“) ohne erkennbare Schübe. Bei diesen Verläufen ist offenbar noch ein anderer Krankheitsprozess als die Entzündung am Werk. Es kommt zu einem fortschreitenden Untergang von Nervenzellen und ihrer Fortsätze („axonaler Verlust“). Möglicherweise wird dieser Abbauprozess bestimmter Zellen durch die ursprüngliche Entzündung angestoßen, läuft dann aber ohne sie weiter. Ganz klar ist dieser Teil der Erkrankung noch nicht. Vielleicht setzt sich das, was wir heute als Multiple Sklerose diagnostizieren, aus individuell unterschiedlichen Krankheitsabläufen zusammen, deren genauere Kenntnis uns auch in den Stand versetzen könnte, individuell gezielter zu behandeln.

 
 

Symptome. Häufige Anzeichen von Multiple Sklerose

Welche Beschwerden treten bei Multiple Sklerose auf?

Multiple Sklerose-Patienten leiden häufig unter Gleichgewichtsstörungen

Multiple Sklerose-Patienten leiden häufig unter Gleichgewichtsstörungen

Da die Multiple Sklerose wie oben ausgeführt an verschiedenen Orten von Gehirn und Rückenmark zu pathologischen Veränderungen führen kann, sind auch die Symptome sehr variabel und vielfältig. Sie können sich innerhalb von Stunden oder Tagen entwickeln und teilweise oder vollständig wieder zurückbilden, wie bei einem Schub, oder sie können sich schleichend über Wochen und Monate herausbilden. Manche Multiple Sklerose-Betroffene bemerken, dass sich bereits bestehende Symptome bei Hitze oder Erhöhung der Körpertemperatur vorübergehend verschlechtern (Uthoff Phänomen). So kann es im Rahmen von fieberhaften Infekten zu passageren Verschlechterungen kommen, die dann nicht Ausdruck eines Schubes oder eines Voranschreitens der Krankheit sind.

 

Häufige Symptome mit einem relativ spezifischen Bezug zu bestimmten Regionen des zentralen Nervensystems sind:

  • Lähmung einer Körperseite, der Extremitäten oder des Gesichts. Oft verbunden mit "spastischen" Verkrampfungen der Muskulatur.
  • Sehstörung: häufig bei Sehnerventzündung, dann ein Auge betreffend mit Schleiersehen bis zu deutlichen Beeinträchtigungen des Sehvermögens, manchmal verbunden mit bewegungsabhängigen Schmerzen hinter den Augen.
  • Empfindungsstörungen unterschiedlicher Körperregionen (Ameisenlaufen, Kribbeln, Taubheitsgefühl). Elektrisierende Missempfindungen in den Extremitäten bei Nackenbeugung (Lhermitte Zeichen).
  • Gleichgewichtsstörungen, Gangunsicherheit, Schwindelgefühl, Koordinationsstörungen einschließlich Ungeschicklichkeit beim Greifen oder Schreiben.
  • Blasen- Mastdarmstörung mit plötzlich einschießendem Urindrang, Inkontinenz oder Obstipation
  • Augenbewegungsstörungen : Doppelbilder, unwillkürliche ruckartige Augenbewegungen (Nystagmus).
  • Sprechstörung mit undeutlicher, verwaschener Sprache
  • Schluckstörung
 

Häufig treten bei Multiple Sklerose diffuse Probleme auf

Daneben kommt es bei Multiple Sklerose auch häufig zu unspezifischen bzw. diffusen Symptomen, die zu Beginn der Erkrankung auch verkannt werden können. Man sollte sich dabei aber klar machen, dass diese Probleme keineswegs nur bei Multiple Sklerose auftreten und auch in der Allgemeinbevölkerung teilweise verbreitet sind. Allerdings sollte man sie ernst nehmen und fachgerecht diagnostisch abklären. Nicht zuletzt stellen sie für die Multiple Sklerose-Betroffenen eine lange Zeit unterschätzte, erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität dar:

 
  • Fatigue: Vermehrte Erschöpfbarkeit, Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Konzentrationsschwäche, mangelnder Erholungseffekt
  • Depression: Antriebsschwäche, Lustlosigkeit, Schlafstörung, Interessensverlust, Melancholie, Selbstmordgedanken
  • Kognitive Störungen: Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme, Merkfähigkeitsstörungen, verlangsamte Reaktionen
  • Schmerzen: manchmal schwer lokalisierbar, diffus, brennend, reißend, krampfartig. Gelegentlich plötzlich einschießend, elektrisierend wie z.B. Trigeminusneuralgie.
 

Ursachen. Wie entsteht eine Multiple Sklerose?

Die genaue Ursache der Multiplen Sklerose ist nicht bekannt. Wahrscheinlich gibt es auch gar nicht „die“ Ursache, sondern die Erkrankung wird durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren ausgelöst. Bislang konnten mehrere solcher Risikofaktoren identifiziert werden, bei deren Vorliegen die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ein Mensch an Multipler Sklerose erkrankt. Dabei haben sowohl Genetik als auch Umwelt einen Einfluss.

