Schlaganfall trifft immer häufiger auch Jüngere.

Männer besonders im mittleren Lebensalter gefährdet.

Seit zehn Jahren verschiebt sich die Alterspyramide beim Schlaganfall. Die Erkrankung nimmt bei Jüngeren zu.

Seit zehn Jahren verschiebt sich die Alterspyramide beim Schlaganfall. Die Erkrankung nimmt bei Jüngeren zu.

„Roger Cicero ist tot“ verkündeten die Medien vor wenigen Wochen. Vollkommen überraschend starb der deutsche Pop- und Jazzmusiker, als Erkennungszeichen immer mit Hut unterwegs, am 24. März an den Folgen eines Schlaganfalls – mit 45 Jahren. Ein wichtiges Blutgefäß im Gehirn verstopfte und konnte so für keine ausreichende Sauerstoffzufuhr mehr sorgen. Wenige Tage zuvor war er noch live aufgetreten. Und jetzt folgt in diesem Zusammenhang gleich die nächste Schreckensmeldung: Matthias Sammer, Ex-Bundesligaspieler und heute im Sportvorstand des FC Bayern München, leidet an einer Durchblutungsstörung des Gehirns. Auch bei ihm sind Blutgefäße im Gehirn verschlossen oder verstopft. „Es ist eine relativ häufige Diagnose“, erklärt Dr. Jürgen Herzog, Chefarzt der Schön Klinik München Schwabing. „Seit zehn Jahren verschiebt sich die Alterspyramide beim Schlaganfall. Die Erkrankung nimmt bei Jüngeren zu. Treffen kann es praktisch jeden. Auch mit 20 oder wie bei Cicero und Sammer jeweils mit Mitte 40.“

 

Kann ich dem Schlaganfall vorbeugen?

Die prominenten Beispiele machen deutlich: Niemand ist vor einem Schlaganfall gefeit. „Es ist eine Erkrankung, die brutal und plötzlich zuschlägt. Die Wenigsten sind darauf vorbereitet“, so Chefarzt Dr. Herzog. „Es ist eine Volkskrankheit, vor der wir nicht die Augen verschließen dürfen.“ Eine gesunde Lebensweise ist immer noch die beste Vorbeugung. Hierzu zählen eine vitaminreiche, fettarme Ernährung sowie regelmäßiger Sport, ausreichend Schlaf, wenig Alkohol und regelmäßige ärztliche Check-Ups.

 

Vererbung als Risikofaktor.

Doch leider lässt sich hierdurch ein Schlaganfall nicht vollkommen ausschließen. Vererbung gehört ebenfalls zu den Risikofaktoren. So ist das Risiko für einen Schlaganfall erhöht, wenn in der Familie bereits ein Schlaganfall aufgetreten ist. Auch das Geschlecht gehört zu den Risikofaktoren. Männer haben ein deutlich höheres Schlaganfall-Risiko als Frauen. Sänger Roger Cicero lebte gesund. War aktiv. Schlank. Aber bereits sein Vater starb jung an einem Schlaganfall. „Das Gemeine ist, dass man den Großteil der Risikoprobleme nicht spürt“, sagt Herzog, „man muss der Krankheit früh entgegentreten, ohne sie zuvor zu erkennen.“

 

Junge Patienten kompensieren Schlaganfall besser.

Warum immer mehr jüngere Patienten mit Schlaganfall in den Kliniken behandelt werden müssen? Hierauf wissen die Mediziner keine Antwort. „Stress ist noch rein spekulativ“, mahnt Dr. Herzog. Aber er kann auch Mut machen: Sehr häufig kommen jüngere Patienten in einem besseren, wacheren und aktiveren Ausgangszustand zu ihm in die Klinik. So kann die neurologische Frührehabilitation bei jungen Menschen früher beginnen als bei älteren. „Jüngere Patienten sind sehr viel motivierter ihre Probleme durch Training möglichst schnell wieder los zu werden.“ Jüngere Gehirne erholen sich schneller.

Mit Blick auf Fußballer Matthias Sammer glaubt Dr. Herzog ebenfalls daran, dass die Durchblutungsstörung im Gehirn komplett und folgenlos ausheilen kann. „Es ist durchaus realistisch, dass ein Patient sportlich wie beruflich wieder belastbar ist. Aber er sollte alle Maßnahmen ergreifen, dass sich so etwas nicht noch einmal ereignet.“

 

Unser beratender Experte

Dr. Jürgen Herzog

Chefarzt Neurologische Rehabilitation und Frührehabilitation, Schön Klinik München Schwabing.

Profil von Dr. Jürgen Herzog