Demenzerkrankungen, Demenz. Therapie

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Demenz?

Das Wissen um die – wenn auch derzeit noch sehr begrenzten – Therapiemöglichkeiten demenzieller Erkrankungen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Es stehen heute eine Reihe nicht medikamentöser Behandlungsformen und neu entwickelter Arzneimittel zur Verfügung, die das Fortschreiten kognitiver Störungen verzögern und dem Verlust an Alltagskompetenz entgegenwirken. Der große Durchbruch bei der Behandlung der Demenz mit der Möglichkeit, den fortschreitenden degenerativen Prozess aufzuhalten, ist jedoch noch nicht gelungen. Bei der Therapie der Demenz lassen sich drei Bereiche unterscheiden:

  • medikamentöse Therapie
  • psychologische Interventionen
  • ökologische und soziale Interventionen.
 

Demenz. Diagnostik & Behandlung

Diagnostik. Wie wird eine Demenz festgestellt?

Ob tatsächlich eine Demenz vorliegt und was deren mögliche Ursache ist, soll am besten durch einen Neurologen, Psychiater oder Nervenarzt abgeklärt werden. Dazu wird der Patient zunächst neurologisch untersucht. Der Neurologe stellt die Ausfallserscheinungen fest, indem er unter anderem Reflexe, Koordination, Gedächtnisleistung, Sprache und Orientierung überprüft. Die kognitive Testung erfolgt oft mit kurzen standardisierten Fragebögen (DemTect, Mini-Mental-Status-Test) oder durch Neuropsychologen mittels umfangreicherer und damit auch zeitaufwändigerer Testverfahren (CERAD, ADAS).

Zusätzlich sollten das EKG, Blutuntersuchungen zur Bestimmung z.B. der Blutsalze und Leber- und Nierenfunktionsparameter erfolgen. An Spezialuntersuchungen werden die so genannten bildgebenden Verfahren, Computertomographie oder Kernspintomographie und eine Nervenwasserentnahme (Lumbalpunktion) zur Bestimmung von Entzündungswerten und bestimmten Eiweißen (Tau- und Beta-Amyloid42-Protein) vorgenommen.

 

Computertomographie/ Kernspintomographie bei Verdacht auf Demenz.

Eine Computertomographie (CT) oder die Kernspintomographie (Magnetresonanz-Tomographie, MRT) des Kopfes liefert Schichtaufnahmen des Gehirns, der Knochen sowie der Blutgefäße. Der Röntgenarzt (Radiologe) kann erkennen, ob es zu Durchblutungsstörungen (Schlaganfall) und zu einem Schwund (Atrophie) des Gehirns gekommen ist.

 

PET als Früherkennung bei Demenz.

Demenzielle Erkrankungen wie beispielsweise Alzheimer können mithilfe der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) frühzeitig erkannt werden. Bei der PET werden mittels radioaktiv markierter Substanzen, so genannter Radiotracer, bestimmte Funktionsprozesse des Gehirns dargestellt, z.B. der Stoffwechsel von Sauerstoff und Zucker. Damit lässt sich eine Reduktion der Gehirnaktivität schon zeigen, bevor die strukturelle Untersuchung eindeutig ausfällt. Ein neues Verfahren ermöglicht nun auch, die für die Alzheimer-Demenz charakteristischen Eiweißablagerungen im Gehirn, das so genannte beta-Amyloid, darzustellen. Allerdings sind diese Methoden noch nicht Bestandteil der klinischen Routine.

 

Ultraschalluntersuchungen bei Verdacht auf Demenz.

Weitere Diagnosemöglichkeiten sind Ultraschalluntersuchungen (Doppler – Sonographie) der Blutgefäße am Hals und Kopf. Hiermit stellt der Arzt fest, ob und wie stark die Gefäße z.B. durch Arterienverkalkung verschlossen sind oder ob der Blutfluss zum Gehirn normal ist. Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) zeigt Veränderungen am Herzen auf, die zur Bildung von Blutgerinnsel führen können.

 

Lumbalpunktion.