 

Multiple Sklerose. Genetische Veranlagung

Dass die Multiple Sklerose durch genetische Veränderungen mitbedingt ist und in einer Familie gehäuft auftreten kann, ist schon lange bekannt. Erkrankt ein eineiiger Zwilling an Multiple Sklerose, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 30 %, dass sein Zwilling ebenfalls diese Erkrankung entwickelt. Selbst bei zweieiigen Geschwistern liegt das Erkrankungsrisiko mit 2 % noch deutlich über dem von 0,1 % in der Normalbevölkerung. In jüngerer Zeit konnte speziell auf dem Chromosom 6 ein Genort identifiziert werden, der für die Steuerung von immunologischen Prozessen bedeutsam ist und an dem man Veränderungen bei Multiple Sklerose feststellen konnte.

 

Multiple Sklerose. Umwelteinflüsse

Auch die geographische Lage beeinflusst die Häufigkeit der Multiplen Sklerose

Auch die geographische Lage beeinflusst die Häufigkeit der Multiplen Sklerose

Andererseits ist ebenfalls schon seit vielen Jahren bekannt, dass offenbar auch bestimmte Umwelteinflüsse das Risiko für Multiple Sklerose erhöhen. Erstaunlicherweise zählen dazu auch geographische Bedingungen. Je näher ein Mensch in Richtung Äquator aufwächst, desto geringer ist sein Erkrankungsrisiko. Je weiter weg er in Richtung Nord- oder Südhalbkugel seine Kindheit verbringt, desto häufiger entwickelt er eine Multiple Sklerose. Nordeuropa und Nordamerika sind Gebiete mit der höchsten Multiple Sklerose-Erkrankungsrate. Migrationen nach der Pubertät haben nach früheren Untersuchungen jedoch keinen Einfluss mehr und man behält das Risiko der Gegend, in der man aufgewachsen ist. Neuere Studien stellen diese Altersgrenze aber in Frage. Eine Überlegung dazu ist, dass es mit der Sonneneinstrahlung in einer kritischen Prägungsphase des Immunsystems zu tun hat. Die UV-Strahlung fördert die Bildung von Vitamin D im Körper. Neuere Forschungsergebnisse belegen, dass Vitamin D nicht nur für den Knochenstoffwechsel wichtig ist, sondern auch Einfluss auf das Immunsystem hat. Tatsächlich konnte in Untersuchungen ein Zusammenhang zwischen dem Vitamin D Spiegel im Blut und dem Erkrankungsrisiko für Multiple Sklerose hergestellt werden. Je höher der Spiegel, desto geringer das Risiko.

 

Sind Viren die Auslöser für Multiple Sklerose?

Bestimmte Erreger erhöhen das Risiko

Bestimmte Erreger erhöhen das Risiko

Das scheinbar gelegentlich epidemische Auftreten von Multiple Sklerose-Fällen hat immer wieder zu der Diskussion geführt, ob ein Zusammenhang mit bestimmten Erregern, speziell mit Viren, besteht. Beispielhaft sei die Epidemie auf den Faröer-Inseln genannt. Dort gab es keinen bekannten Fall einer Multiple Sklerose vor 1943. Dann, während der Besetzung mit britischen Truppen im zweiten Weltkrieg, traten innerhalb von 2 Jahren 21 Multiple Sklerose-Erkrankungen bei Inselbewohnern auf. Man nahm an, dass die Erkrankung durch die Truppen „eingeschleppt“ wurde. Man hat jedoch niemals belegen können, dass die Multiple Sklerose durch einen bestimmten infektiösen Erreger direkt verursacht ist. Das ist auch angesichts der derzeitigen Erkenntnisse sehr unwahrscheinlich. Aber es gibt gute Indizien dafür, dass der Kontakt mit bestimmten Erregern langfristig das Immunsystem zu selbstagressiven Verhaltensweisen veranlassen kann. So konnte in neuesten Studien gezeigt werden, dass eine Vermehrung von Antikörpern gegen das Epstein-Barr-Virus im Blut, als Hinweis auf eine frühere erfolgreiche Auseinandersetzung des Immunsystems mit diesem Erreger, mit einem bis zu 9-fach erhöhten Risiko für eine Multiple Sklerose einhergeht.

 

Multiple Sklerose & Reisen

Kann ich mit Multipler Sklerose verreisen? Darf ich mich aus meinem gewohnten Umfeld entfernen? Ein Patient & Dr. Paulig klären auf.

Multiple Sklerose & Reisen

 

Therapien

Den Betroffenen fällt mit der Zeit das Gehen schwer. Trotz aller Fortschritteist es eine nicht heilbare Krankheit.

Therapien

Sport & Multiple Sklerose

Trotz Multipler Sklerose sollte man Sport treiben, da gewisse Sportarten Symptome verbessern und Fähigkeiten erhalten können.

Alltag & Sport

 

Spezialisierte Kliniken

Unsere Spezial-Kliniken im Überblick: Diese Krankenhäuser sind auf die Behandlung von Multipler Sklerose (MS) spezialisiert.

Spezialisierte Kliniken