Querschnittslähmung.

Ein schwerer Unfall beim Sport oder im Straßenverkehr: Sind die Nervenbahnen im Rückenmark verletzt, hat das schlimmste Auswirkungen und Folgen für die Betroffenen. Sie empfinden die Diagnose Querschnittslähmung als schweren Schock; ihr Leben verändert sich schlagartig. Nach Schätzungen der Deutschen Stiftung Querschnittslähmung (DSQ) erleiden hierzulande rund 1800 Menschen jährlich diesen Schicksalsschlag. Während die Zahl der Berufsunfälle dank der Vorsorgemaßnahmen der Berufsgenossenschaften um mehr als ein Drittel gesunken ist, steigt die Zahl der Patienten, die sich in der Freizeit das Rückenmark verletzen. Auch nichttraumatische Ursachen, etwa Tumore oder Infektionen, können das Rückenmark schädigen. Die meisten Verletzungen des Rückenmarks sind Quetschverletzungen.

 

Erste Fortschritte in der Regenerationsforschung.

Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft ist Querschnittslähmung als definitiver Rückenmarkschaden heute nicht heilbar. Allerdings machen laut DSQ erste medizinische Fortschritte auf dem Gebiet der Regenerationsforschung geschädigter Rückenmarkzellen Hoffnung. Die Lebenserwartung querschnittgelähmter Menschen ist in Europa und den USA grundsätzlich fast genauso groß wie die durchschnittliche Lebenserwartung anderer Menschen gleichen Alters.

 

Querschnittslähmung. Informationen von A-Z

Information. Was ist eine Querschnittslähmung?

Querschnitt ist die Folge von Schädigungen des Rückenmarks.

Das Rückenmark befindet sich im Wirbelkanal und ist Teil des Zentralen Nervensystems. Es leitet Informationen zwischen Gehirn und Körper weiter. Kommt es zur Beschädigung, wird die Leitung unterbrochen und kann nicht wieder hergestellt werden. Beim Ausmaß der Verletzung wird unterschieden zwischen der Paraplegie und Tetraplegie.

Paraplegie: Diese entspricht einer Schädigung im Brustwirbelbereich oder darunter und bedeutet eine Lähmung beider Beine. Man spricht auch von einem tiefen Querschnitt. Die oberen Extremitäten bleiben funktionsfähig und die Atemmuskulatur ist in den meisten Fällen nicht oder nur unwesentlich beeinträchtigt.

Tetraplegie: Hier sind sowohl Beine als auch Arm- und Armmuskulatur gelähmt, die Schädigung liegt im Bereich der Halswirbelsäule .Man spricht auch vom hohen Querschnitt. Betroffene Patienten müssen zudem künstlich beatmet werden, wenn das Rückenmark auf Höhe des vierten Halswirbels oder noch weiter oben unterbrochen ist.

 

Symptome. Anzeichen einer Querschnittslähmung

Nachhaltiges Symptom ist der Ausfall der Muskulatur in Form von Lähmungen, deren Ausmaß variiert – je nachdem, wie stark das Rückenmark geschädigt ist. Diese Lähmungen sind am Anfang des Querschnittsyndroms zunächst schwach, die Muskeln können nicht angespannt werden und die Gliedmaßen hängen schlaff herab. Eine Rückenmarksverletzung als solche schmerzt nicht. Die Schmerzen entstehen vielmehr durch gebrochene Wirbel oder Weichteilverletzungen.

 

Man unterscheidet zwischen einer unvollständigen und vollständigen Lähmung.

Bei der inkompletten Lähmung sind nicht alle Nervenbahnen betroffen. Trotz Lähmung der Muskulatur kann die Sensibilität, das heißt das gefühlsmäßige Empfinden (Schmerz-, Kälte-, Nässe oder Tasten) intakt sein und umgekehrt.

Eine komplette Lähmung liegt dann vor, wenn Patienten weder Stuhl noch Harndrang verspüren. Im Bereich der Innenseite der Oberschenkel (Reithose) ist keine Sensibilität vorhanden, und auch ein willkürliches Zusammenziehen des Analmuskels ist nicht möglich.

 

In den ersten Wochen befinden sich Betroffene in einem spinalen Schockzustand.

Sie zeichnet sich durch eine komplette schlaffe Lähmung und einem Verlust der Muskeldehnungs- und Fremdreflexe aus. Die schlaffe Lähmung kann bis zu sechs Wochen andauern und löst sich sehr langsam. Erst danach lässt sich das Ausmaß der Rückenmarksverletzung bestimmen. Wie schwer diese ist, hängt von der Höhe der Verletzung ab. Ist das Rückenmark beispielsweise oberhalb des vierten Halswirbels verletzt, kann dies die Atmung erheblich beeinträchtigen, da hier die Nerven für die Zwerchfellmuskulatur auftreten. Bei einem vollständigen Querschnittsyndrom im Bereich der Halswirbelsäule kommt es nicht nur zu einem völligen Funktionsausfall von Armen und Beinen, sondern auch zu einem vollständigen Gefühlsverlust unterhalb des verletzten Wirbelsäulenabschnittes. Der damit meist verbundene Ausfall des vegetativen Nervensystems wirkt sich in der Folge auf die Regulation des Kreislaufs und des Darmes aus. Die Harnblase ist bei Querschnitt-Gelähmten zwar in der Lage Urin zu speichern, aber nicht zu entleeren.