Bei einer Lumbalpunktion wird mittels einer dünnen Nadel zwischen den meist gut tastbaren Wirbelkörperdornfortsätzen im Lendenwirbelbereich eingestochen und der Nervenwasserraum punktiert. Es werden wenige Milliliter einer meist wasserklaren Flüssigkeit (Liquor) abgelassen und auf das Vorhandensein von Entzündungszellen untersucht. Weitere Parameter (z.B. Glucose, Eiweißgehalt) werden bestimmt. Zur Differenzierung verschiedener Demenzformen kann der Gehalt an dem sog. Tauprotein und dem Beta-Amyloid42-Protein herangezogen werden.

 

Therapie. Medikamentöse Behandlung bei Demenz

Das Ziel der derzeit möglichen pharmakologischen Behandlung demenzieller Erkrankungen besteht in einer Krankheitsmilderung und Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen. Charakteristisch für die Alzheimer-Demenz sind Störungen des in Verbindung mit dem Botenstoff Acetylcholin stehenden (cholinergen) Systems, die für die Entwicklung von Gedächtnis- und Lernstörungen, Konzentrationsproblemen und Störungen im Schlaf-Wach-Rhythmus verantwortlich gemacht werden.

Bei den nicht-cholinergen Therapieansätzen spielt Memantine eine wichtige Rolle. Dieses Medikament beeinflusst das Glutamat-System, das beim Entstehen von Gedächtnis eine wichtige Rolle spielt. Für Memantine, dessen Nebenwirkungsprofil als unproblematisch gilt, liegen Wirksamkeitsnachweise nicht nur bei leichten und mittleren Demenzen, sondern auch bei schweren Demenzen vor. Positive Effekte konnten auch bei vaskulären Demenzen festgestellt werden.

Umstritten: Im Rahmen physiologischer Alterungsvorgänge und bei neurodegenerativen Erkrankungen können reaktionsfreudige Formen von Sauerstoff entstehen, die sowohl erwünschte als auch unerwünschte toxische Auswirkungen auf Körpergewebe haben können. Dieser so genannte oxidative Stress kann zum Absterben von Nervenzellen beitragen. Antidementiva, die oxidativen Stress reduzieren können, sind z. B. Ginkgo biloba, Selegelin und Vitamin E. Darüber hinaus ist bei der Indikation einer Behandlung von Hirnleistungsstörungen und Demenzen eine Reihe von älteren Medikamenten zugelassen, die als Nootropika bezeichnet werden. Unter Nootropika versteht man pharmakologisch wirksame Substanzen, die höhere kortikale Funktionen verbessern sollen.

 

Medikamentöse Therapie bei Alzheimer-Demenz.

Die medikamentöse Strategie zur Behandlung kognitiver Symptome der Alzheimer-Demenz setzt an dem Mangel des Neurotransmitters Acetylcholin in der Hirnrinde und wahrscheinlich auch in den darunter liegenden Hirnregionen an. Dieses so genannte cholinerge Defizit, das eng mit dem klinischen Schweregrad der Demenz korreliert, soll durch Acetylcholinesterasehemmer verringert werden. Mit Hilfe von Medikamenten aus der Gruppe der so genannten Acetylcholinesterasehemmer ist bei einer leicht bis mittel ausgeprägten Alzheimer-Demenz eine symptomatische Besserung kognitiver Einbußen bei meist tolerablen Nebenwirkungen möglich. Auch nichtkognitive Störungen wie Depressivität, Wahnsymptome und psychomotorische Unruhe lassen sich mit diesem Medikament günstig beeinflussen.

 

Therapie. Psychologische Behandlung

Psychologische Interventionen bei Demenz.

Es gibt zahlreiche nicht medikamentöse Interventionsstrategien bei Demenz, die sich positiv auf die Krankheitsbewältigung, das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Betroffenen sowie ihrer Betreuungspersonen auswirken können. Insbesondere bei beginnender Demenz sind kognitive, verhaltensnahe und realitätsbewältigende Interventionen möglich, wie beispielsweise das verhaltenstherapeutische Kompetenztraining (VKT), die Validation, die Selbst-Erhaltungs-Therapie (SET), die biografieorientierte Erinnerungstherapie oder Musik-, Tanz- und Maltherapie. Obwohl die Wirksamkeit der nicht medikamentösen Interventionsmethoden in vielen Fällen empirisch nicht ausreichend belegt ist, gelten sie in der Praxis als überaus hilfreich und den Betroffenen zuträglich und sind somit ein unverzichtbarer Bestandteil des Behandlungsplans für Demenzkranke.

