Das Schnitzel wird wieder nicht in der Pfanne gebraten, sondern direkt auf der Herdplatte. Das schnurlose Telefon liegt zwischen Salatköpfen im Kühlschrank. Das Hemd – schon zum dritten Mal an diesem Tag gewechselt. Endlich 22 Uhr. Schlafen! Doch anstatt im Bett, wird das Nachtlager beharrlich auf dem Wohnzimmerteppich aufgeschlagen...
Das ist der kräftezehrende Alltag von Angehörigen, die einen Demenzkranken pflegen. Sie sind immer im Einsatz. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Oft viele Jahre lang. In solchen Situationen geraten Angehörige körperlich und seelisch an ihre Grenzen. Doch statt sich still ihrer Aufgabe zu stellen, sollten sie auch an sich selbst denken – und rechtzeitig Hilfe holen.
Pflegende müssen sich geduldig zeigen.
Betroffene verlieren Stück für Stück die Erinnerungen und damit ändert sich ihre Persönlichkeit. Für Pflegende bedeutet das Ruhe bewahren.
Wer seine demenzkranken Eltern, Geschwister oder Partner über Jahre zu Hause pflegt, muss zuschauen, wie das Haus der Erinnerung langsam niederbrennt. Balken für Balken, Zimmer für Zimmer. Stockwerk für Stockwerk. Unwiederbringlich zerstört. Das ist schwer zu ertragen. Mit dem Vergessen verändert sich die Persönlichkeit des Erkrankten, es wird immer schwieriger an ihn heranzukommen. Aus dem einst sanftmütigen Partner ist vielleicht ein unberechenbarer, zunehmend hilfloser Mensch geworden, der zwischen Aggression, Unruhe und Antriebslosigkeit schwankt. Für sein Verhalten kann der Kranke freilich nichts.
Für Pflegende aber bedeutet das: Ruhe bewahren, sich geduldig zeigen, trotzdem freundlich und zugewandt bleiben. Sie müssen also eine Haltung einnehmen, die es verlangt, möglichst über den Dingen zu stehen. Das gelingt natürlich nicht immer. In solchen Situationen wird der Wunsch übermächtig, für den sich viele Angehörige fast schämen: einmal wieder durchschlafen, ein paar Tage oder einfach mal ein paar Stunden für sich alleine haben.