 

Langfristig kann es zu weiteren Komplikationen führen.

Typisch sind Druckgeschwüre als Folge von übermäßigem Druck auf die Haut. Diese wird zwischen der Unterlage und den Knochen eingeklemmt und dadurch ungenügend durchblutet. Scherkräfte und Feuchtigkeit sind wesentliche Faktoren, die die Entstehung von Druckgeschwüren

begünstigen. Es sind vor allem Körperstellen betroffen, bei denen wenig Weichteilgewebe zwischen Haut und Knochen besteht, etwa im Gesäßbereich.

Auch Spastik kommt bei vielen Betroffenen mit Querschnittsyndrom vor. Hier ist das harmonische Zusammenspiel von Beuge- und Streckmuskulatur gestört, feine Bewegungen fallen schwer oder sind unmöglich. Nach mehreren Wochen und Monaten der Rückenmarksschädigung erhöht sich zunehmend der Spannungszustand des Muskels (Muskeltonus).

 

Bei der Hälfte aller Betroffenen entstehen neuropathische Schmerzen und Osteoporose.

Neuropathische Schmerzen treten bei rund der Hälfte aller Querschnittpatienten auf. Sie empfinden dabei höchst unterschiedlich, was sich in einem brennenden, kribbelnden oder elektrisierenden Gefühl äußern kann. Wird ein Nerv verletzt oder über längere Zeit gereizt, so kann er überempfindlich reagieren. Schon die geringste Berührung verursacht dabei Schmerzen.

Aufgrund der fehlenden Bewegung und Knochenbelastung kann auch Osteoporose entstehen. Es kommt zu einem kontinuierlichen Abbau der Knochensubstanz in den ersten zwei Jahren nach dem Trauma. Rund 60 Prozent aller Betroffenen haben nach zwei Jahren eine Osteoporose, bis zu 30 Prozent erleiden eine Fraktur.

 

Ursachen. Wie entsteht eine Querschnittslähmung?

Die häuftigste Ursache ist ein Unfall.

Ein schwerer Unfall im Straßenverkehr: eine häufige Ursache der Querschnittslähmung.

Ein schwerer Unfall im Straßenverkehr: eine häufige Ursache der Querschnittslähmung.

In der Regel verursachen Frakturen der Wirbelsäule, meist infolge eines Unfalls, eine Querschnittslähmung. Dabei verschieben sich Wirbelkörper oder das Rückenmark wird gequetscht. Durch das Trauma wird eine Entzündungsreaktion in Gang gesetzt, bei der die empfindlichen Nervenzellen noch zusätzlich in Mitleidenschaft gezogen werden Außer  Wirbelkörperbrüche können auch Gewebeschwellungen und Blutergüsse zu Schäden im Rückenmark führen. Im  Verlauf wird an dieser Stelle eine Narbe gebildet, die ursprünglichen Verbindungen bleiben jedoch unterbrochen und lassen sich nicht wieder herstellen.

 

Auch Krankheiten des Rückenmarks können dazu führen.

Neben Krafteinwirkungen auf die Wirbelsäule können auch Krankheiten des Rückenmarks oder der umgebenden Strukturen indirekt zu einer Störung führen. Dazu zählen Tumorerkrankungen, Infektionen und Erkrankungen der Gefäße, zum Beispiel Schlaganfall oder Multiple Sklerose. Bei der Multiplen Sklerose greift das Immunsystem des eigenen Körpers das Rückenmark an. Eine Querschnittslähmung kann auch angeboren sein, wie bei der Spina bifida, die aus einer Fehlentwicklung des Nervensystems in der embryonalen Phase der Entwicklung des Kindes resultiert. Bei der Spina bifida ist das Rückenmark im unteren Teil des Rückenmarkkanals an der Wirbelsäule angewachsen. Diese Missbildung der Wirbelsäule führt im wachsenden Alter zu Deformitäten des Rückens und des Beckens sowie der Hüftgelenke – viele Kinder müssen später auf einen Rollstuhl zurückgreifen. Aber auch ein Bandscheibenvorfall kann das Rückenmark schädigen. Normalerweise werden durch den Druck der Bandscheibe auf das Rückenmark nur einzelne Muskeln gelähmt; im ungünstigsten Fall kann jedoch das Rückenmark zerquetscht werden.

 

Therapie

Ist das Rückenmark nicht vollständig durchtrennt, können Betroffene mit erhaltener Restfunktion die Gehfähigkeit mit dem Lokomaten trainieren.

Therapie

Alltag. Umgang & Tipps

Patienten mit einer tiefen Querschnittslähmung müssen erst lernen, sich mit Hilfe ihres Rollstuhls möglichst eigenständig fortzubewegen.

Alltag. Umgang & Tipps

 

Spezialisierte Kliniken

Diese Kliniken und qualifizierte Ärzte und Therapeuten sind auf die Behandlung von Querschnittslähmung spezialisiert.

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