 

Ökologische und soziale Interventionen bei Demenz.

Demenzkranke sind besonders auf eine materielle Umwelt angewiesen, die sich dem jeweiligen Krankheitsverlauf anpasst und sowohl beschützenden als auch stimulierenden Charakter aufweist. Eine optimale materielle Umgebung für Demenzkranke soll:

  • übersichtlich sein und Sicherheit und Geborgenheit vermitteln
  • Funktionsfähigkeit und Kompetenzerhaltung unterstützen sowie maximale Bewegungsfreiheit gewährleisten
  • stimulierend wirken (z. B. durch eine Abgrenzung der Tages- und Therapieräume von den Fluren durch Glaswände oder sehr breite Türen, durch angenehme Düfte, anregende »Geräuschkulisse«, unterschiedliche Beschaffenheit der Tastflächen)
  • Kontinuität, Bezug zum bisherigen Lebenszusammenhang herstellen (keinen Krankenhaus- oder Institutionscharakter haben) und durch individuelles Mobiliar eine warme, häusliche Atmosphäre ausstrahlen
  • physikalische Umweltfaktoren wie Beleuchtung, Temperatur, Gerüche und Geräuschkulisse den Kranken anpassen (diffuses, schattenfreies Licht von mindestens. 500 Lux in Augenhöhe, »warme« Lichtqualität und möglichst gleichmäßige Lichtstärke in allen Räumen, Temperatur zwischen 21 und 23°C, zeitweise entsprechend ausgesuchte Hintergrundmusik, keine chaotischen, schwer lokalisierbaren Geräusche)
  • Orientierung unterstützen (z. B. Gegenstände wie Armaturen, Spiegel sollen dort angebracht werden, wo man sie erwartet – »was mechanisch plausibel ist, ist leichter benutzbar« – und den Gewohnheiten der alten Menschen entsprechen)
  • soziale Interaktionen und Besuche der Angehörigen fördern
  • Erfahrungen mit Tieren ermöglichen (z. B. Voliere in einem großen Raum)
  • Rückzugsmöglichkeiten bieten und über besondere »Ruheräume« für sehr unruhige, akut »störende« Demenzkranke verfügen.
 

Neue Betreuungsansätze bei Demenz.

Vor dem Hintergrund der wachsenden Probleme in der stationären Versorgung dementer alter Menschen wurden in jüngerer Zeit vermehrt neue Betreuungsansätze entwickelt, in denen die oben genannten Empfehlungen berücksichtigt wurden.

Kleinere, gemeindenahe und homogen belegte Versorgungseinheiten wurden eingeführt, die den Bedürfnissen von Demenzkranken besser zu entsprechen scheinen. Gleichermaßen fanden spezifische Umgangs- und Kommunikationsweisen, eine demenzgerechte Gestaltung der räumlichen Umgebung sowie spezielle organisatorische und tagesstrukturierende Maßnahmen zunehmend Eingang in die Konzepte stationärer Langzeitversorgung. Bei der Umsetzung neuer Konzepte zur Versorgung demenzkranker Heimbewohner spielen die in Hamburg gemachten Erfahrungen eine herausragende Rolle. Im Rahmen dieses Angebots gibt es die Betreuungsform:

  • nach dem Domusprinzip : ausschließlich Demenzkranke wohnen zusammen in einem Wohnbereich und werden rund um die Uhr betreut
  • nach dem Integrationsprinzip : die Demenzkranken, die zusammen mit nicht Demenzkranken wohnen, werden tagsüber gemeinsam betreut.

