Schädel-Hirn-Trauma. Alltag, Ratgeber & Tipps | Schaden Kopfbälle dem Gehirn?

Boxen schadet dem Gehirn, Fußball nicht.

Ein Fußballer nimmt im Laufe seiner Karriere zahlreiche Kopfbälle an, aber bleiben diese für das Gehirn folgenlos? „Wir wissen, dass es bei Profisportlern mit häufigen Kopftreffern, wie bei Boxern oder American Football-Spielern, spezifische Erkrankungen des Gehirns gibt, die durch die Erschütterungen ausgelöst werden“, erklärt Chefarzt Dr. Jürgen Herzog, Schön Klinik München Schwabing. „Als Langzeitfolge nennt man dies Chronische-Traumatische Enzephalopathie. Sie äußert sich durch eine sinkende geistige Leistungsfähigkeit, aber auch durch körperliche Folgeerkrankungen wie ein Parkinson-Syndrom." Prominentes Beispiel sei der Boxer Muhammad Ali. Kopfbälle wie beim Fußball, die man gezielt annehme, seien aber nicht mit Boxschlägen auf den Kopf zu vergleichen, so der Experte.

Der Schädel eines Erwachsenen ist stabil, im Gegensatz zu dem eines Babys.

Die neurologischen Folgen von wiederkehrenden Kopfstößen auf das Gehirn sind noch nicht abschließend erforscht. Der Experte verweist aber darauf, dass das menschliche Gehirn durchaus in der Lage sei, Erschütterungen folgenlos auszuhalten. Das ist zu Beginn des Lebens anders. So sind Babys besonders gefährdet. Schütteln kann dazu führen, dass Blutgefäße im Gehirn des Säuglings einreißen. Dann kommt es zu Hirnblutungen, die bleibende Schäden nach sich ziehen können. Im Laufe der Entwicklung verfestigen sich die Schädelknochen aber. Die Konstruktion des Schädels und die Verankerung der Blutgefäße werden stabiler.

Ein unvorbereiteter Kopftreffer kann bei einem Fußballer ein Schädel-Hirn-Trauma auslösen.

Gezieltes Training von Hals- und Rumpfmuskulatur trägt deshalb dazu bei, dass Fußballer einen Kopfball koordinierter annehmen können und gleichzeitig ihr Gehirn schützen. Anders sieht es bei einem Schuss aus, der einen Spieler unvorbereitet im Kopfbereich trifft. Früher hätte man die Folgen als Gehirnerschütterung bezeichnet. „Heute sprechen wir von einem Schädel-Hirn-Trauma mit unterschiedlichen Schweregraden“, erklärt Dr. Herzog. Ein solches Trauma werde dann diagnostiziert, wenn eine vorübergehende Bewusstlosigkeit vorliege.

 

Verschiedene Studien beschäftigen sich mit der Frage, ob Sportarten mit Körperkontakt langfristig neurologische Folgen haben. „Eine englische Langzeitstudie gibt hier eine gewisse Entwarnung“, sagt Dr. Herzog. „Wenn man Jugendliche, die Rugby oder Fußball spielen, mit anderen jungen Sportlern in „gefahrlosen“ Sportarten vergleicht, zeigen sich bei ihnen laut Studie keine vermehrten kognitiven Einschränkungen.“

Therapie

Die Behandlung des Schädel-Hirn-Traumas richtet sich nach dem Schweregrad und Verletzungsmuster.

Spezialisierte Kliniken

Unserer Kliniken verfügen über qualifizierte Ärzte und Therapeuten zur Behandlung von Schädel-Hirn-Trauma.

Fachliche Betreuung

Herzog

Der Beitrag wird betreut durch

Dr. Jürgen Herzog