Das Pflegepersonal ist speziell geschult, um besser auf die Bedürfnisse von Demenzkranken eingehen zu können. Es werden Aktivitäten in kleinen Gruppen angeboten und die Heimumgebung ist den Bedürfnissen Demenzkranker angepasst.

 

Was ist die Selbsterhaltungstherapie bei Demenz?

Die Selbst-Erhaltungs-Therapie (SET) wurde Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts von Dr. Barbara Romero entwickelt. Das übergeordnete Ziel dieses Betreuungskonzepts ist die Erhaltung des personalen Selbst.

Das "Selbst" ist in diesem Zusammenhang nötig, um Informationen über die eigene Person und die Umgebung aufzunehmen, zu verarbeiten und aufrechterhalten. Es schafft die Voraussetzungen, um "Entwicklungen" von Situationen vorauszusagen, Entscheidungen zu fällen, Einstellungen und Haltungen einzunehmen und sich zu orientieren. Es ist abhängig von Selbstwert, Selbstsicherheit und Selbständigkeit der eigenen Person. Ein stabiles "Selbst" hat positiven Einfluss auf das Selbstwertgefühl und die Identität und bedingt so auch die Stimmung und das Verhalten von Menschen. Erfahrungen, die das "Selbst" verletzen (z. B. Konflikte, Misserfolge, Erlebnisarmut), lösen somit negative Gefühle (Angst, Scham, Aggression, Depression) aus, welche in störenden Verhaltensweisen (z.B. Aggressionsausbrüche, starke Unruhe, Tendenz zum Weglaufen) ihren Ausdruck finden können. Ziel der SET ist der Erhalt dieses "Selbst".

 

Inhalte und Ziele der Maßnahmen zur Selbsterhaltung.

Bewahren der Kontinuität : Zusammengefasst, bedeutet dies, "vermeidbare Veränderungen zu vermeiden" (Romero, 1998).

  • Bewahren des Identitätsgefühls: Besondere Erlebnisse wie z. B. die körperliche Erschöpfung nach einer Wanderung, der Besuch beim Friseur oder ein Geschenk fördern das Identitätsgefühl.
  • Bewahren des Kohärenzsinnes: "Kohärenzsinn" beschreibt Eigenschaften, die einen Menschen befähigen, trotz großer Belastungen psychisch gesund zu bleiben. Der Kohärenzsinn besteht aus drei Komponenten: Verstehen, Zuversicht und Sinn.
  • Bewahren des Selbst-nahen Wissens: Das Üben von biographischem, selbstbezogenem Wissen trägt zum Erhalt und zur Reaktivierung dieses Wissens bei. Das "externe Gedächtnis" wird dabei z. B. durch alte Photos, Lieder oder Gedichte ergänzt. In den Therapiesitzungen wird die demente Person erneut zum "freien Erzählen" angeregt.

Stationär wird die SET in dem 1999 gegründeten Alzheimer Therapiezentrum der Schön Klinik Bad Aibling praktiziert. Das stationäre Behandlungsprogramm erstreckt sich über vier Wochen und sieht die Aufnahme des Demenzerkrankten und der ihn betreuenden Person vor. Im Mittelpunkt der Behandlung stehen die Diagnoseüberprüfung, die medikamentöse Therapie und die SET. Hier werden täglich, innerhalb eines Zeitrahmens von fünf Stunden, Einzel- und Gruppentherapien angeboten (u. a. Therapie zur Erhaltung von biographischem Wissen, Kunsttherapie, Sport, Alltags- und Freizeitaktivitäten). Ergänzt werden diese Angebote durch Beratungsgespräche, die z. B. Themen wie die individuelle Planung der Alltagsbeschäftigungen und der Lebensgestaltung zu Hause oder die Möglichkeiten von externen Hilfen (z. B. ambulante Pflege, Tagespflegeeinrichtungen, Selbsthilfegruppen) aufgreifen.

 

Alltag, Ratgeber & Tipps

Welche Risikofaktoren sollte ich meiden? Wie gehe ich mit einem Demenz-Erkrankten um? Wir geben Tipps.

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Spezialisierte Kliniken

Diese Kliniken sind auf die Behandlung von Demenz spezialisiert.

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